Juni 1943 Lublin – Aktion Werwolf – Polen wird Judenfrei – Korruption der SS

Kundt,_Fischer,_Frank,_Wächter,_Zörner,_Wendler_Generalgouvernement(Quelle Wikipedia Schweden) Hans Franks und seine Distriktgouverneure im Generalgouvernement. v.l.n.r  Kundt, Fischer, Frank, Wächter, Zörner, ganz rechts Richard Wendler Himmlers Schwager

 Die letzten Wochen und Monate hatte es verstärkt Unruhe im Distrikt gegeben, was dazu geführt hatte, dass Hans Frank sich auf Hitlers Bitten mit Himmler trifft. Hitler vermittelte und erklärte am 19 Juni Himmler „das die Evakuierung der Juden trotz der dadurch in den nächsten 3 bis 4 Monaten noch entstehenden Unruhen radikal durchzuführen sei und durchgestanden werden müsse“ Frank beklagte in seinem Memorandum an Hitler das Chaos das durch die radikalen SS Maßnahmen im Generalgouvernement augelöst worden waren. Die schlechte Behandlung der Juden, die sich dadurch der Verhaftung entzogen hätten, sowie  die ständigen Übergriffe von Partisanen auf Volkdeutsche Ansiedler, die er vor allem der SS und deren radikalen Methoden und Vergeltungsmaßnahmen zuschrieb (wahrscheinlich Globocnik persönlich). Laut dem Historiker Sachslehner traf Himmler am 23 Juni 1943 Frank und  so scheint es musste dieser Kompromisse eingehen. Laut Überlieferung forderte Frank die Ablösung des SSPF in Lublin Odilo Globocnik sowie des Höheren SS und Polizeiführers Krüger. Diese alte Rivaltät sollte sich nun zu Hans Franks Gunsten entscheiden. In der Tat wurde (nach Einstellung der Aktion Reinhardt und Stilllegung der Vernichtungslager)  Globocnik kurz darauf als Höherer SS und Polizeiführer „Adriatisches Küstenland „ nach Italien versetzt, als auch Hsspf Krüger ab November zur 7. SS Freiwilligen Gebiergsdivision Prinz Eugen.  Am gleichen Tag den 23/24 Juni 1943 beginnt jedoch eine im deutschen Sprachraum kaum bekannte Aktion. Nachdem Himmler das Generalgouvernement zum „Bandenbekämpfungsgebiet“ erklärt hatte und mit  Hitlers Einverständnis, am 21 Juni von dem Bach Zelewski zum Chef der Bandenbekämpfung einsetzte, startete man nun die Aktion Werwolf, unter Leitung SSPF Globocniks. Die Zahlen sprechen für sich. Neben Polizei SS und deren Gehilfen zieht man etwa 10.000 Wehrmachtssoldaten im Raum Lublin zusammen. Was nun folgte waren Erschießungen polnischer Männer in weiten Teilen des Gebietes die man als Partisanen verdächtigte, radikale Deportationen und Vertreibung polnischer Familien. „rassisch Minderwertige“ deportierte man in Konzentrationslager.  Laut Globocniks Aktennotiz für Himmler vom 1 Juli 1943  –   werden dem Reich in dieser Aktion etwa 30 000 Arbeitskräfte zugeführt. Heutige Schätzungen gehen von 30.000 – 60.000 Vertriebenen in 171 Dörfern aus und dies in wenigen Wochen. Gleichzeitig deportierte man zwischen 22 und 24 Juni 1943 5000 Juden aus Sosnowitz und Bendzin nach Auschwitz, während man ab  August die letzten Ghettos Ostoberschlesiens liquidiert. Mitte August begann man das letzte große  Ghetto Bialystok zu räumen, und neuerliche Deportationen in Globocniks Distrikt,  in das Vernichtungslager Treblinka.

Korruption in der SS

Doch Globocniks Karriere in Lublin scheint nun endgültig verspielt. Seit 1940 liefen bei Himmler immer wieder Beschwerden über seinen Mann im SS District Lublin ein. Angefangen vom Reichsschatzmeister der Globocnik nachstellte wegen seiner Korruptionsaffaire als Gauleiter von Wien, bis zu seinem direkten Vorgesetzten dem Höheren SS u Polizeiführer Krüger der  wiederholt gegen Globocnik intervenierte. Die SS Gerichtsbarkeit vertreten durch Konrad Morgen hatte Ermittlungen geführt, und auch Richard Wendler Himmlers Schwager und  Distriktverwalter in Krakau der als Distriktverwalter in Lublin auf Globocniks Ablösung folgen sollte, berichtete Himmler über Lügen und Betrügereien des SS Polizeiführers. Jedoch wurde nicht nur Globocnik  von Himmler aus der Schusslinie der Korruptionsvorwürfe und Ermittlungen  genommen. Es ist bezeichnend, dass hier im gesamten Einflussgebiet der SS von Himmler neue Personalentscheidungen getroffen wurden, und auch Höss der Kommandant von Auschwitz wurde nach Oranienburg in die Verwaltung „befördert“ ( nach dem die Korruptionsermittlungen Auschwitz erreicht hatten). Schon im Oktober versuchte Himmler in seiner Posener Rede, das „Image“ seiner SS wieder herzustellen. Die unfassbare Korruption in den Konzentrationslagern konnte jedoch nie beseitigt werden.

Im November begann man die „jüdische Frage“ endgültig zu einem Abschluss zu bringen. Unter Globocniks Nachfolger als SS u Polizeiführer Lublin – Sporrenberg startete man eine schon länger geplante Aktion mit dem bezeichnenden Namen „Erntefest“. Diese Aktion sollte den großen Abschluss der ethnischen Säuberungen und „Befriedungsaktionen“ im Generalgouvernement bilden, den blutigen Abschluss kolonialer und rassischer Wahnvorstellungen.

hier weiterlesen Aktion Erntefest

QUELLEN:

1) zu Franks Memorandum, Aktion Werwolf als auch die Zahlen,  siehe Johannes Sachslehner Zwei Millionen ham ma erledigt Odilo Globocnik Biografie S 301- 303.

Leider ist Sachslehners tolles Buch ohne Quelltext ausgestattet was ein großer Schaden für das gesamte Werk ist. Im Netz ist sehr wenig bis gar nichts über diese Aktion zu finden die jedoch ein Schlüsselereignis ist – hier Wikipedia Polen die Sachslehners Zahlen bestätigen weil wie ich vermute   beide die gleiche Quelle benutzen nämlich ein polnisches Standardwerk zu diesem ThemaCzeslaw Madajczyk „Zamojszczyzna – Sonderlaboratorium SS“. Warsaw 1977. Hinweise darauf fand ich im Buch, doch kann ich es nicht mit Bestimmtheit behaupten, da jeder Quelltext fehlt –

zumindet beschreibt Sachslehner  Globocniks Aktennotiz mit persönlichen Stab Reichsführer SS 1 Juli 1943 –

AN DEN STYRIA VERLAG –

In diesem Fall muss ich die Frage stellen ob wir trotz Buchpreisbindung und einem Siegel des Verlags – Styria Premium –  nicht Anspruch auf etwas mehr Qualität des Buches haben. Der Autor dessen umfangreiche Werke ich alle besitze ist hier expliziet aus meiner Kritik ausgenommen. Es betrifft Fragen des Verlagswesen und dessen mäßige Qualität an wissenschaftlicher Auszeichnung. Schlussendlich schadet es nicht nur Sachslehners  Werk als Autor, sondern auch dem Verlag, dessen selbstverliehene „Premium“ Auszeichnung jeder Wissenschaftlichkeit entbehrt – Man merkt einmal mehr einen auferlegten Kosten und somit Zeitzwang den sich ein Verlag mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in dieser Form bzw Ergebnis nicht leisten kann. Zu Herrn Dr. Johannes  Sachslehner – falls sie dies einmal lesen. – Sie sind ein „Herzverstand aus Österreich“, ich schätze Sie und ihr Werk – Danke für alles –

 2) hier ein hervorragender Quelltext VERLAG SIEDLER als Beispiel ! Zu Hitlers Erklärung 19 Juni siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 678 er zitierte BAB NS 19/1432 Notiz Himmler vom 22 Juni 1943 über die Besprechung

3) zu den Deportationen aus Ostoberschlesien also Sosnowitz und Bendzin 22 – 24 Juni nach Auschwitz siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 686 er zitierte Steinbacher Mustertadt S300ff

4) zu Bach Zelewski und den 21 Juni 43 als Termin seiner Ernennung siehe Enzyklopädie des Nationalsozialismu S 454 unter “ Chef der Bandenbekämpfung“

5) zu Bialytok und Treblinka siehe Artikel auf Shoaportal – Ich wollte mich immer schon einmal selbst zitieren und als Quelltext verifizieren so wie mancher Historiker –

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