SS – SD

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19 Oktober 1943 – Das Ende der „AKTION REINHARD“ –

19 Oktober

Die Aktion Reinhardt ist abgeschlossen wie SS- Gruppenführer, Globocnik Himmler zu berichten weiss “Ich habe mit 19.10.43 die Aktion Reinhardt, die ich im Generalgouvernement geführt habe, abgeschlossen und alle Lager aufgelöst .”

Odilo Globocnik, kaltblütiger Karrieretypus und Massenmörder. Laut Aussagen war die Terrasse seiner Villa mit jüdischen Grabsteinen des nahegelegenen Friedhofs gepflastert.

„AKTION REINHARDT“

 Die “Aktion Reinhardt”  stellt den Abschluss der von Heydrich begonnen Aktion die im Herbst 41 eingeleitet wurde und später mit dem Befehl zum Bau der Lager, Belcek, Sobibor,  und im April mit dem Befehl zum Bau Treblinka umgesetzt wurde. Nun im Herbst 1943 fand diese ihren grauenvollen Abschluss. Diese Aktion stellt den Kern oder den eigentlichen Mittelpunkt der Vernichtung der jüdischen Menschen also des Holocausts selbst dar, auch wenn dieser, sich nicht auf die Lager der Vernichtung, und auf diesen Zeitraum der Aktion beschränkt, stellt diese Aktion doch, das Herzstück der systematischen Tötung dar. Die Aufgabe dieser Lager bestand zu Beginn der Aktion darin, während der Räumung des  Generalgouvernement und dessen Ghettos, nach Hitlers Deportationsbefehl im Herbst 1941, die jüdischen Menschen zu ermorden, Platz zu schaffen, um Hitlers Deportationsbefehl der Reichs bzw. Protektorats – Juden folge leisten zu können. Schlussendlich weitete sich diese Mordaktion auf Deportationen aus ganz Europa aus, Die Zukunft Europas ob mit oder ohne Nazideutschland sollte unter dem Gesichtspunkt dieses rassischen Weltbildes ohne diese “Untermenschentum” gesichert werden, um sämtliche vermeintlich jüdische Verschwörungen, seien sie nun kapitalistischer oder bolschewistischer „Natur“ für immer zu verbannen. Im Gegenzug versuchte man, die germanischen Werte und seine, vermeintliche ursprüngliche schöpferische Kraft, in seinem eigentlichen biologisch rassischen Sinn wieder herzustellen, und die Reinheit des Blutes für die nächsten Jahrhunderte germanischer Weltherrschaft wieder herzustellen. Im Falle der Niederlage Nazideutschlands hätte, man so den nachfolgenden Generationen den Kampf im folgenden Jahrhundert “…. wenn sie wieder aufstehen könnten “, ermöglicht und den eigentlichen Krieg gegen das ” Weltjudentum “ und den daraus entstehenden fürchterlichen Konsequenzen “…der Kampf den folgenden Generationen nicht mehr führen müssen …” die Grundlage geboten. Die Aktion Reinhardt kann auch als Übergang vom Massenmord der sich durch gezielte aber in ihrem Wesen nicht durchgeplante Massenerschießungen begann langsam in eine systematische Vernichtung der Juden verwandelte und ab einem gewissen Punkt der militärischen “Ausweglosigkeit” als einziges wirkliches Ziel der nationalsozialistischen Diktatur gesehen werden, kann, nämlich die Ermordung der Menschen so schnell wie möglich zu ihrem Abschluss zu bringen und dann die noch im deutschen Einflussgebiet stehenden Länder und der dortigen potentiellen “ jüdischen Gefahr“ sich zu entledigen. Dieser nächste Schritt der Nationalsozialisten der teils aus „transporttechnischen“ und kriegsbedingten Gründen schon in die Aktion Reinhardt fiel, sollte nun nach der “Schließung” der Lager, nach Aufständen und dem Abschluss der Deportationen aus dem Reichsgebiet von Auschwitz übernommen werden. Dieses Lager, dass sich zu unglaublichen Dimensionen entwickelt hatte und dessen Gaskammern und Krematorien zu diesem Zweck ausgebaut wurden, tritt ab nun in den Mittelpunkt der Tötungsgeschichte, und wird seinen grausamen Höhepunkt mit der Vernichtung eines großen Teils der ungarischen Juden 1944 erreichen.

Schlussendlich verbuchte Globocnik am 15.12.1943 unter dem Titel „Aktion Reinhard“ in seinem Abschlussbericht, über die an das SS-WVHA (SS Wirtschafts Verwaltungs Haupt Amt) abgelieferten Werte  fogendes. Seine Mitarbeiter Wippern und Rzepa registrierten im Rahmen der „Aktion Reinhard“ Werte in der Höhe von 178.745.960,59 RM, der Anteil an Geldmittel (Zloty und RM-Noten) betrug davon fast 74 Mill. RM, Devisen in Noten ca. 4,5 Mill. RM. An Edelmetallen wurden über 8,9 Mill. RM verbucht, an Devisen in gemünztem Gold über 1,7 Mill. RM, an Juwelen und sonstigen Werten über 43,6 Mill. RM. Der Wert der Textilien wurde mit 46 Mill. RM beziffert. Somit war diese Aktion einer der größten Enteignungs und Mordaktionen der Geschichte.

 In diesen Lagern gab es keine Selektionen, sie standen in keiner großen wirtschaftlichen Dimension wie Auschwitz, es sei denn, man berücksichtigt das jüdische Vermögen, welches man den Todgeweihten vor den Gaskammern oder nach ihrem Tod noch abgenommen hatte. Diese Zahlen allein zeigen den Umfang der Mordaktion. Die Selektionen dieser Lager fanden in den Ghettos statt,(auch wenn in den Lagern selbst vereinzelt Menschen ausgewählt wurden) in denen jene, die Arbeit hatten, längere Zeit verschont geblieben waren, andere die als “unvermittelbar” galten, in die Gaskammern geschickt wurden, aber auch viele “wertvolle Zwangsarbeiter” dem System verloren gegangen waren. Schlussendlich 1942/43 versuchte  man alle Ghettos aufzulösen und die jüdischen Menschen aus den Zwangsarbeiterprogrammen heraus zu lösen. Diese Vernichtungsaktion, stellt also in seinem Kern die rein Ideologischen Bestrebungen des NS Systems und seinem Rassenwahn dar. 1942 wurden nach heutigen Schätzungen in den Tötungslagern und im gesamten Einflussgebiet der Nazis c.a 2,7 Millionen Menschen getötet wobei etwa 200 000 nach Auschwitz kamen. Die Zahl der von Einsatzkommandos getöteten, also durch Erschießungen oder sonstige Methoden, beläuft sich ungefähr auf 850 000 Tote. Im diesem Jahr 1943 steigerte sich die Kapazität der Vernichtung vor allem auch in Auschwitz auf 250 000, wobei insgesamt schätzungsweise 500.000 Juden getötet wurden. Auschwitz trat nun an Stelle der reinen Lager der Vernichtung und mit Abschluss der Aktion Reinhardt in den Mittelpunkt.

Die Mannschaft dieses „Projektes“ bzw der Aktion Reinhardt in Lublin wurde jedoch nicht getrennt. Der Kern blieb erhalten und wurde als „Abteilung R“ in das frisch von deutschen Truppen besetzte Italien beordert. Globocnik wurde für seine „Dienste“ trotz seinem verschlechterten Verhältnis zu Himmler zum Höheren SS Polizeiführer „Adriatisches Küstenland “ befördert. Er wurde dort dem Höchsten SS und Polizeiführer Karl Wolff, Himmlers ehemaligen persönlichen Adjutanten unterstellt. Himmler hatte im Laufe der Jahre mit Globocniks radikalen Methoden im Raum Lublin Probleme. Willkürliche Arisierungen, Mord und Vertreibung hatten bei den Zivilverwaltungsstellen immer wieder für Unruhe gesorgt. Doch dies dürfte schlussendlich nicht der Grund für die Verstimmungen zwischen Globocnik und Himmler gewesen sein.  Schon Ende 1942 gab es verstärkt Spannungen, die wohl mit Globocniks Umgang mit den jüdischen Sachwerten und seiner Aufgabe der Ermordung unzähliger Menschen zu tun hatte. Zeugenaussagen berichten dass Globocnik Ende 1942 sogar seine Uniform für einige Wochen abgelegt hatte und von Verstimmungen mit Himmler berichtete. Die Korruption in Lublin blühte unter seiner Herrschaft, doch konnte Himmler auf seinen SS Polizeiführer Lublin schlussendlich nicht verzichten. Globocnik war zu tief in die Aktion Reinhardt und die Geheime Reichssache der Ermordung der jüdischen Menschen verwickelt. Nach Abschluss der „Räumung“  des Generalgouvernements, wurde Himmlers Schwager Richard Wendler in Lublin eingesetzt der gegen Globocniks Betrügereien immer wieder interveniert hatte. Globocniks Männer und Mörder des ehemaligen Euthanasienetzwerkes aus den Vernichtungslagern wurden in einem Polizeihaftlager in Triest,  Risiera di San Sabba untergebracht. Auch hier ist zumindest ein mobiler Gaswagen bekannt in dem Menschen getötet wurden.

QUELLEN:

1) siehe Schreiben Globocnik vom 4 November 1943 an Himmler. Datum zum Abschluss der Aktion Reinhardt gibt Globocnik den 19 Oktober an- siehe Schreiben auf Shoaportalvienna Archiv

2) Vorläufiger Abschlussbericht der Kasse Aktion „Reinhardt“ Lublin per 15. 12. 1943, NO-062 siehe Shoaportal Archiv

1943 Himmler eine Bilanz in Posen

HIMMLER IN POSEN BEI EINER PARADE VOR SEINER BERÜHMT-BERÜCHTIGTEN REDE IM GAUHAUS Am 4 – 6 OKTOBER

POSEN – EINE BILANZ – 4 OKTOBER

“Ich will hier vor Ihnen in aller Offenheit, auch ein ganz schweres Kapitel erwähnen. Unter uns soll es einmal ganz offen ausgesprochen sein, und trotzdem werden wir in der Öffentlichkeit nie darüber reden. Genau so wenig, wie wir am 30. Juni 1934 gezögert haben, die befohlene Pflicht zu tun und Kameraden, die sich verfehlt hatten, an die Wand zu stellen und zu erschießen, genau so wenig haben wir darüber jemals gesprochen und werden je darüber sprechen. Es war eine, Gottseidank in uns wohnende Selbst-  verständlichkeit des Taktes, dass wir uns untereinander nie darüber unterhalten haben, nie darüber sprachen. Es hat jeden geschaudert und doch war sich jeder klar darüber, dass er es das nächste Mal wieder tun würde, wenn es befohlen wird und wenn es notwendig ist. Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – “Das jüdische Volk wird ausgerottet”, sagt ein jeder Parteigenosse, “ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.” Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die Anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte, denn wir wissen, wie schwer wir uns täten, wenn wir heute noch in jeder Stadt – bei den Bombenangriffen, bei den Lasten und bei den Entbehrungen des Krieges – noch die Juden als Geheimsaboteure, Agitatoren und Hetzer hätten. Wir würden wahrscheinlich jetzt in das Stadium des Jahres 1916/17 gekommen sein, wenn die Juden noch im deutschen Volkskörper säßen. Die Reichtümer, die sie hatten, haben wir ihnen abgenommen. Ich habe einen strikten Befehl gegeben, den SS-Obergruppenführer Pohl durchgeführt hat, dass diese Reichtümer selbstverständlich restlos an das Reich abgeführt wurden. Wir haben uns nichts davon genommen. Einzelne, die sich verfehlt haben, werden gemäß einem von mir zu Anfang gegebenen Befehl bestraft, der androhte: Wer sich auch nur eine Mark davon nimmt, der ist des Todes. Eine Anzahl SS-Männer – es sind nicht sehr viele – haben sich dagegen verfehlt und sie werden des Todes sein, gnadelos. Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen. Wir haben aber nicht das Recht, uns auch nur mit einem Pelz mit einer Uhr, mit einer Mark oder mit einer Zigarette oder mit sonst etwas zu bereichern. Wir wollen nicht am Schluss, weil wir einen Bazillus ausrotteten, an dem Bazillus krank werden und sterben. Ich werde niemals zusehen, dass hier auch nur eine kleine Fäulnisstelle entsteht oder sich festsetzt. Wo sie sich bilden sollte, werden wir sie gemeinsam ausbrennen. Insgesamt aber können wir sagen, dass wir diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk erfüllt haben. Und wir haben keinen Schaden in unserem Inneren, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.”

VOLLTEXT REDE LESEN SHOAPORTAL ARCHIV

Himmler hält zwei mal seine berühmt berüchtigte Posener Rede. Am 4 Oktober ergeht seine Rede an SS Angehörige und am 6 Oktober eine leicht überarbeitete Version an Gauleiter und höchste nationalsozialistische Führer. Himmler ließ diese erste Rede auf Schallplatte aufnehmen darum ist ein Tondokument dieser Rede heute noch vorhanden, wobei von der zweiten Rede nur schriftliche Teile und nicht der Volltext erhalten ist. Die Reden die er in Posen hielt gehören zu den bekanntesten und erschreckensten Tondokumenten des NS Regimes. In unverblümter Ns Diktion spricht Himmler erstmals hier ganz offen von der Vernichtung des  Judentums und den Problemstellungen die sich aus dieser Situation für die Mordschergen ergaben. Himmler muss sich bewusst gewesen sein, dass angesichts der militärischen Katastrophalen Lage, die Niederlage des Reiches nur mehr eine Frage der Zeit sein würde. In diesem Sinn bricht Himmler ganz bewusst das Schweigen und offenbart der Welt hier eine “Rechtfertigung” dieser Geschehnisse die unverblümter kaum sein könnte. Das Schweigen dass angesichts einer deutschen Niederlage nun nicht mehr von Nöten scheint, und all die Schuldzuweisungen die innerhalb dieser Rede auch militärische “Fehlentwicklung” reflektiert, klingt nach einer Abrechnung mit gewissen ihm unliebsam gewordenen Teilen der Partei. Es ist wie ein  Testament der SS an die Nachwelt. Er schwadroniert über Tage als das Reich noch voller Kraft und Zuversicht sich als siegesbewusste Bewegung empfand. Reflektiert taktische Fehlentscheidungen, die bolschewistische Stärke und den Fall Tuchaschevsky, der heldenhafte Kampf der SS Mitte des Jahres 43 der in einer Niederlage für die deutschen endete. Das Menschenpotenzial der Sowjets und die damit zusammenhängenden stärkeren Rekrutierungen an Soldaten, die katastrophalen Nachschubbedingungen der deutschen Truppen, die SS sie sei wenigsten fehlerhaft, die Beherrschung anderer Völker welches die Deutschen auf Grund ihrer Geschichte noch nicht gelernt hätten “… in hundert Jahren aber wenn …. wir wieder aufstehen könnten…” werden es die Enkel und Urenkel besser machen. Er reflektiert auch die Idee das fehlende Menschenpotenzial an Soldaten mit russischen Soldaten aufzufüllen um sie gegen ihre eigenen Truppen zu schicken. Gegen Schluss kommt Himmler noch auf die Befehlsketten innerhalb der SS zu sprechen, fragen der Korruption, Rüstungsfragen, und die Einigkeit innerhalb der Partei,  “….wehe wenn das germanische Volk diesen Kampf nicht besteht, es wäre der Untergang allen schönen .. ” und mit der Hoffnung dass jede deutsche Generation ab nun einmal im Winter im Osten kämpfen kann, und einem Heil dem Führer der sie in die Zukunft führen wird schließt diese einige Stunden dauernde Rede Himmlers an seine SS Führer.

Gauhaus in Posen

Das Gauhaus in Posen ist heute noch Zeuge kolonialer Träume nationalsozialistischer Herrschaft, hier hielt Himmler seine Rede (Quelle: Spiegel )

Juni 1943 Lublin – Aktion Werwolf – Polen wird Judenfrei – Korruption der SS

Kundt,_Fischer,_Frank,_Wächter,_Zörner,_Wendler_Generalgouvernement(Quelle Wikipedia Schweden) Hans Franks und seine Distriktgouverneure im Generalgouvernement. v.l.n.r  Kundt, Fischer, Frank, Wächter, Zörner, ganz rechts Richard Wendler Himmlers Schwager

 Die letzten Wochen und Monate hatte es verstärkt Unruhe im Distrikt gegeben, was dazu geführt hatte, dass Hans Frank sich auf Hitlers Bitten mit Himmler trifft. Hitler vermittelte und erklärte am 19 Juni Himmler „das die Evakuierung der Juden trotz der dadurch in den nächsten 3 bis 4 Monaten noch entstehenden Unruhen radikal durchzuführen sei und durchgestanden werden müsse“ Frank beklagte in seinem Memorandum an Hitler das Chaos das durch die radikalen SS Maßnahmen im Generalgouvernement augelöst worden waren. Die schlechte Behandlung der Juden, die sich dadurch der Verhaftung entzogen hätten, sowie  die ständigen Übergriffe von Partisanen auf Volkdeutsche Ansiedler, die er vor allem der SS und deren radikalen Methoden und Vergeltungsmaßnahmen zuschrieb (wahrscheinlich Globocnik persönlich). Laut dem Historiker Sachslehner traf Himmler am 23 Juni 1943 Frank und  so scheint es musste dieser Kompromisse eingehen. Laut Überlieferung forderte Frank die Ablösung des SSPF in Lublin Odilo Globocnik sowie des Höheren SS und Polizeiführers Krüger. Diese alte Rivaltät sollte sich nun zu Hans Franks Gunsten entscheiden. In der Tat wurde (nach Einstellung der Aktion Reinhardt und Stilllegung der Vernichtungslager)  Globocnik kurz darauf als Höherer SS und Polizeiführer „Adriatisches Küstenland „ nach Italien versetzt, als auch Hsspf Krüger ab November zur 7. SS Freiwilligen Gebiergsdivision Prinz Eugen.  Am gleichen Tag den 23/24 Juni 1943 beginnt jedoch eine im deutschen Sprachraum kaum bekannte Aktion. Nachdem Himmler das Generalgouvernement zum „Bandenbekämpfungsgebiet“ erklärt hatte und mit  Hitlers Einverständnis, am 21 Juni von dem Bach Zelewski zum Chef der Bandenbekämpfung einsetzte, startete man nun die Aktion Werwolf, unter Leitung SSPF Globocniks. Die Zahlen sprechen für sich. Neben Polizei SS und deren Gehilfen zieht man etwa 10.000 Wehrmachtssoldaten im Raum Lublin zusammen. Was nun folgte waren Erschießungen polnischer Männer in weiten Teilen des Gebietes die man als Partisanen verdächtigte, radikale Deportationen und Vertreibung polnischer Familien. „rassisch Minderwertige“ deportierte man in Konzentrationslager.  Laut Globocniks Aktennotiz für Himmler vom 1 Juli 1943  –   werden dem Reich in dieser Aktion etwa 30 000 Arbeitskräfte zugeführt. Heutige Schätzungen gehen von 30.000 – 60.000 Vertriebenen in 171 Dörfern aus und dies in wenigen Wochen. Gleichzeitig deportierte man zwischen 22 und 24 Juni 1943 5000 Juden aus Sosnowitz und Bendzin nach Auschwitz, während man ab  August die letzten Ghettos Ostoberschlesiens liquidiert. Mitte August begann man das letzte große  Ghetto Bialystok zu räumen, und neuerliche Deportationen in Globocniks Distrikt,  in das Vernichtungslager Treblinka.

Korruption in der SS

Doch Globocniks Karriere in Lublin scheint nun endgültig verspielt. Seit 1940 liefen bei Himmler immer wieder Beschwerden über seinen Mann im SS District Lublin ein. Angefangen vom Reichsschatzmeister der Globocnik nachstellte wegen seiner Korruptionsaffaire als Gauleiter von Wien, bis zu seinem direkten Vorgesetzten dem Höheren SS u Polizeiführer Krüger der  wiederholt gegen Globocnik intervenierte. Die SS Gerichtsbarkeit vertreten durch Konrad Morgen hatte Ermittlungen geführt, und auch Richard Wendler Himmlers Schwager und  Distriktverwalter in Krakau der als Distriktverwalter in Lublin auf Globocniks Ablösung folgen sollte, berichtete Himmler über Lügen und Betrügereien des SS Polizeiführers. Jedoch wurde nicht nur Globocnik  von Himmler aus der Schusslinie der Korruptionsvorwürfe und Ermittlungen  genommen. Es ist bezeichnend, dass hier im gesamten Einflussgebiet der SS von Himmler neue Personalentscheidungen getroffen wurden, und auch Höss der Kommandant von Auschwitz wurde nach Oranienburg in die Verwaltung „befördert“ ( nach dem die Korruptionsermittlungen Auschwitz erreicht hatten). Schon im Oktober versuchte Himmler in seiner Posener Rede, das „Image“ seiner SS wieder herzustellen. Die unfassbare Korruption in den Konzentrationslagern konnte jedoch nie beseitigt werden.

Im November begann man die „jüdische Frage“ endgültig zu einem Abschluss zu bringen. Unter Globocniks Nachfolger als SS u Polizeiführer Lublin – Sporrenberg startete man eine schon länger geplante Aktion mit dem bezeichnenden Namen „Erntefest“. Diese Aktion sollte den großen Abschluss der ethnischen Säuberungen und „Befriedungsaktionen“ im Generalgouvernement bilden, den blutigen Abschluss kolonialer und rassischer Wahnvorstellungen.

hier weiterlesen Aktion Erntefest

QUELLEN:

1) zu Franks Memorandum, Aktion Werwolf als auch die Zahlen,  siehe Johannes Sachslehner Zwei Millionen ham ma erledigt Odilo Globocnik Biografie S 301- 303.

Leider ist Sachslehners tolles Buch ohne Quelltext ausgestattet was ein großer Schaden für das gesamte Werk ist. Im Netz ist sehr wenig bis gar nichts über diese Aktion zu finden die jedoch ein Schlüsselereignis ist – hier Wikipedia Polen die Sachslehners Zahlen bestätigen weil wie ich vermute   beide die gleiche Quelle benutzen nämlich ein polnisches Standardwerk zu diesem ThemaCzeslaw Madajczyk „Zamojszczyzna – Sonderlaboratorium SS“. Warsaw 1977. Hinweise darauf fand ich im Buch, doch kann ich es nicht mit Bestimmtheit behaupten, da jeder Quelltext fehlt –

zumindet beschreibt Sachslehner  Globocniks Aktennotiz mit persönlichen Stab Reichsführer SS 1 Juli 1943 –

AN DEN STYRIA VERLAG –

In diesem Fall muss ich die Frage stellen ob wir trotz Buchpreisbindung und einem Siegel des Verlags – Styria Premium –  nicht Anspruch auf etwas mehr Qualität des Buches haben. Der Autor dessen umfangreiche Werke ich alle besitze ist hier expliziet aus meiner Kritik ausgenommen. Es betrifft Fragen des Verlagswesen und dessen mäßige Qualität an wissenschaftlicher Auszeichnung. Schlussendlich schadet es nicht nur Sachslehners  Werk als Autor, sondern auch dem Verlag, dessen selbstverliehene „Premium“ Auszeichnung jeder Wissenschaftlichkeit entbehrt – Man merkt einmal mehr einen auferlegten Kosten und somit Zeitzwang den sich ein Verlag mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in dieser Form bzw Ergebnis nicht leisten kann. Zu Herrn Dr. Johannes  Sachslehner – falls sie dies einmal lesen. – Sie sind ein „Herzverstand aus Österreich“, ich schätze Sie und ihr Werk – Danke für alles –

 2) hier ein hervorragender Quelltext VERLAG SIEDLER als Beispiel ! Zu Hitlers Erklärung 19 Juni siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 678 er zitierte BAB NS 19/1432 Notiz Himmler vom 22 Juni 1943 über die Besprechung

3) zu den Deportationen aus Ostoberschlesien also Sosnowitz und Bendzin 22 – 24 Juni nach Auschwitz siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 686 er zitierte Steinbacher Mustertadt S300ff

4) zu Bach Zelewski und den 21 Juni 43 als Termin seiner Ernennung siehe Enzyklopädie des Nationalsozialismu S 454 unter “ Chef der Bandenbekämpfung“

5) zu Bialytok und Treblinka siehe Artikel auf Shoaportal – Ich wollte mich immer schon einmal selbst zitieren und als Quelltext verifizieren so wie mancher Historiker –

2 AUGUST TREBLINKA – AUFSTAND DER TODGEWEIHTEN – Bialystok die Räumung –

 Franz Stangl mit Kindern

 Franz Stangl Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka mit Kindern – Stangl als fleissigster aller Lagerkommandanten berühmt geworden, hatte als einziger immer eine weiße Uniform im Lager an sowie eine Reitpeitsche zur Hand.

” Als ich aus dem Fenster schaute, konnte ich einige Juden auf der anderen Seite des inneren Zaunes sehen. Die müssen vom Dach der SS-Quartiere herunter gesprungen sein. Und die haben geschossen … In einem solchen Notfall war meine erste Pflicht, den Chef der äußeren Sicherheitspolizei zu informieren. Während ich am Telefon war,  flog unsere Benzinstation in die Luft. Im nächsten Moment brannte das ganze Ghettolager, und dann kam Matthes, der Chef des Totenlagers, angerannt und berichtete, daß da oben auch alles in Flammen stünde .”

Stangl berichtete nach dem Krieg mit diesen Worten seine ersten Eindrücke der Geschehnisse in Treblinka vom 2 August 43. Stanislav Kon ein überlebender des Lagers und des Aufstandes berichtete:

“Punkt 4 Uhr Nachmittags wurde den Gruppen mitgeteilt, das sie sich unmittelbar zur Garage begeben sollten, um Waffen zu bekommen. Rodack aus Plock war für die Verteilung verantwortlich. Alle, die kamen, um Waffen zu holen mussten das Losungswort sagen :Tod -Leben, Tod -Leben … Die Worte wiederholten sich in rascher Folge und Hände streckten sich aus nach den Gewehren, Pistolen und Handgranaten. Gleichzeitig wurden die wichtigsten SS-Mörder im Lager überfallen. Der Befehlshaber Zelomir griff zwei SS-Wachen mit der Axt an und begab sich zu uns .Er übernahm das Kommando .Bei der Garage stand ein deutscher Panzerwagen. Rodak hatte rechtzeitig dafür gesorgt ,dass er nicht anspringt. Jetzt verschanzt er sich hinter ihm, als er auf die Deutschen schießt. Seine Schüsse töten Sturmführer Kurt Maidlar und einige andere von Hitlers Schweinehunden. Sodowitz Gruppe gelang es, das Waffenlager einzunehmen. Die Waffen wurden unter die Kameraden verteilt. Wir hatten jetzt 200 mit Waffen. Die anderen griffen die Deutschen mit Äxten. Spaten und Hacken an. …Die meisten von uns fielen, aber Deutsche fielen auch. Einige von uns überlebten.”

Chil Rajchmann

netzChil Rajchman berichtet in seinem Nachlass:
“ Vom Lager Nr.1 her hören wir Schüsse, das Signal für den Beginn des Aufstands. Nach ein paar Minuten bekommen wir den Befehl, die Arbeit liegen zu lassen. Jeder läuft zu seinem verabredeten Posten. Kurz darauf schlagen hohe Flammen aus den Gaskammern: sie sind angezündet worden. Der Ukrainer der neben der Baracke wache geschoben hat, liegt auf der Erde wie ein frisch geschlachtetes Schwein. Kamarad Shelo hat die Waffe an sich genommen. Aus allen Richtungen sind Schüsse zu hören. Die Ukrainer, die unsere Kameraden von den Wachtürmen heruntergelockt haben, liegen tot auf der Erde. Die zwei SS-Männer, die Baggerfahrer sind getötet worden. Wir laufen zum Zaun und rufen: Revolution! Revolution! Revolution!. Ein paar flüchtende Ukrainer werfen die Arme hoch. Wir nehmen ihnen die Waffen ab. Wir sind schon am dritten Zaun. Wir durchtrennen die Stacheldrahtzäune, einen nach dem Anderen. …Ich bin einer der Letzten. Ich bin schon draußen. Neben mir ist der Kamerad Kruk aus Plock. Er stürzt sich auf mich und schreit heraus: Kamerad wir sind frei!… Ich sehe, wie die Bauern und die Viehhüter auf den Feldern aus Angst die Flucht ergreifen. Wir haben wohl schon drei Kilometer zurückgelegt, als wir einen kleinen Wald mit jungen Bäumen erreichen. Wir sehen, dass es nutzlos ist weiterzulaufen, und verstecken uns im Gebüsch. Wir sind zwanzig. Zu viele. Wir teilen uns in zwei Gruppen und gehen etwa einhundertfünfzig Meter auseinander… Bei uns ist Masaryk, ein Neffe des ehemaligen tschechischen Präsidenten. Er hat seine Frau nach Treblinka begleitet. Als er sieht, dass die Mörder ganz nahe sind, holt er eine Rasierklinge aus der Tasche und öffnet sich die Pulsadern um nicht in die Hände der Verbrecher zu fallen. Schweigend bleiben wir liegen Wir haben Glück, sie haben uns nicht bemerkt und den Wald verlassen. Mit einem Stück Stoff binde ich Masaryk den Arm ab, das Bluten hört auf… Wir rennen ein paar hundert Meter und kommen wieder an einen Wald. Es ist Abend und es wird allmählich dunkel. In der Dämmerung laufen wir weiter, ohne zu wissen wohin. …“

Der Aufstand in Treblinka also der Aufstand gegen die Vernichtung der Menschen selbst ging am 2 August um 4 Uhr Nachmittags los. Die Arbeitskolonnen hatten sich mir Waffen ausgerüstet, doch war dieser Aufstand kein organisierter, schnell verlief alles in einem einzigen Durcheinander. Es konnten zwar viele der 700 Gefangenen fliehen die im Laufe der Zeit in diesem Lager zu Arbeiten eingesetzt wurden, doch die meisten wurden schon bald wieder ergriffen. Weniger als hundert von den 700 Gefangenen überlebten den Aufstand und den Krieg. Die Aktion Reinhardt wurde eingestellt sie stand kurz vor ihrem Abschluss, doch kann man annehmen dass Himmler unter dem Eindruck der Aufstände in diesem Jahr, die Todesfabriken doch früher liquidierte als es ursprünglich geplant war, denn 2 Wochen nach dem Aufstand in Treblinka und den Deportationen aus Bialystok stellten die Deutschen das Morden ein und begannen das Lager zu räumen. Ein weiterer Aufstand im Oktober im Vernichtungslager Sobibor sollte der am besten organisierte sein, und auch dort wurde das Lager nach dem Aufstand abgerissen.

Chil Rajchman ist einer der wenigen jüdischen Menschen, dem über Unwege die Flucht nach Warschau gelingt und dort untertauchen kann. Rajchman überlebt den Krieg und wird in den Achzigerjahren gegen Demanjuk( der heute in Deutschland wieder vor Gericht steht) aussagen. Seine Autobiografischen Auzeichnungen wurden erst nach seinem Tod 2004 veröffentlicht, sie schliessen mit den Worten:

Ja ich habe überlebt, und ich bin frei, aber wozu? Das frage ich mich oft. Um von der Ermordung von Millionen unschuldiger Opfer zu berichten, um von dem unschuldigen Blut zu zeugen, dass diese Mörder vergossen haben. Ja, ich habe überlebt, um Zeugnis abzulegen von dem Riesenschlachthof Treblinka!

16-18 AUGUST – GHETTO BIALYSTOK-TREBLINKA

Im Distrikt Bialystok gehen die Deportationen seit Ende 42 voran, und Anfang 43 versucht man den Rest Richtung Treblinka zu verschicken. Anfang Februar werden 10 000 jüdische Menschen aus diesem Distrikt in das Vernichtungslager deportiert, etwa 30 000 bleiben jedoch zurück. Dieses Ghetto war wirtschaftlich gesehen besonders aktiv und im Bereich der Dienst – leistung und Gütern für die Wehrmacht. Die Beziehungen Baraszs dem Leiter des Ghettos zur Wehrmacht und den Zivibehörden zeigen ihre Wirkung. Der Beauftragte des Leiters der Sicherheitspolizei versprach auf einer Sitzung am 19 Februar

“…..dass mit einer weiteren Aussiedlung von Juden zunächst nicht zu rechnen sei. Es würde voraussichtlich bei dem Verbleib von 30 000 Juden im Ghetto bis Kriegsende bleiben .”

Die Deutschen wissen nicht, dass sich auch in diesem Ghetto, und mit wissen Baraszs eine Widerstandsorganisation unter der Führung Mordechai Tenenbaums gebildet hatte. Himmler beschloss im Mai die endgültige Deportation aller Juden wie man auch in seinem Brief an die Wehrmacht gesehen hat. Selbst die “kriegswichtigen” Juden sollen ersetzt werden um die Endlösung der Judenfrage nun zu einem Abschluss zu bringen. Unter SSPF Globocniks Kommando bereiten die Deutschen unter strikter Geheimhaltung die Deportation der noch verbliebenen Juden vor. Szenen wie in Warschau sollen sich nicht wiederholen. Die Aktion die am 16 August startete traf das Ghetto laut Überlieferung völlig überraschend und unvorbereitet. Der größte Teil der Menschen begab sich verunsichert zu den Sammelpunkten. Doch Tenenbaums Widerstand beginnt überrascht von den deutschen Verbänden sporadische Widerstandsaktionen und kleine Gefechte. Der Widerstand bricht “unkontrolliert” schnell zusammen viele Kämpfer werden getötet, oder nehmen sich selbst das Leben. Moordechai Tenenbaums Schicksal ist nicht übermittelt, wahrscheinlich tötete er sich selbst. Der Leiter des Ghettos Baraszs wurde mit seinen Ghettobewohnern nach Treblinka gebracht es sind dies die letzten Opfer der Mordmaschinerie Treblinkas.

Nachdem man “deutsches Siedlungsgebiet” und dessen direktes Einflussgebiet weitgehenst geräumt hatte wie das Generalgouvernement, Ukraine, beginnt man nun das Reichskommissariat Ostland insbesonder Minsk, Wilna ,Riga nochmals in “Angriff” zu nehmen.

Quellen:

1) 2 August zur Aussage Stangels GITTA SERENY AM ABGRUND GESPRÄCHE mit dem HENKER FRANZ STANGL München Zürich 1997 S284, 286 zitiert aus Wolfgang Benz Der Holocaust

2) Chil Rajchmann Ich bin der letzte Jude Treblinka 1942-1943 S143-147

3)zu Bialystok  siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S557/558,

JUNI 1943 – Das Reich ist „Judenfrei“ – Warschau – Reichskommissariate –

10 JUNI

640px-Berlin_Neue_Synagoge_2005

Die wieder hergestellte Synagoge in der Oranienburgerstraße in Berlin heute. Es ist wohl der grösste Sieg über die Naziverbrecher, dass Berlin heute einer der beliebtesten Städte für junge jüdische Menschen aus Israel und der ganzen Welt ist.-

Die jüdische Gemeinde in Berlin der Oranienburger Straße 29 wird von der Gestapo aufgelöst “Die jüdische Kultusvereinigung” wird geschlossen, ihre Mitarbeiter in das Sammellager “Große Hamburgerstraße” gebracht. Am 16 Juni werden sie und andere Juden insgesamt 500 darunter 300 Kranke zum Bahnhof Putlitzstraße gebracht und in den Osten „evakuiert“. Die Reichshauptstadt und auch das Reich selbst galt somit als „judenfrei“.

11 JUNI GHETTO WARSCHAU

Warschau Ghetto Mitte_Ende 1943

Himmler befiehlt abermals “daß das Stadtgebiet des ehemaligen Ghettos restlos eingeebnet wird jeder Keller jede Kanalisation zugeschüttet wird. Nach Abschluss dieser Arbeit ist auf diese Fläche Mutterboden aufzutragen und ein großer Park anzulegen.”

19 JUNI – GENERALGOUVERNEMENT

Hitler erteilte Himmler den Befehl “dass die Evakuierung der Juden trotz der dadurch in den nächsten 4-5 Monaten noch entstehenden Unruhen radikal durchzuführen sei und durchgestanden werden müsse” Im Generalgouvernement leben nur noch etwa einige zehntausend Juden, auch diese sollen entgegen allen Bestrebungen der Rüstungsbetriebe nun deportiert oder erschossen werden. In Ergänzung erklärte man das Generalgouvernemet zum „Bandenbekämpfungsgebiet“,  erklärte also den Ausnahmezustand, was ein umfangreicheres Vorgehen ermöglichte.

21 JUNI REICHSKOMMISSARIAT-OST

Himmler befiehlt nach der Liquidierung der Ghettos in Polen, nun auch die Räumung
aller Ghettos im Gebiet “Ostland” .

1) An den Höheren SS-und Polizeiführer Ostland

2)An den Chef des Wirtschaft und Verwaltungshauptamtes.

1. Ich ordne an, daß alle im Gebiet Ostland noch in Ghettos vorhandenen Juden in Konzentrationslager zusammenzufassen sind.

2.Ich verbiete ab 1.8.1943 jedes Herausbringen von Juden aus den Konzentrationslagern zu Arbeiten.

3. In der Nähe von Riga ist ein Konzentrationslager zu erreichten, in das die ganzen Bekleidungs-und Ausrüstungsfertigungen die die Wehrmacht heute außerhalb hat, zu verlegen sind .Alle privaten Firmen sind auszuschalten Die Betriebe werden reine Konzentrationslager-Betriebe. Der Chef des Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes wolle dafür sorgen, daß durch die Umorganisation keinerlei Rückgänge in den für die Wehrmachtnotwendigen Fertigungen eintritt.

4.Ein möglichst großer Teil der männlichen Juden ist in das Konzentrationslager im Ölschiefer-Gebiet zum Ölschiefer-Abbau zu verbringen.

5.Die nicht benötigten Angehörigen der jüdischen Ghettos sind nach dem Osten zu evakuieren.
6.Termin für die Umorganisation der Konzentrationslager ist der 1.8.1943.”

Globocnik meldet Himmler den Plan das Ghetto Bialystok aufzulösen und die
Werkstätten nach Lublin zu verlegen

22 – 24 JUNI

Die SS beginnt nun mit Deportationen aus dem Raum Sosnowiecz und Bendzin nach Auschwitz. Es werden hier etwa 5000 jüdische Menschen nach Auschwitz deportiert. Bis in den August werden die Ghettos dieser Städte geräumt sein wobei es auch hier zu wirtschaftlichen Problemen kommen wird.

QUELLEN:

1) 11 JUNI es handelt sich hierbei um das Nürnberger Doc NO-2496 TRIALS OF WAR CRIMINALS BEFORE THE NURNBERG MILITÄRY TRIBUNALS UNDER CONTROL COUNCIL LAW NO 10 NÜRNBERG OCTOBER 1946-APRIL 1949 BD 5

2) 19 Juni Longerich Peter Heinrich Himmler Biografie S685/85 es handelt sich hierbei um das Dokument BAB  NS 19/1432 Notiz Himmler vom 22 Juni 1943 über die Besprechung.

3) 21 JUNI NBG DOC NO- 2403 Fotokopie Institut für Zeitgeschichte München zitiert aus ANATOMIE DES SS STAATES S624 oder Helmut Heiber Reichsführer ! Briefe an und von Himmler S215

zu Globocnik siehe Longerich Heinrich Himmler Biografie S686/ 95 aus Arad Belzec S396 The Rainhardt Action  in the Bialystok District  in Freia Anders (H.G)Bialystok in Bielefeld. Nationalsozialistische Verbrechen vor dem Landesgericht Bielefeld 1958 -1967 Bielefeld 2003 S186-208 S204

4) 22-24 Peter  Longerich Heinrich Himmler Biografie S686 zitiert nach Steinbacher Musterstadt 300ff

1943 Deportationen – Frankreich – Italien – Der Vatikan

FRANKREICH

Marseille, Gare d'Arenc. Deportation von Juden

Deportationen aus Marseille Jänner 1943 nach Himmlers Aktion in der Unterstadt (siehe Artikel auf Shoaportal drücken sie hierzu einfach oben auf die Kategorie Frankreich) Bild Bundesarchiv Berlin

Die neuen Vorgaben der Deutschen die sich nun wieder vermehrt um Deportationen aus Frankreich bemühen und nun die französischen Behörden dazu drängten die Deportationen jener Juden vorzubereiten deren Einbürgerungsdatum ab dem Jahr 1927 durchgeführt wurden, führt bei Laval und seinem Kabinettskollegen zu unterschiedlichen Reaktionen. Im Frühsommer sieht man sich noch einverstanden jedoch im August beginnt man sich gegen die Pläne der Deutschen zu richten. Man hatte Petain davon überzeugen können, dass eine Deportation französischer Staatsbürger (Juden) im Volk ( vorallem bei den Katholiken) nicht gerne gesehen würde. Auch hier will man sich wahrscheinlich nicht mehr schuldig machen, der Widerstand wächst mit jeder Woche in der die deutsche Niederlage näher rückt. Doch die Deutschen drängen weiter unbeirrt auf die Deportationen. SS Obersturmführer Kurt Röthke, der Danneckers Nachfolger geworden war löste hierzu die französischen Einheiten ab die zur Bewachung des Sammel- und Gefangenenlagers Drancy abgestellt waren, während Eichmann und Brunner der zuvor noch in Saloniki gewesen war zu seiner Unterstützung heranrückten. Man setzte die beiden jüdischen Organisationen Nord und Süd stark unter Druck (UGIF=UNION GENERALE DES ISRAELITES DE FRANCE) und schickte einige ihrer hochrangigsten Vertreter in das Gefangenenlager Drancy. An ihrer Stelle montierte man zwei willigere Personen, Georges Edinger und Juliette Stern. Im italienisch besetzten Teil Frankreichs verweigerten die italienischen Behörden weiter die Kollaboration mit den Deutschen. Während Mussolini dem deutschen Aussenminister Ribbentrop noch am 25 Februar versichert hatte die Verhaftungen würden durchgeführt, ließ man einige französische jüdische Menschen in den von Italienern kontrollierten Städten laufen. Die Zahl der französischen Juden die dort unter faschistischen Schutz lebten wird heute auf etwa 30 000 geschätzt. Mussolini versuchte weiter die Deutschen zu beschwichtigen. Nach der Besetzung Italiens jedoch begann die Jagd nach jüdischen Menschen, die sich  lange unter Italienischer Herrschaft versteckt hatten. Brunner und Röthke fuhren an die Cote d Azur,  jedoch verhafteten die Deutschen wahrscheinlich wegen fehlender Unterstützung der französischen Polizisten nur etwa 1819 jüdische Menschen. Die Deutschen jedoch versuchten weiter eine radikale Linie fortzuführen. Auf Himmlers Wunsch wird Joseph Darnand der Chef der Miliz, Bosquet als Oberhaupt der französischen Polizei ablösen. Man begnügt sich nun nach dem blockieren Petains die führenden Köpfe der französischen Judenschaft zu verhaften und zu deportieren. Mit Darnand beginnt eine radiakle Phase antijüdischer und vorallem gegen die Resistance gerichteter Terror. Die unter seiner Willkür sich formierenden “faschistische Schwarzhemden” (freiwllige Milizen), werden den Staatsterror vollenden, währen Petain als Führer und Staatsoberhaupt zu diesen Vorgehen schweigt.

ITALIEN

Der neue zweite Chef des RSHA (Reichsicherheitshauptamtes) nach  Heydrichs  ableben. Der Oberösterreicher Ernst Kaltenbrunner

Nachdem SS Obersturmführer Herbert Kappler dem Chef des SD in Rom von den zwei führenden Köpfen der römischen Judenschaft Ugo Foa und Dante Almansi 50 Kilogramm Gold erpresst hatte und versprochen hatte die Deportationen nicht durchzuführen, beginnt nach Danneckers (Sonderkommando 4BIV) Ankunft in Rom am 6 Oktober eine erste große Verhaftungswelle. Hierzu wird der Chef des Reichsicherheitshauptamtes Kaltenbrunner ein Schreiben an Oberturmbannführer Kappler in Rom richten.

“Die Vertreibung der Juden zu verschieben, bis die Carabinieri und italienischen Offiziere abtransportiert sind kann ebenso wenig in Betracht gezogen werden wie die Einberufung der Juden zum möglicherweise höchst unproduktiven Arbeitseinsatz unter italienischer Leitung. Je länger es sich hinzieht, desto mehr Juden, die ohne jeden Zweifel an Evakuierungs – maßnahmen arbeiten, bekommen die Gelegenheit, in die Häuser judenfreundlicher Italiener umzusiedeln und ganz zu verschwinden. [-Teil ist nicht entschlüsselt worden-] ist angewiesen worden, den Befehl des RFSS [Himmler] auszuführen, mit dem Abtransport der Juden ohne weitere Verzögerungen fortzufahren “

Hintergrund war ein Telegramm Generalfeldmarschall Kesselrings an Ribbentrop gewesen, geplante „Judenevakuierungen“ zunächst zurück zu stellen um „arbeitsfähige jüdische Menschen zu Befestigungsarbeiten in Rom heranzuziehen.

Am 15/16 Oktober beginnen die Verhaftungen mit Unterstützung der Wehrmacht. In Rom verhaftete man sofort etwa 1259 Menschen. Nach dem man einige Menschen aus Mischehen und auch Ausländer wieder freigelassen hatte sperrte man den Rest etwa 1007 -1080  (zu Zahlen siehe Quelltext) jüdische Menschen darunter etwa 200 Kinder in eine Militärschule worauf, man sie zwei Tag später nach Auschwitz deportierte. Die Deportationen die man nun im ganzen Land nach diesem Muster durchführte, dauerten bis Ende 1944.

Von den ca 33 000 jüdischen Menschen in den von den Nazis beherrschten Teilen Italiens überlebte schlussendlich etwa jeder fünfte – Man beziffert die Todesrate heute auf 5596 Menschen.

Schlussendlich nach den Aufständen in den Vernichtungslagern der Aktion Reinhardt (Sobibor war am 14 Oktober 43 als kurz vor der radikalen Deportation der Juden in Rom ), kamen die T4 Reinhardt Männer unter Aufsicht des zum Höheren SS und Polizeiführer „Adriatisches Küstenland“ beförderten Odilo Globocnik nach Norditalien.  Im Februar 1944 richtete man in Risiera die San Sabba ein Polizeihaftlager ein, in dem man zumindest einen mobilen Gaswagen zur Ermordung von Menschen einsetzte.

QUELLEN:

1) FRANKREICH zu Herabsetzung des Einburgerungsjahres im Verlauf der Deportationen siehe Michael Marrus / Robert O Paxton VICHY ET LES JUIFS Paris 1990 S325 zitiert aus Saul Friedländer Jahre Der Vernichtung S579 zu Kurt Röthe siehe e.b.d S580/43 zur Akzeptanz der Bevölkerung und der Kirche siehe Serge Klarsfeld Vichy Auschwitz Nördlingen 1989 aus e.b.d S580 zu Rothke und Drancy siehe Richard Cohen The Burden of Consience during the Holocaust S 91 e.b.d s580 zur Auswechslung in der UGIF Vereinigungen Nord und Süd siehe EBD S97 zitiert aus e.b.d S581 zur Freilassung der französischen Juden in der Italienischen Zone und deren Anzahl siehe SERGE KLARSFELD VICHY AUSCHWITZ S214 zitiert aus e.b.d S581

2) zu Kappler und 50 Kilo Gold siehe zb Raul Hilberg Die Vernichtung der europäischen Juden BD 2 S713 aus Katz Black Sabbath  S 79- 102 – Die Erpressung war auch im deutschen Diplomatischen Korp bekannt siehe Aussage Albert von Kessel Fall Nr 11. tr        S 9518 – die jüdischen Vertreter besuchten den Vatikan um eine Anleihe für 18 Kilo zu bekommen. Schlussendlich dürfte dies hinfällig gewesen sein, denn laut Überlieferung brachten die Gemeinde selbst als auch Italiener nicht jüdischer Abstammung in einer Spendenaktion für die jüdischen Menschen 80 Kg auf – –

3) zu Kaltenbrunner zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S590 dieser zitierte Robert Katz Rom 1943-1944 S103 aus Richard Breitmann New Sources on the Holocaust in Italy S 405f

4) Zu Kesselring Bitte an Ribbentrop siehe Telegramm Moellhaussens an Ribbentrop Nr.201 vom 7.10.1943 aus Pius XII und das Dritte Reich Eine Dokumentation Saul Friedländer S181

5) zu Zahlen der Deportationen sowie Auschwitz siehe Pius XII und das Dritte Reich Eine Dokumentation Saul Friedländer S181 vgl Raul Hilberg Die Vernichtung der europäischen Juden S714/18 gibt eine Zahl von 1007 Menschen für Auschwitz. Das Datum ist jedoch überall übereinstimmend der 18. Oktober 1943- Peter Longerich beziffert die Zahl wohlwissend einfach als mehr als tausend S 711 Heinrich Himmler Biografie. Die Gesamtzahl bis Ende des Jahres beziffert er jedoch mit 1400 wobei hier ein aussagekräftigeres Dokument zu Grunde liegt PA A Inland Hg 192 Vortragsnotiz Wagner vom 4 Dezember 1943 gedr. in ADAP Serie E Bd 7. S 111

6) die Gesamtzahlen stammen  aus Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 712  er zitierte die Berechnung aus  Fargion Italien S 215 ff

7) zu Risiera  di San Sabba siehe  Sara Berger Experten der Vernichtung  S289

Mai 1943 – Warschauer Ghetto – Jürgen Stroop – Judenfrage

” 2. LIQUIDIERUNG DES WARTSCHAUER GHETTOS, ALS DESSEN FOLGE MINDESTENS 56 056 PERSONEN ERMORDET UND WEITERE ZEHNTAUSENDE JUDEN UMS LEBEN GEKOMMEN WAREN…..”

Punkt 2 aus der Anklage gegen Jürgen Stroop 1951 in Polen

-Am 16 Mai 1943 endete der Warschauer Widerstand, der grösste Aufstand jüdischer Menschen im Dritten Reich –

Der verantwortliche SS – Offizier Jürgen Stroop meldete in seinem Abschlussbericht
“…ES GIBT KEINEN JÜDISCHEN BEZIRK IN WARSCHAU MEHR… “ DAS ZEIGEN UNS AUCH DIE FOTOS DIE HEUTE NOCH EXISTIEREN


MAI 1943

Nach den Erlebnissen im Warschauer Ghetto verschärfen die Nationalsozialisten nun alle Vorgehensweisen gegenüber den jüdischen Menschen. Man beginnt nun systematisch alle Ghettos aufzulösen. Auch kriegswichtige Produktionen müssen endgültig, ihre jüdischen Arbeiter hergeben. Dies schließt einen Prozess ab der schon vor der Wannseekonferenz begonnen hatte, in dem die jüdischen Räte auf Grund der Produktivität ihres Ghettos das Leben der Menschen zu sichern versuchten, später in der Wannseekonferenz Heydrich diesen Gedanken der “produktiven Juden” übernommen hatte und nun 1943 dieser Prozess angesichts der militärischen Lage und des jüdischen Widerstandes sich zu einem radikalen Ende neigt.

Wie man jedoch nachvollziehen kann, ist die Auflösung der Ghettos kein Prozess der in einem direkten Verhältnis zu den Widerständen innerhalb des Ghettos steht, sondern die letzte Konsequenz der zu Ende geführten “Aktion Reinhardt”.  Wie in den ersten Monaten 1943 ersichtlich, sind es vor allem das Generalgouvernement und die Ukraine in welchen man nun die breit verstreuten Ghettos, oder Arbeitslager auflöst oder in Konzentrationslager umwandelt. Es sind die letzten Schritte des von Heydrich indizierten Plans des “Endlösung.” Der mutige Widerstand im Ghetto Warschau und in anderen Ghettos und Vernichtungslagern der nun entstand oder noch aufblühte war eine Reaktion der jüdischen Bevölkerung auf diese Tatsache der endgültigen Verschickung und Ermordung der letzten jüdischem Menschen, die zu einer Radikalisierung der Maßnahmen auf Seiten der Nazideutschen führt. Im Ghetto musste Himmler immer wieder mit ihm unliebsamen Verwaltungsstellen des NS Regimes und auch der Wehrmacht kooperieren. Dies ist sichtlich auch ein weiterer Grund warum Himmler die noch verbleibenden Ghettos wenn nicht liquidiert und die Menschen gleich tötet,  in Konzentrationslager umwandeln wollte. SSPF Katzmann wird im Mai die Liquidierung der Ghettos im Distrikt Gallizien befehlen

Etwa 80 000 jüdische Menschen werden diesen Befehl zum Opfer fallen. Die SS wird mit äußerster Brutalität diesen Befehl folge leisten. Auch das Generalgouvernement und der Warthegau (bis auf LODZ, Theresienstadt) wird in diesem Jahr 43 als “judenfrei” gelten, wie auch das Großreich selbst.

Am 21 Mai befahl er sämtliche Juden aus dem Reichsgebiet und Protektorat bis spätetens 30 Juni in den Osten zu evakuieren. Damit hatte Himmler bis Ende des Jahres 43 den ersten Schritt der “Endlösung der Judenfrage” durchgeführt. Die Aktion Reinhardt galt somit als abgeschlossen. Nun werden sich die Mordschergen vermehrt an die “Peripherie” des Reiches heranwagen und die europäischen Länder im Einflussgebiet des Reiches zu neuerlichen Deportationen drängen, um die europäische Judenfrage endgültig zu einem Ende zu bringen. Hier wird Auschwitz- Birkenau- Monovice in den Mittelpunkt des Vernichtungsbetriebes treten.

1 MAI
Göbbels Tagebuch,

netz

“Die Berichte aus den besetzten Gebieten bringen nichts sensationell neues. Bemerkenswert sind nur außerordentlich scharfe Kämpfe in Warschau zwischen unserer Polizei, zum Teil sogar unserer Wehrmacht, und den rebellierenden Juden Die Juden haben es doch tatsächlich fertiggebracht, das Ghetto in Verteidigungszustand zu setzen. Es spielen sich dort sehr harte Kämpfe ab, die sogar dazu führen, daß die jüdische Oberleitung tägliche Heeresberichte heraus gibt. Allerdings wird der Spaß wahrscheinlich nicht lange dauern, man sieht aber daran wessen man sich Seitens der Juden zu gewärtigen hat, wenn sie in Besitze von Waffen sind. Leider besitzen sie auch zum Teil gute deutsche Waffen, vor allem Maschinengewehre. Weiß der Himmel, wie sie daran gekommen sind .”

16 MAI

SS Brigardeführer Stroop meldet das Ende der Großaktion im Ghetto Warschau mit
den schriftlichen Worten:

“Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr” Symbolisch wird um 20 Uhr 15 des selben Tages die Warschauer große Synagoge gesprengt. Weiters berichtet er dass im Zuge der Räumung 15 Deutsche getötet wurden etwa 90 verwundet von den 56 065 insgesamt erfassten Juden seien ca 7000 im Zuge der Großaktion im jüdischen Wohnbezirk selbst getötet worden, so dass die Zahl der insgesamt getöteten sich auf 13 929 sich belaufe. Über die Zahl von 56 065 hinaus seien ungefähr 5000-6000 Juden bei Sprengungen und durch Feuer vernichtet worden.

21 MAI

Himmler befiehlt, sämtliche Juden des Reichsgebiets einschließlich des Protektorats seien bis 30 Juni “nach dem Osten” bzw nach Theresienstadt zu deportieren.

31 MAI

Im Generalgouvernement wird ein Sitzung mit hochrangigen Naziführern einberufen um die Sicherheitssituation zu besprechen. Der Stellvertreter Franks meint bei dieser Sitzung es geht um die Räumung des Ghettos “….sei übrigens sehr schwierig gewesen. Der Verlust an Polizeikräften habe 15 Tote und 88 verletzte betragen. Man habe festgestellt,… daß Jüdinnen mit der Waffe in der Hand bis zum letzten gegen die Männer der Waffen -SS und Polizei gekämpft hätten.”

Quellen:

1) zb Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S684- 688 besitzt den besten Überblick über die radikalen Geschehnisse in diesen Monaten (sehr zu empfehlen) – zu Katzmann. zu seinem Befehl siehe S683 zu 21 Mai siehe S686.

2) 16 Mai zu Stroops Bericht NÜRNBERG DOC 1061-PS DER PROZEß GEGEN DIE HAUBTKRIEGSVERBRECHER VOR DEM INTERNATIONALEN MILITÄRGERICHTSHOF AMTLICHER TEXT DEUTSCHE AUSGABE BD 26 URKUNDEN UND ANDERES BEWEISMATERIAL NR 405-PS BIS NR 1063(d)- PS,NÜRNBERG 1947 S628, 641 DIE ZAHL DER GETÖTETEN DEUTSCHEN IST WAHRSCHEINLICH HÖHER ALS HIER ANGEGEBEN

3) 31 Mai HANS FRANK DIENSTTAGEBUCH

KRIEGSVERBRECHEN, POLITISCH, RASSISCHE SÄUBERUNGEN 3 März Barbarossa

 

Hitler sendet an das OKW (Oberste Kommando des Heeres) die “Feldrichtlinien” des Ostfeldzuges mit dem Zusatz. “Die jüdisch bolschewistische Intelligenz als bisheriger Unterdrücker, muss beseitigt werden” zurück. Daraus ergehen nun diverse Befehle, die Generaloberst Brauchitsch der Oberbefehlshaber des Heeres am 28 April erlässt. “Die Einsatzgruppen [SS, SD] bzw. Kommandos sind berechtigt, im Rahmen ihres Auftrags in eigener Verantwortung Exekutionsmaßnahmen gegenüber der Zivilbevölkerung zu treffen”. Um sich diesen unmilitärischen (Kriegsverbrechen) Weisungen von Fall zu Fall entziehen zu können und bei militärischen Operationen nicht gestört zu werden, intervenierten einige Generäle bei Hitler um im Ernstfall selbst entscheiden zu können, verlangten sie von Hitler bindende Weisungen an die Truppen der SS und des SD ausgeben zu können. Die Wehrmacht sieht sich als einzige bewaffnete reguläre Armee Nazideutschland und somit als höchste weisungsberechtigte Instanz, nicht nur in militärischen Dingen, sondern in allen Dingen eines Feldzuges und eines Kriegsschauplatzes. Schlussendlich bekam die Wehrmacht die Kontrolle im militärischen Operationsgebieten die ausgehend von der Frontlinie sich bis 200 km ins Hinterland erstreckte und in der sie die uneingeschränkte Weisungsfreiheit über die Einsatzkommandos der SS und des SD bekam. Himmlers Einfluss wächst jedoch mit jeder Stunde an dem der rassisch ideologische Krieg der NSDAP in den Vordergrund rückt. So versucht die Wehrmacht nicht in Verbindung gebracht zu werden mit “Massenexekutionen”. Trotzdem haben die Generäle von ihrer bindenden Weisungsmöglichkeit gegenüber den SS und SD Einsatzgruppen selten Gebrauch gemacht, sondern lediglich von Fall zu Fall gebeten “daß Exekutionen möglichst abseits der Truppen vorgenommen werden.” Der Ideologische Krieg und seine radikalen Methoden stand für die Wehrmachtsführung grundsätzlich nicht in Frage. Hitler hatte sich mit den richtigen Leuten arrangiert und schon bald sollte die Wehrmacht ihre moralische Festigkeit hinter dem Begriff des “Vernichtungsfeldzuges” zurücktreten lassen. Die Macht der SS nahm in den folgenden Jahren zu und schlussendlich wurde die Waffen-SS sogar ein offizieller Truppenteil der Wehrmacht mit etwa 600 000 unter Waffen stehenden Soldaten. Die Wehrmacht selbst wird Kriegsverbrechen begehen, und sich oftmals den Mordschergen des SD und der SS als allzu bereitwilliger Helfer zeigen. Eine Richtlinie vom 11 Juni 41 von Generaloberst Franz Halder besagte folgendes “Den Kommandos usw, ist die Erfüllung ihrer Sonderaufgaben durch Belehrung der Truppe, Ausstellen von Ausweisen, Gestellung von Hilfspersonal, Mitbenutzung von Fahrzeugen und sonstige Hilfeleistungen, soweit die Gefechtslage sie gestattet, in jeder Weise zu erleichtern.” In anderen Fällen jedoch wird sie versuchen der SS ihre Tötungen oder Deportationen  so schwer wie möglich zu machen und sich nicht selten scheuen mit angedrohter Waffengewalt durchzusetzen. Die Wehrmacht war eben im Gegensatz zur SS keine ideologisch gedrillte Einheit, sondern ein “Querschnitt” der deutschen Bevölkerung und so auch dementsprechend widersprüchlich in ihren Handlungen.

Aus der Wehrmachtsinternen Zeitschrift “Offiziere des Führers”  1944 (aus dem Archiv des Autors) Hitler und Himmler waren bestrebt eine neuerliche Radikalisierung der Soldaten herbeizuführen, hierzu führten sie selbst Vorträge und Reden vor Offizieren und Offiziersanwärtern. Die jungen Offiziere die man schnell noch ausbildete um sie in einen aussichtslosen Kampf zu schicken der oftmals einem Todesurteil gleichkam, bekamen zuvor noch die ewig standardisierten Formeln einer Ideologie indoktriniert, deren Taten schon längst nicht mehr zu rechtfertigen waren. Auch Hitlers Handschrift ist hier deutlich zu erkennen das “Ferment der Dekomposition eines Niedermenschentums” die farbige Beschreibung eines erfolglosen Künstlers, der so über Jahre hinweg sich den Begriff eines “verkommenen Juden” ausmalte.

EINSATZGRUPPEN- MASSENMORD

Die Einsatzgruppen der SS und des SD sollten jedoch den ersten Schritt der Endlösung, durch gezielte Massenerschießungen, den Völkermord einläuten. Sie führten ihre vernichtende Spur bis tief in die Sowjetunion. Zur besseren Koordination der einzelnen SS Polizeiführer und Kommandanten ernannte Himmler erneut wie schon in Polen HÖHERE SS UND POLIZEIFÜHRER auch die “kleinen Himmler” genannt. Die unzähligen Schauplätze der Erschießungen konnten bis heute nicht vollständig erforscht und aufgearbeitet werden, doch geben zahlreiche Dokumente (Einsatzgruppenberichte) und Aussagen diverser Zeugen und Täter ein Bild des Geschehens. Der Völkermord der mit den Säuberungsaktionen in Polen, begonnen hatte sollte sich nun auf eine fast 2000 km breite Front erstrecken in vier Einsatzgruppen A- B- C- D mit ungefähr 3000 SS Männern und ihren zumeist ukrainischen oder baltischen Volksdeutschen Helfern wuchsen diese Truppen auf ungefähr 25 000 Mann, die an zahlreichen Schauplätzen Männer, Frauen, Kinder, alte, schwache, behinderte und selbst schwangere Frauen erschossen. Schlussendlich rekrutierten sich etwa 100 000 Mann für diese Einheiten. Die Niedertracht der wir hier begegnen ist der beständig weitergeführte Niedergang sämtlicher moralischer Werte. Jene Bilder bzw. Dokumente die uns heute noch bezeugen zu welchen Wahnsinn diverse Einsatzgruppen aber auch Teile der Wehrmacht bereit waren, zeigt die Lebensverachtung mit der man sich selbst an den Rand moralischer Zurechnungsfähigkeit drängte. Die Tatsache, dass man in Russland außerhalb der Haager Kriegskonventionen agierte, hat nichts mit der bestialischen Tatsache des Tötens schwangerer Frauen zu tun. Es ist ein Bild einer tierischen Unmenschlichkeit, ja der Lebensverachtung selbst.

Kein Zweck heiligt jene Mittel, die man glaubt anwenden zu müssen, um für ein “lebenswertes Leben” zu kämpfen. Keine Vernichtung rechtfertigt eine Vernichtung der eigenen Werte, kein heroischer Kampf ist es Wert jene Menschlichkeit aufzugeben die uns vor uns selbst schützt. Für ein lebenswertes Leben zu kämpfen bedeutet das Leben selbst zu achten. Kein anderer Weg der Gerechtigkeit führt an uns selbst vorbei, als die Achtung jenes Prinzips aus dessen Schoss wir alle stammen. Die Achtung des eigenen Lebens und somit die Achtung vor allen Lebewesen. Jede Zuwiderhandlung gegen dieses Prinzip, führt in die unweigerliche Selbstzerstörung. Eine Lehre welche die schlimmsten Vollstrecker in diesem Krieg erst erfahren mussten.

WalterBruns

Generalmajor Walter Bruns berichtete in einem Gespräch mit einem Mitgefangenen:

„Also an jeder Grube sechs Maschinenpistolenschützen  – Die Gruben waren 24 Meter lang und ungefähr drei Meter breit, mussten sich hinlegen wie die Sardinen in einer Büchse, Köpfe nach der Mitte. Oben sechs Maschinenpistolenschützen, die dann den Genickschuss beibrachten. Wie ich kam, war sie schon voll, da mussten die Lebenden also dann sich drauflegen, und dann kriegten sie den Schuss: damit nicht so viel Platz verloren ging, mussten sich schön schichten. Vorher wurden sie aber ausgeplündert an der einen Station- hier war der Waldrand, hier drin waren die Gruben an dem Sonntag und hier war auch eine anderdhalb Kilometer lange Schlange , und die rückte schrittchenweie – es war ein Anstehen auf den Tod. Wenn sie hier nun näher kamen, dann sahen sie , was drin vor sich ging. Unggefähr hier unten mussten sie ihre Schmucksachen und Koffer abgeben. Das Gute kam in den Koffer das andere auf einen Haufen. Das war zur Bekleidung von unserem notleidenden Volk- und dann ein Stückchen weiter , mussten sie sich ausziehen und 500 Meter vor dem Wald vollkommen ausziehen, durften nur Hemd und schlüpfer anbehalten. Das war alles nur Frauen und kleine Kinder, so Zweijährige. Dann diese zynischen Bemerkungen! Wenn ich noch gesehen hätte , dass diese Maschinenpistolenschützen, die wegen Überanstrengung alle Stunden abgelöst wurden, es widerwillig gemacht hätten! Nein, dreckige Bemerkungen: ‚ Da kommt ja so eine jüdische Schönheit ‚ Das sehe ich noch vor meinem geistigen Auge. Ein hübsches Frauenzimmer in so einem feuerroten Hemd. Und von wegen Rassenreinheit: In Riga haben sie sie zuerst rumgevögelt und dann totgeschossen, dass sie nicht mehr reden konnten.“

Die Zahl der getöteten Menschen durch die Einsatzgruppen aber auch der Wehrmacht ist nicht genau definiert man geht aber von 1-1,3 Millionen Menschen aus

QUELLEN:
1) Walter Bruns im Gespräch mit einem Mitgefangenen Abhörprotokoll zitiert aus Soldaten Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. S 158 Srgg 1158 (C) 25.4.1945 TNA WO 208/4169 Tausende Abhörprotokolle liegen heute noch in den amerikanischen und britischen Archiven. Sie sind eine interessante Quelle neben den unzähligen Aussagen, Dokumenten, Fotos, Filmmaterial.

April 1943, Hitler, Tiso, Aktion 1005

17/18 APRIL

Hitler trifft sich im Schloss Kleßheim in Salzburg mit Horthy um unteranderem weiter Druck auf die ungarische Regierung auszuüben. Hitler erklärt Horthy seine Sicht der Dinge “[Polen] ….Wenn die Juden dort nicht arbeiten wollen, würden sie erschossen. Wenn sie nicht arbeiten könnten, müssten sie verkommen. Sie wären wie Tuberkelbazillen zu behandeln, an denen sich ein gesunder Körper anstecken könne. Das wäre nicht grausam, wenn man bedenke, daß sogar unschuldige Naturgeschöpfe wie Hasen und Rehe getötet werden müssten, damit kein Schaden entstehe. Weshalb sollte man die Bestien, die uns den Bolschewismus bringen wollten, mehr schonen ? … Völker die sich der Juden nicht erwehrten, verkämen … Eines der berühmtesten Beispiele dafür sei das Absinken des einst so stolzen Volkes der Perser, die jetzt als Armenier ein klägliches Dasein führten.”

22 APRIL

tio

Tiso Staatspräsident der Slowakei mit Hitler –  Priester und Faschist (Quelle Grenzbote ÖNB ANNO ) Hitler trifft nun 1943 seine treuen Verbündeten um Abstimmungen in Kriegs – und Judenfragen zu treffen. Auch Tiso kommt am 22 April nach Salzburg. In seiner Begleitung Ministerpräsident Tuka, sowie der Innenminister Alexander Mach.

Der “Völkerrechtler” Dr Tuka (1941 in Berlin reicht Hitler die Hand) der sich wie Hitler als Führer bezeichnete. Die faschistische Bewegung “Hlinka” in der Slowakei hatte daher auch ihre eigenen Symbole  wie an Tukas Ärmel zu erkennen. Tuka war einer der treuesten Anhänger des Hitlerismus.

Die Nazideutschen drängen den slowakischen Ministerpräsidenten als auch Tiso den Staatspräsidenten zur Auslieferung der letzten 20 000 vorwiegend getauften Juden. Der  Ministerpräsident und Völkerrechtler  sieht sich jedoch nun erheblichen Protesten gegenüber. Die slowakische Geistlichkeit lässt in ihren Diözesen einen Hirtenbrief verlesen in dem man sich gegen die Deportationen der Juden ausspricht und auch von Seiten der Bevölkerung beginnt sich Widerstand zu mobilisieren. Am 13 April traf Tuka den deutschen Gesandten Ludin der berichtete folgendes über diese Treffen:

“Ministerpräsident Dr Tuka ließ mich wissen, daß die slowakischen naiven Geistlichen derartige Gräuelmärchen glauben würden und er wäre sehr dankbar, um diesen Gräuelmärchen entgegenzutreten zu können, von deutscher Seite eine Beschreibung der Verhältnisse in den Judenlagern zu erhalten. Weiters würde er es für besonders propagandistisch wertvoll halten, wenn eine slowakische Abordnung, die zweckmäßigerweise aus einem Abgeordneten, einem Journalisten und vielleicht auch einem katholischen Geistlichen zusammengesetzt sein sollte, ein deutsches Judenlager besuchen könnte. Wenn sich eine derartige Besichtigung organisatorisch ermöglichen ließe, würde ich die Durchführung durchaus begrüßen .” fügte Ludin hinzu….

16 APRIL

Wienerwald den 16 APRIL 1943

AN DEN VORSTAND DES LEBENSBORN

SS-Standartenführer Sollmann

ZENTRALE

Standartenführer,

…Es handelt sich um eine Kindesmutter Agnes Spangenberg. Schon in der ersten Zeit ihres Hierseins verursachte sie erhebliche
Unruhe unter den Müttern durch Schwätzereien über ihre Tätigkeit bei der Gestapo in Smolensk. Sie gab ausführliche Berichte von Massenhinrichtungen
von Juden ,wobei auch Säuglinge durch Genickschuss getötet sein sollen. Ich habe sie damals energisch zur Rede gestellt, da derartige Schilderungen sicher nicht in den Rahmen eines Entbindungsheimes gehören … Es grüßt gehorsamst mit                    

HEIL HITLER !

(DR SCHWAB) SS- OBERSTURMFÜHRER und HEIMLEITER

“ENTERDUNGSAKTION”

Knochenmühlen, vernichtende Wahrheit hinter dem  “Vernichtungsbetrieb” aufgenommen im Konzentrationslager Janowska

Das von Heydrich zwischen Jänner und März 1942 begonnene Projekt des Einsatkommandos 1005 – benannt nach dem Aktenzeichen im Reichssicherheitshauptamt welches unter dem Kommando des düsseldorfer Architekten Paul Blobels stand und dazu gedacht war, die Beseitigung der Beweise der menschlichen Überreste der Massenexikutionen und Vergasungen durchzuführen, sollte in diesem Zusammenhang, nun vor neue umfangreiche Aufgaben gestellt werden. Die Tatsache der vorrückenden russischen Armeen, veranlasste Blobel, zu einer Forcierung seiner Aufgabe. Ab August bildete man hierzu drei Sonderkommandos- 1005 A, B, in der Ukraune,  Mitte  in Weißrussland (C), welche die Massengräber zu exhumieren begannen. Die „Überreste“ wurden oftmal  durch jüdische Häftlinge selbst beseitigt. Hierzu bewegte man sich von Ost nach West. Gleichzeitig richtete man lokale Kommandostellen im Baltikum, Bezirk Bialystok, Generalgouvernement, in den Reichsgauen- Danzig Westpreußen und dem Wartheland sowie in Jugoslawien ein. Erste Versuche die Gräber zu sprengen gab man schnell auf und man begann wie schon zuvor im regulären Vernichtungsbetrieb die Toten auf Scheiterhaufen oder auf Schienensträngen zu verbrennen. Um die nichtverbrennbaren Teile der Körper zu zerkleinern, ein, „Problem“ daß schon während des Euthanasieprogramms aufgetreten war, und in manchen Lagern dazu geführt hatte daß man Getreidemühlen bei Bauern konfiszierte, begann man nun mit sogenannten speziellen Knochenmühlen die Überreste von Massenmorden zu beseitigen.

QUELLEN:

1) zu den Treffen Horthy , Tiso Tuka in Kleßheim siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S 511 – 513 als auch die Zeitungen in der Österreichischen Nationalbibliothek Projekt ANNO.

2) Zu Horthy siehe Andreas Hillgruber  staatsmänner und Diplomaten bei Hitler Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Aulandes Bd. 2 Frankfurt a. M 1970 s256 f  wir zitierten aus Friedländer Jahre der Vernichtung S511.

3) Ludins Bericht ist aus den Akten zur deutschen Auswärtigen Politik  1918- 1945 Serie E 1941- 1945 Bd 5 S 581ff Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S 513

4) 16 April zitiert nach LEBENSBORN EV –  HILLEL S85 weitere Angaben finden sich nicht jedoch betont Hillel dessen Buch zur Grundlage der Standardliteratur zu dem Thema Lebensborn wurde dass er dieses Titat aus einem Originaldokument zitierte. (letzte Seite des Buches)

5) „Enterdungsaktion“ siehe zb  Enzyklopädie des Nationalsozialismus  S494

19 APRIL DIE GROSSE JAGD IN WARSCHAU

 Die Tradition an jüdischen Feiertagen die schlimmsten Aktionen im Ghetto Warschau durchzuführen wird weiter beibehalten nun beginnt einen Tag vor dem jüdischen Pessahfest die endgültige Räumung des Ghettos. Die offenen Kämpfe im Ghetto dauern vom 19 bis 28 April. Zu dieser Zeit müssen sich die Widerständler nach erheblichen Verlusten in die Keller und selbst errichteten Bunker des Ghettos zurückziehen. Mit Flammenwerfern, Tränengas und Handgranaten durchstöbern die Deutschen jeden Winkel jeden Keller jedes Haus des Ghettos und stöbern die todesmutigen Männer und Frauen aus ihren Verstecken. Am 8 Mai wird der Kommandobunker des Widerstandes in der Mila Straße 18 von den Deutschen gestürmt und Anielewicz einer der Anführer des ZOB getötet. Einigen gelingt es durch die Kanalisation auf die “arische Seite” der Stadt zu entkommen. Tage später kehren manche zurück um vermeintliche Überlebende zu retten, keiner war jedoch nach dieser  Aktion der Nazis innerhalb des Ghettos zurückgeblieben.

Das brennende Ghetto wird entgültig geräumt, der Widerstand ist gebrochen. Die Mehrheit der warschauer Ghettojuden sind schon lange deportiert. Nun werden auch die letzten Juden deportiert die für die Nazis noch in Rüstungsbetrieben tätig waren.

Jürgen Stroop mit seinem Einsatzkommando. Stroop wurde ins Ghetto geholt um den Widerstand zu brechen. Verärgert wird er in seinem Bericht an Himmler festhalten, wieviele Juden sich der Tötung und Verhaftung durch Selbstmord entzogen – Wie im Bild unten zu sehen.

Sprung aus dem Fenster letzter Ausweg vor der Deportation – unten das Leben im Ghetto.Verstecke überall auch im Boden –

 Quellen:

1) 19 April Die grosse Jagd in Warschau siehe zb Saul Friedländer Jahre der Vernichtung Kapitel Acht – Dritter TEIL SHOA S550 / 51

2) Shoaportal empfiehlt zu diesem Thema Kazimierz Moczarski: Gespräche mit dem Henker Jürgen Stroop – Als Opfer des stalinistischen Terrors war der bürgerlich-demokratische Widerstandskämpfer Kazimierz Moczarski seit August 1945 eingekerkert. Um ihn psychisch zu brechen, pferchte ihn die polnische Stasi für neun Monate in eine Zelle mit Jürgen Stroop, dem SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS und Polizei, der 1943 die Zerstörung des Warschauer Ghettos befehligte. Aus der Erinnerung zeichnete Moczarski die »Gespräche mit dem Henker« auf: die beklemmende Biografie und das zutiefst verstörende Psychogramm eines national-sozialistischen Massenmörders.

Moczarskis Buch ist ein guter Einstieg in das Thema um die Räumung des Warschauer Ghettos als auch die Geschichte des Nationalsozialismus selbst. Schwierig wird es jedoch mit seinem historischen Wert als Zeitzeugenbericht Stroops. Moczarskis Buch wurde aus dessen Erinnerungen an die Gespräche mit Stroop als auch durch Recherchen nach seiner Freilassung ergänzt. Unklar bleibt in diesem Buch was Stroops Erinnerungen sind und wo Moczarskis Recherchen und  Erkenntnisse beginnen. Moczarski hatte keine Möglichkeit während den Gesprächen Aufzeichnungen zu machen. Es sind Gedächntnisprotokolle, die sehr detailgenau sind. Hier liegt die Schwierigkeit – Moczarski ergänzte seine Erinnerungen durch eigene Nachforschungen und es wird hier sehr schwer zu trennen was hier im Detail von Stroop selbst berichtet wurde und was ergänzt wurde oder sich im Gedächtnis des Autors ergänzte. Deswegen hatte ich dieses Buch so sehr ich seinen Wert schätze schlussendlich für Shoaportal als Quellengrundlage nicht gewählt. Trotzdem empfehle ich es als einen historisch fundiertes und wertvolles Buch zu dieser Geschichte.

März 1943 – Osti, Korherr , König Boris von Bulgarien

13 MÄRZ

SSPF (SS und Polizeiführer) in Lublin Odilo Globocnik wird von Himmler zum Chef der “OSTINDUSTRIE GMBH” kurz Osti ernannt. Ein weiterer Vertrauensbeweis Himmlers gegenüber seinen Vasallen der einst wegen Korruption  in Wien seine Karriere fast verbürgt hätte, später tausende Menschen erschießen, sprengen und schlussendlich als Organisator und Chef der Aktion Reinhardt über eine Million Menschen in die Gaskammern schickte. Für Globocnik jedoch stellte die neue Aufgabe, ein ihm wohl vertrautes Betätigungsfeld dar, denn die “Ostindustrie GMBH” beschäftigte sich mit Arisierungen, Vermögenstransfers, und der Organisation von Zwangsarbeit. Als Hausbank stellte sich die Dresdner Bank zu Verfügung, deren Vorstand Prof. Dr Emil Heinrich Meyer zufällig auch Standartenführer der SS war. Das Finanzkapital kam jedoch auch aus den Vernichtungslagern.

Am 26. 7. 38 hatte man die produktiven Sparten der SS eigenen Unternehmen in den Konzentrationslagern in einer Gesellschaft zusammen geschlossen kurz DWB – Deutsche Wirtschaftsbetriebe – Die „Osti“ fungierte als Ableger dieser SS Gesellschaft. Man versuchte also nach Vorbild des Reiches auch im Osten , die SS eigenen Betriebe, die damit einhergehende vor allem jüdische Zwangsarbeit zu organisieren und die „Gewinne“ aus den Deportationen und Enteignugen „bewegliche jüdische Vermögen“ der Menschen wirtschaftlich einzuetzen. Georg Lörner der Geschäftsführer der DWB und Oswald Pohl der Leiter des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes der SS zeichneten den Gesellschaftvertrag und SS PF Globocnik in Lublin wurde als Geschäftsführer eingetragen. Doch die Pläne der Nationalsozialisten und der SS im Osten sollten mt der vollkommenen Räumung des Generalgouvernements von den jüdischen Menschen vor allem nach den Aufständen in Warschau, Bialystok, Sobibor und Treblinka und der damit einhergehenden Aktion Erntefest fallen gelassen werden. Es gab kein jüdisches Vermögen mehr zu verwalten und enteignen, die russische Front rückte immer näher und so musste man die Träume eines SS Imperiums im Osten aufgeben. Die Gesellschaft wurde schon bald nach ihrer Gründung wieder aufgelöst

23 MÄRZ

Die statistischen Berechnungen Korherrs sind fertig. Ein erster (von insgesamt 2) Bericht wird dem Reichsführer vorgelegt. Die evakuierten Juden werden auf 1 873 539 geschätzt. Für Hitler persönlich wurde eine weitere Abschrift der Statistiken und Berechnungen angefertigt wobei man das Wort “Sonderbehandlung” gegen die Umschreibung Transportierung von Juden aus den Ostprovinzen nach dem russischen Osten ersetzte. Wie man heute vermutet wurden die Zahlen in Hitlers Bericht gesteigert. Der Korherrbericht ist die umfangreichste statistische Berechnung die das Naziregime über die Tötung des Judentums jemals anfertigen ließen. Der Führer erhielt diesen Bericht einen Tag vor seinem 54 Geburtstag.

31 MÄRZ

Polen, Ghetto Krakau, Einfahrt

Das Ghetto in Krakau wird geräumt. Es gibt einige große Selektionen, jene die zur “Arbeit” abgestellt wurden werden in das Lager Plaszow gebracht das unter der Leitung des Wieners Amon Göths stand. Ihre Ermordung sollte noch einige Zeit dauern. Systematisch werden jetzt die letzten Ghettos und viele Arbeitslager geräumt. Man versucht Produktionen zu verlagern in Konzentrationslager und die dann der SS Ost Industrie GMBH einzuordnen.

BULGARIEN

Hitler und König Boris von Bulgarien Nazis

König Boris und Hitler. Noch heute in der EU, ist die Zeit der Besetzung Makedonien durch die Bulgaren ein umstrittenes Thema. König Boris lieferte die makedonischen und thrakischen Juden an Hitler aus.

Im März hatte Dannecker das Versprechen der bulgarischen Regierung das “Judenproblem” bald einer Lösung zuzuführen. Die bulgarischen Behörden hatten zu diesem Zweck die jüdischen Menschen in eigens dafür errichtete Lager zusammengetrieben und inhaftiert. König Boris persönlich hatte den Nazideutschen die baldige Deportation der Juden versprochen. Als die Deutschen nun auf die Deportation der bulgarischen Juden drängen, kommt es zu öffentlichen Widerstand und Unruhen. Auf Druck des Parlaments und der orthodoxen Kirche muss der König den deutschen SS Schergen eine Absage erteilen, und die geplante Evakuierung der Juden wurde endgültig abgesagt. Trotzdem hatten die bulgarische Regierung im März und April die “Sonderbehandlung” der Juden aus den besetzten Provinzen Thrazien und Makedonien unterstützt. Der König erklärte Außenminister Ribbentrop bei einem Besuch in Berlin im April des Jahres, dass er wohl die Zustimmung zur Abschiebung der Juden aus Mazedonien und Thrakien gegeben habe die einheimischen bulgarischen Juden jedoch für ein Straßenbauprojekt benötige und er, jene nicht gedenke auszuliefern. Nur bolschewistische kommunistische Elemente würde er abschieben lassen. Die bis dahin verschleppten Juden aus Thrakien und dem von den Bulgarien besetzten Makedonien wurden in das Generalgouvernement deportiert und von dort zum größten Teil zur Sonderbehandlung nach Treblinka geschickt. Es handelte sich hier um etwa 4000 Menschen aus Thrakien und etwa 7000 aus Makedonien. Chil Raichmann der im Tötunglager Treblinka als „Arbeitjude“ überlebte, berichtete in seine Aufzeichnungen (Ich bin der letzte Jude), diese makedonischen thrakischen (bulgarischen) Juden seien die kräftigsten und schönsten Juden Europas gewesen. Junge kräftige Männer Frauen und Kinder.

Quellen:

1) 13 MÄRZ Zum Datum der Gründung und Heinrich Meyer siehe SACHSLEHNER DER TOD IST EIN MEISTER AUS WIEN S92 – Allgemein hierzu Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S 524 / 525

2) 23 MÄRZ GERALD FLEMING HITLER UND DIE ENDLÖSUNG “ES IST DES FÜHRERS WUNSCH” 1987 S149

3) BULGARIEN Longerich Peter- Heinrich Himmler Biografie S684, aus FREDERIC B CHARY THE BULGARIEN JEWS AND THE FINAL SOLUTION 1940-44 PITTSBURGH 42D CHary, Bulgarien Jews S178ff S197ff und S224ff.

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Görings Vollmacht in Judenfragen 31 Juli 1941

9 JULI

Himmler fliegt nach Kowno um sich mit Hinrich Lohse dem neu ernannten
Reichskommissar Ostland abzusprechen

GÖRING am 31 JULI



“In Ergänzung der Ihnen bereits mit Erlass vom 24.1.39 übertragenen Aufgabe die Judenfrage in Form von Auswanderung oder Evakuierung einer der Zeitverhälltnisse entsprechend möglichst günstigen Lösungen zuzuführen, beauftrage ich sie hiermit, alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa, soferne hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentralinstanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen. Ich beauftrage sie weiter, mir in Balde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen .”       (Original dieses Dokuments siehe Quelltext unten)

Diese Bevollmächtigung die Heydrichs RSHA vorverfasst hatte, und Göring als Reichsmarschall und Leiter des 4 Jahresplans und so auch als einer der Judenbevollmächtigten in den Ostgebieten unterschrieb brachte vorerst nicht jene Kompetenzen für die SS die angesichts der Situation im Osten angebracht schien. Jedoch ist diese Weisung Görings ein Schlüssekdokument auf dessen Inhalt Heydrich sich 1942 in der Wannseekonferenz beziehen wird.

Himmler inspiziert an diesem Tag, das neue Zentralgefängnis in Riga. Dann trifft er erneut Lohse und den HSSPF Adolf Prützmann. Wahrscheinlich befiehlt Himmler hier eine erneute Verschärfung der Judenfrage in Litauen und Lettland denn nach Himmlers Abreise beginnen Säuberungswellen siehe

 WEITERLESEN  Thema „JUDENFRAGE“

Am Nachmittag des selben Tages fliegt Himmler nach Baranowicze. Hier stellt er aus zwei Kavallerieregimentern eine Kavalleriebrigade zusammen, die unter die Leitung Hermann Fegeleins (Hitlers späterer Schwager) gestellt wird. Auch  der Höhere SS und Polizeiführer Bach Zelewski ist anwesend und Himmler bespricht mit ihm die kommenden Befriedungsaktionen unter dem Deckmantel des Partisanenbefehls.

Die Richtlinien formulierte er etwa folgendermaßen:

Ist die Bevölkerung, national gesehen, feindlich rassisch, rassisch und menschlich minderwertig oder gar, wie es in Sumpfgebieten sehr oft der Fall sein wird, aus angesiedelten. Verbrechern zusammengesetzt, so sind alle, die der Unterstützung der Partisanen verdächtig sind, zu erschießen, Weiber und Kinder sind abzutransportieren, Vieh und Lebensmittel zu beschlagnahmen und in Sicherheit zu bringen. Die Dörfer sind bis zum Boden niederzubrennen, “

Diese Richtlinien wird Himmler in den nächsten Tagen noch öfters bekräftigen und stetig erweitern und verschärfen.

1) GÖRING 31 Juli siehe WANNSEE VILLA GEDENKSEITE IM INTERNET SIEHE auch KOPIE des Schreibens hier PDF goerings_beauftragung_heydrich_juli1941_barrierefrei -NÜRNB DOC PS110 NAZI Conspiracy and Agression BD26 Washington Dc 1946 /Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S166

 2) 31 Juli LONGERICH PETER HEINRICH HIMMLER BIOGRAPHY S549 /74 -Nachmittag EBD S549/78

Frankreich Frühjahr 1943 – Himmler und Marseille

3 JÄNNER – FRANKREICH – MARSEILLE

links: Pierre Laval im Gespräch mit dem Höheren SS und Polizeiführer Karl Oberg (Mitte )

Der kommunistische Widerstand in Marseille, sollte den Auftakt für Himmlers Abschreckungspolitik in Südfrankreich bieten. Schon länger hegte der Reichsführer SS Pläne das zum “Verbrechertum” herabgesunkene Marseille mit radikalsten Methoden zu säubern. Am 3 Jänner explodierten mehrere Bomben, für Himmler sollte dies den Vorwand bieten gegen diese Stadt radikal vorgehen zu können. In diesem Sinn schrieb der Reichsführer seinem höchsten Befehlshaber dem Höheren SS Polizeiführer Karl Oberg am 4 Jänner ” Verlange schärfstes und radikalstes Durchgreifen. Selbstverständlich sind sie auch für das bisher unbesetzte Frankreich zuständig, jedoch muss die Form der französischen Regierung und ihre ausgesprochene Unabhängigkeit gewahrt bleiben”. Die Wehrmacht hatte jedoch indessen wahrscheinlich in Absprache mit Oberg den Ausnahmezustand über Marseille verhängt. Ein Umstand der Himmler schwer zu schaffen machte, da seine Vergeltungsmaßnahmen ab nun nur in Absprache mit der Wehrmacht koordiniert werden konnten. Ein Eingreifen im Sinne der SS war nun nicht mehr direkt durchführbar. In diesem Sinne erinnerte Himmler am 5 Okt. erneut “die Verantwortung für Marseille ist eindeutig vom Führer uns übertragen worden.” Himmler befahl in einem weiteren Schreiben diese Tages, Oberg möge sich von seinem Schreibtisch in Paris wegbewegen. Am nächsten Tag erhielt Oberg erneut ein Fernschreiben in dem Himmler sich über den dessen schwachen Einsatz beschwerte, ja jeder Höhere Polzeiführer der SS sei froh über die Möglichkeit solch schwierige Fälle zu lösen, bei einer erneuten Nichtdurchführung oder beamtenmäßigen Abänderung würde er Oberg von seinem Posten entheben. Am 18 Jänner forderte er Oberg dazu auf “Verhaftungen in großer Verbrechermasse von Marseille und deren Abfuhr in KL. … “ Himmler benannte die Zahl von rund 100 000 zu verhaftenden Menschen, und forderte die Sprengung der gesamten Unterstadt Marseille´s, wobei man darauf zu achten habe, dass allein durch den Explosionsdruck die darin Wohnenden zugrunde gehen. Die französische Polizei habe sich daran nicht nur zu beteiligen, sondern auch zu begreifen, dass sie “..uns dafür zu tiefen Dank verpflichtet sei.” Die schwierige Situation in Frankreich die seit dem Einmarsch der deutschen Soldaten  federführend in den Überlegungen der Besatzer gewesen war und darauf ausgelegt war, keine unnötig radikalen Maßnahmen vorzunehmen sah man durch Himmlers Vorstellungen gefährdet. Der Widerstand der Franzosen sollte so wenig wie möglich entfacht werden. Oberg kannte die Situation in Frankreich gegen alle Drohungen Himmlers versuchte er die Situation nicht eskalieren zu lassen. Er einigte sich mit der französischen Polizei auf Razzien und Verhaftungen die am 22/23 Jänner durchgeführt wurden. Man verhaftete etwa 6000 Menschen 20 000 des Hafenviertels, wurden vertrieben und mussten sich einer Kontrolle unterziehen. Etwa  2 200 Juden deportierte man nach Paris in das Polizeigefangenenlager Compiegne von dort “evakuierte” man 782 jüdische Menschen direkt in das Vernichtungslager Sobibor, danach sprengte man einen kleinen Teil des Hafenviertels wie vorgesehen.

QUELLEN:

1)  3 JÄNNER – MARSEILLE zu Bomben in Marseille und Himmlers Schreiben siehe BAB NS 19/120 4 Januar 1943 zitiert aus Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S669-S671 zur Übertragung der Verntwortung an die SS siehe BAB NS 19/120 5 Januar 1943

Beschwerdeschreiben Himmlers siehe BAB BDC SS-Oberg 6 Januar 1943  zum Schreiben der “Verbrechermassen” und sprengen der Unterstadt und der Zahl 100 000 siehe BAB NS 19/3402 18 Januar 1943 zu Obergs Verhandlungen mit den Franzosen siehe Meyer Besatzung S123 zu 22/23 Jänner und den Zahlen der Verhaftungen und Deportationen siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S671 wie zu allen zitierten Dokumenten die aus e.b.d S669-S671 stammen.

21 März Fritz Sauckel und Oswald Pohl – Arbeit Tod und Gaskammern

21 März ARBEIT TOD UND GASKAMMER

Bild: Fritz Sauckel – Kein Zufall, Sauckels radikale „Rekrutierungsmethoden“ ab Frühjahr 1942 – Man musste auch jene jüdischen Menschen in den Betrieben ersetzen, die nun deportiert und ermordet wurden.

Der SS Obergruppenführer FRITZ SAUCKEL wird zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz ernannt. Mit Fritz Sauckel Gauleiter von Thüringen und Urgestein der nationalsozialistischen Bewegung mit der Parteimitgliedsnummer 1395, hatte Hitler den richtigen Mann für das zukünftige Zwangsarbeiterprogramm gewählt. Die Probleme der Nationalsozialisten angesichts der wirtschaftlichen und militärischen Situation des Reiches sind im Wesentlichen auf zwei Punkte zu reduzieren. Der erste Punkt betrifft die Rüstungsprioritäten und der zweite Punkt die für die neuen Rüstungsvorgaben notwendigen Kapazitäten an Arbeitern. Für den ersten Punkt wird nach Fritz Todts  Ableben Albert Speer zuständig sein. Diese zwei Männer werden also die zwei wesentlichen Punkte der zukünftigen Rüstungsproduktion maßgeblich bestimmen. Das Problem der Rüstungsprioritäten steht in erster Linie mit dem Eintreten der USA in den Krieg und deren Unterstützung Englands im Westen. Das Problem war daher der Arbeitskräftemangel, also Fritz Sauckels Ressort, mit den stark strapazierten Einberufungen der deutschen Männer in den Krieg. Die Männer fehlten an den Produktionsstätten schon bald wurden  ca 40 % der Arbeitsleistung in den Fabriken von Frauen verrichtet. Doch die neuen Rüstungsvorgaben der Nationalsozialisten wachsen ins unermessliche. Der Rüstungsdruck der Amerikaner aber auch der Materialverschleiß an der Ostfront, zwingt das Reich seine Produktionen nicht nur zu erweitern sondern den unterschiedlichen Kriegszwängen anzupassen. Fritz Sauckel sieht sich hier 1942 diesem maßgeblichen Problem der Rüstungsindustrie gegenüber. Seine Antwort wird äußerst konsequent ausfallen, und seine “Rekrutierung” wird im Laufe der Zeit zu einem der skrupellosesten Sklavenprogrammen ausarten, bei dem hunderttausende Menschen, vieler Nationalitäten ihr Leben verloren. Das Zwangsarbeiterprogramm hatte schon vor Sauckels Amtsantritt eine erschreckende Todesrate aufzuweisen, unter seiner Regie sollte es sich, jedoch radikal verschärfen. In den ersten Monaten des Jahres 42 erfüllte er auch mit hohen Freiwilligenzahlen die hohen erwarteten Quoten. Später schien es auch für ihn immer schwerer zu werden neue Arbeitskräfte anzuheuern. Sauckels Leute waren in allen Einflussgebieten des Reiches unterwegs, um Arbeitskräfte für das Reich zu „gewinnen“ – Um die geforderten Quoten noch erfüllen zu können, griffen seine Männer zu allen Mitteln. Man betrog die Menschen rekrutierte und verschleppte nicht selten Betrunkene aus Cafes oder Bars, Menschen die niemand so schnell vermissen würde. Diese Methode wurde später im Nürnberger Prozess unter dem Begriff “SHANG-HAIEN” „geshanghait“ bekannt. Man beschuldigte Sauckel vor allem in Frankreich und Belgien 1944 zu solchen Mitteln gegriffen zu haben die in den 20 und 30iger Jahren im heruntergekommenen Hafenviertel von Shanghai angewendet wurden. Hinter diesem Begriff versteckte sich nichts anderes als die Verschleppung tausender Menschen oft gegen deren Willen in das Reich zum Arbeitseinsatz nach dem unter Zwang oder Alkoholeinfluss ein “freier Arbeitsvertrag” unterzeichnet wurde. Ein solcher Arbeitsvertrag bedeutete jedoch eine vollkommene Auslieferung der Individualrechte an die wirtschaftlichen Interessen des Reiches. Für nicht Erfüllung drohten drakonische Strafen, bis zur Einweisung in eines der gefürchteten “Arbeitserziehungslager” – AEL –  der SS.

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Zwangsarbeit- Schienen „bauend“ den Osten erobern, mit diesem Plan war die Wehrmacht in den Krieg gezogen. Die weiten Strecken russischer Schmalspurbahnen waren nicht kompatibel mit den breiteren mitteleuropäischen Schienensystem. Dies hatte verheerende Auswirkungen auf die Nachschubwege (Flaschenhalsproblem). Nahrungsmittelmangel, Flecktyphus, schwerste körperliche Arbeit widrigste Wetterbedingungen führten zum Tod unzähliger Menschen.

Die zweite Kategorie an Zwangsarbeitern waren vorerst sowjetischen Kriegsgefangene die Hitler erstmals im November 41 in das Reich zum Wirtschaftseinsatz deportieren ließ. Man beziffert die Gesamtzahl auf etwa 1,95 Millionen die zu Sauckels Machtantritt schon im Reich arbeiteten, von ihnen sollten nicht einmal die Hälfte den Krieg überleben. Insgesamt schätzt man die Zahl der im Reich umgekommenen Kriegsgefangenen Zwangsarbeiter auf etwas über eine Million. Schon beim Transport aus den Ostgebieten in das Reich starben zig Tausende. Die nach ihrem Arbeitseinsatz oftmals “verbrauchten” ,  körperlich  geschwächten Menschen, brachte man teilweise zurück in die sowjetischen Gebiete. Diese Transporte werden von vielen Zeitzeugen als wahre Todestransporte geschildert, bei denen man die verhungerten, erfrorenen, oder aus Schwäche verstorbenen, einfach aus den Zügen geschmissen hatte. Auf Grund der schlechten Nahrungssituation starben zehntausende Sowjets worauf sich selbst das Wehrwirtschafts und Rüstungsamt sowie die Reichsgruppe Industrie beschwerten, warum man hunderttausende Arbeitskräfte ins Land schaffe und sie hier verhungern lasse. Auch darf hier erinnert werden, dass die ersten Tötungen durch Vergasung in Auschwitz, halb tote sowjetische Kriegsgefangene waren, die man nicht mehr für Arbeitseinsätze verwenden konnte. Zwischen Januar 1942 und Ende Juli 1943 lieferte Sauckels Organisation G.B.A ( General Bevollmächtigter Arbeitseinsatz) dem Großreich ca 2,8 Millionen neue Zwangsarbeiter. Die Rekrutierung verlief dabei über die lokalen Distrikt oder Verwaltungsbehörden wie den Reichsarbeitsämtern.  Je nach “Rekrutierungsgebiet” konnte so im militärischen Operationsgebieten die Wehrmacht, in polizeilich verwalteten Gebieten die SS oder in zivil verwalteten Gebieten die lokale Parteibehörde für die “Sammlung” und “Übergabe” der Zwangsarbeiter zuständig sein. In vielen Fällen verpflichtete man einfach ganze Bauerndörfer und deportierte die Menschen ( nicht selten mit Waffengewalt). Im Dienste der Zwangsarbeit sahen sich also alle Stellen verpflichtet den Forderungen nachzukommen. Die Übergabe der Zwangsarbeiter erfolgte dann in sogenannten Durchganslagern in denen man die “Arbeiter” medizinisch untersuchte, und dann in das Reich verschleppte um sie in Arbeitslagern unter der Aufsicht der SS zu konzentrieren. Schlussendlich 1944 arbeiteten im Reich mehr als 7,095 Millionen Menschen im Zwangsarbeiterprogramm.

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Jüdische Zwangsarbeiter in Mogilew Juli 1941. Die jüdischen Menschen des Ostens waren seit dem Einmarsch der Wehrmacht der Willkür des Regime ausgeliefert. Sie hatten keine Rechte und galten als „vogelfrei“. Zwangsarbeit, Massentötungen waren im Osten gängige Praxis. (Quelle:Bundesarchiv Berlin)

Die dritte große Kategorie an Zwangsarbeiter stellten Häftlinge in Konzentrationslagern und hier vor allem auch die jüdischen Menschen (bzw. bis 1943 auch in Ghettos). Ihre Situation hatte sich mit Heydrichs Vorstellungen zu einem fixen Bestandteil wirtschaftlicher Ausbeutung entwickelt, wobei man hier gezielt die “Endlösungsfrage” verknüpfte. Das Schlagwort Heydrichs “Tod durch Arbeit “ sollte das ganze Jahr 42 aber letztendlich trotz der Verschärfung durch Massentötung ab dem Jahr 43 bis 1945 andauern. Hatte man zumal die jüdischen Menschen bis in den Herbst 41 “sinngemäß” in West und Ostjuden unterschieden und die Frage der Endlösung an außenpolitische Zusammenhänge gekoppelt, so wurden sie seit dem Herbst 41 gezielt in produktiv und unproduktiv kategorisiert (wie auch in der Aktion 14 F 13), wobei man ab nun alle “unproduktiven” der Endlösung sprich der “Sonderbehandlung” übergab. Deshalb begann die SS die jüdischen Zwangsarbeiter unter “größten Schwierigkeiten” wie Himmler es betonen wird gezielt aus den allgemeinen Produktionsprozessen herauszulösen. Dieser Prozess hatte mit dem Befehl Hitler Ende 1941 begonnen die Juden des Reiches in den Osten zu deportieren. Dies  funktionierte 1941/42 nicht so, wie Hitler sich das vorgestellt hatte, da man noch keine notwendigen Kapazitäten an Ersatzarbeiter in Aussicht hatte.  Die heutigen Schätzungen der insgesamten Opfer, des Zwangsarbeiterprogrammes, belaufen sich auf etwa 4,8 Millionen Menschen, wobei davon etwa 2,4 Millionen jüdische Zwangsarbeiter vermutet werden. Jene Kategorie an Zwangsarbeitern aus den Konzentrationslagern, sowie deren weitreichendes Geflecht an Nebenlagern unterstanden  der Verwaltung der Konzentrationslager. Diese standen unter Aufsicht des Inspekteur des Konzentrationslagerwesens Glücks und dessen Chef des WVHA Wirstchaftsverwaltungshauptamtes der SS  Oswald Pohl.

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Das Reichsgestzblatt zu Sauckels Ernennung (Quelle: ONB Projekt ALEX)

ZWANGSARBEIT UNTER DER HERRSCHAFT DER SS

Oswald Pohl der Chef des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes der SS berichtete nach dem Krieg in Gefangenschaft dem Gerichtspsychologen :

“…Es hat sich herausgestellt, dass es Werke gab die sich nicht an die Regeln hielten, die ich festgelegt hatte. Aber die dreißig oder mehr Werke, die mir direkt unterstanden, befolgten meine Regeln.”

Der Gerichtspsychologe erwähnt gegenüber Pohl, dass er in Landsberg ein Werk besuchte. Es sei in einem “unerträglich” erbärmlichen Zustand gewesen :

„Die Arbeiter schliefen auf langen Holzgestellen ohne Bettzeug und wegen der allgegenwärtigen Läuse und Flöhe konnte man den Unterstand selbst nicht betreten, weil man Gefahr lief, sich Typhus zuzuziehen. Ich hatte mit mehreren Lagerinsassen gesprochen, und sie hatten mir erzählt, dass das Lager bereits seit Jahren existierte, die Sterblichkeit enorm war, die Essensrationen zum Überleben nicht reichten und die Arbeiter jeden Abend, wenn sie aus der Fabrik zurückkehrten, in die Unterstände eingesperrt wurden. Am nächsten Morgen mussten sich die Überlebenden, dann zum Appell melden und wurden anschließend wieder zur Arbeit geschickt. Zu den Regeln der Arbeit gehörte es, dass die Häftlinge, die während der Nacht Verstorbenen, zum Appell mitbringen mussten, danach wurden die Leichen dann weggeschafft. Ich fragte Pohl, ob er mit diesen Lagern irgendetwas zu tun gehabt habe, von denen es im Umkreis Landsberg mehrere gab. Pohl schien meine Schilderung nicht im geringsten aus der Ruhe zu bringen, denn er sagte nur: Ja, jetzt sehen Sie, was ich meine, wie schwierig meine Aufgabe war und wie unangenehm. Ich hatte mit den Lagern in Landsberg nichts zu tun, aber solche Lager gab es. Wenn ich bei Reisen auf so ein Lager stieß, habe ich in den meisten Fällen versucht, das in Ordnung zu bringen. Oft fiel das nicht unter meine Zuständigkeit, weil es in der Verantwortung der Fabrik oder des Werks lag, und außerdem war ich allein, was konnte ich da ausrichten?… Wenn die Fabriken Arbeitskräfte brauchten, dann haben sie sie über Sauckel oder Speer bekommen, und ich hatte da sehr wenig zu sagen außer, dass ich sie bereitstellen musste. Jede Woche holten Mitarbeiter die Anträge von Sauckel und Speer und legten sie mir vor. Ich konnte da nichts machen außer sie zu bewilligen und an meinen Untergebenen Glücks weiterzuleiten, der sein Büro in Oranienburg hatte. Ich hatte oft Besprechungen mit Glücks, Sauckel, Speer und Anderen, und wir erörterten, ob wir überhaupt in der Lage waren, eine so große Zahl von Konzentrationslagerarbeitern- zu liefern, wie diese Leute anforderten. Ich bewilligte die Anträge, aber Glücks war dafür zuständig, das Lager auszuwählen, das die Arbeitskräfte liefern sollte.

Im weiteren erwähnt Pohl drei Kriterien nach denen er Häftlinge bereitstellte:

“erstens die Unterbringung musste ausreichend sein. Was die Unterbringung der Lagerarbeiter in Landsberg betrifft, die Sie erwähnt haben, da sah es offenbar schlecht aus,und es gab mehrere schlechte Lager. Zweitens die Ernährung musste angemessen sein. Drittens die medizinische Versorgung musste angemessen sein. …Dasselbe galt für die Situation der Bewachung. In den letzten Jahren konnten die Lagerkommandanten nur noch einen Restbestand an Wachposten bereitstellen. Das waren Vorschriften, weil es an Personal fehlte. Die Fabriken mussten die übrigen Wachmannschaften bereitstellen. Das waren Vorschriften, die ich einführte. Wenn man diese Vorschriften eingehalten und nach meinen Anweisungen gehandelt hätte, dann wäre es zu diesen Pannen[tsss]und den schlimmen Zuständen, die später festgestellt wurden, nie gekommen. … Zum Beispiel gab ich 1944 eine Anweisung heraus, bei der es um Leistungsprämien und anderes ging, was die Häftlinge zusätzlich erhalten sollten- das heißt, die guten Arbeiter. Ich habe eine Broschüre drucken lassen über die Sonderprämien für Gefangene .-“

Nachdem Pohl einige Fälle aufzählt in denen er persönlich einzelnen Konzentrationslagerhäftlingen half, oder es zumindest versuchte, berichtet er von seinen Dienstboten Zeugen Jehovas die er vor dem sicheren Tod gerettet habe und in seinem privaten Haushalt beschäftigte dann erwähnt er:

“Ein besseres Beispiel für meine Gefühle gegenüber diesen Häftlingen kann ich ihnen kaum liefern Fragen Sie sie ruhig einmal, wie sie von Pohl behandelt wurden! Bestimmt können sie sich nicht vorstellen, dass ich einerseits Häftlinge ermordet habe und andererseits Häftlinge in meinem Haushalt hatte und sie gut behandelt habe! [worauf der Gerichtspsychiater erwidert] Leider kann ich mir das sehr gut vorstellen, weil der berüchtigte Höß der Kommandant von Auschwitz, der 2,5 Millionen Juden und andere Kz- Insassen vernichtet hat, mir ebenfalls berichtete, dass er mehrere Zeugen Jehovas als Dienstboten in seinem Haus hatte. Folglich hat Höß einerseits gemordet und andererseits Häftlinge für sich arbeiten lassen. Das beweist anscheinend gar nichts. Es ist schrecklich! erwiderte Pohl. Ich hätte das nie über mich gebracht, was Höß getan hat. Ich bemerkte es sei interessant, dass er zu diesem Zeitpunkt die Taten von Höß als schrecklich bezeichnete, offensichtlich hatte er alles darüber gewusst, weil Auschwitz eines der vielen Konzentrationslager war, die in Pohls Zuständigkeit fielen. Er entgegnete lahm 1942 nachdem das Vernichtungsprogramm in Auschwitz angelaufen war, habe ich erstmals davon gehört Haben sie jemals etwas deshalb unternommen? Wenn ich eine Möglichkeit gesehen hätte, es zu verhindern, hätte ich es getan.-

Europäische Holocaustgedenkstätte

Gedenkstätte in Landsberg (Kaufering VII Bild: Wikipedia). 11 größere KZ Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau waren in ganz Süddeutschland entstanden. Hier arbeiteten und starben unzählige Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen. Zuständig das WVHA ( Wirtschafts  Verwaltungs Haupt Amt der SS Oswald Pohls Dienststelle )

Pohls Aussage in Nürnberg ist zwiespältig zu betrachten. Gekonnt vermischt er Wahrheiten mit Halbwahrheiten sowie einfachen Ausreden. Richtig und heute anhand von Dokumenten gut erkennbar ist, dass man in gewissen Zeiträumen, versuchte Häftlinge im Arbeitseinsatz “besser” zu behandeln. Nicht korrekt ist jedoch seine Aussage, dass die Verantwortung über die Häftlinge ausschließlich bei den Firmen lag. Die Leitung und Verwaltung der Arbeitslager unterstand unterschiedlichen Zuständigkeiten und waren nicht generell geregelt. Handelte es sich um KZ. Häftlinge, errichtete man rund um das betreffende Werk Außen – oder Nebenlager, in denen die Häftlinge weggesperrt wurden. So kam es zu dem umfangreichen Geflecht an Neben und Arbeitslagern im ganzen Reich, von West nach Ost. Zuständig war in diesen Lagern das WVHA Wirtschafts Verwaltungs Haupt Amt der SS und Glücks Dienststelle der Inspektion der Konzentrationslager. Bis zuletzt blieb der Widerspruch des Konzentartionslagerwesens bestehen, seine ursprüngliche Form als “besondere Haftlager zum Schutz von Volk und Staat”,  und den sich daraus ergebenden Zielsetzungen der Unterdrückung und Ermordung von Menschen, im Kontext zu produzierenden, „kriegswichtigen“ produktiven “Wirtschaftslagern”

Die Häftlinge im den Konzentrationslagern, mussten unter mörderischen Umständen ihre Arbeit verrichten, traktiert unter den Erniedrigungen der Kapos, SS Wachen und den körperlich bis an die Grenzen führenden Arbeiten, war die Todesrate in den meisten Lagern sehr hoch. Dazu kamen die geringen Essensrationen, Krankheiten, und die enormen psychischen Belastungen, von Menschen die jeden Tag dem Tod in die Augen blicken mussten. Diese Zustände stellten das Konzentrationslagerwesen vor weitreichende  Herausforderungen und Oswald Pohl suchte einige Zeit die Haftbedingungen für“Arbeitsjuden” und andere Häftlinge zu verbessern. Die Grundüberlegung hinter diesen Verfahren ist schnell erklärt. Angelernte Häftlinge die angesichts ihrer Haftbedingungen früh ausfallen, rentieren sich nicht und erbringen wenig Kosten Nutzen Effekt. Dies führte dazu, dass  man das Prinzip Konzentrationslager unter neuen Gesichtspunkten betrachten musste. An und für sich waren diese Lager rechtlich als “Schutzhaftlager” angelegt. Politische, “staatsfeindliche”, oder rassisch Minderwertige aber auch „Kriminelle“ wurden zum Schutz des Reiches in diesen Lagern verwahrt. Die Sterblichkeit in diesen Lagern war von Anfang an enorm. Für die Lagerleitung und deren Kosten Nutzenrechnungen war es unter diesen Gesichtspunkten von Vorteil so viele Häftlinge wie möglich auszuschalten.

Aus einer statistischen Berechnung des Amtes DIII (Sanitätswesen) über das zweite Halbjahr 1942, geht hervor, dass im Schnitt, von angenommenen 95 000 Häftlingen 57 503 Häftlinge starben also etwa 60% innerhalb von nur sechs Monaten ! Unter wirtschaftlich produktiven Kriterien, ein unzumutbarer Zustand. In diesem Sinne versuchte man nicht nur neue Begrifflichkeiten ( z.B. Arbeitsjuden) in die Verwaltung der Konzentrationslager einzuführen, sondern auch verbesserte Haftbedingungen und auch Sonderrationen für solche Häftlinge einzuführen. Aus einer Anweisung Himmlers vom 5 Dezember 1941 geht erstmals hervor, dass man in Zukunft für solche Arbeitsjuden “…vernünftige notfalls zusätzliche Verpflegung und Bekleidung die Arbeits und Leistungsfähigkeit… das Interesse der Häftlinge für den wirtschaftliche Einsatz zu heben, also nur solche Erziehungsmaßnahmen zu treffen welche die planmäßige Schulung erfordert.”  Was Himmler mit “Erziehungsmaßnahmen” meint begreifen wir gleich im nächsten Satz seiner Weisung:

3.Ein Wechsel von in der Ausbildung befindlichen Häftlingen muss vermieden werden.

Die Produktivitätskriterien sollten also bisweilen den Häftlingen einen gewissen Schutz bieten. Diese neuen Kriterien  führten auch zu einem neuen System der Sterblichkeitsbemessung und zur Verschleierung der wirklichen Zahlen durch die SS Ämter. Die Situation für die Arbeitsjuden sollte sich zwar in vielen Fällen etwas verbessern doch die absoluten (verschleierten) Zahlen der Todesfälle blieb bis zum Ende des Konzentrationslagerwesens auf Grund “Vernichtungsprioritäten” und ungeregelter Haftbedingungen, schlechter Verpflegung, Krankheiten, Schwerstarbeit hoch. Mit der massenhaften Deportation und Ermordung der jüdischen Menschen und der Selektionsmethoden hatte man ein Sytem eingeführt welches seine „Arbeitskapazitäten“ auf vernichtende Art und Weise steuerte. Auschwitz reifte dieses System zur Perfektion aus. Der Wiener Psychiater Victor Frankel der auch Häftling in Auschwitz gewesen war, berichtete in seinem Nachlass ausführlich über die Bedingungen der Kz Häftlinge, aus der Perspektive der Psychologie. Frankl der zuerst nicht als Arzt in den Konzentrationslagern tätig war sondern als Arbeitshäftling, berichtete über Sondervergünstigungen:

Bild: Viktor Frankl nach dem Krieg

“Die meiste Zeit war ich als Erdarbeiter und beim Bahnbau als Streckenarbeiter beschäftigt, während einige Kollegen das Glück hatten, in halbwegs geheizten,  improvisierten Ambulanzen mit Papierabfällen Verbände zu machen, habe ich beispielsweise einmal ganz allein unter einer Straße einen Tunnel [für Wasserleitungsrohre] gestochen. Auch das war für mich nicht unwichtig – in Anerkennung dieser meiner “Leistung” habe ich nämlich kurz vor Weihnachten 1944 zwei sogenannte Prämienscheine bekommen. Das sind Scheine, die von der Baufirma ausgegeben wurden, an die wir als Arbeitssklaven vom Lager aus buchstäblich verkauft wurden (die Firma musste pro Tag und Häftling der Lagerverwaltung eine bestimmte Summe zahlen), ein Prämienschein kostete die Firma 50 Pfennige und wurde, freilich zumeist erst nach Wochen, im Lager gegen sechs Zigaretten eineglöst. Und nun war ich im Besitz von zwölf Zigaretten bedeuteten aber zwölf Suppen und zwölf Suppen nur allzu häufig eine wirkliche Lebensrettung vor dem Hungertode, für beiläufig zwei Wochen. Die Zigaretten aufzurauchen, konnte sich nur ein Kapo, der seine garantierten paar Prämienscheine pro Woche hatte, oder ein Häftling leisten, der einer Werkstatt oder einem Magazin im Lager vorstand und für gewisse Gegenleistungen mit Zigaretten belohnt wurde.”

QUELLEN:

21 März ARBEIT TOD UND GASKAMMER

21 MÄRZ ZWANGSARBEIT UNTER DER HERRSCHAFT DER SS eine gute Darstellung zu Fritz Sauckel bietet ADAM TOOTSE ÖKONOMIE der VERNICHTUNG

1) zu den Zahlen des Amtes D III siehe NÜRNBG.DOK. No-1010 aus Anatomie des SS Staates S437.
2) zu Himmlers Weisungen vom 5 Dezember 1941 siehe e.b.d. S429/430 Nürnbg Dok NO- 385

ZWANGSARBEIT UNTER DER HERRSCHAFT DER SS

3) zu Pohls Aussagen siehe Die Nürnberger Interviews Gespräche mit Angeklagten und Zeugen des Gerichtspsychologen Goldensohn S413-418
4) zu Viktor Frankls Aussage siehe Viktor E Frankl … Trotzdem Ja zum Leben sagen Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager S 19-20 Verlag DTV

Von Belzec zur „Aktion Reinhardt“

Lublin_Fruehjahr_1942_Deportation_Belzec

Deportationen Ghetto Lublin Frühjahr 1942, es sind die ersten Opfer des Vernichtungslager Belcek (Fimaufnahmen der Deportation Frühjahr 1942)

Zur Einleitung dieses Kapitels will ich folgendes festhalten:

Keine Worte reichen aus um dies zu beschreiben was man hier zu erfahren bekommt. Die heutige Geschichtsschreibung neigt dazu sich hinter Statistiken, Bilanzen Aussagen und Beschreibungen „technischer Abläufe“ zu verstecken. Dieser Umstand führt dazu, den Kern das Wesentliche dieser Entwicklungen des Jahres 1942 zu verdecken und ein starres, Bild an Erklärungsmustern zu rekonstruieren. Die eigentlichen Abläufe die Intuitionen die Angst der Schrecken und die unfassbare Erniedrigung der Menschen die hier in einem Fließbandprozess ermordet wurden, bleiben so nicht erfahrbar. Bevor Sie lieber Leser weiterlesen, sollten Sie sich bewusst machen, dass hier Menschen denkend fühlend handelnd genau wie Sie selbst, in brutalster Art und Weise aus dem Leben gerissen worden sind, ja ganze Familienverbände für immer verschwunden sind. Ich glaube dies ist jener Teil der Geschichtsschreibung der am schwierigsten zu vermitteln ist. Dies nicht zu vergessen ist das Wesen dieser Geschichte.

shoaportalvienna 

Einleitung Lesen Entscheidungen des Massenmords

… Vom Selektiven Massenmord, zur Aktion Reinhardt …

Selektiv gesehen nimmt diese später als Aktion Reinhardt benannte Plan, eine zentrale Rolle des „Vernichtungsbetriebes“ ein. Doch sieht man genauer hin, erkennt man, dass neben dieser Aktion auch in anderen Gebieten in „Gaskammern“ gemordet wird. Abgesehen von dem Euthanasieprogramm, der seit dem Frühjahr 1941 einsetzenden „Invalidenaktion“ 14F13 in den Konzentrationslagern, beginnt im Warthegau im Dezember 1941, Chelmno als Gaswagenstation seinen Betrieb. Himmlers Korrespondenz mit dem Landesherren dieses Abschnittes Greiser zeigen uns, dass dieses Morden in mobilen Gaswagen im Zuge der Verhandlungen der Deportationen nach Lodz geschah. In Sowjetrussland bekommen die Einsatzgruppen ab Herbst 1941 ebenfalls Unterstützung durch mobile Gaswagen und schlussendlich plante man auf ehemals sowjetischen Gebiet wie z.b. Riga Gaskammern (die nicht umgesetzt wurde), später bei Minsk eine Gaswagenaktion ( in Maly Trostinez ). In Auschwitz begann man das Bauernhaus „rote Haus“ im Frühjahr 1942 in Betrieb zu nehmen, während man schon seit Herbst 1941 vereinzelte „Vergasungen“ vorgenommen hatte. Die sogenannte Invalidenaktion 14 F 13 also die Ermordung nicht arbeitsfähiger Häftlinge in den Konzentrationslagern, war die Einleitung und Regularisierung der Ermordung von Menschen außerhalb der Euthanasieanstalten durch chemische Verfahren. Das Morden weitete sich nun auf die Deportationen aus, indem man zuerst die Ghettos „reinigte“ um einmal Platz zu schaffen, für die aus dem Reich deportierten Menschen und 1942 dazu überging die „Arbeitsunfähigen“ durch „Gas“ zu ermorden. Ab dem Frühjahr 1942 kamen Angestellte der T4 Organisation (Euthanasie) auch in der Organisation Todt an der Ostfront zum Einsatz. Die Tatsache des nicht vorbereiteten und sehr spontan und provisorisch aufgebauten Vernichtungsbetriebs, zeigen uns, dass man bis in die erste Hälfte des Jahres 1942 noch nicht ganz klar erkannt hatte wie, wo und in welchem Ausmaß der Massenmord stattfinden sollte.

Ab der Wannseekonferenz im Jänner 1942, ändern sich die Maßstäbe der Judenpolitik grundsätzlich. Eichmann verkündete Ende dieses Monats, dass die nun einsetzenden Deportationen der Beginn der „Endlösung der Judenfrage“ sei. Belzsek befindet sich im Aufbau, während im Chelmno und Auschwitz durch chemische Verfahren und stationäre Gaskammern schon gemordet wird. Himmler stand zu diesem Zeitpunkt noch vor schwierigen Hürden, um seine und Hitlers radikalen Vorstellungen in der Judenpolitik umzusetzen. Auch die Kriegssituation, ist im Osten noch unklar. Im Generalgouvernement, also jenem Gebiet in dem man die Mehrheit der jüdischen Menschen in Ghettos konzentriert hatte, besitzt die SS nicht ausreichend Kontrolle über die Situation. Noch kontrolliert die Zivilverwaltung die Geschicke dieser Menschen. Man verdient an Zwangsarbeit, Erpressung, und Mord. Es ist ein Geschäft an dem die Distrikt – Behörden hervorragend verdienten und deshalb waren diese nicht gleich bereit, die Kontrolle über die jüdischen Menschen aufzugeben. Dies alles brachte rechtliche und ganz praktische Schwierigkeiten für Himmler, die er im ersten Halbjahr 1942 jedoch lösen sollte. Er gewinnt an Macht im Generalgouvernement zurück und brachte die jüdischen Menschen wieder unter seine Oberaufsicht. Im Distrikt Lublin begann man die Ghettos zu räumen und die Menschen im ersten Vernichtungslager dieser Aktion, Belzsek zu ermorden. Im März begann man den Distrikt Galizien und seine Distrikthauptstadt Lemberg zu räumen, im Juni den Distrikt Krakau in die Aktion mit einzubeziehen. Den Deportationen sollte nichts mehr im Weg stehen. Seit Monaten verhandelte Himmler mit der slowakischen Regierung, die nun im März 1942 ihre Einwilligung für die Deportationen gab. Verhandlungen mit Frankreich standen kurz vor einer Einigung. Ein lang gehegter Plan, nämlich die Räumung der Ghettos konnte nun in Angriff genommen werden, und somit Platz geschaffen, um die Deportationen mit Schwerpunkt Reichsgebiet als auch aus ganz Europa durchzuführen. Nun wurde umgesetzt, was Hitler schon 1939 der Welt prophezeite. Es ist die Fortsetzung, einer der größten Enteignungs und Mordaktionen der Weltgeschichte und sie forderte unzählige Opfer. Im April/Mai des Jahres 1942 verdichten sich mehrere Gegebenheiten und vollenden sich zu einem Programm welches man nach Reinhard Heidrichs Tod dem Kopf der Vernichtungspolitik im Juni 1942, rückwirkend „Aktion Reinhardt“ benennen wird. Am  19 Juli besuchte Himmler Sobibor möglicherweise auch Belzec, während dieses Besuches gab der Reichsführer SS Befehl das Generalgouvernement bis Ende des Jahres 1942 vollkommen von Juden zu räumen, diese also zu töten.Gegen Mitte/Ende 1943 brach man die Aktion ab, Himmler erklärte das Reichsgebiet für „Judenfrei“ , doch die Mannschaft des „Vernichtungsbetriebes“ blieb in seinem Kern erhalten und wurde nach Norditalien versetzt. Auch hier im Zuge der Deportationen beginnt man abermals eine kleinere Vernichtungsanstalt mit mobilen Gaswagen einzurichten. Das Kriegsgefangenenlager Stalag 339 in Riseria San Sabba wurde hierzu im Oktober 1943 in ein „Polizeihaftlager“ umgewandelt und das Töten begann erneut.

BELZEC – DIE STRUKTUR

Belzec

Bild: Aufbau und Organisation des Tötungslagers Belzec in der ersten Phase nach Dr. Sara Berger

Die Struktur der Aktion Reinhardt Organisation gliederte sich in zwei wesentliche Gruppen. Die „medizinischen“ Mannschaften der Euthanasie u.  Pflegeanstalten sowie den SS Polizeiangehörigen also den exekutiven „überwachenden“ Teil. Die Entlohnung des Personals der Euthanasie erfolgte über die Organisation der Euthanasie, diese unterstand direkt der Kanzlei des Führers dem Hauptamt II „Angelegenheiten betr. Staat und Partei“. Nach der Eingliederung des Euthanasiepersonals in die Struktur der Aktion Reinhardt erhielten diejenigen des medizinischen Personals, formal auch Ränge der SS um die Befehlshierarchie zu ordnen. Bis Juni / Juli wurden 51 der T4 in die Vernichtungslager versetzt. Neben diesen Zwei Hauptgruppen der Organisation, gab es noch zwei weitere untergeordnete die zur Umsetzung herangezogen wurden, die Trawnikis sowie Häftlinge der Lager die unterschiedliche Aufgaben zu verrichten hatten. Die sogenannten Trawnikis waren Hilfspersonal der SS Polizeimänner und waren zumeist angeworbene  Russen, Ukrainer oder Polen. Vorerst hatte man die „Trawniki Männer „ als „Wachmannschaften des RFSS  (Reichsführer SS)  für die Errichtung der SS und Polizeistützpunkte im neuen Ostraum „ ausgebildet. Dieser Plan sah vor in den neu besetzten sowjetischen Gebieten Volksdeutsche Siedlungsinseln zu errichten. Diese konnten nicht ohne umfangreiche Zwangsarbeiterprogramme  umgesetzt werden wofür man wieder herum diese Wachmannschaften benötigte und ausbildete. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man die jüdischen Menschen in Lagern im ganzen sowjetischen Osten untergebracht hätte um diese umfassenden Bauprojekte umzusetzen. Mit dem Scheitern des Krieges verwarf man zum größten Teil diese Siedlungsprojekte die man im Distrikt Lublin jedoch schon umgesetzt hatte. Odilo Globocnik der SSPF (SS Polizeiführer) in Lublin war Himmlers Mann für dieses Projekt, welches Anfang 1942 jedoch eingestellt wurde. Es ist also kein Zufall, dass sich in diesem Distrikt des Generalgouvernements schlussendlich auch  die Vernichtungslager bildeten an der Grenze zu jenen Gebieten die man ursprünglich zur Germanisierung auserkoren hatte. Ab 1942 benannte man die ausgebildeten Trawniki (auch Askaris oder Schwarzhemden genannt) Wachmannschaften so auch in “ Wachmannschaften des SSPF in Lublin „ um und sie wurden in den Vernichtungsbetrieb weiter eingebunden. Diese Männer waren oftmals selbst Kriegsgefangene gewesen und waren in den Kriegsgefangenenlagern mörderischen Bedingungen ausgesetzt gewesen, einige stellten so ihre Dienste den Nationalsozialisten zu Verfügung. Sie stellten die Mehrzahl der Wachmannschaften der Aktion. Sie waren aber nicht nur passiv tätig sondern beteiligten sich auch bei Bewachungs – und Räumungsaufgaben von Ghettos sowie Massenerschießungen. In den Lagern selbst wurden die Hauptaufgaben jüdischen Häftlingen übertragen. Diese mussten unter Todesangst vor allem in den Tötungsabschnitten die organisatorischen Aufgaben übernehmen. Hierzu zählten die Sortierung der Wertgegenstände, das schneiden der Haare, die Entleerung und Reinigung der Gaskammern nach der Tötung, das herausbrechen der Goldzähne und schlussendlich die Beseitigung der Toten in Massengräbern später bei umfangreichen Verbrennungen der Leichen. Allgemein verrichteten sie auch handwerkliche Tätigkeiten und wurden so zu einem fixen Bestandteil der Lagerorganisation. Da die deutsche Lagerkommandanten sehr darauf bedacht waren die Aktionen in den Vernichtungslagern geheim zu halten, und Kontakt bzw. Verbindungen unter den Häftlingen und somit Widerstandsbewegungen zu unterbinden tötete man die Mehrzahl der Lagerarbeiter regelmäßig.

Die Männer der Aktion selbst waren als SS Sonderkommando deklariert und standen somit weitgehend außerhalb der gewöhnlichen SS  Hierarchien. Dies gab dieser Aktion weitreichende Autonomie, was auch der absoluten Geheimhaltung dienen sollte. Die drei Lager der Aktion Reinhardt Belzec, Sobibor, Treblinka, unterstanden auch nicht der Inspektion der Konzentrationslager in Oranienburg bzw dem WVHA Wirtschafts Verwaltung Haupt Amt der SS, sondern bekamen ihre eigene Inspektion unter der Leitung SS Hauptsturmführers Christian Wirth  in Lublin. Wirth und sein „Sonderkommando“ waren nur in allgemeinen Richtlinien ihren direkten Vorgesetzten, dem SS Polizeiführer Odilo Globocnik in Lublin und Viktor Brack dem Leiter der Euthanasieorganisation aus der Kanzlei des Führers unterstellt. Sie handelten also weitgehend autonom.

Karl Brandt-

Hitlers Begleitarzt Prof. Dr.Karl Brandt, der schon in der Euthanasie eine zentrale Rolle gespielt hatte erinnerte sich nach dem Krieg bei seinem Prozess.

„Im Jahre 1941 erhielt ich den mündlichen Befehl, das Euthanasieprogramm einzustellen. […] Um das durch die Einstellung  freigewordenen Personal zu erhalten und um die Möglichkeit zu haben, nach dem Krieg ein neues Euthanasieprogramm in die Wege zu leiten, forderte mich Bouhler nach einer Konferenz mit Himmler – wie ich glaube – auf, dieses Personal nach Lublin abzustellen, zur Verfügung des Brigardeführers Globocnik. „

 Josef Oberhauser, lange Zeit in der Euthanasie, der Tötung körperlich und geistig behinderter Menschen tätig, erinnerte sich bei seiner Vernehmung:

„Ab Oktober 1941 habe ich keine Tätigkeit für die Euthanasie ausgeübt, ich bekam 4 Wochen Urlaub und wurde dann im November 1941 nach Lublin abgestellt.“

„In der KDF meldeten wir uns bei Brack. Er erklärte uns nach meiner Erinnerung  dem Sinne nach, daß wir nach Lublin und dort zu Globocnik kämen.[…] Von der KdF [Kanzlei des Führers] begaben wir uns ins [-SS] Führungshauptamt. Dort wurden wir eingekleidet. Anschließend fuhren wir zur Tiergartenstr. 4. Das waren aber nicht alle, sondern nur die  welche vorher schon bei der T4 gewesen waren. […] Nach meiner Erinnerung kam ich noch vor Weihnachten 1941 schon einige Male nach Belzec. […] Um die Jahreswende wurde dann von der SS Bauleitung Lublin das Lager Belzec aufgebaut. „

Erich_Fuchs

(Bildquelle: Wikipedia.org) – Ebenso Erich Fuchs, der etwa im Jänner 1942 mit weiterem Personal des T4 Programms (Euthanasie) nach Belzec kam :

„Eines Tages im Winter 1941 stellte Wirth einen Transport nach Polen zusammen. Ich wurde mit etwa acht bis zehn Personen ausgewählt und mit drei Kraftwagen nach Belzec verlegt, In meiner Begleitung befanden sich Borowski, Niemann, Graetschus und Barb[e]l. Die übrigen Namen sind mir z.ZT. nicht in Erinnerung. Bei unserer Ankunft trafen wir dort Friedel Schwarz und zwei SS Leute, auf deren Namen ich mich nicht besinnen kann. Sie bewachten einen Barackenbau, der von uns als Gaskammer eingerichtet werden sollte. Wirth sagte uns, daß in Belzec alle Juden umgelegt werden sollten.“

Hauptsturmführer Christian Wirth (letzter Rang Sturmbannführer)  erster Kommandant des Tötungslager Belzec –  Schlussendlich Organisator der Tötungen der gesamten Aktion Reinhardt. Man nannte ihn auch „Christian den Grausamen“. Wirth verstarb noch während des Krieges in Italien offiziell durch Partisanen. Gerüchte besagen er sei jedoch von seinen eigenen Männern getötet worden. Er war der Typ „hemdsärmeliger Anpacker“ , mit äußerster Brutalität der Sache des Massenmordes ergeben. Beim Aufbau der „Aktion Reinhardt“ musste er sich Vorort selbst organisieren, beschlagnahmen, abbauen mit Hilfe einheimischer Bevölkerung und jüdischer Häftlinge einen „Betrieb“ einrichten. Dies ist typisch für den Aufbau der Lager im Osten generell. Bescheidenste finanzielle Mittel, wenig Baumaterialien, bzw fachkundiges Personal. Auch der Kommandant von Auschwitz Höß berichtete nach dem Krieg, ihm hatten keinerlei Mittel zu Verfügung gestanden alles musste aus der Umgebung „organisiert“ werden.

Wirth galt als unerbittlicher Tyrann, auch gegenüber seinen eigenen Männern. Im Prozess gegen seinen engen Mitarbeiter Oberhauser formulierte das Gericht es folgendermaßen: dem er den Wunsch nach Versetzung zweimal vorgetragen habe, sei jedesmal darüber in Wut geraten, so dass an eine Fortsetzung des Gespräches nicht mehr zu denken gewesen sei. Bei der Persönlichkeit des Polizeimajors und SS-Sturmbannführers Wirth, dessen hervorstechende Eigenschaften absolute Gefühllosigkeit und Rücksichtslosigkeit gewesen seien, hätte eine offene Befehlsverweigerung unweigerlich zur Selbstvernichtung geführt. Ob Oberhauser wirklich solch radikale Konsequenzen gedroht hätten kann bezweifelt werden, doch auch weitere Aussagen der Wachmannschaften und Mitarbeiter bezeugen dass Wirths cholerische Persönlichkeit auch nicht vor Gewalt zurück schreckte. Oberhauser selbst meinte jedoch bei seiner Verhandlung : „Mit dem Hauptmann der Schutzpolizei Wirth stand ich gut, ich schätzte ihn als Soldaten und er mich, weil ich meinen Dienst ordentlich verrichtete und nicht so lasch war wie die Reservisten, die er sonst zur Verfügung hatte …. Ich konnte mit ihm schon reden. Zu anderen Personen des Lagerpersonals, daher zu solchen, die nicht aktiv zur SS und Polizei gehörten, war er härter und teilweise brutal. Es mag sein, dass er solche auch mit der Peitsche geschlagen hat. Bei mir konnte er sich derartiges nicht erlauben.“

Der SS Richter Konrad Morgen, ermittelte auf Grund der unglaublichen Korruption innerhalb der SS die sich durch die beschlagnahmten Millionenwerte in den Konzentrationslagern entwickelt hatte. Veruntreuung, Bestechung, Korruption, Mord, drohten einen schweren wirtschaftlichen bzw. Imageschaden zu hinterlassen. Vereinzelte Kreise in der SS versuchten gegen dieses Treiben innerhalb der Organisation vorzugehen, doch nur mit Teilerfolgen. Auch Rudolf Höß der Kommandant von Auschwitz geriet in Schwierigkeiten und wurde „versetzt“ (siehe Anhang Quelltext hierzu). Es kam zu Gefängnisstrafen und sogar zu Todesstrafen, die Korruption konnte bis zuletzt jedoch nicht gestoppt werden, vor allem das „Generalgouvernement“  blieb hinter vorgehaltener Hand als korrupt verschrien. Morgen wusste nicht um die Aktion Reinhardt doch führten ihn seine Ermittlungen nach Lublin zu SSPF (SS und Polizeiführer) Odilo Globocnik sowie den Organisator Christian Wirth. Nach dem Krieg in Nürnberg berichtete er von einer Befragung Wirths und wie er über die Geheime Reichssache der Ermordung der jüdischen Menschen erfuhr:

„Ich fragte nun Wirth weiter, wie er mit diesen seinen Juden die Juden selbst umbringe. Wirth schilderte mir daraufhin das ganze Verfahren, das jedesmal wie ein Film ablief. Die Vernichtungslager befanden sich im Osten des Generalgouvernements in großen Wäldern oder unbewohnten Ödländern. Sie waren aufgebaut wie ein Potemkinsches Dorf, das heißt, die Ankömmlinge hatten den Eindruck von einer größeren… in eine größere Stadt oder menschliche Siedlung zu kommen. Der Zug fuhr in einen Scheinbahnhof hinein. Nachdem Begleitpersonal und Zugpersonal das Gelände verlassen hatten, wurden die Waggons geöffnet und die Juden stiegen aus. Sie sahen sich sofort von diesen jüdischen Arbeitskommandos umgeben, und als erstes hielt der Kriminalkommissar Wirth beziehungsweise einer seiner Vertreter eine Ansprache. Er sagte dies: »Juden, Ihr seid hierhergebracht worden, um umgesiedelt zu werden. Ehe wir Euch aber diesen zukünftigen Judenstaat organisieren, müßt ihr selbstverständlich arbeiten lernen. Ihr müßt einen neuen Beruf ergreifen. Das kriegt Ihr hier gelernt. Zunächst fängt das hier so an, daß sich jeder, wie es vorgeschrieben ist, auszieht, damit Eure Kleider desinfiziert und Ihr gebadet werden könnt und keine Seuchen in das Lager geschleppt werden.« Nachdem er also so beruhigende Worte an seine Opfer gefunden hatte, traten diese den Weg in den Tod an. In der ersten Station – Frauen und Männer getrennt – hatte er seinen Hut abzugeben, in der nächsten seinen Rock, seinen Kragen, sein Hemd, bis auf die Schuhe und Strümpfe. Dafür bekam er bei einer… bei diesen als Garderobe eingerichteten Stellen jedesmal eine Kontrollmarke in die Hand, so daß die Leute glaubten, sie bekämen nachher auch ihre Sachen zurück.“

gesamte Aussage Morgens in Nürnberg lesen Shoaportal Archiv+Anmerkungen

 Belzec Experiment der Massentötung

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Das SS Sonderkommando in Belzec (Barbl, Dachsel, Zierke, Gringers, sowie Hackenholt und der Polizist Tauscher) (Quelle: USHMM #87764)

Am  1 November begann man mit Bauarbeiten in einem Gebiet, das der zuständige SS Polizeiführer Globocnik schon gut kannte , der kleinen Ortschaft Belcek. Bis Mitte 1940 hatte sich dort ein Arbeitslager für jüdische Zwangsarbeiter befunden, nun plante man etwas abgelegen von der kleinen Stadt welche einst auch als Expositur für jüdische Menschen in den Osten dienen sollte, ein Lager zur Ermordung unzähliger Menschen. Die Frage der Bauleitung  ist bis heute nicht geklärt. Erich Fuchs behauptete wie es auch in der meisten Literatur heute zu lesen ist das „Thomalla  Hoch und Tiefbau“ zu Beginn des Lagers die Bauleitung hatte doch neueren Erkenntnissen zu Folge war Thomalla zu jener Zeit in Kiew. Aussagen polnischer Arbeiter deuten unter anderem auf einen volksdeutschen Zimmermann aus Kattowitz hin. Die Baukommission kam jedoch aus Lublin. Der T4 Euthanasie Mitarbeiter Josef Oberhauser dürfte hierbei Baumaterialien organisiert haben. Um den 18 November 1941 trafen die ersten Trawniki Wachmänner in dem noch sehr provisorischen Lager ein. Die Anzahl wird mit etwa 60 Männern angegeben, die beim Lageraufbau mitarbeiteten (Tarnung des Lagers und Barackenbauten sowie die ersten Massengräber aushoben). Im Jänner begann man mit frisch angeforderten Trawniki – Männern einen regulären Lagerbetrieb aufzunehmen.  Es bestand lediglich auf einer Fläche von ca 265 mal 275 Quadratmetern. Als reines Tötungslager konzipiert benötigte es vorerst wie alle Lager der “Aktion Reinhardt” keine aufwendigen Bauten zur Unterbringung von Menschen. Dementsprechend gering erscheint die Fläche auf der bis zur seiner Schließung schon im Frühjahr 1943 Menschen getötet wurden.

SS Hauptsturmführer Christian Wirth wurde der erste Kommandant des Lagers, er entschied sich schlussendlich für das Töten durch Kohlenmonoxid in Verwendung von Motorabgasen. Man arbeitete auch an (zumindest einer nachweisbar) mobilen „Gaswagen“ und kam nach Probeversuchen zu dem Schluss, dass für die Menge an zu erwartenden Menschen diese Methode für Belzec nicht geeignet schien. Der Mechaniker und Erbauer der Gaskammern in den Vernichtungslagern der T4 Angestellte Hackenholt hatte die Umbauarbeiten des Lastkraftwagen geleitet. Während dessen baute dieser und seine Kollegen der Spengler Barbl und Fuchs mit Hilfe polnischer Arbeiter aus der Umgebung eine der Holzbaracken in ein Gebäude mit drei Gaskammern und einer kleinen Holzrampe um. Um die Kammern luftdicht abzuschließen legte man zwei Reihen der Holzverschläge der Wände an (also Hohlwände sowie Schiebetüren mit Gummidichtungen) die man einfach mit Sand befüllte und ergänzend mit Teerpappe abdichtete. Die Böden dürfte man einfach mit Zinkblech beschlagen haben um die Kammern nach dem Tötungsvorgang besser reinigen zu können. Barbl baute laut Überlieferung die Verrohrung der Anlage die man in Tomaszow Lubelski (Werkstatt Kazimir Czerniak) herstellen hatte lassen. Schlussendlich dürfte Fuchs noch Duschköpfe zu Täuschungszwecken an den Decken angebracht haben. Zu Beginn (etwa Frühjahr 1942) experimentierte man noch mit Flaschengas,  später installierte man einen russischen Panzermotor. Laut Aussagen hatte man kurzzeitig anscheinend auch versucht mit einfachen Verbrennungsvorgängen Kohle bzw Holz Kohlenmonoxid zur Tötung zu erzeugen, ein Versuch der ebenfalls aufgegeben wurde. Zyklon B wie auch im Gerichtsurteil des Belzec Prozess erwähnt, wurde jedoch wahrscheinlich nie benutzt zumindest nicht als „reguläres“ Tötungsmittel. Als Desinfektionsmittel wurde laut heutiger historischer Erkenntnis in Belzec vor allem Chlorkalk benutzt. Es wäre jedoch durchaus möglich, dass man Zyklon B zur Tötung in Betracht gezogen hatte, sowie etwa Kurt Gerstein es in seinen Aussagen beschrieb. Schlussendlich entsandte die Kanzlei des Führers noch einen Chemiker dessen Identität nicht restlos geklärt werden konnte, wahrscheinlich war es Helmut Kallmeyer der  unter einem Pseudonym „Dr Blaurock“ auftrat, um die Feineinstellungen des Motors abzustimmen.  Der Schlosser Kasimir Czerniak wurde beauftragt einen Filter zu entwerfen um die Rauchentwicklung zu minimieren. Belzec trat nun in seine erste größere Transport – bzw Tötungsphase ein.

 DIE ERSTE PHASE DER TÖTUNGEN

März bis April 1942

Dr_Sara_Berger_ Aufstellung_Deportationen_Belzec

Deportationsaufstellung Belzec Frau Dr. Sara Berger (Quelle: Experten der Vernichtung)

 Himmler hatte neue Kompetenzen gegenüber dem Generalgouverneur und Chef der Zivilverwaltung Hans Frank gewonnen. Frank hatte sich in einen Korruptionsfall verwickelt, ein Umstand den Himmler nun auszunutzen suchte. 1940 hatte Frank die SS und Polizei auf Grund ihrer radikalen und kriminellen Methoden in Fragen der Arisierung und Vertreibung bei Göring und Hitler ausspielen können und  so die Kontrolle über das Stück Restpolens (Generalgouvernement) behalten. Frank hatte damals auch die Deportationen in sein Einflussgebiet weitgehend beenden können. Dies hatte dazu geführt, dass mit Hitlers Deportationsbefehl der Reichsjuden im September 1941 die Ghettos des Generalgouvernements für Himmler als Deportationsziel nicht in Frage kamen.  In diesem Sinne hatte Himmler auch Arthur Greiser geschrieben da die Deportationen so ins Wartheland nach Lodz  gelenkt wurden oder auf ehemals sowjetisches Gebiet  wie zb Riga, oder Minsk. Am 5 März hatte Himmler, Lammers, Frank und Bormann eine Aussprache. Himmler konnte den Höheren SS und Polizeiführer im Generalgouvernement Krüger als Staatssekretär für alle Fragen der Polizei und der Festigung deutschen Volkstums  in Franks Verwaltung unterbringen. Weiters wollte Himmler anscheinend den Distrikt Lublin als eigenen Verwaltungsbezirk abspalten und Odilo Globocnik als Gouverneur einsetzen, ein Plan der nie umgesetzt wurde. Es wäre auch nur ein formaler Schritt gewesen, weitgehende Autonomie  ohnehin seit Monaten praktiziert wurde. Lublin war nun ein wenn man so will von der SS vollkommen kontrollierter Bezirk und es ist deswegen keine Überraschung, dass man hier die Vernichtungslager umsetzte. Franks Distriktverwaltung (bzw Verwalter) hatten hervorragend an den Ghettobewohnern durch Zwangsarbeit, Arisierung, Erpressung, Mord verdient. Deswegen scheute man sich lange die Kontrolle über die jüdischen Menschen zu Gunsten von Deportationen und Endlösung aufzugeben, auch wenn man die „unnützen Esser“ die nicht arbeitsfähigen Kinder Frauen Alte sowie Schwache gerne „beseitigt“ gesehen hätte. Frank hatte nun jedoch, den Großteil seiner Macht eingebüßt und die SS konnte ab diesem Zeitpunkt ungehindert ihre radikalen Interessen durchsetzen und vor allem die Sachwerte die in die Millionen gingen unter ihre Kontrolle bringen. Am 13/14 März 1942 kam Himmler abermals persönlich ins Generalgouvernement und traf sich mit dem Höheren SS und Polizeiführer als auch mit Globocnik. Nach Himmlers Besuch traf sich am 16 März ein Beamter der „Abteilung“ Bevölkerungswesen u Fürsorge des Districts Lublin mit Hermann Höfle. Der „Ostmärker“ Höfle kam im Namen seines Vorgesetzten Odilo Globocnik den ehemaligen Gauleiter Wiens der auf Grund von Veruntreuung seine Karriere als SSPF (SS- Polizeiführer) in Lublin fortsetzen musste. Er kam mit der Behörde überein, dass er täglich vier bis fünf Transporte in Belsec aufnehmen könne. Diese jüdischen Menschen erklärte er Reuter “ kämen über die Grenze und würden nie mehr ins Generalgouvernement zurück kommen“ Einen Tag später so datiert man heute, begannen die ersten regelmäßigen Tötungen durch chemische Verfahren – sprich Vergasungen in Belzec, mit jüdischen Menschen aus Lublin und Lvov. Die ersten Transporte kamen alle aus dem District Lublin selbst, zuerst aus dem großen Ghetto Lublin, ca     30 000 der 37 000 jüdische Insaßen wurden im Zuge der Räumung getötet. Parallel hierzu setzten Deportationen aus Zamosz, Piaski, Izbica und Lemberg ein. Die Ghettos des Distrikts wurden nun systematisch geräumt. Himmler hatte auf vernichtende Weise die Blockadepolitik in Judenfragen durchbrochen, und einmal mehr war Mord durch chemische Verfahren die Antwort auf alle seine Problemfelder.

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Hermann Höfle, ein maßgeblicher Mitorganisator der Aktion Reinhardt, konnte sich nach dem Krieg 1961 nicht erinnern „er habe von nichts gewusst“. Natürlich wusste Höfle als organisatorischer Leiter der Räumung der Ghettos im District Lublin sowie im größten Ghetto Warschau als Fachmann aus Globocniks Stab  auch um die „Endstation“ der Deportierten in den Tötungslagern. Höfle war auch der Kopf und Organisator hinter dem Ausbildungsprogramm der Trawniki Männer (Askaris) die ihren Dienst in den Vernichtungslagern versahen. Nach dem Polen seine Auslieferung verlangte flüchtete Höfle nach Italien. 1951 wird er bei dem Versuch von Österreich nach Deutschland zu gelangen verhaftet. Zu dieser Zeit wusste man jedoch noch nicht ausreichend über die Aktion Reinhardt und Höfles Rolle. Höfle belügt alle, er habe zu jener Zeit Partisanen in Russland bekämpft, während er im Generalgouvernement für „Sicherheitsaufgaben“ zuständig gewesen sei. Schlussendlich arbeitete er für den US amerikanischen Geheimdienst CIC als „low-level-agent „ Deckname „Hans Hartmann“. Er sollte seine SS Kameraden bespitzeln. Doch dies nutzte Höfle schlussendlich alles nichts. 1961 wurde er neuerlich verhaftet und nun hatte man mehr Indizien für seine Rolle innerhalb der Mordmaschinerie. Kurz vor seinem Prozess, wurde er am 20 August 1962 in Wien erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Noch 2001 fand man ein Dokument des britischen Abhördienstes das Höfle im Nachhinein schwer belastete. Ein von ihm abgesetzter Funkspruch vom 11. Jänner 1943 an Eichmann und Obersturmbannführer Heim in Krakau über die jüdischen Deportationszahlen in die Tötungslager die eine Gesamtzahl bis Ende 42 mit 1 274 166 Menschen angibt. Für Belzec allein 434 508 Menschen.


DER ABLAUF – „DURCHGANGSLAGER“ DES TODES

 Vergraben der Leichen:  Tote nach einer Massenerschießung 1942 im...

Massenerschießungen waren in Belzec auf Grund der hohen Deportationen vor allem in der Anfangszeit an der Tagesordnung. Hier die Trawniki Männer bei der Bewachung eines Massengrabes. (Quelle: spiegel.de die eigentliche Quelle konnte nicht ermittelt werden, dieses Bild ist jedoch auch in Literatur zu finden)

In dieser ersten Erfahrungsperiode der Massentötung die etwa vier Wochen andauerte, wurde jeder ankommende Transport jüdischer Menschen in mehrere Teile gegliedert und nacheinander durch die einzelnen Abteilungen des Lagers durchgeschleust. Bei größeren Transporten wurden zuerst die Männer abgefertigt, ein System das alle Lager der Aktion Reinhardt übernahmen, aus Sicherheitsgründen. Nach dem die jüdischen Menschen die Züge verlassen hatten dürfte Wirth persönlich zu Beginn noch eine einführende Rede gehalten haben um die Menschen zu beruhigen und diese eines „Arbeitseinsatzes“ hier im Osten zu versichern. Um Krankheiten zu verhindern müssten die Menschen  zur Desinfektion. Ein Prozedere, dass in allen Durchgangslagern generell üblich war. Dann wählte man direkt aus den angekommenen Transporten vereinzelt Männer aus die beim „abfertigen“ der Transporte helfen mussten und zu Beginn der Aktion schon am Ende Tages mit den letzten Menschen der Transporte wieder umgebracht wurden. Die erste Gruppe wurde nun in eine Baracke geführt wo diese ihr Gepäck abzugeben hatten. Dann wurden sie weiter durch einen mit Stacheldraht umgebenen Durchgang (Allee) zur Entkleidungsbaracke (ein großer leerer Raum) geführt, der einen abgetrennten Bereich für Wertsachen hatte. Hier mussten sich Männer Frauen und Kinder entkleiden bevor sie getrennt wurden (bei kleineren Transporten). Die Männer waren wie schon beschrieben bei großeren Transporten die ersten die zu den Entkleidungs – bzw Gaskammern geführt wurden. Von der Entkleidungsbaracke führte ein etwa 10 Meter  langer Holzkorridor zu der Baracke mit den Gaskammern. Die drei Kammern hatten einen Eingang und gegenüber liegend einen Ausgangsbereich mit einer davor angebrachten Holzrampe. Der Ausgang der Gaskammern wurde  nun geöffnet um die Leichen zu bergen und mit Hilfe einer kleinen Lorenbahn die hinter der Baracke bei der Holzrampe halt machte beladen und die Toten in einen anderen Bereich des Tötungsbereichs zu den Massengräbern brachte. Dort wurde die Transportbahn entladen und die Menschen vergraben.

Für dieses System hatte man sich anscheinend entschieden, da Verbrennung und dies wussten die Experten der Tötung schon aus der Euthanasie zu lange gedauert hätte.  In der ersten heute so benannten Transportphase zeigten sich einige Schwachstellen des von der T4 Mannschaft entwickelten Ablaufs. Die Deportationskapazitäten überstiegen die Möglichkeiten der Baracke und der drei Gaskammern. Trotzdem, setzte Wirth die Deportationen nicht aus und es dürfte zum Ausgleich zu umfangreichen Erschießungen gekommen sein. Man hatte keine Häftlingsbaracken (nur für wenig Lagerpersonal) errichtet und somit musste das Töten durchgehend schnell durchgeführt werden.  Der etwa 10 Meter lange Korridor aus Holz zwischen Entkleidungsbaracke und der Baracke mit den Gaskammern erwies sich als zu kurz. Dies erschwerte die Geheimhaltung, die Menschen erkannten, dass ihnen der Tod drohte. Die Türen der Gaskammern erwiesen ich nicht als ausreichend abgedichtet, so musste man während der Tötungen Sand vor die Türen schütten. Der Motor zur Erzeugung des Kohlenmonoxid dürfte mehrmals ausgefallen sein. Die Tötungen erwiesen sich als zu langsam was zu Panik und Gewaltreaktionen führte. Schlussendlich führte die Mordmaschinerie zu überfüllten Massengräbern und vor allem im Sommer zu starken Verwesungsgeruch bis in weitere Umgebung. Die überfüllten Massengräber entwickelten starke Verwesungsgase welche die Zersetzungsflüssigkeiten an die Erdoberfläche drückten. Die Mangelhaftigkeit der Kammern und die zu klein bemessene Kapazität die einen reibungslosen Ablauf verhinderten führten dazu, dass man Mitte Mai dazu überging neue größere Kammern zu bauen.

Im Gerichtsurteil des so genannten Belzec Prozess urteilte das Gericht folgendermaßen :

Als man genügend Erfahrung gesammelt hatte, riss man etwa Mitte Mai die ursprüngliche Vergasungsbaracke ab und errichtete an ihrer Stelle ein massives Steingebäude mit insgesamt 6 Gaskammern im Ausmass von 4 x 5 m. Dieses war Ende Juni 1942 fertiggestellt. An der Eingangstüre war die Aufschrift „Bade- und Inhalationsraum“ angebracht. Der Bau wurde in seiner Länge durch einen Gang geteilt, zu dessen beiden Seiten jeweils drei Gaskammern lagen. Die Kammern waren durch Türen zugänglich, die luftdicht abgeschlossen und von innen nicht geöffnet werden konnten. An der Aussenseite jeder Gaskammer waren mit Gummi abgedichtete Schiebetüren angebracht, die auf Rampen hinausführten, auf die nach Beendigung des Vergasungsvorgangs die Leichen zum Zwecke des Abtransportes verbracht wurden. Die Gaszuführung zu den einzelnen Kammern erfolgte durch ein Röhrensystem. Die Räume waren zur Erleichterung der nach der Vergasung erforderlichen Reinigung bis zu einer Höhe von ca. 1 m mit Zinkblech verkleidet.

Nach Fertigstellung des Massivbaues konnten bei einem Vergasungsvorgang bis zu etwa 1500 Menschen getötet werden. Es bestand nunmehr die Möglichkeit, verhältnismässig grosse Transporte zusammenzustellen und die darin befindlichen Menschen innerhalb weniger Stunden zu töten.[…]

Gitta-Sereny-and-Stangl

Der ehemalige Kommandant des Tötungslagers Sobibor und Treblinka Franz Stangl im Gespräch mit der in Wien geborenen Journalistin Gitta Sereny für ihr Buch „Into That Darkness „. Sereny interviewte viele auch hochrangige Nationalsozialisten (z.b. Speer). Stangl sah sich als Opfer, er habe einen Führerbefehl ausgeführt – … Er war kein Teufel wird Sereny über Stangl berichten, geradezu ein banal einfacher Mann, der besessen unter allen Umständen seine Pflicht erfüllen wollte. Die Vernichtung der Juden war für Stangl eine gegebene Tatsache, ein „Projekt“ das größer war und letztlich von ihm selbst unabhängig. Jahre hatte Stangl sich in Brasilien versteckt, bis man ihn 1967 verhaftete. Nach seiner Verurteilung 1970, wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Juden verstarb Stangl an einem Herzinfarkt in Haft. Gustav Wagner sein Stellvertreter, hielt sich ebenfalls in Brasilien auf. Gegen Wagner wurden mehrere Auslieferungsanträge gestellt, doch Brasilien hatte diese niemals vollzogen. Wagner gab jedoch Interviews über die Ermordung der jüdischen Menschen. Auch Franz Stangl erzählte der Autorin Sereny über seinen ersten Eindrücke in Belzec :

Ich fuhr mit dem Auto hin. […] Bei der Ankunft sah man erst den Belzecer Bahnhof auf der linken Seite der Straße […] Es war ein einstöckiges Gebäude. Der Gestank … oh mein Gott, der Gestank. Er war überall Wirth war nicht in seinem Büro. Ich erinnere mich, dass sie mich zu ihm brachten … er stand auf einem Hügel, neben den Gruben… die Gruben … voll … sie waren voll. Ich kann es ihnen nicht sagen: nicht Hunderte – Tausende, Tausende von Leichen … mein Gott. Dort hat Wirth es mir gesagt –  er sagte, daß es das war, wofür Sobibor bestimmt war. Und daß er mich offiziell mit der Leitung beauftragte.

Ende April stellte man die Transporte ein. Wirth und seine Mannschaft Oberhauser Schwarz, Hackenholt und Dubois verknüpften einen Berlin Aufenthalt mit einem Urlaub. Es kam zu Gesprächen mit den Verantwortlichen in der T4 Zentrale also mit Vertretern der Kanzlei des Führers. Was hier genau besprochen wurde ist nicht übermittelt. Wenn wir jedoch betrachten was sich die nächsten Monate entwickelte, ist es sehr wahrscheinlich, dass es um die zukünftige Organisation des zweiten bereits im Bau befindlichen Tötungslagers Sobibor ging sowie dem Bau des dritten Lagers Treblinka das Himmler wahrscheinlich um den 19 April befohlen hatte. Die Mordaktion weitete sich aus. Weiter kann man vermuten das Wirth die Problemfelder besprach die sich nach der ersten Deportationen ergeben hatten. In der zweiten Aprilhälfte kam der Kommandant Sobibors Franz Stangl mit 19 Männern in Sobibor an.  Zuvor war er noch bei Wirth und Globocnik gewesen um seine Befehle zu erhalten.

Ende April Anfang Mai hatte Himmler mit Heydrich innerhalb von nur acht Tagen sieben mal ein Zusammentreffen, und mit Hitler zweimal am 23 April kurz vor der letzten Reichstagssitzung (war am 26.4) )und Hitlers Bevollmächtigungen gegenüber Justiz und Staat, aus der er als „totaler Diktator“ hervorging, sowie am 3 Mai.  Es ist die Zeit der letzten abschließenden Vorbereitungen und Abstimmungen zur umfassenden Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Rückdatiert auf April 1942 wird man diese Aktion nach dem Ableben Reinhard Heydrichs, Aktion Reinhardt benennen.

 wie alles begann GESCHICHTE DER EUTHANASIE lesen

Grundsätzlich empfiehlt Shoaportal zu diesem Thema das hervorragende Buch von Dr. Sara Berger „Experten der Vernichtung“ Verlag Hamburger Edition –

 Entscheidungen des Massenmords (link oben) Quellen:

1)13 Oktober Wirtschaftsminister Funk bei Hitler Kershaw Adolf Hitler Biografie S706

2)1 Oktober Brief Globocnik an Himmler sowie das Treffen zitiert aus Johannes Sachslehner „Zwei Millionen ham ma erledigt“ Odilio Globocnik Biografie S185/86. Am 13 Oktober 1941 vermerkt Himmler in seinem Dienstkalender von 18 -20 Uhr das Gespräch mit Globocnik und Krüger

3)Wirths Abkommandierung zur Kanzlei des Führers Sara Berger Experten der Vernichtung – S35/36

QUELLEN:

1)zu Himmlers Befehl zur Räumung des Generalgouvernements 19 Juli 42 zitiert aus Sara Berger- Experten der Vernichtung S91/Himmler an Krüger 19.7.1942Barch NS 19/1757, BL zitiert aus Witte  Dienstkalender S 482-483

2)Aussage Brandts -Hitlers Anweisung zum Ende der Aktion und das T4 Personal – siehe Nürnberger Dokument NO-426 Ärzteprozess, Exhibit – Nr. 160, Microfiche 168, S. 04271, wir zitierten dies aus Neueste Studien zur Massentötungen durch Giftgas Herausgegeben von Günter Morsch Bertrand Perz unter Mitarbeit von Astrid Ley Metropolverlag S168.

3)Aussage Oberhauser – zitiert nach Fischer Euthanasie im Dritten Reich S322- dieser zitierte Aussage Oberhauser vom 4.2.1963 L.G Hamburg (54) 4/62

4)Aussage Fuchs – zitiert nach Fischer Euthanasie im Dritten Reich S322- dieser zitierte Aussage Fuchs vom 8.4.1963 45 JS 27/61 STA Dortmund.

5)Aussage Konrad Morgen Nürnberger Prozess Hauptverhandlung – 197 Verhandlungstag  Aussage Konrad Morgen  Mittwoch 7 August 1946 siehe Shoaportal Archiv

6)Zahl der versetzten T4 Männer in Vernichtungslager bis Juni / Juli Sara Berger Experten der Vernichtung  1942 S37

7) zu Bauleitungsfrage in Belzec Fuchs traf Thomalla nicht persönlich in Belzec nur in Sobibor und Treblinka zur Bauleitung  wir zitierten aus Sara Berger Experten der Vernichtung S43/ 17 Breslau Fuchs 19.9 1963 La Münster Q 234 Nr 4292 BL 187-192 Schulte  Initiative  S134  –  –

8)Trawnikis 18 November Sara Berger Experten der Vernichtung   S43/22

9)zu Reuter Notiz und Höfle siehe Johannes Sachslehner Globocnik Biografie „Zwei Millionen ham ma erledigt“ S202- 205

10)Belzec-Prozess – Urteil LG München I vom 21.1.1965, 110 Ks 3/64 siehe Shoaportal Archiv

11)Franz Stangl zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S385 dieser zitierte Gitta Sereny am Abgrund Gespräche mit dem Henker Franz Stangl und die Morde von Treblinka München Zürich 1997 S128

12)April/Mai Himmler und seine Treffen mit Heydrich sowie Hitler siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S582/583

Shoaportal Archiv : SS Richter Konrad Morgen Nürnberger Hauptverhandlung 1946

ANMERKUNGEN VON SHOAPORTAL :

Die Untersuchungen die den SS Richter Konrad Morgen nach Lublin führten waren möglicherweise im Zusammenhang mit Odilo Globocnik und seinem „Judenkönig“ von Lublin Szama Grajer (polnisch Grajera), ein Zuhälter und Betrüger der mit der SS kollaborierte Feste und Orgien organisierte, sowie direkten Zugang zu dem Kärntner SS Brigadeführer (letzter Rang Gruppenführer und Höherer SS Polizeiführer) Globocnik (angeblich sogar einen eigenen Telefonanschluss zu diesem) hatte. Grajer dürfte durch Erpressung für sich und die SS Profit aus den Deportationen geschlagen haben. Er heiratete im Sommer 1942 die nur 17 jährige als „Schönheit“ bekannte Mina Fiszman. Die Nazis bedienten sich Grajers und dieser nutzt seine Macht. Laut Überlieferung ist er an mehreren Selektionen in die Vernichtungslager beteiligt, auch im Ghetto von Warschau. Er entscheidet mit SS Männern über Leben und Tod. Die Korruption im Distrikt Lublin ist allgemein gewaltig und wird selbst den NS Rechnungshof beschäftigen, es handelt sich um Millionenwerte. Doch Grajer nützen seine „Geschäfte“ mit seinen einflussreichen SS Freunden nichts, glaubt er vorerst mit deren Hilfe nach Ungarn entkommen zu können, will man den unliebsamen Mitwisser loswerden und ermordet ihn und seine junge Frau, bei der Liquidierung des Ghettos in Majdan Tatarskie. Man hatte ihn wahrscheinlich veranlasst, sich auf seine „Auswanderung“ vorzubereiten. Zwei Lastwägen mit Grajers Besitz sollen an diesem betreffenden Tag schon abfahrbereit vor dessen Haus geparkt gewesen sein. Als man den Unwissenden abholt, zieht einer seiner ehemaligen Gestapo Freunde eine Pistole und schießt Grajer in den Kopf.

VORSITZENDER: Wollen Sie bitte Ihren vollen Namen angeben.

ZEUGE DR. GEORG KONRAD MORGEN: Georg Konrad Morgen.

VORSITZENDER: Wollen Sie mir bitte diesen Eid nachsprechen: »Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde.«

[Der Zeuge spricht die Eidesformel nach.]

VORSITZENDER: Sie können sich setzen.

 RA. PELCKMANN: Herr Zeuge! Wegen der Bedeutung Ihrer Aussage frage ich Sie zunächst etwas eingehender über Ihre Persönlichkeit. Waren Sie SS-Richter der Reserve?

MORGEN: Jawohl.

RA. PELCKMANN: Bitte sprechen Sie langsam, und warten Sie nach jeder Frage etwas ab.

Welche Vorbildung hatten Sie?

MORGEN: Ich habe Jurisprudenz an den Universitäten Frankfurt am Main, Rom, Berlin, an der »Académie de Droit International« in Den Haag und an dem »Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr« in Kiel studiert. Ich habe das erste und das große juristische Staatsexamen bestanden und war vor dem Kriege als Richter am Landgericht Stettin tätig.

RA. PELCKMANN: Waren Sie Spezialist in Kriminalistik und Strafrecht?

MORGEN: Nein. Ich hatte mich auf internationales Recht spezialisiert; aber später, als ich mich mit Kriminalistik und Strafrecht während des Krieges zu befassen hatte, habe ich dort besondere Leistungen erbracht.

RA. PELCKMANN: Wie kamen Sie zur SS?

MORGEN: Zur Allgemeinen SS wurde ich unfreiwillig übernommen. Ich gehörte 1933 dem Reichskuratorium für Jugendertüchtigung an, dessen Studentengruppe geschlossen überführt wurde. Zur Waffen-SS wurde ich bei Kriegsbeginn eingezogen.

RA. PELCKMANN: Welchen Dienstgrad hatten Sie dort?

MORGEN: In der Allgemeinen SS Staffelanwärter, SS-Rottenführer. In der Waffen-SS zuletzt Sturmbannführer der Reserve.

RA. PELCKMANN: Welches Beispiel können Sie dafür anführen, daß Sie nicht glaubten, einer Verschwörung beizutreten, wenn Sie in die SS eintraten? Ganz kurz, bitte.

MORGEN: Ich habe 1936 ein Buch veröffentlicht »Kriegspropaganda und Kriegsverhütung«. Dieses Buch diente dazu, in einer Zeit drohender Kriegsgefahren Mittel und Wege zu zeigen, um Kriege und Völkerverhetzung zu verhindern. Das Buch wurde parteiamtlich geprüft und veröffentlicht. Ich konnte deshalb nicht annehmen, daß die SS oder die Politik der Reichsregierung auf Krieg ausginge.

RA. PELCKMANN: Wie kamen Sie zu den Untersuchungen in Konzentrationslagern?

MORGEN: Ich war auf Befehl des Reichsführer-SS wegen meiner besonderen kriminalistischen Fähigkeiten vom Hauptamt SS-Gericht versetzungsgleich kommandiert zum Reichskriminalpolizeiamt Berlin. Dort erhielt ich kurz nach meinem Eintreten die Aufgabe, einen  Korruptionsfall in Weimar zu untersuchen. Der Beschuldigte war ein Angehöriger des Konzentrationslagers Weimar-Buchenwald. Die Untersuchungen führten bald auf die Person des früheren Kommandanten Koch, auf zahlreiche seiner Führer und Unterführer, darüber hinausgriffen sie um auf eine Reihe anderer Konzentrationslager. Als diese Untersuchungen größeren Umfang annahmen, erhielt ich Vollmacht des Reichsführer-SS, generell für der artige Untersuchungen in Konzentrationslagern tätig zu sein.

RA. PELCKMANN: Wozu war… Warum war eine besondere Vollmacht des Reichsführers nötig?

MORGEN: Für die Wachmannschaften der Konzentrationslager waren die SS- und Polizeigerichte zuständig, das heißt jeweils das örtliche Gericht, in dessen Bezirk das betreffende KZ war. Das Gericht konnte deshalb wegen der begrenzten Zuständigkeit seines Gerichtsherrn über seinen Bezirk hinaus nicht tätig sein. Bei diesen Untersuchungen und ihren weiten Verzweigungen kam es aber darauf an, überörtlich tätig sein zu können. Außerdem bedurfte es des Einsatzes von kriminalistischem Fachpersonal, also der Kriminalpolizei. Die Kriminalpolizei konnte aber direkt bei der Truppe keine Untersuchungen führen, und nur durch die Kombination von richterlicher und kriminalpolizeilicher Tätigkeit war es möglich, dies aufzuklären, und für diesen Zweck wurde mir diese Sondervollmacht des Reichsführers gegeben.

RA. PELCKMANN: Welche Ausdehnung nahmen nun diese Untersuchungen an? Sie können sich kurz fassen, weil dieser Punkt teilweise durch den Zeugen Reinecke beantwortet wurde.

MORGEN: Untersucht wurden von mir Weimar-Buchenwald, Lublin, Auschwitz, Sachsenhausen, Oranienburg, Hertogenbosch, Krakau, Plaschow, Warschau und das Konzentrationslager Dachau. Nach mir noch andere.

RA. PELCKMANN: Wie viele Fälle haben Sie etwa untersucht? Wieviel sind abgeurteilt worden? Wie viele Todesurteile?

MORGEN: Ich habe etwa 800 Fälle bearbeitet, das heißt 800… etwa 800 Aktenstücke, wobei ein Aktenstück mehrere Fälle umfaßte. Während meiner Tätigkeit gelangten etwa 200 zur, Aburteilung. Ich persönlich habe fünf Kommandanten von Konzentrationslagern verhaftet, zwei wurden nach gerichtlichem Verfahren erschossen.

RA. PELCKMANN: Erschießen lassen, Herr Zeuge?

MORGEN: Bitte?

RA. PELCKMANN: Wurden erschossen?

MORGEN: Ja, außer den Kommandanten ergingen noch andere zahlreiche Todesurteile gegen Führer und Unterführer.

RA. PELCKMANN: Hatten Sie selbst die Möglichkeit, einen direkten Einblick in die Verhältnisse der Konzentrationslager zu bekommen?

MORGEN: Jawohl, denn ich hatte die Genehmigung, Konzentrationslager selbst zu besuchen. Diese Genehmigung hatten sonst nur ganz wenige Personen. Ich habe vor Beginn von Untersuchungen das betreffende Konzentrationslager in allen seinen Einzelheiten und die für mich besonders wichtigen Einrichtungen desselben eingehendst untersucht, wiederholt besucht, überraschend besucht. Ich war in Buchenwald selbst acht Monate hauptsächlich tätig und habe dort gewohnt, in Dachau etwa ein, zwei Monate.

RA. PELCKMANN: Nachdem so viele Besucher von KZ-Lagern behaupteten, daß sie getäuscht worden sind: Halten Sie es für möglich, daß auch Sie ein Opfer solcher Täuschungsmanöver geworden sind?

MORGEN: Ich betonte vorhin, daß ich kein Besucher eines Konzentrationslagers war, sondern ich hatte mich ja dort zu einem Daueraufenthalt niedergelassen, ich möchte fast sagen, direkt eingenistet. Während einer solchen langen Zeit ist es wohl unmöglich, getäuscht zu werden. Außerdem hatte ich die Kommissionen des Reichskriminalpolizeiamtes, die nach meinen Weisungen arbeiteten, unmittelbar in die Konzentrationslager selbst hineingesetzt. Ich will nicht behaupten, daß ich trotz dieser sehr intensiven Bemühungen hätte alle Verbrechen erfahren können, aber ich glaube, daß über das, was ich erfahren habe, daß es da keine Täuschung gibt.

RA. PELCKMANN: Hatten Sie den Eindruck gewonnen und zu welchen Zeiten, daß die Konzentrationslager Menschenvernichtungsstätten waren?

MORGEN: Diesen Eindruck habe ich nicht gewonnen. Ein Konzentrationslager ist keine Menschenvernichtungsstätte. Ich muß sagen, schon der erste Besuch in einem Konzentrationslager – ich erwähnte, daß der erste Weimar-Buchenwald gewesen ist – brachte für mich eine außerordentliche Überraschung. Das Lager liegt auf waldigen Höhen mit wunderbarer Fernsicht, die Anlagen sind sauber, frisch gestrichen, viel Rasen und Blumen, die Häftlinge waren gesund, normal ernährt, braun gebrannt, von irgendeinem besonderen Tempo der Arbeit…

VORSITZENDER: Von welchem Zeitpunkte sprechen Sie?

MORGEN: Ich spreche von dem Beginn meiner Untersuchungen, Juli 1943.

RA. PELCKMANN: Welche Delikte haben Sie festgestellt?

MORGEN: Verzeihen Sie, ich war noch… darf ich fortfahren?

RA. PELCKMANN: Fassen Sie sich etwas kürzer.

MORGEN: Die sonstigen Lagereinrichtungen waren tadellos in Ordnung, besonders der Krankenbau. Die Führung des Lagers in Händen des Kommandanten Diester war darauf angelegt, den Häftlingen ein menschenwürdiges Dasein zu bereiten. Die Häftlinge hatten freien Post- und Briefverkehr, sie hatten eine große Lagerbücherei, selbst mit fremdsprachigen Werken, sie hatten Variété, Film, sportliche Wettkämpfe und sogar ein Bordell. Ähnlich wie Buchenwald sind ungefähr alle anderen Konzentrationslager eingerichtet gewesen.

VORSITZENDER: Was haben sie auch gehabt? Ich habe das letzte Wort nicht genau verstanden.

MORGEN: Ein Bordell.

RA. PELCKMANN: Welche Delikte haben Sie nun festgestellt?

MORGEN: Ich erwähnte vorhin, die Untersuchungen nahmen ihren Ausgangspunkt von dem Verdacht von Korruptionsverbrechen. Mit der Zeit mußte ich jedoch feststellen, daß außer diesen Verbrechen auch Tötungsdelikte vorgekommen waren.

RA. PELCKMANN: Wie kamen Sie zu dem Verdacht, daß Tötungen vorgenommen wurden?

MORGEN: Ich mußte feststellen, daß der Ausgangspunkt der Korruption die Einlieferungen der Juden nach der Aktion 1938 waren. Es kam mir darauf an, alle nur möglichen Fakten über diese Aktion zu gewinnen, und ich mußte dabei feststellen, daß Häftlinge, von denen anzunehmen war, daß sie etwas über diese Korruptionsverbrechen wissen konnten, in ihrer Mehrzahl verstorben waren. Diese besondere Häufigkeit der Tötungen fiel deshalb auf, fiel mir deshalb auf, weil andere Häftlinge, die sich in keinen Schlüsselstellungen befanden, auch jahrelang in bester Gesundheit sich in Buchenwald befanden und noch da waren, so daß es also auffallen mußte, daß gerade bestimmte Häftlinge, die als Zeugen in Frage gekommen wären, verstorben waren. Ich habe daraufhin die Akten dieser verstorbenen Häftlinge geprüft. Aus den Akten selbst ergab sich kein Verdacht einer unrechtmäßigen Tötung. Die Todestage lagen bis zu Jahren auseinander, und es waren jeweils verschiedene Todesursachen angegeben. Es fiel mir aber auf, daß die meisten dieser verstorbenen Häftlinge kurz vor ihrem Tode in dem Krankenrevier oder in dem Arrest waren. So erhielt ich den ersten Verdacht, daß in diesen beiden Einrichtungen des Konzentrationslagers unter Umständen Morde an Häftlingen vorgekommen sein könnten. Ich habe daraufhin einen Spezialbeamten eingesetzt, der nur die Aufgabe hatte, die Verdachtgründe und Gerüchte, die sich hinsichtlich von Häft lingstötungen um den Arrest, den sogenannten Bunker, rankten, zu untersuchen. Dieser sehr eifrige und tüchtige Kriminalbeamte mußte mir aber immer und immer wieder melden, daß er nicht den  geringsten Anhaltspunkt für diesen meinen Verdacht gefunden habe. Nach zwei Wochen völlig ergebnisloser Tätigkeit verweigerte mir der Krimmalbeamte den weiteren Dienst, fragte mich ironisch, ob ich denn selbst daran glaube, daß solche Gerüchte, es seien Häftlinge unrechtmäßig getötet worden, wahr sein könnten.

Nur durch einen Zufall kam ich viel später auf die erste Spur, und zwar fiel mir auf, daß bei bestimmten Häftlingen sowohl in den Büchern des Kommandanturarrestes wie in denen des Krankenhauses sie zur selben Zeit geführt worden sind. Im Arrestbuch stand zum Beispiel: »Entlassungstag 9. Mai, 12 Uhr.« In den Registern des Krankenrevieres: »Patient verstorben 9. Mai, 9.15 Uhr vormittags.« Ich sagte mir: Der Häftling kann nicht gleichzeitig im Kommandanturarrest sein und Patient im Krankenbau. Es müssen also hier Fälschungen vorgekommen sein, und hierauf spezialisierte ich mich, und es gelang mir, hinter dieses System, denn es war ein System unter dem Kommandanten Koch, zu kommen. Man hatte die Häftlinge an einem geheimen Ort, nämlich meistens in dem… einer Zelle des Kommandanturarrestes getötet, und es waren für die Akten Krankenberichte und Todesbe scheinigungen angefertigt worden. Diese waren derart raffiniert gemacht, daß jeder unbefangene Leser dieser Akten den Eindruck erhalten mußte, daß der betreffende Häftling tatsächlich behandelt worden und an der angegebenen schweren Krankheit verstorben war.

RA. PELCKMANN: Was haben Sie nach diesen Feststellungen veranlaßt?

MORGEN: Ich ermittelte als ersten Täter den Standortarzt Buchenwald, den SS-Hauptsturmführer Dr. med. Hoven und verhaftete ihn. Ich habe von diesen raffinierten Fälschungen meine Untersuchungskommissionen unterrichtet und ihr spezielles Augenmerk darauf gelenkt, nunmehr systematisch in den von uns bearbeiteten Konzentrationslagern danach zu forschen, ob auch in anderen Konzentrationslagern derartige Morde vorgekommen sind. Wir konnten dabei feststellen, daß in dem damaligen Zeitpunkt der Untersuchung – ich spreche jetzt vom zweiten Halbjahr 1943 – in den Konzentrationslagern Buchenwald, Sachsenhausen und Dachau nach menschlichem Ermessen derartige Tötungen nicht vorkamen; dagegen bei den anderen Konzentrationslagern wurden solche festgestellt. Die betreffenden ermittelten Beschuldigten wurden verhaftet und angeklagt.

RA. PELCKMANN: Warum ist das nicht schon früher geschehen?

MORGEN: Ich sagte bereits, die Täuschungen waren derartig raffiniert, daß es nicht möglich gewesen ist, sie früher zu erkennen. Vor allen Dingen fehlte es an der Aufklärungsmöglichkeit, und dann handelte es sich immer um Taten ohne Zeugen. Diese Fälle  wären an und für sich von den SS-Gerichten zu untersuchen gewesen. Sie sind auch untersucht worden, denn jeder unnatürliche Todesfall eines Häftlings war durch Fernschreiben den zentralen Dienststellen zu melden. Außerdem hatte sich der in dem Lager befindliche, besonders vereidigte Gerichtsoffizier sofort an den Tatort zu begeben, die Zeugen zu vernehmen, es waren Tatortskizzen, Tatortphotos anzufertigen, und es war Vorschrift, daß über jeden derartigen Fall eine Sektion stattzufinden hatte.

Diese Akten über unnatürliche oder vermutet unnatürliche Todesfälle gingen regelmäßig an die SS- und Polizeigerichte. Aber wie ich bereits sagte, waren diese Berichte derart raffiniert angelegt, die Akten waren so einwandfrei in Ordnung, daß selbst dem Fachmann nicht der Verdacht einer unrechtmäßigen Tötung kommen konnte. Es sind daneben selbstverständlich laufend Verhandlungen und Urteile gegen Angehörige des Konzentrationslagerpersonals ergangen, auch Todesurteile, aber diese Kriminalität schien im üblichen Truppenrahmen von etwa 0,5 auf 3 vom Hundert zu liegen.

Wäre aus den Konzentrationslagern überhaupt nichts an die SS-Gerichte gekommen, dann hätte… wäre das selbstverständlich aufgefallen, ebenso wenn sehr viel an uns herangetragen worden wäre. Aber es war ein normaler Durchschnitt, und man konnte keinerlei Verdacht schöpfen, daß in den Konzentrationslagern sich der Herd gefährlicher Verbrechen befände. Erst durch meine Untersuchungen, von denen ich sagte, daß sie durch einen Zufall ausgelöst worden sind, bekamen wir einen Einblick in die wahren Zustände.

RA. PELCKMANN: Wie kamen Sie auf die Spuren der Massenvernichtungen, wenn Sie eben noch von Einzelvernichtungen gesprochen haben?

MORGEN: Ich kam auf die Spuren von Massenvernichtungen ebenfalls durch einen Zufall. Und zwar bekam ich gegen Ende des Jahres 1943 gleich zwei Spuren; von denen führte die eine nach Lublin, die andere nach Auschwitz.

RA. PELCKMANN: Schildern Sie zunächst die Lubliner Spur.

MORGEN: Es kam eines Tages zu mir ein Bericht des Kommandeurs der Sicherheitspolizei Lublin. Der Kommandeur berichtete darin: Es habe in seinem Bezirk in einem jüdischen Arbeitslager eine Judenhochzeit stattgefunden. An dieser Judenhochzeit hätten sich 1100 geladene Gäste… An dieser… Es ist offenbar eine technische Störung.

RA. PELCKMANN: Sprechen Sie weiter, Herr Zeuge, schneller.

MORGEN: An dieser Judenhochzeit hätten sich 1100 Gäste beteiligt. Der weitere Verlauf wurde als ganz außerordentlich hinsichtlich des Konsums von Schlemmereien und des Verbrauches von Alkoholika geschildert. Unter diesen… Mitten unter diesen Juden hätten Angehörige der Lagertruppe, also irgendwelche SS-Angehörige gesessen und hätten an diesem Treiben teilgenommen.

Dieser Bericht kam erst auf vielen Umwegen nach Monaten zu mir, und zwar deshalb, weil der Kommandeur der Sicherheitspolizei hier Zustände vermutete, die den Verdacht strafbarer Handlungen aufkommen ließen. Dies war auch mein Eindruck, und ich nahm an, durch diesen Hinweis Anhaltspunkte für ein weiteres größeres Korruptionsverbrechen zu erhalten. In dieser Absicht fuhr ich nach Lublin. Ich sprach bei der Sicherheitspolizei vor, konnte aber dort nur den Hinweis erhalten, daß es sich um Vorgänge in einem Lager der »Deutschen Ausrüstungswerke« handle. Dort war nichts davon bekannt. Ich erhielt aber den Hinweis, daß die Möglichkeit bestände, es handle sich hier um – man drückte sich so aus – ein undurchsichtiges oder eigenartiges Lager in der Nähe von Lublin. Ich machte dieses Lager ausfindig und seinen Kommandanten. Dieser Kommandant war der Kriminalkommissar Wirth. Ich fragte Wirth, ob dieser Bericht zuträfe oder was es damit auf sich habe. Daraufhin gab Wirth zu meinem grenzenlosen Erstaunen diesen Vorfall zu. Ich fragte ihn, wie er dazukomme, insbesondere Angehörige seines Kommandos dazukämen. Daraufhin enthüllte mir Wirth, er habe im Auftrag des Führers die Judenvernichtung durchzuführen.

RA. PELCKMANN: Bitte schildern Sie weiter, Herr Zeuge, Ihre Ermittlungen.

MORGEN: Ich fragte den Wirth, was dieser Auftrag mit der jüdischen Hochzeit zu tun habe. Darauf schilderte mir Wirth die Methode, mit der er die Judenvernichtung durchführte. Er sagte mir ungefähr folgendes:

Man muß die Juden mit ihren eigenen Waffen schlagen, das heißt, ich bitte um Verzeihung, daß ich diesen Ausdruck gebrauche, man muß sie bescheißen, das heißt, Wirth baute ein riesiges Täuschungsmanöver auf. Er hat zunächst Juden sich gesucht, die ihm als Kolonnenführer dienlich erschienen. Diese Leute, diese Juden, haben dann wieder andere mitgebracht, die unter ihnen arbeiteten. Und mit diesem zunächst kleinen bis mittleren Kommando von Juden hat er begonnen, die Vernichtungslager aufzubauen. Diesen Stab von Juden hat er erweitert, und mit diesen Juden hat Wirth die Vernichtung der Juden selbst durchgeführt. Wirth sprach mir davon, daß er vier Vernichtungslager habe und daß etwa 5000 Juden an der Judenvernichtung und der Erfassung der jüdischen Effekten tätig seien. Um nun diese Juden für dieses Geschäft der Tötung und Ausplünderung ihrer Glaubens-und Rassegenossen zu gewinnen, hat Wirth ihnen jegliche Freiheiten gegeben und sie sozusagen an der Ausbeutung der toten Opfer finanziell beteiligt. Als Folge dieses Verhaltens war es dann auch zu dieser fürstlichen Judenhochzeit gekommen.

Ich fragte nun Wirth weiter, wie er mit diesen seinen Juden die Juden selbst umbringe. Wirth schilderte mir daraufhin das ganze Verfahren, das jedesmal wie ein Film ablief. Die Vernichtungslager befanden sich im Osten des Generalgouvernements in großen Wäldern oder unbewohnten Ödländern. Sie waren aufgebaut wie ein Potemkinsches Dorf, das heißt, die Ankömmlinge hatten den Eindruck von einer größeren… in eine größere Stadt oder menschliche Siedlung zu kommen. Der Zug fuhr in einen Scheinbahnhof hinein. Nachdem Begleitpersonal und Zugpersonal das Gelände verlassen hatten, wurden die Waggons geöffnet und die Juden stiegen aus. Sie sahen sich sofort von diesen jüdischen Arbeitskommandos umgeben, und als erstes hielt der Kriminalkommissar Wirth beziehungsweise einer seiner Vertreter eine Ansprache. Er sagte dies: »Juden, Ihr seid hierhergebracht worden, um umgesiedelt zu werden. Ehe wir Euch aber diesen zukünftigen Judenstaat organisieren, müßt Ihr selbstverständlich arbeiten lernen. Ihr müßt einen neuen Beruf ergreifen. Das kriegt Ihr hier gelernt. Zunächst fängt das hier so an, daß sich jeder, wie es vorgeschrieben ist, auszieht, damit Eure Kleider desinfiziert und Ihr gebadet werden könnt und keine Seuchen in das Lager geschleppt werden.« Nachdem er also so beruhigende Worte an seine Opfer gefunden hatte, traten diese den Weg in den Tod an. In der ersten Station – Frauen und Männer getrennt – hatte er seinen Hut abzugeben, in der nächsten seinen Rock, seinen Kragen, sein Hemd, bis auf die Schuhe und Strümpfe. Dafür bekam er bei einer… bei diesen als Garderobe eingerichteten Stellen jedesmal eine Kontrollmarke in die Hand, so daß die Leute glaubten, sie bekämen nachher auch ihre Sachen zurück.

Dabei hatten die Juden, die anderen Juden, die Aufgabe, die Sachen in Empfang zu nehmen und im übrigen die Ankömmlinge anzutreiben, damit sie überhaupt nicht zur Besinnung kamen. Das Ganze ging wie an einem laufenden Band, und so gelangten sie nach der letzten Station in einen großen Raum, von dem gesagt wurde, es wäre das Bad. Wenn der letzte drinnen war, wurden die Türen geschlossen, und dann hat man Gas in den Raum einströmen lassen. Sofort nach Eintritt des Todes liefen die Exhaustoren an; wenn die Luft wieder atembar war, öffneten sich die Tore und die jüdischen Hilfsarbeiter schafften die Leichen heraus. Diese wurden nach einem besonderen Verfahren, das Wirth sich ausgedacht hatte, in der freien Luft verbrannt ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial.

RA. PELCKMANN: Haben Sie Wirth gefragt… zunächst eine Frage: War Wirth Angehöriger der SS?

MORGEN: Nein. Wirth war Kriminalkommissar in Stuttgart.

RA. PELCKMANN: Haben Sie Wirth gefragt, wie er auf dieses teuflische System gekommen ist?

MORGEN: Als Wirth die Judenvernichtung übernahm, war er bereits ein Spezialist in Massenvernichtungen von Menschen, und zwar hatte er vorher den Auftrag ausgeführt, die unheilbaren Geisteskranken zu beseitigen. Er hatte zu diesem Zweck im Auftrag des Führers selbst, der ihm durch die Kanzlei des Führers übermittelt worden ist, sich Anfang des Krieges ein Kommando zusammengestellt aus einigen Beamten, die er hatte – ich nehme an, der Rest waren Spitzel und Agenten der Kriminalpolizei.

Wirth schilderte mir sehr lebhaft, wie er an die Ausführung herangegangen sei, daß er dabei keinerlei Hinweise gefunden habe, keinerlei Hilfe, sondern daß er alles aus sich selbst heraus habe finden müssen. Man hatte ihm lediglich eine alte geräumte Anstalt in Brandenburg überlassen. In Brandenburg hat er seine ersten Versuche unternommen, und ist dann nach vielen Überlegungen und Einzelausführungen zu dem späteren System gekommen. Dieses System wurde nun in großem Rahmen bei dieser Irrenaktion angewandt. Eine Kommission von Ärzten habe vorher die Akten geprüft und nach den Anstaltsberichten diejenigen Irren, die unheilbar schienen, in einer besonderen Liste zusammengefaßt; dann bekam die betreffende Anstalt eines Tages die Aufforderung, die und die Patienten in eine andere Anstalt zu verlegen; von dieser Anstalt wurde der Patient noch einmal, unter Umständen mehrmals, verlegt, und kam dann schließlich in die Einrichtungen von Wirth. Dort wurde er durch Gas getötet und eingeäschert.

Dieses System, das also die Anstalten täuschte und diese mit zum Helfer, zum unwissenden Helfer machte, dieses System, mit dem er mit ganz wenigen Leuten große Menschenmengen umbringen konnte, dieses System hat Wirth nun bei der Judenvernichtung mit einigen Abwandlungen und Verbesserungen angewandt. Zu diesen Judenvernichtungen erhielt er ebenfalls den Auftrag von der Kanzlei des Führers.

RA. PELCKMANN: Diese Darstellung, die Ihnen Wirth gegeben hat, muß doch das menschliche Denkvermögen überstiegen haben. Haben Sie denn Wirth so ohne weiteres geglaubt?

MORGEN: Zunächst erschien mir die Darstellung von Wirth völlig phantastisch; aber ich habe in Lublin selbst ein Lager von ihm gesehen. Es war ein Lager, das die Effekten oder einen Teil der Effekten seiner Opfer aufnahm. Schon aus diesem Umfange – es waren unerhört viele Uhren, die da nun gestapelt waren – mußte ich erkennen, daß hier Ungeheuerliches vor sich ging. Ich bekam auch die Wertsachen gezeigt. Ich kann sagen, ich habe noch nie soviel Geld, insbesondere ausländisches Geld, sämtliche Münzsorten der ganzen Welt, zusammen gesehen; außerdem eine Goldschmelze und geradezu gewaltige Barren Gold. Ich habe auch gesehen, daß das Hauptquartier, von dem Wirth seine Aktionen lenkte, vollkommen klein und unauffällig war. Er hatte tatsächlich nur drei, vier Leute um sich. Ich sprach auch mit ihnen.

Ich sah, ich beobachtete auch seinen Kurierverkehr. Die Kuriere kamen tatsächlich von Berlin, Tiergartenstraße, Kanzlei des Führers, und gingen dorthin. Ich habe in den Schriftverkehr von Wirth Einsicht genommen und fand in ihm alles bestätigt. Ich habe dies natürlich nicht alles bei diesem ersten Besuch übersehen und ermitteln können, sondern ich bin öfters da gewesen, und ich habe Wirth verfolgt bis zu seinem Tode.

RA. PELCKMANN: Hat Wirth Ihnen noch Namen genannt von Leuten, die mit dieser Aktion verknüpft waren?

MORGEN: Es wurden da nicht so viele Namen genannt aus dem einfachen Grunde, weil wirklich die Zahl jener, die daran teilnahmen, sozusagen an den Fingern abzuzählen war. Es ist mir noch einer erinnerlich – ich glaube, der Name Blankenburg in Berlin.

RA. PELCKMANN: Blankenburg?

MORGEN: Blankenburg, Kanzlei des Führers.

VORSITZENDER: Wir werden uns jetzt vertagen; wir haben schon 50 Minuten gebraucht.

[Das Gericht vertagt sich bis

8. August 1946, 10.00 Uhr.]

QUELLEN::

Nürnberger Prozeß Hauptverhandlung 197 Verhandlungstag  Aussage Konrad Morgen  Mittwoch 7 August 1946

IG AUSCHWITZ – FEBRUAR 1942 – Krematorium – Das „Rote Haus“

15 Februar

Der Eingang Kremator 1 Stammlager

 „Aus Beuthen kommt der erste Transport mit Juden an, die von der Stapostelle verhaftet und zur Tötung im KL Auschwitz bestimmt worden sind. Sie werden an der Rampe am Anschlussgleis  des Lagers ausgeladen. Das Gepäck müssen sie auf der Rampe zurücklassen. Die Bereitschaft des Lagers übernimmt die Deportierten von der Stapo und führt sie in die Gaskammer, die sich im Lagerkrematorium befindet. Dort werden sie mit Zyklon B getötet.“

Krematorium des Stammlagers Auschwitz 1 – schon wenige Tage nach diesem Vorgang am 27 Februar wird man im Umkreis des Stammlagers in der ehemaligen Ortschaft Buchenwald (Brzezinka) ein weiteres Krematorium planen. (siehe unten)

16 Februar

Im Jänner hatte sich die IG Farben entschlossen die Buna – Anlage (synthetischen Kautschuk) in Auschwitz zu errichten. Auschwitz bereitete sich nun systematisch auf seine „produktive Rolle“ als Wirtschaftsstandort vor. Himmler hatte längere Zeit mit weiteren russischen Kriegsgefangenen gerechnet, die angesichts des harten Winters des massenhaften Sterbens der Gefangenen und des deutschen Stillstands im Ostfeldzug nicht mehr zu erwarten waren. Deswegen hatte man sich schlussendlich darauf festfgelegt das nun geplante Lager II  – Birkenau, die Ortschaft Brzezinka,  die man schon im April 1941 geräumt hatte für jüdische Zwangsarbeiter vorzubereiten. Auf der Wannseekonferenz im Jänner hatte Heydrich klar die produktive Rolle der Juden im Wirtschaftsleben hervorgehoben, auch als Teil des „Vernichtungsplans“ , unter Sicherheitsverwahrung und  Kontrolle der SS. Alle Entscheidungen die nun getroffen wurden, hängen unmittelbar mit diesen Großprojekten der Rüstungsindustrie und des Generalstabsplan – Ost sowie mit der Endlösung der Judenfrage zusammen.

“DER JUDE WIRD AUSGEROTTET “

Überschrift der Niedersächsischen Tageszeitung 25 Feb. 42

27 FEBRUAR – AUSCHWITZ

Karl Bischoff links       sein Chef Kammler rechts

Am 1. Oktober 1941 übernahm der Baumeister Karl Bischoff die – Sonderbauleitung für die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers der Waffen-SS in Auschwitz -. Bereits Mitte Oktober löste er den bisherigen Bauleiter des Auschwitzer Hauptlagers, SS-Untersturmführer August Schlachter, ab. Bischoff leitete dann bis Oktober 1943 das gesamte SS-Bauwesen in Auschwitz.“

Vor dem Gebäude das Dach der unterirdischen Gaskammer mit den Öffnungen, durch die Zyklon B eingeworfen wurde. Im Vordergrund eine Baustellenbahn.  Aufnahme Februar 1943 – Aus dem Fotoalbum der Zentralbauleitung, in dem die Baufortschritte im Lagerkomplex von Auschwitz dokumentiert werden sollten (QUELLE: Yad Vashem, The Holocaust Martyrs‘ and Heroes‘ Remembrance Authority). Es ist jenes Krematorium welches hier am 27 Februar 1942 besprochen wurde.

Auschwitz II (Birkenau) - Lagerplan 1942

Karte (Quelle: Fritz Bauer Institut zum vergrößern anklicken) des gesamten späteren Lagers Birkenau, links (nordwestlich). B1 b1a und b1b, (bedeutet Bauabschnitt 1 Kriegsgefangenenlager und Männerlager) mit roten Punkten die Gaskammern und Krematorien eingezeichnet. Der Rest des Lagers existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es ist daher unwahrscheinlich wie in der meisten Literatur beschrieben wird, dass der Bau des Krematoriums in einem Zusammenhang mit den Gaskammern (Bauernhäuschen) stand (Lage und Entfernung). Die Lage der Krematorien zeigen uns, dass man für jeden Bauabschnitt (Lagerabschnitt) ein Krematorium geplant und umgesetzt hatte, also jeder Lagerabschnitt sein eigenes Krematorium bekommen sollte, was durchwegs logistisch orientiert ist. Als man die Bauernhäuser als Gaskammern in Betrieb nahm, wurden die Leichen in Auschwitz noch in Massengräbern vergraben. Erst einige Monate später wurden die Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt. Mit dem Bau des ersten Krematoriums in Birkenau, vereinigte man schlussendlich beide Vorgänge, das Töten und Einäschern.

Der Lagerkommandant von Auschwitz Höss, traf also an diesem 27 Februar den SS Architekten Karl Bischoff und dessen Vorgesetzten Hans Kammler, den Chef des SS – Amtes II Hauptamt Haushalt und Bauten. In dieser Besprechung wurde vermutlich beschlossen, das neue Krematorium das ursprünglich für das LAGER I Auschwitz selbst gedacht war, in den neuen Teil Birkenau zu verlegen. Dieses neu gebaute Barackenlager Birkenau sollte nun weiter ausgebaut werden und Höss stellte sich auf größere Deportationen an jüdischen Zwangsarbeiter ein.

Weiter hatte man das Bauernhaus weit ab des Barackenlagers gewählt. Es  bekam zwei Gaskammern und etwas abseits errichtete man ein Massengrab sowie eine Verbrennungsstätte für die Ermordeten. Man vermauerte die vorhandenen Türen und Fenster und öffnete zwei Zugänge direkt in die Kammern des Bauernhauses. Es bekam den Namen BUNKER 1 oder auch das “Rote HAUS” wie es in der Lagersprache genannt wurde. Im Laufe des Frühjahrs (um den 20.3.1942 siehe Quelltext zu den Datierungen) wurde es mit Juden aus der Umgebung (möglicherweise aus dem Zwangsarbeiterlager Schmelt ) zum ersten mal verwendet. Im roten Haus konnten jeweils etwa 800 Menschen getötet werden. Im Juni wird ein weiteres umgebautes „Bauernhaus“ seinen Betrieb aufnehmen das „weiße Haus“ mit erweiterter „Kapazität“. Die beiden Bauernhäuser stellten einen Übergang in der Geschichte Auschwitz – Birkenau dar. Trotz der steigenden Kapazität der Kammern zur Ermordung von Menschen, sind die beiden Bauernhäuser noch ein „Provisorium“. Mit dem neu geplanten Krematorium zur Verbrennung der Toten, wird sich dies jedoch ändern. Aus der Sicht der Bauleitung ein naheliegender Schritt den Ort der Tötung und der „Beseitigung“ der Leichen in ein Gebäude zu verlegen.(Bild oben)

Quellen:

1) 15 Februar zitiert nach Danuta Czech Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz 1939 – 1945 Reinbek bei Hamburg 1989 S 174 –

2) 16 Februar zu Buna Entscheidung bzw russische Kriegsgefangene siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S 576

3) 1 Oktober 1941 zitiert nach Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Jahrgang 50 2002 Heft 1 JAN ERIK SCHULTE VOM ARBEITS- ZUM VERNICHTUNGSLAGER  Die Entstehungsgeschichte von Auschwitz-Birkenau 1941/42 S 52 PDF Originalscan

4) 27 FEBRUAR Treffen Kammler Bischoff Höss zitiert aus Laurence Rees Auschwitz Geschichte eines Verbrechens S 144 er bezieht sich auf Robert Jan Van Pelt und Deborah Dwork, Auschwitz von 1270 bis heute Zürich München 1998 S333  vgl Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S387 er zitierte ebenfalls Robert Jan Van Pelt und Deborah Dwork, Auschwitz von 1270 bis heute Zürich München 1998 S333 / 334, wobei Friedländer nicht den 27 Februar als Datum benennt jedoch im Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Jahrgang 50 2002 Heft 1 JAN ERIK SCHULTE VOM ARBEITS- ZUM VERNICHTUNGSLAGER  Die Entstehungsgeschichte von Auschwitz-Birkenau 1941/42 auf S60 PDF Originalscan – als Zeitpunkt bestätigt wird.

Anmerkungen zu den Datierungen der Tötungen :

Nachdem im September oder Dezember 1941 bereits sowjetische Kriegsgefangene in provisorischen Gaskammern des Stammlagers ermordet worden waren, wurde im Krematorium I des Stammlagers eine Gaskammer eingerichtet. Es ist nicht sicher belegt, seit wann und wie häufig dieses Krematorium für Mordaktionen benutzt wurde. Nach Zeugenaussagen wurden dort sowjetische Kriegsgefangene und Juden umgebracht. Vgl. Piper, Vernichtung, S. 139-156, siehe auch Anm. 68. Am 15.2. 1942 soll ein „erste[r] Transport mit Juden“ (Czech, Kalendarium, S. 175), aus Beuthen kommend, in Auschwitz eingetroffen und sofort im Krematorium des Stammlagers vergast worden sein. Gemäß Steinbacher, Musterstadt, S. 276 f., handelte es sich dabei um ober- schlesische Juden, die in den Zwangsarbeitslagern der Organisation Schmelt als nicht mehr „arbeitsfähig“ selektiert worden waren. Die Quellenlage für diesen Transport ist höchst unbefriedigend. Dessen Datierung stützt sich nur auf eine Mitteilung des Internationalen Suchdienstes, die in einer Fußnote in Höß, Kommandant, S. 127, Anm. 3, erwähnt wird. Die von Czech, Kalendarium, S. 175 f., als Belege angeführten Nachkriegsaufzeichnungen von Höß und Pery Broad, Mit- arbeiter der Politischen Abteilung des KL Auschwitz, lassen keine klaren Datierungen zu. Höß meint, im September 1941, „vielleicht aber auch erst im Januar 1942″ hätten die Vergasungen begonnen; Broad nennt vage „1942″. Vgl. Höß, Kommandant, S. 159 f.; Bericht Pery Broad, in: Auschwitz in den Augen der SS. Rudolf Höß, Pery Broad, Johann Paul Kremer, hrsg. v. Staatli- chen Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1997, S. 96-139, hier S. 120-123; Affidavit Pery Broad, 20. 10. 1947 (Auszug), in: Die Ermordung der europäischen Juden. Eine umfassende Dokumentation des Holocaust 1941-1945, hrsg. v. Peter Longerich unter Mitarbeit von Dieter Pohl, München/Zürich 1989, S. 376-379, hier S. 377. 121 Auch der Termin für die Inbetriebnahme der ersten provisorischen Gaskammer in Birkenau (Bunker 1) ist nicht sicher überliefert. Gemäß Czech, Kalendarium, S. 186, wurde der Bunker 1 am 20. 3. 1942 in Betrieb genommen. Allerdings sind die dort angeführten Belege von Höß („Früh- jahr 1942″) und Broad (ohne zeitliche Angabe) nicht präzise genug. Pressac, Krematorien, S.49, nimmt an, daß der Bunker 1 erst seit Ende Mai 1942 für Vergasungen genutzt wurde. Für seine Angabe liefert er jedoch keine Belege. Siehe auch Jean-Claude Pressac mit Roben-Jan van Pelt, The Machinery of Mass Murder at Auschwitz, in: Gutman/Berenbaum (Hrsg.), Anatomy of Auschwitz Death Camp, S. 183-245, hier S.212. Orth, System, S.201, folgt den Ausführungen von Pressac. Piper betont, daß die Quellen eine genaue Datierung nicht gestatten, und benutzt daher die vage Umschreibung „Im Verlauf der ersten Monate des Jahres 1942″. Vgl. Piper, Ver- nichtung, S. 158, und deutlicher Franciszek Piper, Gas Chambers and Crematoria, in: Gutman/ Berenbaum (Hrsg.), Anatomy of Auschwitz Death Camp, S. 157-182, hier S. 161 u. 178, Anm. 25.

zitiert nach Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Jahrgang 50 2002 Heft 1 JAN ERIK SCHULTE VOM ARBEITS- ZUM VERNICHTUNGSLAGER  Die Entstehungsgeschichte von Auschwitz-Birkenau 1941/42  PDF Originalscan S64 Quellenanhang

FEBRUAR 42 – TEREZIN – THERESIENSTADT

THERESIENSTADT

Theresienstadt_Ghetto_Tafel

Das Ghetto

Das Ghetto Theresienstadt wird eröffnet. An der Eger-Elbemündung gelegene Stadt von dem Österreichischen Kaiser Josef dem II gegründet. Zu seiner Zeit ein Meisterstück der Kriegsbaukunst sollte der Name Theresienstadt sich nun für immer als ein Sinnbild nationalsozialistischer Herrschaftspolitik in die Köpfe der Menschen einprägen. Diese kleine nordböhmische Stadt Terezin bzw Terzen genannt, die in den dreißiger Jahren nicht mehr als 7 000 Einwohner hatte und den Nazis als “Propaganda Ghetto” diente um der Internationalen Presse und Hilfsorganisationen das “heile” Bild einer verantwortungsvollen Judenpolitik vorgaukeln sollte, diente ab Ende 41 vorwiegend als Ghetto für Juden aus dem Protektorat Böhmen und Mähren. Dieses “Altersghetto” oder auch “Prominentenghetto”, dass der Situation nach eher einem KZ ähnelte unter dem Kommando der SS stand, diente wie wohl alle Ghettos des nationalsozialistischen Machteinflusses nicht nur der Konzentration der Juden sondern als Ort und Durchgangsstation  in die “Vernichtungsstätten”. In einem ersten Transport Juni 42 wurde die ursprünglich Bevölkerung nach Riga umgesiedelt, dann kamen die ersten Transporte aus Österreich, Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. Doch sollte sich dieses Ghetto  in seinem Wesen  von allen anderen unterscheiden.

Der Vertrag

Prisoners wait for food rations. Theresienstadt ghetto, Czechoslovakia, between 1941 and 1945.

Essensausgabe im Prominentenghetto (Quelle: US Holocaust Memorial Museum)

Man hatte schon früh, bei der jüdischen Bevölkerung den Eindruck erweckt, dass Prominente und “Bevorzugte” zb im ersten Weltkrieg ausgezeichnet jüdische Soldaten sich eines Tages in einem Priveligiertenghetto niederlassen könnten. In diesem Sinne propagierte die Reichsvereinigung der deutschen Juden  welche unter der Kontrolle der Gestapo stand “Heimeinkaufsverträge” die in ihrem Wesen selbst die Pflege im Krankheitsfall zusicherte, aber in ihrem wahren Charakter nur einen Weg darstellte an das Vermögen dieser Gruppe an Juden heranzukommen, für deren Schutz sich selbst hohe Parteiführer einst eingesetzt hatten. Da diese jüdischen Menschen, auf Grund ihres meist höheren Alters für die Nationalsozialisten keine „rassische“ Gefahr mehr darstellten, konnten sie der deutschen Propagandamaschinerie dienen.

So findet man gleich zu Beginn in der ersten Klausel:

“Da der Reichsvereinigung die Aufbringung der Mittel der Gesamtheit der gemeinschaftlich [in Theresienstadt] unterzubringenden, auch der hilfsbedürftigen Personen obliegt, ist es Pflicht aller für die Gemeinschaftsunterbringung bestimmten Personen, die über Vermögen verfügen, durch den von ihnen an die Reichsvereinigung zu entrichteten Einkaufsvertrag zu entrichtenden Einkaufsbetrag nicht nur die Kosten ihrer eigenen Unterbringung zu decken, sondern darüber hinaus, so weit als möglich auch die Mittel zur Versorgung der Hilfsbedürftigen aufzubringen.”

Es ist ein Programm welches sich einst in Wien entwickelt hatte, in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung schon länger praktiziert wurde. Damals hatte man den Plan entwickelt einen „Auswanderungsfond“  zu gründen  in dem wohlhabende jüdische Menschen für ihre ärmeren Mitglieder der jüdischen Gemeinde die „Auswanderung“ finanzierten. Auch hinter Theresienstadt findet man jene Männer die schon in Wien dieses Zwangsmodell umgesetzt hatten Eichmann und seine Mannschaft . Auch hier bedient man sich des selben Konzepts reichere jüdische Menschen zahlen für arme und verarmte jüdische Menschen und deren Deportation.

Auf den ersten Blick übernimmt die Reichsvereinigung der deutschen Juden, auch Verpflichtungen wie  auf Lebzeiten Heimunterkunft und Verpflegung zu gewähren, die Wäsche waschen zu lassen, ihn / sie erforderlichenfalls “ärztlich und mit Arzneimittel zu betreuen …”. Doch mit der Unterzeichnung des Vertrages ging man auch die Klausel einer „anderswertigen Unterbringung“ ein, aus der ein Vertragspartner keine Ansprüche ableiten konnte.

eigene Ghettowährung in Theresienstadt

Durch eine Verordnung Heydrichs im Februar 42, wird das Ghetto „offiziell“ eröffnet. Die Realität diese ALTERSGHETTO sah natürlich anders aus. Überfälle, Massenunterkünfte in uralten Kasernen, Unterernährung, schlechte hygienische Zustände, die Sterblichkeitsrate gleich zu Beginn liegt bei 50 %, wobei sie 1943 auf 29,4 % fiel und 1944 nach den Deportationen 17, 2 % betragen hatte. Heydrich definierte die zu bestimmenden in Frage kommenden Gruppen für das Ghetto Theresienstadt folgendermaßen. Über 65 Jahre alte und über 55 Jahre alte gebrechliche Jüdinnen mit Ehegatten, Kriegsversehrte, Träger hoher Kriegsauszeichnungen und des Verwundetenabzeichen aus dem ersten Weltkrieg sowie deren Frauen. Jüdische Ehegatten / innen aus nicht mehr bestehenden deutsch jüdischen Verhältnissen, und jüdische allein stehende Mischlinge (Geltungsjuden). Die ersten Transporte gingen am 2 Juni 1942 Richtung Theresienstadt. Auch Theodor Herzels Tochter Trude Neumann Herzl deren Geistesverwirrung für Gespräch sorgte, wurde nach Theresienstadt deportiert, wo sie auch verstarb-

Dr. Edelstein auch er bezahlte seine Führungsrolle mit dem Leben. Nur 2 des Ältestenrates in Theresienstadt hatten den Krieg überlebt.

Die ersten Insassen und Dr. Edelstein

Anfang 1942 trafen die ersten Transporte ein, etwa 10 000 jüdische Menschen. Noch bevor Theresienstadt die ersten Deportationen aufnahm  wurde ein Judenältester und ein Rat mit 13 Mitgliedern eingerichtet. Erster Ältester wurde Jakob Edelstein der in Horodenka Ostgalizien geboren wurde und in Teplitz im Sudetenland gelebt hatte. Der Jurist bekennende Zionist und bis dahin Leiter des Palästinaamtes in Prag Edelstein, war im Laufe der Jahre zur zentralen Instanz der jüdischen Menschen im Protektorat aufgestiegen und war auch einer jener Männer die am 18 Oktober 1939 mit Juden aus Ostrava nach Nisko (Siedlungsplan siehe Kapitel 1939) gegangen war. Im März 1941 wurde Edelstein und Richard Friedmann von Eichmann nach  Amsterdam geschickt um Asscher und Cohen bei der Gründung des dortigen Judenrates zu unterstützen. Als sich Heydrich im Herbst 1941 dazu entschlossen hatte die jüdischen Menschen des Protektorates in einem Lager zu sammeln, trat man an Edelstein heran die Leitung zu übernehmen. Er kam am 4 Dezember 41 in Theresienstadt an. Im Laufe des Sommers spitzte sich die Lage zu. Immer mehr Transporte kamen innerhalb kurzer Zeit in das Ghetto, mit katastrophalen Folgen für die Insassen. Die Aktion Reinhardt, also die „Säuberung“ der Ghettos im Generalgouvernement  hatte ihren Höhepunkt erreicht. Im Protektorat Böhmen und Mähren selbst, warteten die ersten jüdischen Menschen auf ihre Deportation in den „Osten“ . Im September 42 gingen die ersten Transporte von 18 000 Menschen in das Vernichtungslager Treblinka. Theresienstadt diente für die meisten jüdischen Menschen aus Böhmen und Mähren als Durchgangslager in die Vernichtungslager.

Dr. Paul Eppstein tragisch menschliche Figur im Spiel um Einfluss und Kontrolle in Theresienstadt.

Moralisches Dilemma –  „Durchgangsghetto“- Dr. Eppstein

Die heutigen Diskussionen um die Rolle der Ältesten und deren Räte zeigt auch jenes Dilemma, in welches die Deutschen die jüdische Bevölkerung und ihre Führer gebracht hatten. Theresienstadt organisierte sich „unabhängig“ von einer deutschen Verwaltung. So gesehen brachte diese Selbstverwaltung nach innen den Eindruck einer gewissen Unabhängigkeit bzw. Autonomie. Das Lager unterstand formal der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung Prag“  also war der Gestapo untergeordnet und somit der Reichszentrale jüdischer Auswanderung in Berlin. Diese arbeitete eng mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zusammen, jene Dachorganisation in der man alle jüdischen Gemeinden „zwangsorganisiert“ zusammengefasst hatte um eine totale Kontrolle über die Menschen auszuüben.  So stellte auch die SS die Lagerkommandantur in Theresienstadt von Dezember 1941 – Juni 1943 Dr. Siegfried Seidl,  Anton Burger  Juli 1943 – Februar 1944 und Karl Rahm Februar 1944 bis Mai 1945. Unter ihrer Aufsicht standen die Ältesten und ihre Räte von Dezember 1941 bis 1943 Dr. Jakub Edelstein und danach Dr. Paul Eppstein. denen die Selbstverwaltung des Ghettos unterstand. Beide waren und stehen bis heute in der Kritik der Kollaboration bzw.  einer „aktiven“ Unterstützung der Deutschen bei den Deportationen in die Vernichtungslager ( wie es diese Diskussion für weitere Lager und Ghettos ebenfalls gibt). Doch verkennt man hier den Einfluss und die Möglichkeit dieser jüdischen Führer die trotz gewisser Freiheiten immer in der Geiselhaft der deutschen Machthaber standen. Beide bezahlten ihre Rolle mit dem Leben, während viele die sich im nachhinein (zu recht) als Opfer betrachteten die nationalsozialistische Diktatur überlebt hatten. Dies zeigt jedoch wie schmal der Grad einer allmächtigen Führerfigur und den tatsächlichen Verhältnissen war.  Edelstein den man im Jänner 1943 seines Amtes enthob weil angeblich die Gesamtzahlen des Ghettos mit den Realzahlen nicht übereinstimmte wurde im Dezember 1943 mit seiner Frau und seinem Kind nach Auschwitz deportiert und im berüchtigten Block 11 erschossen, wobei er laut Überlieferung  noch zusehen musste wie sein Sohn und seine Frau ermordet wurden. Sein Nachfolger Dr. Paul Eppstein wurde am 27 September 1944 „abgesetzt“ und in der „kleinen Festung“ (Gefängnisanlage) ermordet. Seine Frau im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert wo sie starb. Die eigentliche Rolle Theresienstadt sollte man hierbei nicht vergessen sie zeigt uns den wahren Charakter dieses „Prominentenghettos“ nämlich als Durchgangslager der Endlösung. Die Gesamtstatistik ab 24 November 1941 bis  20 April 1945 verzeichnete 141 000 Menschen ( wobei der Höchststand in jenem September 1942 wie oben beschrieben erreicht wurde 53 004 Menschen, auf einer Fläche wo zuvor 7000 Menschen gelebt hatten !) etwa 33 000 Menschen starben im Ghetto  ca. 88 000 wurden in die Vernichtungslager deportiert- 17 000 Menschen überlebten das Terrorregime.

BEFREIUNG

Ende April 1945 kamen Gefangene aus dem ganzen Osten nach Theresienstadt. Am 5 Mai 1945 übergaben die Nazis das Ghetto in die Verantwortung des Roten Kreuzes, am 8 Mai 1945 erreichte die rote Armee die „Stadt“. Da viele der Häftlinge so geschwächt waren dass sie das Ghetto nicht verlassen konnten und medizinische Betreuung benötigten blieben einige Insassen noch bis 17 August 1945 in Theresienstadt .

Quelle:

1) Die Deportationen bzw Vertrag zitiert nach Wolfgang Benz Der Holocaust S81 – S82 – Zu Heydrichs Definition der Menschen für Theresienstadt siehe Wolfgang Benz S 83 er zitierte aus einem Erlass RSHA vom 21 Mai 1942.

2)Statistik der Todesraten ist bei Wolfgang Benz Der Holocaust  S 82 zu finden –

3) zu Edelstein siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S378 – S382 wobei Friedländer seine Erkenntnisse aus Ruth Bondy Elder of the Jews Jakob Edelstein of Theresienstadt New York 1989 bezieht. Wie Friedländer weiter beschreibt ist G Adler´s Werk Theresienstadt 1941- 1945 Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft Geschichte Soziologie Psychologie Tübingen 1960 noch immer das umfangreichste Werk zu Theresienstadt – (obwohl er meint es sei stellenweise subjektiv geschrieben wohl in Anbetracht um Edelsteins bzw Eppsteins Rolle). Das Werk ist auf Google Books zu finden und bietet einen umfangreichen einstieg in das Thema. Im Internet ist vor allem www. ghetto- theresienstadt.info sehr interessant Link in Bibliographie zu finden – Untermenü Impressum

4) Dr. Paul Eppsteins und seine Frau zitiert nach Wolfgang Benz Der Holocaust S89/90 zu Biografien siehe auch im Netz www. ghetto- theresienstadt.info

5) Gesamtstatistik Schicksal zitiert nach Wolfgang Benz der Holocaust S91/92

6) Ende April 1945 alle Daten zitiert nach Benz S91

1 Februar 1942 – Dr Stahlecker / Bericht

1 FEBRUAR

Erschiessung_LibauJuli1941_layout

jüdische Menschen bei Libau bei einer Massenexekution durch die Einsatzgruppe A. (siehe Dokument unten). Dieses Bild ist Teil eines heute noch erhaltenen Films der Tötung (Quelle: Bundesarchiv Berlin)

Die Einsatzgruppe A  war von Beginn des Ostfeldzuges damit beschäftigt
den sogenannten Kommissarbefehl umzusetzen. Mit gezielten Säuberungsaktionen
(auch Selbstreinigungskräfte), werden die Juden als Bolschewisten, aber auch
Frauen Kinder als mutmaßliche Partisanen getötet. Die Berichte der Einsatzkommandos, und die Zahlen ihrer Tötungen waren im Gegensatz, zur Tötung der Juden in Gaskammern kein „Geheimnis“ obwohl diese als Geheime Reichssache gekennzeichnet waren. Die Dienststellen der SS versendeten ungeniert ihre Berichte, die heute noch in vielen Versionen vorliegen. Bis zum 1 Februar 1942 hatte die Einsatzgruppe A 229 050 Menschen getötet, wie der Kommandeur dieser Gruppe Dr Stahlecker zu berichten wusste.

Einsatzgruppe A

III.

Juden

Die systematische Säuberungsarbeit im Ostland umfasste gemäss den grundsätzlichen Befehlen die möglichst restlose Beseitigung des Judentums. Dieses Ziel ist mit Ausnahme von Weissruthenien im wesentlichen durch die Exekutionen von bislang 229 052 Juden (s. Anlage) erreicht. Der in den baltischen Provinzen verbleibende Rest wird dringend zur Arbeit benötigt und ist in Ghettos untergebracht.

Zur Erreichung dieses Zieles waren in den verschiedenen Gebieten des Ostlandes verschiedenartige Massnahmen erforderlich.

In den 3 baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen kam das Judentum erst nach der Machtübernahme durch den Bolschewismus entscheidend zur Geltung. Aber auch schon vorher waren der Einfluss der Juden einerseits und die antijüdischen Regungen der Bevölkerung andererseits sehr stark.

Im Nachstehenden werden die verschiedenen Gebiete des Ostlandes getrennt behandelt:

1.) Estland:

Da bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts Estland zu einer Sperrzone des russischen Reiches gehörte, in die der Zuzug jüdischer Elemente von auswärts verboten war, ist das Judentum im Lande zahlenmässig stets unbedeutend gewesen.

Zu Beginn des Jahres 1940 lebten in Estland rund 4.500 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 1.2 Mill. Wesentlich stärker als der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung war ihr Einfluss auf das Wirtschaftsleben des Landes. Die estnische Industrie war z.B. zu 11% in jüdischen Händen. Zur bolschewistischen Zeit wurde zwar das jüdische Privateigentum auch nationalisiert, die Juden selbst jedoch fast überall in ihren früheren Unternehmungen als Leiter belassen. Durch Verbindungen zur NKWD. schafften sich die Juden eine sehr starke Position. Sie beherrschten die Presse, die Kulturinstitute, drängten sich in die freien Berufe, und hatten als einzige völkische Minderheit, neben den Deutschen, das Recht einer eigenen Kulturselbstverwaltung.

Mit dem Vormarsch der deutschen Truppen verliess die Mehrzahl der Juden, zusammen mit den sowjetrussischen Behörden, das Land. Etwa 2.000 Juden verblieben im Lande zurück. Davon wohnten in Reval allein fast 1000.

Der mit dem Anrücken der Wehrmacht gebildete estnische Selbstschutz begann zwar sofort Juden festzunehmen, doch unterblieben spontane Progrome [sic!]. Erst von Sicherheitspolizei und SD wurden die Juden nach und nach, sowie sie im Arbeitsprozess entbehrlich wurden, exekutiert.

Heute gibt es in Estland keine Juden mehr.

2.) Lettland:

Die Gesamtzahl der Juden in Lettland betrug im Jahre 1935: 93 479 oder 4.79% der Gesamtbevölkerung.

Bei der bolschewistischen Machtübernahme in Lettland im Juni 1940 gelang es den sowjetrussischen Rassegenossen den lettischen Juden, die vordem überwiegend zionistisch eingestellt waren, massgebenden Einfluss zu verschaffen. Während es vor 1940 in Lettland keine Juden als Staatsbeamte gab und überhaupt kein Jude in der Staatsverwaltung tätig war, waren in der sowjetrussischen Republik schnell alle einflussreichen Staatsstellungen in den Händen der Juden. Die Hälfte aller Richter war jüdisch. In den höheren Instanzen, insbesondere im Tribunal, betrug die Zahl bis zu 80%, Ebenso stark war der Einfluss der Juden auf die Wirtschaft und im kulturellen Leben.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen gab es in Lettland noch 70.000 Juden. Der Rest war mit den Bolschewisten geflüchtet. Die verbliebenen Juden betätigten sich lebhaft als Saboteure und Brandstifter. So wurden in Dünaburg von den Juden derart viele Brände angelegt, dass ein grosser Teil der Stadt vernichtet wurde.

Nach dem Terror der jüdisch-bolschewistischen Herrschaft — es wurden insgesamt 33 038 Letten verschleppt, verhaftet oder ermordet — wäre ein umfassendes Progrom der Bevölkerung zu erwarten gewesen. Tatsächlich wurden jedoch durch einheimische Kräfte nur einige tausend Juden aus eigenem Antriebe beseitigt. Es war notwendig, in Lettland durch Sonderkommandos, unter Mithilfe ausgesuchter Kräfte der lettischen Hilfspolizei (meist Angehörige verschleppter oder ermordeter Letten) umfangreiche Säuberungsaktionen durchzuführen.

Bis zum Oktober 1941 wurden durch diese Sonderkommandos rund 30 000 Juden exekutiert. Die restlichen, noch mit Rücksicht auf Wirtschaftsbelange unentbehrlichen Juden, wurden in Gehttos zusammengefasst, die in Riga, Dünaburg und Libau errichtet wurden.

Im Zuge der Bearbeitung von Strafsachen wegen Nichttragens des Judensterns, Schleichhandels, Diebstahls, Betruges, aber auch um der Seuchengefahr in den Ghettos vorzubeugen, wurden in der Folgezeit weiter Exekutionen durchgeführt. So wurden am 9.11.1941 in Dünaburg 11 034, Anfang Dezember 1941 durch eine von Höheren SS- und Polizeiführer angeordnete und durchgeführte Aktion in Riga 27 800 und Mitte Dezember 1941 in Libau 2 350 Juden exekutiert. Zurzeit befinden sich in den Ghettos (ausser den Juden aus dem Reich) lettische Juden in

Riga rund 2 500
Dünaburg 950
Libau 300

Diese sind als gute Fachkräfte für die Aufrechterhaltung der Wirtschaft z.Zt. noch unentbehrlich.

3.) Litauen:

Bis zum Einmarsch der Bolschewisten lebten nach einer Zählung im Jahre 1923 in Litauen 153 743 Juden, die damit 7.58% der Gesamtbevölkerung darstellten. Während ihr Einfluss bis dahin im wesentlichen auf die Wirtschaft beschränkt war, nahmen die litauischen Juden, die auch vorher schon illegal für den Boschewismus gearbeitet hatten, jetzt schnell einen beherrschenden Einfluss im öffentlichen Leben. Juden beiderlei Geschlechts unterstützten insbesondere die Tätigkeit der NKWD. Die Verschickung von 40 000 Litauern nach Sibirien ist auf die Vorarbeit der Juden zurückzuführen.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen führte der Hass der Litauer gegen die Juden zu wirksamen Progromen, zumal die jüdisch-kommunistische Jugend noch viele Städte, die von den deutschen Panzertruppen in wenig beschädigtem Zustande durchfahren worden waren, mit vorher bereitgestellten Benzinkanistern in Brand gesteckt hatte.

Bei den allerdings unter wesentlicher Mithilfe von Sipo und SD durchgeführten Progromen von Litauern wurden in Kauen 3 800, in den kleineren Städten rund 1 200 Juden beseitigt.

Soweit es Juden gelungen war, zu fliehen, wurden sie nicht selten von den Bauern den Behörden ausgeliefert.

Diese spontanen Reinigungsaktionen reichten aber nicht aus, um den rückwärtigen Frontabschnitt zu stabilisieren, zumal der Eifer der einheimischen Bevölkerung auch alsbald nachliess.

Daher wurden durch ausgewählte Kommandos — meist in der Stärke 1:8 — zunächst die Gefängnisse, dann systematisch Kreis für Kreis des litauischen Gebietes von Juden beiderlei Geschlechts gesäubert. In vielen Einzelaktionen wurden insgesamt 136 421 Personen liquidiert. Bemerkenswert ist, dass dabei mehrere Juden tätlich gegen die eingesetzten Beamten und litauischen Hilfskräfte vorgingen und vor der Exekution noch ihre bolschewistische Einstellung kundtaten, indem sie Hochrufe auf Stalin ausbrachten und Deutschland schmähten.

Da die restlose Liquidierung der Juden aus Gründen des Arbeitseinsatzes nicht durchzuführen war, wurden Ghettos gebildet, die zurzeit wie folgt belegt sind:

Kauen rund 15 000 Juden
Wilna 15 000
Schaulen 4 500

Diese Juden werden im wesentlichen für wehrwichtige Arbeiten verwandt. So sind z.B. bis zu 5 000 Juden in 3 Schichten auf dem Flugplatz bei Kauen zu Erdarbeiten und dergleichen eingesetzt.

4.) Weissruthenien:

Der weissruthenische Raum ist von allen Ländern im Ostland am dichtesten mit Juden besetzt. Im Jahre 1926 wurden in der damaligen BSSR weit über 400 000 Juden gezählt. Die letzte polnische Volkszählung ergab in den damals noch zu Polen gehörenden Wojewoydschaften Bialystock, Nowo Grodlek, Polesien und Wilna mehr als 500 000 Juden. Diese Zahlen sind jedoch ungenau und sicherlich zu niedrig gegriffen, was daraus hervorgeht, dass weit mehr Personen „jiddisch“ als ihre Muttersprache angegeben haben, als im gleichen Zählbezirk angeblich Juden vorhanden waren. Weitaus die Hälfte der Juden im weissruthenischen Siedlungsraum lebte bei Kriegsbeginn in den größeren Städten. In ganz besonderem Masse war Minsk mit Juden besetzt, wo es 1939 bei einer Einwohnerzahl von 238 000 rund 100 000 Juden gab.

Die soziologische Struktur des Judentums zeigte sowohl im ehem. polnischen Gebiet, wie auch in dem schon vor dem russisch-polnischen Kriege bolschewistischen Gebiet Weissrutheniens eine breite Unterschicht ausgesprochen armer Juden.

Die verhältnismässig dünne Oberschicht beherrschte im ehem. polnischen Gebiet, insbesondere auf Grund ihrer starken wirtschaftlichen Position und im altrussischen Gebiet auf Grund ihres Einflusses in den führenden Parteistellen, schlechthin alle Lebensgebiete. Der Jude im ehemals polnischen Gebiet ist wegen seiner Intelligenz und Aktivität ein besonders gefährliches Element. Aber auch der sowjetrussische Jude hat in den 25 Jahren bolschewistischer Herrschaft ein sehr selbstbewusstes und arrogantes Wesen angenommen, das er sogar noch bei dem Einzug der deutschen Truppen beibehielt.

Die endgültige und grundlegende Beseitigung der nach dem Einmarsch der Deutschen im weissruthenischen Raum verbliebenen Juden stösst auf gewisse Schwierigkeiten. Das Judentum bildet gerade hier einen ausserordentlich hohen Prozentsatz der Facharbeiter, die mangels anderweitiger Reserven im dortigen Gebiet unentbehrlich sind. Ferner hat die Einsatzgruppe A das Gebiet erst nach Eintritt des starken Frostes übernommen, die [!] Massenexekutionen stark erschwerten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Juden über das ganze Land weit verstreut wohnen. Bei den grossen Entfernungen, den schwierigen Wegeverhältnissen, dem Mangel an Kraftfahrzeugen und Benzin und den geringen Kräften der Sicherheitspolizei und des SD sind die Erschiessungen auf dem Lande nur unter Anspannung aller Kräfte möglich. Trotzdem wurden bisher 41 000 Juden erschossen. Hierin sind nicht die Zahlen der durch die früheren Einsatzkommandos durchgeführten Aktionen enthalten. Nach schätzungsweisen Angaben sind von der Wehrmacht bis Dezember 1941 ungefähr 19 000 Partisanen und Verbrecher, d.h. also in der Mehrzahl Juden erschossen worden. Zurzeit kann für das Gebiet des Generalkommissariats noch mit einer Gesamtzahl von rund 128 000 Juden gerechnet werden. In Minsk selbst leben zurzeit — ohne Reichsdeutsche — rund 18 00 Juden, deren Erschiessung mit Rücksicht auf den Arbeitseinsatz zurückgestellt werden musste.

Der Kommandeur in Weissruthenien ist trotz der schwierigen Lage angewiesen, die Judenfrage baldmöglichst zu liquidieren. Ein Zeitraum von ca. 2 Monaten wird jedoch — je nach Witterung — noch notwendig sein.

Die Abgrenzung der verbliebenen Juden in bes. Ghettos ist auch in den Städten in Weissruthenien nahezu abgeschlossen. Sie werden von Dienststellen der Wehrmacht, der Zivilverwaltung und deutschen Behörden zum Arbeitseinsatz in weitestgehendem Masse herangezogen.

Die Ernährung der Juden in den Ghettos bildet besonders in Weissruthenien, aber auch in Litauen, erhebliche Schwierigkeiten. Neben dem allgemeinen Nachlassen der Arbeitskraft liegt darin eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber allen seuchenartigen Krankheiten.

5.) Die Juden aus dem Reich:

Seit Dezember 1940 trafen aus dem Reich in kurzen Abständen Judentransporte ein. Davon wurden 20 000 Juden nach Riga und 7 000 Juden nach Minsk geleitet. Die ersten 10 000 nach Riga evakuierten Juden wurden z.T. in einem provisorisch ausgebauten Auffanglager, z.T. in einem neu errichteten Barackenlager in der Nähe von Riga untergebracht. Die übrigen Transporte sind zunächst in einen abgetrennten Teil des Rigaer Ghettos eingewiesen worden.

Der Bau des Barackenlagers wird unter Einsatz aller arbeitsfähigen Juden so weiter geführt, dass im Frühjahr alle evakuierten Juden, die den Winter überstehen, in dieses Lager eingewiesen werden können.

Von den Juden aus dem Reich ist nur ein geringer Teil arbeitsfähig. Etwa 70 — 80% sind Frauen und Kinder sowie alte, arbeitsunfähige Personen. Die Sterblichkeitsziffer steigt ständig, auch infolge des aussergewöhnlich harten Winters.

Die Leistungen der wenigen einsatzfähigen Juden aus dem Reich sind zufriedenstellend. Sie sind als Arbeitskräfte auf Grund ihrer deutschen Sprache und ihrer verhältnismässig grösseren Sauberkeit mehr begeht [!] als die russischen Juden. Bemerkenswert ist die Anpassungsfähigkeit der Juden, mit der sie ihr Leben den Umständen entsprechend zu gestalten versuchen.

Die in allen Ghettos vorhandene Zusammendrängung der Juden auf kleinstem Raum bedingt naturgemäss eine grössere Seuchengefahr, der durch den Einsatz jüdischer Ärzte weitestgehend entgegengewirkt wird. In einzelnen Fällen wurden ansteckend erkrankte Juden unter dem Vorwand, in ein jüdisches Altersheim oder Krankenhaus verbracht zu werden, ausgesondert und exekutiert.


 

 

Quelle:

1) 1 Februar Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S268/ Massenmord Kapitel 4 /163 dazu siehe Wolfgang Scheffler “Die Einsatzgruppe A /1941/2 “ Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 41/42 hrsg Peter Klein, Berlin 1997 S34.  Anzumerken ist dass Friedländer sich bei der Gesamtzahl der Einsatzgruppe A irrte (er schreibt 218 050) siehe hierzu Quelle des zitierten Dokuments unten.

2) es handelt sich hierbei um das Dokument PS – 2273 Wir zitierten The International Military Tribunal Band XXX S71/80 PDF Originalscan – Boston Public Library  – vgl Der Nürnberger Prozess, Urkunden und anderes Beweismaterial Delphin-Verlag, München 1989 –  siehe NS Archiv de

30 Jänner 1942 Ostministerium und die Judenfrage

30 JÄNNER

Ostminister Alfred Rosenberg

Am 30.Januar 1942 berief der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete eine Besprechung ein, auf der die Ergebnisse der Wannsee-Konferenz schon deutlich sichtbar wurden. Das R.u.Pr.MdI (Reichs- Ministerium des Inneren) war durch Ministerialrat Dr. Lösener aus der Abteilung I vertreten. Es wurde über den Entwurf einer Verordnung verhandelt, mit der für die besetzten Ostgebiete bestimmt werden sollte, wer als Jude zu behandeln sei. Die vorgesehenen Bestimmungen gingen noch weit über die §§2 und 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz hinaus. Nach der Aufzeichnung über den Verlauf der Besprechung sollte die Vorschrift folgenden Wortlaut erhalten:

“2) Jude ist, wer sich zur jüdischen Religionsgemeinschaft oder sonst als Jude bekennt oder bekannt hat oder dessen Zugehörigkeit zum Judentum sich aus sonstigen Umständen ergibt.

3) Dem Juden wird gleichgestellt, wer einen Elternteil hat, der Jude im Sinne des Abs.1 ist.

4) In Zweifelsfällen entscheidet der Generalkommissar (Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD) oder die von ihm beauftragte Stelle mit allgemein bindender Wirkung.”

Die Niederschrift enthält auf S.4 und 6 noch folgende aufschlussreiche Ausführungen:

“Dr. Wetzel entgegnete darauf, dass in Folge der zu erwartenden Lösung der Judenfrage politische Gefahren aus der Gleichstellung jüdischer Mischlinge aus den Ostgebieten nicht zu erwarten seien. Der Vertreter der Parteikanzlei, Oberregierungsrat Reischauer, erklärt anschliessend, dass er schon im Hinblick darauf, dass das fremdvölkische Blut nicht so wertvoll sei wie das deutsche, besondere Gefahren bei einer Gleichstellung der jüdischen Mischlinge ersten Grades nicht erblicken könnte.

Der Vertreter des Reichssicherheitshauptamtes, Dr. Neifeind, wendet sich dagegen, dass die Entscheidung bezgl. der Frage, wer Jude sei, in Zweifelsfällen beim Gebietskommissar liegen solle. Die Lösung der Judenfrage sei Aufgabe der Sicherheitspolizei und des SD.

Sturmbannführer Suhr bat, auch die Frage der Mischehen in dem Ausführungserlass zu regeln. Man wurde sich darüber einig, dass Juden, die in Mischehen leben, keiner anderen Behandlung wie die anderen Juden unterliegen sollen und dass dies im Erlass zum Ausdruck gebracht werden sollte.”

Die Mischlinhgsfrage sollte für die Nationalsozialistische Diktatur vorerst noch ungeklärt bleiben erst 1943 mit der sogenannten 12 Verordnung zum Reichsbürgergesetz wir man eine neuerliche Verschärfung für diese Gruppe jüdischer Menschen, die nicht Staatsbürger des Deutschen Reiches waren einführen. Um die Frage der jüdischen Menschen in Mischehen näher zu erörtern wird man im März eine neuerliche Sitzung im Reichssicherheitshauptamt der SS einberufen, in der man vorallem den Sterilisationsplan erörtern sollte.

siehe 6 März 1942 auf Shoaportal –

Quelle:

30 Januar
zitiert nach dem Gerichtsverfahren gegen Ministerialrat des Reichsinnenministeriums Globke JU NSV Lfd.Nr.1068 zu Verfügung gestellt von der juristischen Fakultät Universität Amsterdam

Eine Konferenz am Wannsee 20 Jänner 1942

DIE WANNSEEKONFERENZ – 20 JANUAR
SELEKTIVER MASSENMORD

Die Villa am Wannsee, heute Gedenkstätte des Genozids

Die ursprünglich schon am 9 Dez 41 angesetzte Wannseekonferenz (gleich nach Angriff der Japaner auf Amerika) wurde auf den 20 Januar 42 verschoben. Diese vielen unter dem Namen Wannseekonferenz bekannte Sitzung im Gästehaus des Sicherheitsdienstes in Berlin Umgebung, wurde zum Inbegriff für die Koordination der Vernichtung des europäischen Judentums. Hier trafen sich die staatlichen (politischen) Vertreter mit den Exekutivvertretern der Gerichtsbarkeit und Polizei  (SD, SS) um die genaueren Möglichkeiten einer “Endlösung” im eigentlichen Sinn einer folgenden  physischen Vernichtung vorzubereiten. In den Augen der SS ist die Frage der Endlösung und ihrer Zuständigkeit von zentraler Bedeutung. Über Monate versuchten sie sich gegenüber allen anderen Zentralinstanzen, als die eigentlich treibende Kraft in der “Judenfrage” zu etablieren. Der erste Triumph erfolgte in der Weisung Görings vom 31 Juli 41 in der die SS und der SD die erste offizielle Vollmacht erhielten die “Endlösung” der Judenfrage zu organisieren. Dies bedeutete im eigentlichen Sinn einen Pakt mit Göring und seinen Vollmachten als “zweiten Mann des Staates”  aber auch “Wirtschaftsbevollmächtigten” im Ostraum und daher auch als maßgeblicher “Judenbeauftragten” der neu gewonnenen Gebiete. Es bedeutete auch einen kleinen Triumph gegenüber dem Generalgouverneur Hans Frank in Polen, der sich wie wir gesehen haben in den Fragen der Judenenteignung immer wieder zu Wort meldete. Doch war diese Weisung Görings nur ein Teilerfolg, denn mit dem Zusatz “…Soferne hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentralinstanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen …”  erhielt die SS und der SD nicht die Weisungs freiheit die sie anstrebte, um die Judenfrage ungehindert unter ihrer Kontrolle zu einer “Endlösung” zu bringen. Dies sollte sich im Laufe des Ostfeldzuges ändern. Der Zyklus und die Entwicklung findet hier seinen erschreckenden Höhepunkt. Sie begann mit Erschießungen, Tötung durch Krankheit und Arbeit, durch gezielt provozierte Pogrome, endete in Massentötungen zehntausender Menschen durch erschießen, sprengen, verbrennen, und zuletzt durch Tötung in mobilen Gaswagen um nun in reinen Vernichtungsanlagen ihr Ende zu finden. An diesem Punkt gibt es für die SS keine moralische Grenze mehr zu durchbrechen. Dieses “ungermanische” Verhalten welches man einst verabscheute ist nun zur Norm eines ausser Kontrolle geratenen Krieges und Ideologie geworden. In einer gewissen Eigendynamik, wurde jede moralische Konsequenz beseitigt um ihren Rassenwahn nun vollends von einem Endsieg in eine Endlösung der Judenfrage zu verwandeln. In den Wahnvorstellung dieser Ideologen Kinder, Frauen, Alte, als der eigentlich zu vernichtende Feind, zur systematischen Vernichtung frei gegeben werden.



Die Teilnehmer der Konferenz v.l.n.r : der Chef des Reichssicherheitshauptamtes un Obergruppenführer Heydrich er leitete die Konferenz, der Chef der Geheimen Staatspolizei (Getsapa) Müller, Adolf Eichmann Kopf der Abteilung 4BIV jüdische Auswanderung (er verfasste das Protokoll), SS-Gruppenführer Hofmann aus dem Rasse und Siedlungshauptamt.



SS-Gruppenführer Schöngarth Chef des Sicherheitsdienstes (SD) im Generalgouvernement, SS-Sturmbannführer Dr. Lange als Kommandeur der Sicherheitspolizei Lettland als Stellvertreter für den Chef der Sicherheitspolizei des Reichskommissariat OSTLAND, Staatssekretär für die besetzten Ostgebiete Dr Meyer und Reichsamtsleiter Dr Leibbrandt für die besetzten Ostgebiete,



Staatssekretär Dr Stuckart für das Reichsministerium des Inneren, Staatsekretär Neumann als Beauftragter des Vierjahresplans (Göring), Staatssekretär Dr Freisler für das Reichsjustizministerium, Staatssekretär Dr Bühler Amt des Generalgouverneurs (Hans Frank)



Unterstaatssekretär Dr Luther für das Auswärtige Amt, SS-Oberführer Klopfer für die Parteikanzlei, Ministerialdirektor Kritzinger für die Reichskanzlei.

DIE KONFERENZ

Was war die Wannseekonferenz und welche Konsequenzen ergeben sich aus ihr ? Diese Fragen sind heute noch Grundlage wilder Spekulationen. Den besten Einblick gibt uns das Protokoll selbst, im Kontext zu den Geschehnissen die man heute vermutet oder teilweise gut beweisen kann. Es ergeben sich im wesentlichen Fragen aus dem Kontext vor der Konferenz und dem Wissen welches wir aus dem Protokoll selbst erhalten. Die Konferenz ist die Konsequenz auf jene gescheiterten Pläne der  Nationalsozialistendie “Judenfrage” in Form von umfangreichen Ansiedlungsprogrammen zu lösen, und das Resultat des unbedingten Willens Hitlers die Judenfrage nun zu einem Ende zu bringen. Heydrich wird nach Aussage Eichmanns zu Beginn der Konferenz einen Vortrag über die diversen Siedlungspläne halten, um dann im Kontext der neuen ”Zeitverhältnisse“ die Konferenz mit Hinweis auf Görings Ermächtigung zu eröffnen. Im Verlauf der neuen Lösungsmöglichkeiten der Judenfrage ergeben sich nun einige Schwierigkeiten und vor allem Fragen:

1. Die Frage der “Zuständigkeit” im Kontext zu formalen juristischen und verwaltungstechnischen Schwierigkeiten zwischen einzelnen Verwaltungsbehörden und der SS

2. Die Frage der “Ziele” die man der jüdischen Gemeinschaft gegenüber zu erreichen suchte

3. Die Frage der “Auswanderung” im Kontext zu jüdischen Organisationen und finanziellen Abgeltungen bis Stichtag 31.10.41

4. Die Frage der “Endlösung” im neuesten Kontext der militärischen und transporttechnischen Realitäten des Feldzuges gegen die Sowjetunion

5. Die Frage der “Zahl” der entsprechenden Länder im EINFLUSSGEBIET des Reiches die man einer JUDENAUSWANDERUNG unterziehen will

6. Die Frage des “Arbeitseinsatzes” im Kontext zur Endlösung und Bauprojekten des Generalstabsplans- Ost

7. Die Frage des “Generalgouvernements” als bisheriger Ort der Ghettoisierung nun als “Durchgangs- Ghettos” zu verstehen

8. Die Frage der “praktischen Umsetzung der Evakuierung “ im Kontext der von Ost nach West beginnenden Evakuierungen

9. Die Frage des “Beginns der Evakuierung” und etweilige Probleme mit div. Regierungen

10. Die Frage des “Auswahlverfahrens” Rechtsgrundlagen nach NBG (Nürnberger gesetzte), der in Frage kommenden jüdischen Menschen (Mischlingsfrage, Sterilisation).

11. Die Frage der “Rüstungsbetriebe” im Kontext produktiver jüdischer Menschen.

12. Die Frage des “Beginns der Endlösung” im Kontext der nun besprochenen Punkte – die im Generalgouvernement beginnen sollte, wobei nicht die Evakuierung gemeint ist da die im Generalgouvernement nebensächlich sei …

13. Die Frage der “Befugnis der Sicherheitsdienste SS und SD” im Kontext zu den jahrelangen Streitigkeiten der einzelnen Behörden

14. Die Frage der “div. Arten der Lösungsmöglichkeiten” Nach Eichmanns  Aussage 1961 im Kontext zu der abgeschlossenen Sitzung als “Tötungsarten” zu verstehen

15.  Die Frage der “Unterstützung” aller vertretenen Behörden

DAS PROTOKOLL –

Dies sind also die wesentlichen Fragen und zentralen Punkte der Besprechung mit anschließenden Frühstück in der Villa am Wannsee 56-58. Der erste Punkt ist einer der wesentlichsten, er stellt die Grundlage für dieses Zusammentreffen überhaupt. Seit Beginn des Feldzuges in Polen waren die Zuständigkeiten in Fragen der Judenangelegenheiten nie restlos geklärt worden. Dies ist der wesentliche Grund des Zusammentreffens. Eingangs wird Heydrich dies betonen und sich seine zukünftige Vorreiterrolle in diesen Fragen bestätigen lassen. Görings Weisung gilt ihm dazu als Grundlage.

Die Frage der Ziele ist dann der zweite Punkt des Protokolls. Diese Gliedern sich in zwei Teile. Der Erste ist was man getan hat um bis zu einem Stichtag dem 31.10.41 zu einer Lösung des „Judenproblems“ zu kommen. Der zweite Teil was nun anstelle der Auswanderung tritt. Die “legale Auswanderung” beinhaltet einen wesentlichen Faktor der hier unverblümt angesprochen wird:

“Hier wurden von diesen Juden im Schenkungswege (!!!) 9, 5 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt”

Begründung stellt hier der volkswirtschaftliche Sinn eines Devisenschutzes der Reichsmark (Schutz vor Devisenflucht ). In Wirklichkeit mussten die Auswandernden Juden nicht nur den größten Teil ihres Besitzes zurücklassen, wurden ihre Betriebe arisiert und an Parteifunktionäre verschenkt, nein ausländische Organisationen mussten auch noch Fremdwährungsgelder zu Verfügung stellen (Devisenaufwertung zb durch Dollar) um ihr jüdischen Verwandten oder Freunde aber auch viele Prominente oder Geschäftsmänner freizukaufen. Das Protokoll formuliert es folgendermaßen:

“Das Aufgabenziel war, auf legale Weise den deutschen Lebensraum
von Juden zu befreien. Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer
die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten.”

Hier wird das erste mal klar um welchen weiteren Möglichkeiten in der Judenfrage es in Wirklichkeit geht. Wenn dies die legalen Wege der Auswanderung waren, so impliziert die “Evakuierung in den Osten” nun alle illegalen Möglichkeiten die Judenfrage zu einer “Endlösung” zu bringen Begründung hierfür ist die neue Situation des Kriegszustandes und zwar nicht nur der Feldzug Barbarossa sondern der neue Umstand des Weltkrieges und der Schwierigkeiten die aus so einer Auswanderung in Feindesland bringen ja unmöglich machen. Dies wird nicht explizit dargestellt ist aber aus dem Kontext zu verifizieren. Mit dem Kriegseintritt der USA so kann man herauslesen sieht man also endgültig keinen Möglichkeit durch eine legalen Auswanderung das Judenproblem zu lösen, wohin solle man sie auch schicken?

Der nächste Absatz ist einer der interessantesten und lässt auf den ersten
Blick noch immer viel Platz für Spekulationen.

” Diese Aktionen sind jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen, doch werden hier bereits jene praktischen Erfahrungen gesammelt, die im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage von wichtiger Bedeutung sind “

Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Man muss an dieser Stelle berücksichtigen dass bis jetzt nur von jüdischen Menschen aus dem Reich die Rede war also dem Reichsgebiet selbst im speziellen dem Altreich, der Ostmark und dem Protektorat Böhmen und Mähren. Es geht auf die Priorität zurück die sich aus Hitlers Befehl, das Reich so schnell wie möglich “judenfrei” zu machen. Mit Ausweichmöglichkeit ist das Generalgouvernement gemeint, dass angesichts der nun neu ankommenden Transporte über die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit trifft. Die Vorsitzenden der “Ghettos” werden Einspruch gegen die neu eintreffenden Transporte aus dem Reich erheben, die Antwort der Nazis auf die Überbevölkerung der Ghettos wird zu dieser Zeit schon “vernichtend” ausgefallen. Die praktischen Erfahrungen die man jedoch sammelt, stehen wieder eindeutig für den impliziten Kontext des illegalen Weges dieser Evakuierungen in den Osten. Denn “praktische Erfahrung” mit Ghettoisierung und Judendeportationen hatte man schon hinlänglich genug gesammelt neu ist nur die Tatsache des neue Interpretierten Begriffs “Endlösung” und den damit zusammen – hängenden neuen Zielen umfangreichster Selektion und auch Deportation in die Vernichtungslager die man nun an der Grenze des Generalgouvernements am Bug errichten wird oder hat. Diese “praktischen Erfahrungen” sind unschätzbar für die Organisatoren des Vernichtungsbetriebes und hier findet man einen weiteren Hinweis auf die eigentliche Tatsache des hier zu besprechenden Inhalts der auf den ersten Blick nichts schlimmes verrät. Aus den Umständen unseres heutigen Wissens jedoch Klarheit über diese Besprechung schafft. Wenn man auf die Protokollliste den Namen des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD des Reichskommissariat Ostland sucht wird man nur den Namen Dr Rudolf Lange als seinen unerwartet rangniedrigen (Sturbannführer) Stellvertreter finden. Jener Befehlshaber der Einsatzgruppe 2 der Einsatzgruppe A der die ersten Vergasungen in mobilen Gaswagen zb in Soldau durchgeführt hatte (geistig Behinderte) und Monate lang mit Mobilen Gaswagen mordend durch den Osten zog. Schlussendlich wurde Dr Rudolf Lange zu einem unentbehrlichen Spezialisten in Fragen des “mobilen Gastodes” aber auch Massenexekutionen durch Erschießungen und als solcher auch treibende Kraft hinter dem Aufbau des ersten reinen Vernichtungszentrums Chelmno (Kulmhof) dass wie eine Basisstation für mobile Gaswagen angelegt war. Das Dr. Lange als Vertreter des Chefs der Sicherheitspolizei des ganzen Reichskommissariat Ostland auftritt,  zeugt von jenem Plänen die man nun auch im großen Maßstab umzusetzen suchte .

… mit den Worten:

“Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht, die sich wie folgt auf die einzelnen Länder verteilen.”

sind wir bei der nächsten Frage angelangt. Das Protokoll teilt hier die Liste in zwei Gruppen A und B. In den Fällen der Gruppe A besitzen die Nationalsozialisten direkten Einfluss auf die Regierungen oder stellen sie selbst. In den Ländern der Gruppe B sind zu erwartende Problemregierungen als auch Länder mit denen das Reich sich noch im Krieg befindet darunter England und die UDSSR. Es zeigt einmal mehr, dass an diesem Punkt 1942 die radikalsten Nationalsozialisten trotz der enormen militärischen Rückschläge an dem Willen Endsieg festhalten in dem man Schlussendlich sich als Herr über ganz Europa bis tief in die Sowjetunion sieht. Die Zahlen wie man heute vermutet zb im europäischen Teil der Sowjetunion sind übertrieben eben nur eine überhöhte Schätzung.

Nach dem man einzelne Zahlenzusammenhänge bespricht nähert man sich der nächsten wesentlichen Frage an:

“Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung(!!!) ausfallen wird. Der anfällig verbleibende Restteil wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen,da dieser,eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist (siehe Erfahrung Geschichte)”

Dieser Teil ist einer der unverblümtesten und auch Aufschlussreichsten des ganzen Protokolls. Hier treffen sich zwei wesentliche Merkmale und auch Erklärungen für die weiteren Handlungen und Taten aber auch für einige Motive der Wannseekonferenz selbst. Es erscheint nun einen Synthese der Vernichtung die sich hier in zwei Teile zerlegt. Erstens Vernichtung durch Arbeit. Zweites Vernichtung der arbeitsunfähigen (wird später noch erörtert werden) oder eben jene welche diesen Arbeitseinsatz überleben sollten. Hier schließt sich ein Kreis um einen einzelnen wesentlichen Punkt Es führen hier die drei zentralen Säulen der Endlösung zu einem Programm der Vernichtung zusammen. Ersten wäre hier der unabdingliche Glaube der Nationalsozialisten an die Rassereinheit der ideologische Faktor. Zweitens der wirtschaftliche Faktor im Verlauf des Generalstabplan – Ost. Schlussendlich waren die Siedlungsprogramme im Generalgouvernement als gescheitert anzusehen, da man nun auch im Generalstabsplan Ost das General gouvernement als polnisches und später sogar alsdeutsches Siedlungsgebiet einzusetzen suchte, und nicht wie man ursprünglich vor hatte es auch als jüdisches Siedlungsgebiet zu benutzen. Der gescheiterte Blitzkrieg und der Eintritt der USA in den Krieg, ist der dritte Faktor des Beschlusses, die jüdischen Menschen einer radikalen Form der Endlösung zuzuführen, die das Synonym der Evakuierung in den Osten für viele in eine Frage der Evakuierung in ein Vernichtungslager bedeutete. Der Arbeitseinsatz sollte für die arbeitsfähigen “Juden” bedeuten im Verlauf des Generlastabsplans Ost “straßenbauend” in den Osten geführt zu werden. Dies steht wieder herum in Zusammenhang mit umfangreichen Plänen der Besiedelung des Ostens, Straßenbauprojekten und Schienenbauprojekten aber auch dem Ausbau von Städten Pläne, welche die Nazis auf Grund der militärischen Niederlage nie verwirklichen sollten. Der Hinweis jedoch die Überlebenden solcher Bauprojekte entsprechend zu behandeln da sie die Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues sein könnten, zeugt abermals von dem eigentlichen Sinn hinter dem Begriff der nun folgenden, radikalen Form der  “Endlösung” aber auch dieser Konferenz.

Im nächsten Absatz betont man erneut die Dringlichkeit im Großreich selbst mit den Evakuierungen zu beginnen auf Grund des Wohnungsmangels. Europa solle von West nach Ost durchgekämmt, werden wobei man die Juden in Durchgangsghettos unterbringen wolle, um sie dann in den Osten zu evakuieren. Schlussendlich fungierten viele Arbeitslager und so gut wie jedes Ghetto als “Umschalgplatz” in den Tod durch Gas oder Tötung durch erschießen.

Die nächsten Absätze Folgen der Frage der zu Evakuierenden Personen, und auf welcher Grundlage sie zu geschehen sei. Grundsätzlich einigte man sich auf die Definition der Nürnberger Gesetzgebung NBG – einer jener federführenden Juristenköpfe Staatssekretär Freisler, welcher diese Gesetzgebung in hohen Maße mitentwickelte hatte war selbst zu Gast bei dieser Sitzung. Nach dem man die Mischlingsfrage erörterte und die Frage einer Zwangssterilisation und die Möglichkeit einer staatlich verordneten Zwangsscheidung für Mischehen besprach, wirft man noch eine Frage auf die zu diesem Zeitpunkt für Heydrich keine Priorität besitzt jedoch Himmler zu späteren Zeitpunkt ein großes Problem darstellen wird. Staatsekretär Neumann der Mann der für Görings Ministerium des Vierjahresplans bei der Sitzung teilnahm, brachte die Frage der in “kriegswirtschaftlichen Betrieben” arbeitenden jüdischen Menschen auf. Hier gab es von Heydrich mit dem Hinweis dass jene Zielgruppe bei dieser Aktionen unberücksichtigt sei auch keine weitere im Protokoll festgehaltene zukünftige Verfahrensweise. Vielleicht ein Fehler Heydrichs der diese relevante Frage keiner genaueren Analyse oder zukünftigen Regel unterwirft. man erkennt hier jedoch dass diese Endlösung noch vorsah die Mehrheit der arbeitsfähigen Juden nicht zu deportieren ein Umstand der sich schnell ändern sollte. Himmler wird diese lange ungeklärte Frage sehr zu schaffen machen schon 1942 /1943- Mit  dem Tod Heydrichs und der erneuten Radikalisierung erging sein  Befehl das Generalgouvernement endgültig (so schnell wie möglich)von allen jüdischen Menschen zu räumen. Mit der Feststellung Dr Bühlers dem Vertreter Hans Franks aus dem Generalgouvernement bei dieser Sitzung , dass der Sicherheitsdienst jede Unterstützung von Verwaltungsebene bekomme und der eindringlichen nochmaligen Bitte das Generalgouvernement als erstes im Verlauf der Endlösung von Juden zu reinigen, da dort verkehrstechnisch keine Probleme zu erwarten sind erhalten wir den letzten klaren Hinweis auf die die Tatsache hinter der “Evakuierung” in den Osten. Der Osten ist vorallem für die “arbeitsunfähigen” Ostjuden das Generalgouvernement selbst, die Vernichtungslager die sich Teils schon im Bau befinden werden logistisch nicht weit “östlich” von den “Durchgangsghettos” errichtet, direkt am Bug etwas abgelegen im ländlichen Bereich. Schon im März wird das Vernichtungslager Belcek seine Tore öffnen. Wie Bühler weiter erläutert sollen etwa 2,5 Millionen Juden wobei die Mehrheit “arbeitsunfähig” sei im Generalgouvernement bereitstehen. Zum Schluss bespricht man noch diverse Lösungsmöglichkeiten der Judenfrage wie es das Protokoll formuliert, wobei Dr Meyer als auch Dr Bühler darum baten “gewisse vorbereitende Arbeiten im Zuge der Endlösung gleich in den betreffenden Gebieten selbst durchzuführen, wobei jedoch einen Beunruhigung der Bevölkerung vermieden werden müsse”

Somit ist die Wannseekonferenz beendet. Die staatlichen Stellen sind nun instruiert und bald schon werden die Mühlen des Staatsapparates den verwaltungstechnischen Überbau erschaffen der den Genozid wenn schon nicht “legalisiert” so doch fördert. Konkret ergaben sich also etwa sechs geklärte Punkte über die man sich schlussendlich geeinigt hatte:

1. Die Säuberung des Reiches von den Juden

2. Die Säuberung des Generalgouvernements von den Juden

3. Die Pläne des Generalstabplan Ost

4. Die zukünftige wirtschaftliche Rolle der jüdischen Menschen in diesem Plan

5. Die “Behandlung” der Arbeitsunfähigen .

6. Die “Behandlung” der stärkeren Überlebenden.

Zwei Punkte hingegen wurden nicht geklärt und werden weiterhin dazu führen, dass Ministerien und Partei, Zivilverwaltung, Wehrmacht, Wirtschaft und SS , in Konflikte geraten.

1 Die Frage der Mischlinge, Geltungsjuden, usw und deren Behandlung

2 Die Frage der in Rüstungsbetrieben tätigen Menschen.

Man kann die nächsten Monate und Jahre beobachten wie diese Fragen immer wieder erörtert wurden, für Himmler Schwierigkeiten die diese Konferenz eigentlich beseitigen sollte.

Die Seite sechs des Wannseeprotokolls, mit allen Ländern darauf in der man die Judenfrage zur “Endlösung” bringen wollte. Das Protokoll stand unter absoluter Geheimhaltung. Auf Verrat Geheimer Reichssachen stand der Tod. Betreffende Personen die eine Kopie erhielten waren angehalten diese nach Kenntnisnahme zu vernichten. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Luther (Bild oben) war jedoch kein Freund seines Vorgesetzten Aussenminister Ribbentrop. Er behielt seine Kopie versteckt.Sie wurde nach dem Krieg zufällig gefunden und wurde ein wichtiges Indiz für Vorgänge, rund um die “Endlösung”.

Die Frage der Endlösung oder der “Evakuierung” in den Osten wie die Nazi Diktion es offiziell nannte wird sich auf alle Gebiete des Ns Staates erstrecken, selbst aus den Gefängnissen werden ab Mitte des Jahres systematisch Juden, “Asoziale” und Menschen die zu einer Haftstrafe verurteilt waren die länger als 8 Jahre dauerte in Konzentrationslager “evakuiert”. Die Synthese der Vernichtung mit “produktiven
Hintergrund” ist das wesentliche Kennzeichen der nun beginnenden Phase. Es geht auf die Einstellung der Nazis und insbesondere Hitler zurück, dass das “beste deutsche Blut” an der Front getötet wird und  jene schäbigsten Elemente in Gefängnissen und Konzentrationslagern “nutzlos überleben”. Auch sie hätten nun der großen Sache des dritten Reiches zu dienen. In diesem Tenor werden in den folgenden Jahren, Menschen auch zu “medizinischen Versuchen” herangezogen. Experimente die in ihrem Wesen mehr den Tötungswillen und Sadismus einzelner Wissenschaftler betonte, deren Methoden die Skrupellosigkeit einer “Humanmedizin” zeigt, in der ein Mensch auf ein Versuchsobjekt reduziert, jedes Anrecht auf Menschlichkeit verliert.

Jänner 1942 -Viktor Klemperer und die Gestapo –

12 JANUAR 1942

Auszug aus Viktor Klemperers Tagebucheintrag:

Donnerstag Nachmittag, vier Uhr, den 8 Januar, ich komme vom Einkauf am Chemnitzer Platz im Kopf der 16 [vorderster Waggon der Strassenbahnlinie 16]. Am Landesgericht, wie immer, Gedränge der Einsteigenden. Kurz vor dem Bahnhof dreht sich ein junger Mann nach mir um, ganz gut geschnittenes Gesicht, kalte graue Augen, und sagt leise:  “ Nächste Haltestelle aussteigen ”. Ich ganz mechanisch, da ich ja dort die Bahn wechsle:  “ Ja ”Erst im Aussteigen fällt mir das Merk- würdige auf. Ich warte auf die 14. Da steht er schon neben mir: Wo kommen Sie her ? Wo wollen Sie hin ? Sie kommen mit mir”Ich frage erst gar nicht nach einem Ausweis. Im Gehen sagt er: ” Staatspolizei ”- [Ich]          ” Wollen Sie meine Legitimation sehen ? ” – ” Nicht Hier  .” Dem Bahnhof gegenüber, an der Hohen Straße- Seite, dort, wo ich zu parken pflegte, zwischen den Hotels ein großes Bureaugebäude. Das also das Haus der Gestapo, von dem Schreckensgeschichten erzählt werden. Mein Hundefänger zu einem Kameraden der ihm entgegenkommt: “ Der latscht in der Verkehrszeit in der Elektrischen rum: Ich will ihn flöhen. Zu mir übrigens ohne Schreien: “ Sie warten hier, hinter der Freitreppe . ” Ich stand ein paar Minuten. Sehr kurzatmig. Immer mit dem Gefühl Wann kommst du frei ? Jemand der vorbeikam brüllte mich an : ” Umkehren ! ” ( Von diesem Gesicht zur Wand hatte ich schon gehört) Nach einiger  Zeit erschien mein Hundefänger wieder und winkte mir heraufzukommen. Oben ein sehr großer Bureauraum, man sieht in ein anderes Zimmer, art Wohnzimmer mit gedecktem Tisch Meine Brieftasche meine Mappe werden durchgesehen “ Was tun Sie ? ” – “ Ich schreibe ein Buch ” –  “ Das können Sie ja doch nie veröffentlichen – Sie kommen morgen in Arbeit. Goehle – Werk (Zeiss Ikon).- Sie sind herzkrank ? – Ich war wohl sehr bleich und sprach mühselig ohne Luft. Soweit war die Behandlung noch beinahe anständig. Indes erschien ein anderer Polizeimann vielleicht einen Grad höher, mittelgroß braune höhnische Augen. Er duzt mich : ” Nimm deinen Mist (Mappe Hut) vom Tisch Setz den Hut auf. Das ist doch bei euch so. Da wo du stehst, ist geheiligter Boden ” “ Ich bin Protestant ” – “ Was bist du? ” – “ Getauft?  ” Das ist doch bloß getarnt. Du als Professor musst doch das Buch kennen von […] von einem Levysohn, da steht das alles drin. Bist du beschnitten ? Es ist nicht wahr, daß das eine hygienische Vorschrift ist. Das steht alles in dem Buch. Wie alt ? – was erst sechzig ? Mensch musst du in deine Gesundheit hineingewütet haben […] Nu ihr betet doch täglich um unsere Niederlage zu Jahwe, so heißt es ja wohl. Das ist doch der jüdische Krieg. Adolf Hitler hats gesagt – (pathetisch schreiend) Und was Hitler sagt das ist auch so […] Du lässt dich hier nicht mehr auf der Elektrischen sehen. Du kannst zu Fuß laufen. Und wenn wir dich hier noch mal treffen,fliegst du heraus Du weißt schon wohin. Verstanden? […] Darf Ich jetzt gehen ? [Der erste junge Beamte] Er kam mit mir an die Treppe und sagte als Schlusswort: “ Und wenn sie nicht so alt und klapprig wären würden Sie in Arbeit gesteckt ” Als ich draußen war merkte ich erst wie sehr Brust und linker Arm schmerzten. Immerhin ich war frei […] wer aber kann abschätzen, wie weit die innere Spannung, die äußere Niederlage fortgeschritten sind . Sehr lange kann Ich nicht mehr warten Und das ist wohl die Grundstimmung aller Sternträger […]

Viktor Klemperers Anspannung ist angesichts seiner Erfahrungen verständlich. Die letzten Wochen und Monate waren zahlreiche Bekannte und Freunde wegen den kleinsten Vergehen in Gestapohaft genommen worden und viele bezahlten diese mit ihrem Leben. Nach den neuerlichen Verschärfungen durch die Gesetztgebung gegenüber den jüdischen Menschen des Reiches im Herbst 1941, setzten viele ältere jüdische Menschen ihrem Leben vorzeitig ein Ende.

Quellen:

1) 12 JANUAR Victor Klemperer Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten Band II 1942-45 S6/7/8

Ende August – Hitler/ Himmler/Göbbels und die Judenfrage – Klemperer

16 AUGUST – LEBENSBORN IM OSTEN

Himmler fliegt nach Rastenburg, um sich mit SS Standartenführer Guntram Pflaum zu treffen. Im Zuge des Gespräches geht es um “blutlich guten und unvermischten Volksdeutschen Kindern anzunehmen” Himmler erweiterte nun den Befehl auf die gesamten neu gewonnen und noch zu erwarteten Gebiete.

17 AUGUST

Himmler ist zu Gast bei Hitler man trifft sich zu einem Mittagessen. Was hier genau besprochen wird ist reine Spekulation. Geht man aber von Himmlers Standpunkt und Problemstellungen aus, werden neben militärischen Fragen des Feldzuges sicher auch die für Himmler noch immer unzureichend entschiedene Frage seiner Einflussnahme im Rahmen der Zivilverwaltung erörtert. Himmler weiß, um sich wirklich frei in den neuen Gebieten bewegen zu können und auch um den Willen des Führers in der „Judenfrage“ umsetzen zu können, ist es für ihn dringend erforderlich ohne politischen und verwaltungs-technischen Widerstand, ziviler Behörden zb Rosenbergs Amt frei agieren zu können. Interventionen in dieser Richtung sind bei diesem Gespräch also wahrscheinlich. Hitler wird knappe 2 Wochen später Himmler etwas entgegen kommen in dem er ihn auch für die neu gewonnen Gebiet zum „Reichskommissar zur Förderung deutschen Volkstum“ ernennt. Für Himmler ist dies nur ein Formalakt dem er keine weiteren Ermächtigungen entnehmen kann, wie der Historiker Peter Longerich betont. Anscheinend bringen sie ihm keine Vorteile in verwaltungstechnischen Fragen mit politischen Behörden, oder weitere Befugnisse. Hitler konnte ihm in dieser Frage wahrscheinlich keine entscheidende Antwort geben. Doch bald wird man eine Konferez einberufen in der vorallem Himmlers Vorrangstellung in der Judenfrage bestätigt werden sollte. Sie wird im Dezember anberaumt und wird in die Geschichte als Wannseekonferenz eingehen. Es ist auch möglich, dass Himmler an diesem Punkt, Hitler über seine Eindrücke der Massenvernichtung berichtete die man nun vermehrt auch mit Gas umzusetzen versuchte. An diesem Punkt waren und sind  wahrscheinlich einige zentrale Weichenstellungen gesetzt  worden, die zumindestens vorbereitende Maßnahmen auch zur Massentötung der jüdischen Menschen beinhalteten. Dies kann man zwar nur vermuten, doch Hitlers radikalisierte Äusserungen, die nächsten Tage, deuten auf solch Bild.

 

18 AUGUST

Hitler bekräftigt seinen Schwur aus dem Jahre 1939. So erfahren wir aus Goebbels Tagebuch:

“Der Führer ist der Überzeugung dass seine damalige im Reichstag, daß, wenn es dem Judentum gelänge, noch einmal einen Weltkrieg zu provozieren, er mit der Vernichtung der Juden enden würde, sich bestätigt. Sie bewahrheitet sich dieser Wochen und Monaten mit einer fast unheimlich anmutenden Sicherheit. Im Osten müssen die Juden die Zeche bezahlen, in Deutschland haben sie schon teils die Zeche bezahlt und werden sie in Zukunft noch mehr bezahlen müssen. Ihre Zukunft bleibt Nordamerika, und dort werden sie über kurz oder lang auch einmal bezahlen müssen. Das Judentum ist ein Fremdkörper unter den Kulturnationen, und seine Tätigkeit in den letzten drei Jahrzehnten ist eine so verheerende gewesen, dass die Reaktion der Völker absolut verständlich, notwendig, ja man möchte fast sagen in der Natur fast zwingend ist. Jedenfalls werden die Juden in einer kommenden Welt nicht viel Grund zu lachen haben. Heute schon gibt es in Europa eine ziemliche Einheitsfront dem Judentum gegenüber”

Als Göbbels bei Hitler im feuchten Bunker “Wolfschanze” vorspricht, findet er einen erschöpften und körperlich krank wirkenden Führer vor. Hitler leidet unter einem Anfall von Ruhr, doch ist dieser Zustand sicherlich auch auf den Frontdruck im Ostefeldzug  und die gemeinsamen Pläne der USA und Grossbritanien zurück zu führen.

19 AUGUST

Goebbels kommt auf die Unterredung mit Hitler zurück, in der er behauptet Hitler sei damit einverstanden ein Judenabzeichen einzuführen,und zu einer möglichen Deportation der Berliner Juden. Jene würden in den Osten deportiert werden, sobald die ersten Transportmittel verfügbar seien und Hitler meinte :“Dort werden sie dann unter einem anderen Klima in die Mache genommen”

20 AUGUST

Goebbels zitiert Hitler (Judenfrage) erneut mit den Worten  “….nach der Beendigung des
Ostfeldzuges. evakuiert werden…”.

 

21 AUGUST
FRAGWÜRDIGE ENTSCHEIDUNG

Hitler gibt Weisung, Kiev und die Ukraine seien noch vor dem Endziel Moskau primäres Angriffsziel. Diese Entscheidung Hitlers ist bis heute eine der umstrittenen Fragen der Kriegsgeschichte. Nachdem man auf Grund der militärischen Situation in Europa (Griechenland, Jugoslawien) den Feldzug im Osten spät begonnen hatte steht Hitler nun vor grundlegenden Fragen der Militärstrategien. Er ist sich bewusst dass der moderne Krieg vorallem über rüstungswirtschaftliche Strategien bzw eroberte Produtionsstätten gewonnen wird. Hitler will die Ukraine um den Nachschub der russischen Rüstungsproguktionen zu unterbinden. Doch der Zeitpunkt den er wählt ist ungewöhnlich. Im Norden (Heeresgruppe Nord und Mitte)scheint der Krieg fast entschieden, und trotzdem will Hitler Kiev und die Kontrolle über die ukrainischen Bodenschätze. Ein Durchbruch im Norden und bei der Heeresgruppe Mitte hätte jedoch den Vorstoss auf Moskau erlaubt und möglicherweise die Einnahme der Hauptstadt und somit den Sieg über Sowjetrussland. Seine Entscheidung zuerst in die Ukraine einzurücken ist daher ein weiteres Risiko dass Hitler eingeht, kostbare Zeit die dem Dikator schlussendlich fehlen wird, als man am 3 Oktober den Vormarsch auf Moskau einleitete.Diese Operation der Vormarsch auf Kiev wird jedoch ein militärischer Erfolg Stalin der anscheinend überrascht über den Vorstoss der Deutschen war verliert in der Kesselschlacht um Kiev sechs Armeen, es ist wenn man so will Stalins Stalingrad. Die Deutschen Panzergruppen die Richtung Kiev einen weiten Bogen zogen, fehlen jedoch im Norden und der Vormarsch auf das Hauptziel verlangsamt sich erheblich. Hitlers Entschluss wäre nur dadurch zu erklären, dass er möglicherweise eine Sicherheitsvariante wählte, die ein Szenario berücksichtigte, dass der militärische Sieg über Moskau 1941 nicht gelingen sollte, und man so die Rüstungsbestrebungen der Russen für eine weiteren Krieg unterbinden wollte.

 

22 AUGUST

Victor Klemperer notiert in sein Tagebuch: LTI.Blitzkrieg, Vernichtungsschlacht – superlative Worte: Krieg und Schlacht tun es nicht mehr. Dazu der Größenwahn der Zahlen. Frau Paul, deren 2 oder 3 Mann Jude war, die mit dem dritten oder 4 in Scheidung liegt, erzählt verzweifelt, ihre Mutter 89 Jahre, gebe Anzeichen von Altersirrsinn. ”Ich kann Sie in kein Krankenhaus bringen, da wird sie getötet”. Man spricht jetzt allgemein von der Tötung Geisteskranker in den Anstalten.- Wie man versucht der Frau Voß ihr Haus abzutreiben, wie es immer darum geht, wer bessere Verbindungen hat…

QUELLEN:

1) 16 August
Longerich Heinrich Himmler Biography S553

2) 18 -20 August
Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S267/268 er zitierte aus
Joseph goebbels Tagebücher Teil II Bd. 1 S269f –

3) 22 August
siehe Viktor Klemperer
Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten Band 1
S660

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1944 März-April – Ungarn Gründung des Judenrates , Regierungswechsel, Auschwitz

12 MÄRZ

Gründung eines Judenrates in Ungarn

Veesenmayer Edmund SS Brigadeführer SS Brigadeführer Edmund Veesenmayer. Sonderbeauftragter des Führers in Ungarn (Quelle: Bundesarchiv Berlin)

19 MÄRZ – „Operation Margarethe“ die Wehrmacht besetzt Ungarn –

Die Wehrmacht besetzt Ungarn. Nach massiven Drohungen, wenn nötig auch mit Gewalt einzumaschieren, setzt Hitler Reichsverweser Horthy in Salzburg Schloss Kleßheim unter Druck. Horthy muss nachgeben um Blutvergiessen zu vermeiden, er weiß auch den geschwächten Deutschen Truppen, hat er nichts entgegenzusetzen. Er akzeptiert eine deutschfreundliche Regierung. Dome Sztojays wird neuer Ministerpräsident. Militärstrategisch ist Ungarn unerlässlich für Hitler und auch die Rohstoffreserven (ÖL) sollen die letzten Aufgebote der Deutschen stützen. Horthy kehrt mit einem Deutschen Sonderbeauftragten Gesandten I. Klasse „Bevollmächtigten des Großdeutschen Reichs“ Edmund Veesenmayr nach Ungarn zurück. Hitler bestand auf die sofortige Deportation von 100 000 Juden. Am selben Tag als Horthy und Veesenmayr in Ungarn eintreffen, kommen schon die Mordschergen Eichmanns und seine Männer des „Sondereinsatzkommandos“ (SEK) an, um alles für die Deportationen vorzubereiten.

Die Deutschen stehen in Ungarn unter Druck der immer näher rückenden Front.  Also entwirft man schnell die notwendigen Gesetzgebungen um die ungarischen Juden deportieren zu können

24 MÄRZ

Schon am 24. März erklärte Präsident Roosevelt in Washington, und zwar öffentlich:

„Hunderttausende von Juden, die, obwohl verfolgt, in Ungarn und auf dem Balkan zumindest vor dem Tode sicher waren, sind nun, da Hitlers Truppen über diese Länder herfallen, von Vernichtung bedroht. Es wäre eine große Tragödie, wenn diese unschuldigen Menschen, die bereits zehn Jahre des Wütens Hitlers überlebt haben, gerade am Vorabend des Triumphes über die Barbarei, welche ihre Verfolgung symbolisiert, umkommen würden.“1

§ 5 – 7 April

Der Judenstern in Ungarn wird verpflichtend, weiters ergehen die üblichen zahlreichen Erlässe um die Juden Ungarns zu rechtlosen Existenzen zu degradieren. An diesem Tag beginnen auch gleich die ersten Verhaftungen im ländlichen Raum, wobei die ungarische Gendamerie sich teils begeistert zeigte. Innerhalb eines Monats werden Lager für hunderttausende Menschen angelegt

Die Deportation der ungarischen Juden, kurz vor Kriegsende zeugt noch einmal von dem Willen Hitlers die „Judenfrage“ in Europa entgültig zu einem Abschluss zu bringen.

Im Innenministerium werden zwei bekannte Antisemiten LASZLO ENDRE und LASZLO BAKY als Staatssekretäre vereidigt.

Gleich nach eintreffen der Deutschen in Ungarn begannen die strategischen Verhaftungen jüdischer Intellektueller, Journalisten, bekannter Antifaschisten, sie wurden nach Österreich in Konzentrationslager (Mauthausen) deportiert. Am 14 Mai beginnen die Deportationen nach Auschwitz. Zu Beginn mit Schüben von 12000-14000 jüdischen Menschen täglich. Die Deportationen gehen bis am 9 Juni weiter dann werden sie aufgrund vermehrter Interventionen des schwedischen Königs, des Papstes und Roosevelts bei Reichsverweser Horthy eingestellt. Veesenmayr Hitlers Sonderbeauftragter indes sendet am 30 Juni einen Bericht nach Berlin in dem er die Zahl der Deportierten bis zu diesem Datum auf 381 661 Menschen beziffert die nach Auschwitz deportiert wurden, weiters fügte er hinzu

“ ….Konzentrierung in Zone V(bisher nicht erfasster Raum westlich der Donau ohne Budapest) hat 29 Junibegonnen gleichzeitig hat, kleinere Sonderaktion in Vorstädten von Budapest als Vorbereitungsmaßnahme begonnen. Ferner laufen noch einige kleine Sondertransporte mit politischen, intellektuellen, kinderreichen und Facharbeiterjuden.“

Aufgrund der vermehrten Interventionen und da die ungarische Regierung nach alliierter Meinung sich nicht in ausreichenden Maße gegen die Deportationen stellte, ließ Roosevelt am 2. Juli Budapest bombardieren. Horthy war nun bemüht die Deportationen offiziell einstellen zu lassen, was ihm auch am 8. Juli gelang. Trotzdem verließen noch zwei Transporte Ungarn Richtung Auschwitz. Diese zwei Transporte um die sich Eichmann persönlich bemühte verließen am 19 Juli das Lager Kristarcsa und am 24 Juli Starvar.

Die Deportationen kamen Tag und Nacht in Auschwitz an. Die Aussagen von Häftlingen Zivilisten und SS Männern sind weitgehend übereinstimmend. Die Krematorien waren durchgängig in Betrieb. Der als „süßlich“ beschriebene verbrannte „Menschengeruch“ stand wochenlang kilometerweit in der Umgebung von Auschwitz. In der Nacht „leuchteten“ „glühten“ die Schornsteine der Krematorien. Diese enorme Menge an Menschen die zu töten waren führte dazu, dass man die Menschen in Gruben und auf Scheiterhaufen zu verbrennen begann, da die Kapazität der Krematorien nicht ausreichte. Höss hatte dies vorausgesehen er hatte vor dem Beginn der Deportationen Gruben ausheben lassen. In der ganzen Umgebung konnte man den Schein der Scheiterhaufen sehen.

Als die Deportationen aus Ungarn aufgehört hatten waren ca 438 000 – 450 000 Menschen Richtung Auschwitz deportiert worden. Etwa 100 000 – 150 000 von ihnen wurden zu Arbeitseinsätzen abgestellt. Die Mehrheit, wurde in den Gaskammern ermordet. In Budapest blieben etwea 250 000 jüdische Menschen zurück. Lagerkommandant Höß wird für diesen weiteren Massenmord und seine jahrelange „Hingabe“ an den Vernichtungsbetrieb Ende Juli 1944 das Kriegsverdienstkreuz 1 und 2 Klasse erhalten. Im Oktober November 44 werden etwa 30-35 000 jüdische Menschen von den in Budapest zurückgebliebenen, zu Fuß in Richtung der deutschen Reichsgrenze nach Österreich gesetzt, etwa 200km. Sie sollen am sogenannten „Südostwall“ der Verteidigungslinie um Wien gegen die sowjetischen Truppen mitarbeiten, die meisten von ihnen waren Frauen. Hauptsturmführer Wisliceny sollte diese jüdischen Menschen an der Grenze übernehmen. Nach seiner Aussage die auch bestätigt wurde, waren diese Frauen jedoch so entkräftet dass Wisliceny sich mehrmals weigerte die Menschen zu übernehmen. Eichmann soll ihm darauf mit Konzentrationslager gedroht haben. So blieb Wisliceny laut seiner Aussage nichts anderes übrig die entkräfteten Menschen im „Gau Niederdonau“ in Arbeitslagern unterzubringen, wo  ein Großteil an Entkräftung und Krankheit starb. Etwa 12 000 brachte man schlussendlich zu den Stellungen rund um Wien. Weitere 3 000 werden nach Bergen Belsen gebracht es sind jene jüdische Menschen die man in einem Gegengeschäft an das American Jewish Joint Distribution in die Schweiz austauschte.(siehe Absatz Geld gegen Leben ).

WEITERLESEN MIKLOS KALLAY BEI HITLER JUDENFRAGE

27 April 1944

Göbbels Tagebuch, über ein Gespräch mit dem Führer vom Vortag:
„….Der Judenhass ist beim Führer eher noch gestiegen, als dass er abgenommen hätte. Die Juden müssen für ihre Untaten an den Europäischen Völkern und überhaupt an der ganzen Kulturwelt bestraft werden. Wo auch immer wir sie zu fassen bekommen, da sollen die der Vergeltung nicht entgehen. Die Vorteile des Antisemitismus sind, wie ich schon sagte, seinen Nachteilen entgegenzustellen. Im Großen und Ganzen kann man schon sagen, daß eine Politik auf weite Sicht in diesem Kriege nur möglich ist, wenn man von der Judenfrage ausgeht ….“

QUELLEN:

19 März siehe hierzu zb Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S642 – Friedländer berief sich auf CHRISTIAN GERLACH, GÖTZ ALY DAS LETZTE KAPITEL REALPOLITIK IDEOLOGIE UND DER MORD AN DEN UNGARISCHEN JUDEN 1941/45 MÜNCHEN 2002 S189

24 März zitiert aus Vierteljahreshefte des Institut für Zeitgeschichte München  32. Jahrgang 1984 Heft 2 pdf Originalscan –  JOHN S.CONWAY DER HOLOCAUST IN UNGARN NEUE KONTROVERSEN UND ÜBERLEGUNGEN* dieser zitierte: Transkription in der Franklin D. Roosevelt Library, „FDR Press Conferences 1933-1945″, Nr. 944, Ordner 112-5. Zitiert in M. Gilbert, Auschwitz and the Allies, London 1981, S. 184.

5 – 7 April

zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S643 und zu weiteren Maßnahmen in Ungarn siehe RANDOLPH L BRAHAM THE POLITICS OF GENOCIDE THE HOLOCOUST IN HUNGERY BD2 DETROIT 1981 S595 zu Veesenmayrs Bericht 30 Juni Nürnberg Doc. Ng-2263 Die Zahlen für die Deportationen der ungarischen Juden (unter dem Bild) stammen von dem Professor an der Universität New York und ausgezeichneter Autor Randolph L Braham aus dessen Buch “Hungarian Jews” in Anatomy of the Auschwitz death Camp Yisrael Gutman Michel Berenbaum, Bloomington 1994 S466.

27 April

JOSEPH GOEBBELS DIE TAGEBÜCHER JOSEPH GOEBBELS SÄMTLICHE FRAGMENTE TEILII BD 12 hrsg von ELKE FRÖHLICH MÜNCHEN 1995

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1941 August – „Atlantikcharta“ – Der „Judenstern“ – Himmler in der Ukraine

12/14 AUGUST – DER WENDEPUNKT

Von einer gescheiterten Institution

41-atlantik-charta

Churchill und Roosevelt erläutern vor Neufundland ihre gemeinsamen Ziele die sie in der “ATLANTIKCHARTA” beschließen. In der Atlantikcharta wird als oberste Ziel der Friede proklamiert, “Der allen Nationen die Möglichkeit gibt, in Sicherheit innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu leben, und die gewähr dafür bietet, dass alle Menschen in allen Ländern der Welt ihr Leben frei von Furcht und Mangel leben können…” Weiters wird ein fairer Rohstoff und Handelswettbewerb in Form einer Internationalen Zusammenarbeit genannt. Der Grundsatz der Freiheit der Meere, sind ebenso Grundlage wie das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Um in Zukunft den Anspruch aller Beitrittsländer zur Atlantikcharta auf fremde Territorien zu unterbinden verpflichtet man sich nach Kriegsende keine Gebietsansprüche oder Grenzverschiebungen zu proklamieren, ausser mit Zustimmung der dortigen betroffenen Bevölkerung. Im Grunde stellt die Atlantikcharta nur die neue Definition des Wilsonschen 14 Punkte Planes aus dem ersten Weltkrieg der sich 1916 zum Ziel gesetzt hatte den Völkerbund als ein Friedenssystem zu errichten um den Nationen der Welt den Frieden zu bringen und sämtliche kolonialen Streitigkeiten und Geheimdiplomatien zu beenden. Die Atlantikcharta scheiterte jedoch nach dem Krieg. Sie musste sich daher die Kritik gefallen lassen nur als Kriegspropaganda also als Mittel zur Durchsetzung alliierter Kriegsziele bestanden zu haben. Der Expansionsdrang der USA, der bis heute ungebrochen scheint, sowie der Sowjetunion die am 24 Sept. 1941 der Atlantikcharta beigetreten war, stellte die Grundsätze des Weltfriedens erneut in Frage. Man hatte aber schon während des Krieges proklamiert, dass die Atlantikcharta kein “… legal Instrument technically binding… ” sei. Das Problem der Atlantikcharta war also, dass es sich hier nicht um ein offizielles Bündnis im Sinne eines international anerkannten handelte und es keine höhere Instanz (Organisation) gab, die sich für die Einhaltung ihrer Grundsätze einsetzen konnte. Dieser Vertrag war somit auf das reine Wort einzelner Nationen und Staatsführer begründet und war so im Zuge des kalten Krieges zum Scheitern verurteilt. Ein Erfolg der Charta ist es jedoch, dass sie die Grundlage für die Vereinten Nationen bildete die nach dem Krieg zur Grundlage der UNO wurde und in diesem Sinne als die Weiterentwicklung des Völkerbundes erkannt werden kann. Man kann die Uno mit all ihren Fehlern, der Korruption und ihrer gescheiterten Moral erkennen, jedoch muss man auch ihre Erfolge und die Notwendigkeit solch einer Institution begreifen, deren Stärkung gegenüber den Weltmächten unbedingt vorangetrieben werden muss. Der zukünftige Weltfrieden wird vor allem von einem stabilen und starken und unabhängigen Europa abhängen. Geostrategisch bildet Europa das Zentrum der Welt, an dem die Anbindung von Ost und West abhängt. Diese Brückenfunktion wird zukünftig entscheidend den Weltfrieden beeinflussen. Vereint kann diese Welt jedoch nur in einer neu geordneten nach neuen Regeln organisierten übergeordneten Institution werden.

Für Hitlerdeutschland jedoch bedeutet diese gemeinsame Erklärung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, die hier ihre Ziele proklamieren, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht ruhen würden bis Nazideutschland besiegt sei. Auch ohne Eingreifen aktiver amerikanischer Truppen sollte dieser “Vertrag” die Rüstungsindustrie und ideelle Unterstützung für alle Nationen bedeuten die der Atlantikcharta beitreten sollten. Somit war der Riese im Westen erwacht, das Rüstungspotenzial aus Sicht der Nazis in den Dienst des „Feindes“ gestellt worden. Dies ist es die schlimmste aller möglichen Konsequenzen, eine Rücksicht auf Amerika nicht mehr notwendig, nur die letzte Konsequenz war noch nicht eingetreten. Die USA  scheute sich noch selbst Truppen nach Europa zu senden. Hitlers Reaktion auf diese Tatsache erfahren wir aus Göbbels Tagebuch (siehe 18 August).

15 AUGUST – DAS BRANDZEICHEN

Für diesen Tag ist im Reichspropagandaministerium eine Ministerialsitzung anberaumt. Im Mittelpunkt steht die “Kennzeichnungspflicht” der jüdischen Menschen. Der Sicherheitsdienst des RSHA entsendete Eichmann als Heydrichs Stellvertreter. Dieser hatte sich durch Görings Ermächtigung am 31.7.41 erneut als die Federführende Kraft in der Frage der Endlösung bestätigen lassen. Eichmann gab in dieser Sitzung zu verstehen dass auch Heydrich in dieser Frage der Kennzeichnung einen Führerentscheid in absehbarer Zeit erwarte. Weiters gab Eichmann zu verstehen dass Heydrich bereits an einem Plan arbeite zumindestens eine Teilevakuierung der jüdischen Menschen vorzubereiten, denn Hitler habe eine generelle Deportation der Juden während des Krieges abgelehnt (kriegstechnischen Gründen).  Hierbei dürfte Göbbels seinen Staatssekretär auf die Tatsache hingewiesen haben, dass in Berlin von den 70 000 Juden nur 19 000 arbeiteten. Gutterer dazu: “…man sollte die anderen nach Russland abkarren … am besten wäre es, diese überhaupt tot zuschlagen”

15/16 AUGUST

An diesem 15 August trifft Himmler in Minsk ein, in dieser von den Sowjets geräumten Stadt lebten ungefähr 50 000 Juden. Man plant ein Konzentrationslager in der Nähe der Hauptstadt Weißrussland (Maly Trostinez). Seit Beginn des Einmarsches deutscher Truppen und der SS werden Säuberungen durchgeführt. Doch das ist Himmler zu wenig, er will die Stadt so schnell wie möglich judenfrei. Er trifft sich mit Arthur Nebe Reichs- kriminaldirektor von Minsk um sich selbst ein Bild einer Exekution zu machen, und befiehlt 100 angebliche Partisanen aus dem Gefängnis bringen zu lassen und sie vor seinen Augen zu erschießen. Es ist das übliche Schema, die Menschen müssen sich in die Grube mit dem Gesicht nach unten legen in dem Bewusstsein gleich erschossen zu werden. Dann wurde eine Salve abgefeuert, über die Toten etwas Kalk eine Schicht Erde, dann kamen die nächsten Opfer die im Hintergrund schon ihren eigenen Tot erahnt hatten. Himmler machte eine Beanstandung einer sei noch nicht tot, worauf er einem Leutnant der Einsatzgruppe 8 den Befehl gab dem Schwerverletzten den Gnadenschuss auch Fangschuss genannt, zu geben. Himmler wirkt nach Zeugenaussagen schnell nervös, die Konfrontation mit den realen Bedingungen schlägt ihm auf den Magen, andere Aussagen betonen Himmlers Nüchternheit. H.S.S.P.F Bach Zelewski, nützt die Situation um Himmler etwa folgendes klar zu machen, dass seine Männer die länger solche Erschießungen machten … fertig für ihr Leben seien… Himmler fühlt sich darauf bewogen spontane Ansprache zu halten, die ungefähr folgendes besagte. Für alles was hier geschehe, trage er allein die Verantwortung -sie würden lediglich eine widerwärtige aber notwendige Arbeit erfüllen. Als Soldaten müssen sie allen Befehlen bedingungslos gehorchen, in jedem Fall beruhten diese Befehle auf einer unerbitterlichen Notwendigkeit. Der Kampf sei ein Naturgesetz, und die Menschen müssten sich gegen Ungeziefer verteidigen. Himmler wurde nun immer öfter mit solchen Situationen konfrontiert. Die mMassenerschießungen hatten teilweise radikale Auswirkungen auf seine Männer. Himmler musste handeln, zumal sich die SS als “Elite” des Reiches betrachtete. Psychische Probleme passten hier nicht hin und auch schwerer Alkohomissbrauch auf Grund der schweren Belastungen konnte Himmler nicht akzeptieren. Am nächsten Tag besuchte er in Minsk eine Heilanstalt für Geisteskranke (Nowinki). Er befahl Arthur Nebe jenen kranken ein Ende ihres Leides zu gewähren und erlaubte ihm seinen Vorschlag umzusetzen, es einmal mit Sprengstoff anstatt der Exekutionen zu versuchen. Dabei dürfte Himmler auch eine Anspielung auf die Möglichkeit, der Tötung durch “Gas” gemacht haben da die Erschießung auch in seinen Augen wohl nicht die humanste Lösung war (vor allem für seine eigenen Männer). Auch die ersten Tötungen durch Giftgas wurden im Kriminaltechnischen Institut also seinem Amt mitgeplant und technisch mitumgesetzt. Die Möglichkeiten es mit Giftgas zu versuchen wie es in einem Programm schon betrieben wurde, dass nicht unter der Aufsicht der SS stand, sondern direkt aus der Reichskanzlei geleitet wurde, nämlich das Programm der Euthanasie, die Vernichtung “unwerten Lebens”.

Himmler mit einem ukrainischen Jungen, auf einem Sowchosengelände in Nowinki (nahe Minsk). Dieser ist bei seiner Reise in die Ukraine auch an den „rassischen“ Grundlagen interessiert. Nach seinem Besuch beginnt das Rasse und Siedlungshauptamt nach blutlich wertvollen Kindern eindeutschungsfähigen Menschen zu suchen. Dieser Junge ist einer von Zweien, die wahrscheinlich auf Himmlers Befehl an diesem Tag nach Deutschland deportiert wurden. Sie waren  aus einem Kinderheim welches Himmler besucht hatte. An diesem Tag besuchte Himmler weiter die Heilanstalt Nowinki (Psychiatrie) deren Patienten laut Überlieferung auf seinen Befehl im November 1941 umgebracht wurden (siehe unten), sowie ein in der Umgebung liegendes Gefangenenlager (gibt es auch filmisch Zeugnis) bei dem es auch zu einer Exekution gekommen sein dürfte. Die vielen Bilder über Himmlers Reise in diesem Sommer 1941 stammen von Walter Frentz der auch mehrmals über seine Reise mit dem Reichsführer SS berichtete, und Jahre im engsten Kreis der NS Führung fotografisch tätig war.

Dr Widman aus dem (KTI), dem Kriminaltechnischen Institut, war schon in der Euthanasie ein  Mitarbeiter gewesen. Er wird 1967 vor Gericht gestellt nach seiner Aussage, ereignete sich folgendes. Arthur Nebe der Reichskriminaldirektor also Chef der Kriminalpolizei meldet sich bei seinem Untergebenen Widmann dem Chef des Kriminaltechnischen Labors in Berlin.  Nebe befiehlt Widman  400 Kilo Sprengstoff und zwei Metallschläuche zu organisieren. Als WIdmann vorort  eintrifft, sperrte man 25 russische Geisteskranke in ein hölzernes Gebäude (bzw. Bunker). Dann drückte Widmann den Zünder er berichtete, dass zwar die Holzdecke teilweise eingestürzt und die Tür aufgesprengt worden war, doch die Hälfte der Kranken „krochen“ oder liefen in ihrer Panik schreiend aus dem Bunker heraus. Jüdische Zwangsarbeiter mussten die überlebenden Patienten in der Dämmerung wieder einfangen. Widmann und seine Begleiter betrieben Fehleranalyse. Man kam zu dem Schluss, dass die Sprengladung zu schwach gewesen sei, und so wurde ein zweiter Versuch unternommen. Nach dieser Sprengung sackte der Holzunterstand vollkommen in sich zusammen, es war kein Laut mehr zu hören, einzelne Leichenteile „hingen“ in den Bäumen.

Am nächsten Tag bespricht man die neuen Erkenntnisse, und man verwirft die Methode des “Sprengens” als “große Schweinerei” wie Nebe es laut Widmann ausdrückte und so einigte man sich auf das neue Verfahren “…Unter diesen Umständen sei die Tötung durch Abgase vorzuziehen, weil überall Fahrzeuge zur Verfügung ständen und weil man jeden beliebigen Raum verwenden könne. “

Arthur Nebe sollte gleich die Möglichkeit bekommen die Technik prüfen zu können und dafür benötigte er die Metallschläuche die Widmann ihm aus Deutschland mitgebracht hatte. Die Heilanstalt Mogiljew war nun das Ziel der neuen Versuchsreihe. Nachdem man die Patienten eingeschlossen hatte wurden Auspuffgase eingeleitet, Widann berichtete 1960:

„ Nebe hat dann am Nachmittag dieses Tages das Fenster zumauern lassen und zwei Öffnungen für die Gasleitungen aussparen lassen . . . Als wir kamen, wurde zunächst einer der Schläuche, der sich bei mir im Wagen befunden hatte, angeschlossen. Der Anschluß erfolgte an einen Pkw. In den in der Mauer befindlichen Löchern befanden sich Rohrstücke, auf die man die Schläuche bequem aufstecken konnte . . . Nach fünf Minuten ist Nebe herausgekommen und hat gesagt, es sei noch keine Wirkung festzustellen. Auch nach acht Minuten hatte er noch keine Wirkung feststellen können und fragte, was nun geschehen solle. Nebe und ich kamen zu der Überzeugung, daß der Wagen zu schwach sei. Daraufhin hat Nebe den zweiten Schlauch an einen Mannschafts-Lkw der Ordnungspolizei anschließen lassen. Dann hat es nur noch wenige Minuten gedauert, bis die Leute bewußtlos waren. Man ließ dann vielleicht noch zehn Minuten beide Wagen laufen.“

Die SS hatte seit 1939 vereinzelt die Möglichkeit des „mobile Gastodes“ weiterentwickelt. Dies sollte das nervenzerreißende Töten durch „Erschießung“ beenden und sich mit relativ wenig Aufwand, auf die geforderten Kapazitäten erweitern lassen.

Himmler ist wahrscheinlich überzeugt dass die Methoden des T4 Programms für all seine “Problemstellungen” das richtige Verfahren darstellen. Jedoch ist es anscheinend vorerst noch keine Entscheidung die in einem allgemeinen Plan des Mordens durch Gas bezieht. Es gleicht vorerst vielmehr einem Prozess der langsam in Himmler heranreift und der angesichts einer bestimmten politischen und militärischen Situation, auch für die politische Führung annehmbar wird. Die Fragen auf die er so lange keine Antwort gefunden hatte, nämlich das Seelenleben seiner Männer und deren psychische Belastungen bei Massenerschießungen “…die dann fertig fürs Leben waren…” und das noch größere Problem der “Kapazität”, in deren Folge die Tötungen zu langsam voran gingen und so die Deportationen blockierten, die Ghettos überfüllten, schien für ihn gelöst. “Vergasen” bedeutet für Himmler schnellere Tötung, schnellere Deportationen und gesäuberte Ghettos. Pläne die er vielleicht schon erwogen hatte wie “Vernichtungs – anstalten” zu errichten werden bald schon systematisch umgesetzt werden. Im ersten Schritt folgen nun die Experten aus dem Euthanasieprogramm. Die führenden Köpfe der späteren Vernichtungsaktion waren zuvor in der Euthanasie tätig. Sie stellen für Himmler die Fachmänner dar deren Wirken in der “AKTION REINHARDT” ihren Höhepunkt finden wird.

QUELLE:

1) 12-15 August
Tootse Ökonomie der Zerstörung S 564

2) 15/16 August
zu Himmlers Besuch in Minsk siehe Peter Longerich Himmler Biografie S552

Widmann über die Vergasung, zitiert aus Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 1987 Heft 3  S408 Beer Originalscan pdf. –

Zu Zelevski und Himmlers Ansprache, siehe Heinrich Himmler BIOGRAPHY
UNIV.PROF.DR ANTON NEUMAYR S160

zu Gespräch Nebe Widmann siehe ANGRICK BESATZUNGSPOLITIK S 370 oder Das Gesicht des Bösen HEYDRICH Biography Stern
Redakteur Dederich S136/137
sowie Rees Auschwitz Geschichte eines Verbrechens S90

Aussage über Sprengen, siehe AUSSAGE DR ALBERT WIDMANN
am 11 JANNUAR 1960 ZSTL 439 R-Z 18a/60 ,BAND 1 oder auch Heydrich
Biography Dederich S137 oder
Rees Auschwitz Geschichte eines Verbrechens S90

3) 16 August
Longerich Heinrich Himmler Biography S553

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August 1941- Massenmord, Moltke, Graf Galen Euthanasie,

Ist hier noch ein Kommentar notwendig ? In den Konzentrationslagern, Mord ! In den Irrenanstalten, Mord ! in den Altersheimen, Mord ! Und     Mord an der deutschen Jugend, auf den Schlachtfeldern von Russland !      BBC im AUGUST 41

1 AUGUST

Ostgalizien wird dem Generalgouvernement angegliedert. Bei den davor ergehenden Säuberungen kamen wahrscheinlich um die 26 000 Menschen ums Leben, das Morden nimmt kein Ende, es beginnt sich nun im großen Maßstab durchzusetzen.

Am selben Tag kommt es im moldawischen Kischinjov zu Erschießungen unter der Einsatzgruppe – D unter der Führung Otto Ohlendorfs. Ein Sanitäter der Wehrmacht Franz H. der die Erschießungen beobachtete berichtete:

“Diese an der Grube aufgestellten jüdischen Mädchen und Frauen wurden nun von einem Exekutionskommando erschossen. Es gab dabei schreckliche Szenen. Es wurde geschrien und gejammert. Einige flehten in deutscher Sprache den SS-Führer an, sie doch zu ver- schonen. Es nutzte aber nicht. Rechts und Links der Grube standen jüdische Männer bereit, die Gefallenen Frauen in die Grube warfen. Nachdem sämtliche Frauen und Mädchen erschossen waren, kamen die Männer an die Reihe. Es mögen etwa 250 gewesen sein,die man auf dieselbe Art und Weise, wie vorher die Frauen, erschossen hat. Ich blieb aber nicht mehr bis zum Schluss “


2 – 3 AUGUST –  ”Regionaler Partisanentod”

Der Befehl von Pinsk Pribjet Sümpfe des Reichsführers persönlich an die 2 SS Kavalleriebrigade an den Kommandeur Franz Magill Kommandeur der 2. SS -Kavalleriebrigade “… sind sämtliche Juden von 14 Jahren an in den durchzu- kämmenden Gebieten zu erschießen, die jüdischen Frauen und Kinder sind in die Sümpfe zu treiben. Die Juden sind das Reservoir der Partisanen, sie unterstützen diese ….In der Stadt Pinsk sind die Erschießungen durch die 1 und 4 Schwadron durchzuführen …Mit der Aktion ist sofort zu beginnen Vollzugsmeldungen sind zu erstatten. ” Die Juden dieser Stadt bleiben vorerst noch verschont, denn das Wasser der Sümpfe ist in diesen heißen Monaten zu niedrig ,es besteht Fluchtgefahr, so wird diese Aktion vorerst verschoben.



Helmuth James Moltke, schreibt ende August 41 an seine Frau Freya :

“Die Nachrichten aus dem Osten sind wieder schrecklich. Wir haben offenbar doch sehr, sehr große Verluste. Das wäre aber noch erträglich, wenn nicht Hekatomben von Leichen auf unseren Schultern lägen. Immer wieder hört man Nachrichten, dass von Transporten von Gefangenen oder Juden nur 20% ankommen, … was wird passieren, wenn das ganze Volk sich klar ist, dass dieser Krieg verloren ist  und zwar ganz anders verloren als der vorige ? Dazu mit einer Blutschuld ,die zu unseren Lebzeiten nicht gesühnt und nie vergessen werden kann.”

3 AUGUST – DU SOLLST NICHT TÖTEN




Nach wiederholten Protesten der Bevölkerung zahlreicher Protestschreiben und Reden, und nach einer öffentlichen Rede des Bischof Klemens Graf von Galen, wird das Euthanasie Programm T4 also die Ermordung unwerten Lebens offiziell “eingestellt” (Euthanasie). Schon im Juli hatten Gestapobeamte versucht von Galen ausgebildete Jesuiten aus einem Ordenshaus in Münster zu vertreiben. Doch Galen liess sich von diesen Einschüchterungsversuchen der Staatsbeamten nicht beeindrucken. Am 3 August erhob er abermals seine Stimme in der vollen Lambertikirche in Münster:

“Seit einigen Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden. Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, dass die zahlreichen Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden, dass man dabei jener Lehre folgt, die behauptet, man dürfe sogar, lebensunwertes Leben vernichten, also unschuldiges Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert. Eine furchtbare Lehre, die Ermordung unschuldiger rechtfertigen will, die gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbar Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt. […] Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man unproduktive Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden ! Wenn man die unproduktiven Menschen töten darf, dann wehe den Invaliden, die im Produktionsprozess ihre Kraft, ihre gesunden Knochen eingesetzt geopfert und eingebüßt haben ! Wenn man die unproduktiven Menschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die als Schwerkriegsverletzte, als Krüppel, als Invaliden in die Heimat zurückkehren! Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das recht haben – unproduktive – Mitmenschen zu töten und wenn es jetzt zunächst nur arme wehrlose Geisteskranke trifft -, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den Invaliden der Arbeit und des Krieges dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben. Dann braucht nur irgendein Geheimerlass anzuordnen, dass das bei den Geisteskranken erprobte Verfahren auf andere Unproduktive auszudehnen ist, dass es auch bei den unheilbar Lungenkranken, bei den Altersschwachen, bei den Altersinvaliden, bei den Schwerkriegsverletzten Soldaten anzuwenden ist. Dann ist keiner von uns seines Lebens mehr sicher. Irgendeine Kommission kann ihn auf die Liste der Unproduktiven setzen, die nach ihrem Urteil lebensunwert geworden sind. Und keine Polizei wird ihn schützen und kein Gericht seine Ermordung ahnden den Mörder der verdienten Strafe übergeben. Wer kann dann noch vertrauen zu seinem Arzt ? Vielleicht meldet er den Kranken als unproduktiv und erhält Anweisung, ihn zu töten. Deutsche Männer und Frauen ! Noch hat Gesetzkraft der § 211 des RSTGB, der, bestimmt, wer vorsätzlich einen Menschen tötet, wird, wenn er die Tat mit Überlegung ausgeführt hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft .”

WEITERLESEN GESCHICHTE DER EUTHANASIE

Schon seit Mitte 1940 diskutierten die Leiter der Kanzlei des Führers die Notwendigkeit, die Tötungen in den Euthanasieanstalten gesetzlich zu verankern, und sie somit zu einem legitimen, gesetzeskonformen Bestandteil des NS Staates zu machen. Hitlers rückwirkende “Legitimierung” dieser Taten durch “Führerermächtigung” brachten keine klare Rechtsstellung, vor allem für die Justiz. In einigen Fällen wie man heute nachweisen kann, kam es so sogar zu Untersuchungen von Kriminalbeamten und Staatsanwälten. Hitler konnte sich jedoch nie durchringen, eine gesetzliche Grundlage für den Mord an Anstaltspatienten öffentlich zur Diskussion zu stellen, zu gravierend wäre der Vertrauensverlust innerhalb der Bevölkerung, und wahrscheinlich auch in der Partei gewesen. Dieses Programm musste als “Geheime Reichsache” weitergeführt werden. Dies ist jedoch das einzige mal dass sich breiter öffentlicher Widerstand gegen die gezielte Vernichtung von Menschen in Nazideutschland formiert. Es kann auch als Sinnbild für den einzigen Widerstand gegen das Naziregime erkannt werden, in dem gezielte Tötungen -offiziell- gestoppt wurden. Inoffiziell tarnen sich die Mordschergen nun besser, sichern sich genauer ab, das Morden geht heimlich weiter . Wie Galen es in seiner Rede “prophetisch” anspricht, weitet sich das Morden aus. Die Spezialisten die dieses Programm hervor gebracht hatten sind schon an anderen Fronten zu finden. Sie beschäftigen sich nun mit der Möglichkeit, die gezielte Vernichtung ganzer Volksgruppen vorzubereiten. Das Euthanasieprogramm, dass nun den neuen Decknamen 14f13 (Aktenkennzahl dieses Programmes) bekommt,zeugt in seinem Wesen von den Plänen welche die schlimmsten Mordschergen dieses Programms im größeren Maßstab mit vorbereiten. Die Euthanasieanstalten erhalten nun immer, mehr Transporte aus Konzentrationslagern. Die Vernichtungsanstalten die bis dahin der “Volksgesundheit” durch Mord dienten, und in deren Gaskammern schon zehntausende Menschen umgekommen waren, beginnen nun, invalide Konzentrationslagerhäftlinge und Kriegsgefangene zu vergasen.

5 AUGUST

Kommandoführer Karl Jäger der Befehlshaber der Einsatzgruppe 3 unter Leitung HSSP Adolf Prützmann beginnt mit Hilfe litauischer Hilfskräfte die Erschießung von Kindern und Frauen Auch das Einsatzkommando 2 beginnt im August mit Erschießungen bis Anfang September werden 18000 Menschen dem Naziterror durch dieses Einsatzkommando zum Opfer fallen. Auch das Einsatzkommando Tilsit (stand unter direkten Befehl des Chefs der Gestapo Müller) beginnt etwa zu dieser Zeit Ende Juli Anfang August seine Todesterror im Baltikum

8 AUGUST

SS Obersturmführer August Häfner trifft mit seinem Sonderkommando in Bjelaja Zerkow ein. Von besagten 8-.19 August erschoss Häfners Mannschaft alle dort ansässigen Juden, die sich auf etwa 800- 900 beziffern lassen. verschont bleiben vorerst die Kinder unter 5 Jahren. Am 19 August werden die Kinder auf Lastwägen verladen und deportiert. Man bringt sie an einen nahe gelegenen Schießplatz, wo sie schlussendlich erschossen werden.

Quellen:

1) zu 1 August Erschiessungen siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S243

2) 1 AUG
AUSSAGE DES EHEMALIGEN ANGEHÖRIGEN DES FELDLAZARETTS
173 FRANZ H VOM 26 MAI 1965 zit nach ANGERICK BESATZUNGSPOLITIK a.a.O S148 Soldatenbriefe wir zitierten dies aus  Mario R. Dederichs Heydrich Biografie Das Gesicht des Bösen S120 siehe Bibliographie Menüleiste Impressum.

3) 2/3 August siehe Himmler Biography Peter Longerich oder Friedländer Jahre der Vernichtung S236/49, oder Justiz und Ns Verbrechen Sammlung deutscheer Strafurteile wegen Nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-66 Bd 20 Amsterdam 1979 S48

4) August- Moltke Helmuth James Moltke Briefe an Freya 1939-1945hrsg von Beate Ruhm von Oppen , München 1991 S 278 siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S323

5) Galen zitiert aus 3 August Mordschloss Hartheim Tom Matzek S176 zitiert nach Nachlass Memelauer Diözesanarchiv St. Pölten

6) 5 August Heinrich Himmler Biography Longerich S549 75/76/77

7) 8 August Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S244

20 JULI 1941 – Göbbels „MIMIKRY“

MIMIKRY – 20 JULI



Göbbels Aufsatz in der Zeitschrift DAS REICH, ist die Antwort auf mehrere Geschehnisse, seit Beginn des Jahres 1941. Die Amerikaner, begannen alle diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abzubrochen und besetzten Grönland als militärischen Vorposten im Atlantik. Die Schlinge um Nazideutschland zieht sich langsam aber sicher fest.Der drohende Weltkrieg hatte unter dem Deckmantel der Propaganda längst begonnen. Militärisch ist er noch nicht offiziell legitimiert, doch passiv bereitet man ihn vor. Für Göbbels sind die Greultaten der Sowjets im Osten, wie zb in Lemberg die Legitimierung der Morde an jüdischen Menschen, da man Kommunismus mit Judentum gleichsetzt. Innenpolitisch sieht man sich jedoch einigen Schwierigkeiten gegenüber. Der Sowjetfeldzug muss abgeschlossen werden, als Mittel der Fanatisierung, versucht man den jüdischen Charkter dieses Krieges zu betonen. Nun tritt auch wieder die internationale jüdische Verschwörung in den Mittelpunkt.

…Auch der Bolschewismus ist ein Ausdruck der jüdischen Chuzbe. Turbulente jüdische Parteidoktrinäre und gerissene jüdische Kapitalisten landen den unverschämtesten Coup, der sich überhaupt denken läßt, in dem sie sich des sogenannten Proletariats bemächtigen und in seinen Reihen durch rücksichtslose Aufbauschung wirklicher oder vermeintlicher sozialer Not- und Übelstände den Klassenkampf mobilisieren, um dann mit seiner Hilfe die totale jüdische Herrschaft über ein Volk anzutreten. Die krasseste Plutokratie bedient sich des Sozialismus, um die krasseste Gelddiktatur zu errichten. Mit Hilfe der Weltrevolution sollte dieses in der Sowjetunion bereits verwirklichte Experiment auch auf die anderen Völker übertragen werden. Das Ergebnis wäre dann die Weltherrschaft des Judentums gewesen. Die national – sozialistische Revolution war ein tödlicher Schlag gegen diesen Versuch. Nachdem man in den führenden Kreisen des internationalen Judentums einsehen mußte, daß keine Rede mehr davon sein könnte, die Bolschewisierung der einzelnen europäischen Länder auf agitatorischem Wege weiterzutreiben, entschloß man sich, auf die große Gelegenheit eines kommenden Krieges zu warten, dann aber seine Position so zu wählen, daß der Krieg möglichst lange dauere, um an seinem Ende über ein ausgepowertes, ausgeblutetes und ohnmächtiges Europa herzufallen und es mit Gewalt und Terror zu bolschewisieren …

…Es spielt dabei gar keine Rolle, daß sie in der deutschen Wochenschau lebenden und bewegten Bild gezeigt und damit der ganzen Welt als Beweismittel zugänglich gemacht werden. Selbstverständlich, daß wir auch Kunst und Wissenschaft unterdrücken und terrorisieren, der Bolschewismus dagegen ein wahrer Hort der Kultur, der Zivilisation und der Humanität ist. Wir persönlich erfreuen uns aufs neue im Moskauer Rundfunk einer Charakterisierung, die so gemein und niederträchtig ist, daß sie beinahe wieder schmeichelhaft wirkt. Wir nehmen an, daß die dortigen jüdischen Sprecher uns noch aus der guten alten Zeit von Berlin her kennen. Sie müßten eigentlich auch, wenn sie nicht ein kurzes Gedächtnis hätten, wissen, daß ihnen alles Schimpfen nichts nützt, daß sie am Ende doch, wie man so sagt, die Hucke voll bekommen werden. Sie erklären jeden Abend, sie wollten uns die Fresse kaputtschlagen, uns und allen Nazischweinen. Ja, wollen schon; aber können, können, mein Herr! Es liegt eine gewisse Tragik in diesem Fall. Wo man die Juden zu Wort kommen läßt, da plustern sie sich auf, tun so, als wollten sie Bäume ausreißen, und nach kurzer Zeit brechen sie dann wieder ihre Zelte ab, um vor den nachrückenden deutschen Regimentern das Hasenpanier zu ergreifen. Qui mange du juif, en meurt! Man könnte fast sagen, daß die Seite, auf der sie auftauchen, eben deshalb schon verloren hat. Sie sind das beste Unterpfand der kommenden Niederlage. Sie tragen den Keim des Zerfalls in sich und an sich. Sie wollten in diesem Krieg den letzten verzweifelten Schlag gegen das nationalsozialistische Deutschland und gegen das erwachende Europa führen. Er wird auf sie zurückfallen. Wir hören heute schon im Geiste den Ruf der verzweifelten und irregeführten Völker durch die ganze Welt gellen: “Die Juden sind schuld! Die Juden sind schuld!” Das Strafgericht, das dann über sie hereinbricht, wird furchtbar sein. Wir brauchen gar nichts dazu zu tun, es kommt von selbst, weil es kommen muß. Wie die Faust des erwachenden Deutschland einmal auf diesen Rassenunrat niedersaust, so wird auch einmal die Faust des erwachenden Europa auf ihn niedersausen. Dann wird den Juden auch ihre Mimikry nichts mehr nützen. Sie werden sich dann stellen müssen. Es wird der Tag des Gerichts der Völker über ihre Verderber sein. Erbarmungslos und ohne Gnade soll dann der Stoß geführt werden. Der Weltfeind stürzt und Europa hat seinen Frieden.-

Nach dem Hitler und Göbbels um den 9 Juli beschlossen hatten die jüdische Frage als die eigentliche Kernfrage dieses Krieges zu entlarven und die Propagandabestrebungen in diesem Sinne, weiter anzuheizen, stellt dieser Artikel Göbbels MIMIKRY den vorläufigen Höhepunkt. Sie reflektiert vorallem am Ende einen Punkt den die Nazis im Osten mit ihren “Selbstreinigungskräften” zu forcieren suchen. Unter dem Deckmantel des Volks – aufstandes gegen die jüdischen Menschen versucht man dem Mord an tausenden Menschen international zu rechtfertigen. Doch Göbbels gibt hier auch einen Einblick in die kommenden Pläne der Nazis, auch in Europa wird die erwachende Faust auf die jüdischen Menschen niedersausen. Gemeint ist hier dass von den Deutschen besetzte Europa, welches sich unter dem Druck der Nazis zur Deportation der Juden genötigt sehen wird. Doch will man diese Frage der europäischen Juden anscheinend erst nach dem Feldzug gegen Sowjetrussland lösen. Ein Vorgehen gegen die europäischen Juden auch die des europäischen Ostens, wäre zu dieser Zeit für Nazideutschland ein riskantes außenpolitisches Unterfangen, dass die Kriegsbemühungen  der USA beschleunigen könnte. Ein Umstand der vermieden werden musste. Trotzdem beginnt sich die Lage unausweichlich zuzuspitzen, denn an dem Eintritt der USA in den Krieg gab es wenig Zweifel mehr. Auch mit der Veröffentlichung, der Morde in den Wochenschauen scheint nun ein “Damm” gebrochen.

21 JULI

Himmler trifft sich mit Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes Süd Karl von Roques um Abstimmungen seiner Kavalleriebrigaden zu koordinieren.

ENDE JULI

Der Feldzug “Barbarossa” sollte nun eigentlich abgeschlossen sein. Hitler erkennt die schwierige Situation die sich aus einem möglichen Scheitern des “Blitzkrieges”, für den weiteren Kriegsverlauf ergibt. Der Anfangsschwung und der Überraschungseffekt durch den die Wehrmacht schnell in die weiten Tiefen der Sowjetunion vordringen konnte, kam langsam zum erliegen.Hitler reagiert und erlässt an das Oberkommando des Heeres (OKW) eine Weisung strategische Direktiven auszuarbeiten, für den Fall dass die Sowjetischen Armeen bis Ende des Jahres 1941 nicht besiegt sind. Dies ist ein ein wesentlicher Faktor der nun folgenden Radikalisierung vorallem den jüdischen Menschen gegenüber auf sowjetischen Gebiet. Mit diesen neunen Aussichten beginnen nun umfassende Säuberungswellen um mögliche “Aufstände” im Hinterland zu unterbinden.Vorallem die jüdische Bevölkerung wird als “bolschewistische Pest” nun radikalst verfolgt. Ab nun beginnt man aber auch jüdische Frauen und Kinder in den Vernichtungsfeldzug miteinzubeziehen. Ideologisch gesehen ist dies der Anfang des “drohenden Gerichts” dass Göbbels einige Tage zuvor schon ankündigte. Er wird bei Hitler auch immer wieder darauf drängen, die jüdische Frage Europas zu einer Endlösung zu bringen, doch bis in den Herbst ohne wirkliche Erfolge. Nun tritt auch ein neuer Begriff vermehrt in den Mittelpunkt der Befehlsanweisungen, – Partisane  – Der Deckmantel der Tötung wird so unter dem Partisanenkrieg weiter radikalisiert. In den Augen der Nazis waren Juden – Kommunisten, Kommunisten Partisanen – und daher “legitim” auszurotten Himmler wird dies im Dezember unter neuen politischen Umständen bestätigt bekommen.

27 Juli

Viktor Klemperer notiert in sein Tagebuch:

Vordringen in Russland scheint zu stocken: alles weiß oder klatscht von schweren deutschen Verlusten, der Wehr machtsbericht (LTI ) ist sparsam und nicht triumphal.- Neue Bestimmungen über Einwanderung in USA. Unser Affidavit (das zweimal erhaltene) damit hinfällig -das neue Verfahren bedeutet faktisch Unmöglichkeit,in irgendwie absehbarer Zeit heraus zu kommen. Uns sehr recht. Alles Schwanken hat nun ein Ende. Das Schicksal wird entscheiden. Während des Krieges könne wir nicht mehr heraus. Nach dem Krieg brauchen wir es nicht mehr, so oder so, tot oder lebendig. –

Victor Klemperers Beobachtungen decken sich hier ganz mit Göbbels Stimmungseindrücken der als Propagandaminister die psychologische Wirkung seiner Arbeit, vorallem in den Stimmungsberichten des SD studierte. Für den 29 Juli bemerkt Göbbels eine “Krise” was die “psychlogische Lage” betrifft. Auch Anfang August bemerkt man in den Stimmungsberichten “Pessimismus” und Göbbels befürchtete sogar eine “Depression”. Dies hatte mehrere Gründe. Die deutsche Propaganda hatte zu Beginn des Feldzuges für Göbbels Geschmack zu “optimistisch” mit Ereignismeldungen das Bild eines schnellen Sieges vermittelt, worauf man in den folgenden Wochen mit zurückhaltenden Meldungen reagiert hatte. Auch der Konflikt bezüglich der “Euthanasie” hatte seine Spuren in der Meinung des Volkes hinterlassen. Deshalb begann man Anfang August wieder mit “Siegesmeldungen” die Stimmung aufzuhellen. Doch die Unstimmigkeiten innerhalb der Bevölkerung, sollten den Nationalsozialisten eine neuerliche Gefahr vor Augen führen. Mit der Unzufriedenheit des Volkes aufgrund der erhöhten Kriegsbelastungen, den wirtschaftlichen und ernährungstechnischen Konsequenzen, den hohen Blutopfern und den radikalen Maßnahmen wie in der Euthanasie, erkannte man erstmals die Gefahr eines wirklichen Aufstandes, und dies zu einer Zeit da es wichtig erschien die gesamte “Kraft des Volkskörpers” für den Sieg im Osten einzusetzen. Göbbels aber auch namhafte Funktionäre der Partei und der SS bzw. des SD erkennen eine Situation die sich schon 1917 abgezeichnet hatte. Der Unmut des Volkes, könnte durch jüdische Mundpropaganda erneut entfacht werden, denn Schuld waren natürlich die jüdischen Menschen. Göbbels persönlich wird die Schlussfolgerung daraus ziehen, dass die Deportation der jüdischen Menschen aus dem Grossreich Priorität bekommen sollte. Bis in den Herbst wird er Hitler dazu drängen die Deportationen einzuleiten. Hitler lässt sich jedoch nicht zu einer voreiligen Handlung verleiten, er will sich ganz auf den Konflikt im Osten konzentrieren, und vorallem die USA nicht provozieren. Doch wird Hitler Mitte August etwas entgegen kommen in dem er die Kennzeichnung der jüdischen Menschen durch den “Judenstern” genehmigt.

 Quellen:

1) 20 Juli MIMIKRY DIE ZEIT OHNE SPIEGEL Reden und Aufsätze Dr Josef Göbbels 1939/1940/1941 S526 aus dem Archiv des Autors dieser Seite- erschienen im Zentralverlag der NSDAP Franz Eher München

2) 21 Juli Peter Longerich Heinrich Himmler Biography S549/73 ENDE JULI eine kleine Randnotiz über Hitlers Weisung findet man bei Alan Tootse Ökonomie der Zerstörung S563 wobei Tooze Reinhardts -MOSCOW S39 sowie Kershaw Hitler Biografie BD II S353ff zitiert.

3)27 JULI Victor Klemperers Tagebücher Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten S655 Band 1 zu Göbbels siehe Longerich Göbbels Biografie S477/S478 Longerich bezieht sich hierbei Auf die Tagebucheintragungen von Göbbels zwischen 23 Juli 1941- bis etwa 11 August 1941

Juli 1941 – Generalstabsplan, Lublin, Lemberg, Warschau, Hitler, Himmler, Göbbels Tagebuch

GHETTO WARSCHAU

Fleckfieber2Fleckfieber (Flecktyphus) der durch die Kleiderlaus übertragen wird versuchte man  durch regelmäßigen Kleidertausch und Desinfektion einzudämmen (Bild Bundesarchiv Berlin Propagandafoto Warschauer Ghetto Mai 1941

Warschau Sommer 1941 in der Krankenstation
“… Nur hatten wir nicht genug Betten für sie, so dass sie zu zweit, bisweilen sogar zu dritt in einem Bett lagen, jedes mit einem kleinen Stück Heftpflaster auf der Stirn, dass eine Nummer trug, damit wir die kleinen Patienten voneinander trennen konnten. Glühend vor Fieber, riefen sie in einem fort und verlangten zu trinken. Doch an Fleckfieber starben sie nicht. Wir entließen sie, waren jedoch völlig erschöpft, denn täglich nahmen wir ein Dutzend neuer Kinder auf, so musste die selbe Anzahl entlassen oder von- Verdacht auf- Sicher umgeschrieben werden, und die Krankenblätter auf den Typhusstationen kamen schließlich alle in die Hände der Deutschen. Wir entließen die kleinen Patienten, damit sie zu Hause an Hunger sterben oder mit aufgedunsenen Leib wieder kommen konnten, um hier die Gnade eines sanften Todes zu erfahren. So war es jeden Tag.”

1 JULI

Nach einem Abendessen mit Himmler hat der Höhere Polizeichef Bach Zelewski die Erlaubnis angeblich plündernde Juden in der polnischen Stadt Bialystok zu erschießen. Es wurden darauf alle Juden zwischen 17 und 45 Jahren in Massenerschießungen getötet.

 8 JULI

Himmler besucht Bialystok

9 JULI

Hitler hatte sich zuletzt vermehrt über die Judenfrage geäußert, sein Verbindungsoffizier Walter Hewel notierte am 10 Juli in sein Tagebuch, über ein Gespräch des Vorabends, dass Hitler sich mit Robert Koch verglich, dem Entdecker des Tuberkelbazillus, denn er habe die Juden als Element gesellschaftlicher Dekomposition erkannt. Ein Schlagwort welches durch viele Nationalsozialisten aufgenommen werden wird. Auch Göbbels wird diese Phrase mehrmals wiederholen auch in seiner berühmt berüchtigten Rede vom 18. Februar 1943 des „Totalen Krieges “

Hitler wies seinen Propagandaminister an weiter die Judenfrage in der Gesellschaft
anzuheizen Goebbels notiert dazu am 9 Juli in sein Tagebuch:

“Unsere Propagandalinie ist …klar . ….Wir müssen weiterhin das Zusammenwirken zwischen Bolschewismus und Plutokratie entlarven und mehr und mehr jetzt auch den jüdischen Charakter dieser Front herausstellen. In einigen Tagen wird, langsam beginnend, nun die antisemitische Kampagne anlaufen, und ich bin davon überzeugt, dass auch in dieser Richtung mehr und mehr die Weltöffentlichkeit auf unsere Seite bringen können .”

Am gleichen Tag den 9 Juli, Hitler erklärt dem Marineminister Raeder

“… dass er den Kriegseintritt der USA 1 bis 2 Monate noch hinauszögern wolle bis der Ostfeldzug Siegreich abgeschlossen sein würde, dann aber könne er sich ein Vorgehen gegen die USA ohne weiters vorstellen ,…bis dahin solle man jedoch jeden Konflikt vermeiden .”

Auch die Juden Lembergs werden auf einem Sportplatz zusammen getrieben und auf Befehl Himmlers erschossen. SS Brigardeführer Dr Rasch befiehlt seinen Truppen und ukrainischen Milizen diese Erschießung von 3000 Menschen, wobei man die Juden zahlreicher Verbrechen beschuldigt.

netzNach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Lemberg, fanden die Nationalsozialisten mit ihren ukrainischen Freiwilligentruppen gefolterte ukrainische Nationalisten in Massengräbern.(Bild oben) Folternd und mordend hatten auch die Sowjets versucht die Eliten der Ukraine und ihre nationalistischen Unabhängigkeitsbestrebungen sowie deutsche Minderheiten zu beseitigen. Diese unfassbaren Mordtaten waren im ganzen Osten geschehen auch an Juden. Die Berichte über die stalinistischen Mordtaten zu jener Zeit  bedürften einer eigenen Zusammenfassung. Dies weckte den Zorn der ukrainischen Freiwlligenmannschaften und der SS. Verantwortlich für die Ermordung werden natürlich die jüdischen Menschen gemacht, Juden waren in ihren Augen gleich Bolschewisten. Es ist ein Vorwand für neuerliche Massenexekutionen. Die Deutschen brachten die sowjetischen Morde in ihrer Wochenschau als jüdische Gewaltverbrechen dargestellt, woraus sich eine internationale Propagandaschlacht entwickelte. Hierbei ist vor allem ein Artikel Göbbels für die Zeitschrift Das Reich hervorzuheben. Mimikry siehe 20 Juli 1941. Heute geben uns neben Dokumenten und Einsatzbefehlen, ebenfalls unzählige Soldatenbriefe Einblick in das Geschehen jener Monate. So schreibt zb. der Wiener Soldat “Franzl” an seine Eltern, über seine Erlebnisse in Tarnopol, dass die Entdeckung verstümmelter und gefolterter Leichen von Volksdeutschen und Ukrainern zu Racheakten geführt haben. Hierauf habe man die Juden mit Knüppeln und Spaten erschlagen. Bis zu seinem Brief seien etwa 1000 Juden “ins Jenseits befördert worden”  … aber das sei viel zu wenig, für das, was die gemacht haben … .

11 JULI

Himmler veranlasst eine Volkszählung der Volksdeutschen auf sowjetischen Gebiet,
um Rückschlüsse auf die spätere Besiedlung ziehen zu können.

15 JULI PROF. KONRAD MEYER LEGT HIMMLER DEN ERSTEN GESAMTEN VORSCHLAG FÜR EINEN GENERALSTABSPLAN – OST VOR

Himmler und Prof. Meyer bei der Austellung in Berlin “Planung und Aufbau im Osten”

Der Professor für Acker- und Landbaupolitik stellte für Himmler binnen weniger Wochen erste Entwürfe zur gezielten wirtschaftlichen Nutzung der zu erwartenden Gebiete im Osten zusammen. Himmler befiehlt sofort Zwangsarbeiterlager in Polen zu errichten. Dieser erste Plan den Prof Meyer entworfen hatte, stieß jedoch auf Widerstand, da er die neuen Möglichkeiten in Sowjetrussland noch nicht ausreichend berücksichtigte. Prof Meyer entwickelte seinen Generalstabsplan weiter und sollte ihn 1942 neu präsentieren. Doch stehen die wesentlichen Ziele und Pläne vor allem der SS ganz im Zeichen dieses Programmes, der sich später eng mit der Frage der “Endlösung” der Judenfrage in Verbindung bringen lässt. Da man versuchte die Frage der wirtschaftlichen Möglichkeiten und der Besiedelung der neu gewonnenen Ostgebiete in einem “Masterplan” zusammenzufassen der auch die nun schon gewonnen Gebiete in Polen beinhaltete. Jenes Chaos dass sich angesichts der Enteignungen, der Judenverfolgung,  Polen Evakuierungen und der Ansiedlung Volksdeutscher ergeben hatte sollte sich nicht wiederholen. Das nun ins Visier genommene Gebiet und der damit zusammenhängende Raum, dessen Grenzen sich 1000 Kilometer weit in den Osten erstrecke, war angesichts der fantastisch wirkenden Ziele ohne gezielte Koordination, unmöglich umzusetzen. Auch wenn Prof Meyers erster Vorschlag auf Widerstand traf und einer genaueren Prüfung bedurfte, so waren die grundsätzlichen Umrisse und Anforderungen, die dieses Projekt mit sich brachte, Himmler und seinem Mitarbeiterstab schnell klar. In diesem Sinne stehen fast alle grundlegenden Entscheidungen die Himmler die letzten Wochen getroffen hatte und in den nächsten Jahren trifft, im Zeichen dieser Siedlungsprogramme. Es beginnt beim Ausbau des Konzentrationslagerwesens für seine Zwangsarbeiterprojekte, nimmt Formen in Studien über Bevölkerungsdichten an, ließ ihn im engeren Kreis über Umsiedelungsmethoden reden die Angesichts der schlechten Infrastruktur (Schienen, Verkehr) und unzureichender Nahrungsmittelversorgung nicht selten in einem “Hungerplan” oder gar in der Beseitigung von Millionen Menschen endete. Parallel dazu ist Heydrich bemüht im Zuge dieser Pläne die Judenfrage des Ostens zu einer “Endlösung”zu bringen und die ersten Vorschläge wie sich diese Beiden primären Ziele der Nationalsozialisten vereinen lassen, wird er in der Wannseekonferenz präsentieren.

„Aber erst das Werk und die Idee des Führers haben die zeitlose deutsche Ostaufgabe mit neuem Sinn und junger Kraft erfüllt. Erstmalig in der Geschichte wird diese Aufgabe aus dem Volksgedanken heraus, mit dem Volke und für das Volk, einer endgültigen Lösung zugeführt. Als daher der Führer am 7. Oktober 1939 den Reichsführer SS Heinrich Himmler zum Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums berief, übertrug er ihm in dieser Eigenschaft die Rückführung der endgültig ins Reich heimkehrenden Volks- und Reichsdeutschen, sowie die grundlegende Neugestaltung der wieder eingegliederten alten deutschen Siedlungsräume im Osten. Damit wurde erstmalig in der deutschen Geschichte der Aufbau einer neuen Volks- und Raumordnung allein dem Hochziele unter stellt, das deutsche Volk in den volkspolitisch umbrandeten Ostgebieten zu festigen und sie für alle Zeiten zu sichern. Der entscheidende Grundgedanke nationalsozialistischer Weltanschauung, daß alle Politik nur Volks- und Rassepolitik sein kann, ist damit bewußt in den Mittelpunkt dieses großen Aufbauwerk es im Osten gestellt worden. Nun begann ein neuer Abschnitt unserer Volks- und Reichsgeschichte im Zuge des größten Umsiedlungs- und Siedlungswerkes aller Zeiten,“ 
(zitiert nach Prof Hoffmann Deutscher Osten Land der Zukunft erschienen 10 Juni 1942).

16 JULI

Hitler trifft im Führerhauptquartier die Weichenstellungen für die zukünftige Zivilverwaltung der neu gewonnenen Ostgebiete. Alfred Rosenberg wird für diese offiziell zum Reichsminister ernannt.  Die innere “Sicherheit” bekommt jedoch Himmler (zu seiner Erleichterung wie er betonte) zugesprochen. Das Treffen das im Führerhauptquartier stattfand, mit Bormann, Göring, Lammers, Rosenberg, Keitel, hatte zum Inhalt den zukünftigen “Kuchen” Sowjetrusslands aufzuteilen. Stalin hatte am 3 Juli seine Soldaten dazu aufgefordert hinter den deutschen Linien einen Partisanenkrieg zu beginnen, eine Möglichkeit die dem Führer und Himmler in die Hände spielt so meinte Hitler etwa folgendes “….der riesen Raum müsse natürlich so rasch wie möglich befriedet werden, dies geschehe am besten dadurch, dass man jeden, der nur schief schaue, totschieße.”

Himmler ernennt zur besseren Kontrolle und Organisation seiner Einsatzgruppen A, B, C, D wie schon im Polenfeldzug damals im kleinerem Maßstab Höhere SS- Polizeiführer (HSSPF ). Jene befehligten Polizeichefs (Kommandeure). Sie verfügten über weitreichende Befugnisse und waren nur Himmler selbst verantwortlich. Auf Grund ihres Status wurden sie auch die  “kleinen Himmler” genannt. Für Russland Nord HSSPF Hans Adolf Prützmann, Russland Mitte Erich von dem Bach Zelewski, Russland Süd Friedrich Jeckeln, äußerster Süden Kaukasus Gert Korsemann.

17 – 19 JULI
“PROGRAMM HEINRICH”-LUBLIN

Polen, zwei Soldaten bei Stadtbummel

Himmler befiehlt dem SSPF Globocnik den Aufbau einer Behörde für die Errichtung der SS und Polizeistützpunkte im neuen Ostraum. Hierbei sollte Lublin auch weiterhin die zentrale Rolle in der Planung der “Volkspolitischen Besiedlung des Ostraumes” beibehalten. Die zwei wesentlichen Punkte sind in Himmler und seinen Funktionen als “Reichskommissar zur Festigung des deutsches Volkstums” und Oberbefehlshaber der Einsatzgruppen und des Sicherheitsdienstes vereint. In seiner Person sollten sich die zwei wesentlichen Punkte der Politik des Lebensraumes- Ost verbinden. Zum Ersten steht hier der Volkskommissar der die vorbereitenden Maßnahmen trifft um den europäischen Teil Sowjetrusslands als auch Polen dem Deutschen Volk als Lebensraum nutzbar zu machen und  verloren gegangenes “deutsches Blut” dem Volk wieder zu zuführen. Zweitens das Reich vor dem einsickern “minderwertigen Blutes “ und Rassen zu schützen. Den ersten Punkt des Lebensraum Ost, implizierte den zweiten Teil des “Schutzes deutschen Blutes” und zwar im zunehmenden Maße in der sich die Situation der Nationalsozialisten radikalisierte. Es sind zwei Teile einer Politik, einer kolonialen Herrschaft, die sich in Himmlers Person vereinigten. Mit der zunehmenden militärischen Ausweglosigkeit sollte jedoch der Siedlungsplan zu Gunsten des Plans der Vernichtung “artfremden Blutes” weichen. Es ist also kein Zufall, dass sich in Lublin jene Doppeldeutigkeit des Siedlungsprogrammes  zeigte, denn auch die Vernichtung der jüdischen Menschen durch Gas, wird in Globocniks Reich, zu einem festen Bestandteil kolonialer Siedlungspolitik.

Am selben Tag werden in der USA deutsche Nachrichentendienststellen und Konsulate geschlossen. Auch die Reichsbank muss ihre Niederlassung verlassen und wird geschlossen. Es ist der beginnende Abbruch aller offiziellen diplomatischen Beziehungen.

GHETTO MINSK

Minsk, JudenGhetto Minsk 1941 (Quelle Wiki Commons dort wird das Bundesarchiv Berlin als Quelle angegeben)

Unterdessen errichtet die Wehrmacht ein Ghetto in der weißrussischen Stadt MINSK. Hierzu riegelte man einem im Westen gelegenen Stadtteil ab, worin man die Juden der Stadt und ihrer Umgebung zu konzentrieren begann. Das Ghetto wuchs schnell auf etwa 85 000 Menschen an. Wie überall in den Ghettos ging es der Bevölkerung durch Unterernährung und Krankheit schlecht. Ende des Jahres sollte sich die Situation mit den Deportationen aus dem Reich und dem Protektorat nach Minsk verschärfen.

QUELLEN:

1) GHETTO WARSCHAU
zitiert nach Blady Szwayger
ERZÄHLT ES EUREN KINDERN S53

2) 1 Juli
Heinrich Himmler Biography
Dr Anton Neumayr S157/Richard Breitmann

 3) 9 Juli

zur Aussage über Robert Koch
siehe Tagebucheintrag Hewel zitiert in Peter Longerich/ Dieter Pohl
Die Ermordung der europäichen Juden Eine umfassende Dokumentation
des Holocaust 1941-1945 München 1989 S76

4) Göbbels

zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S232
JOSEPH GOEBBELS TAGEBÜCHER TEIL II BD 1 S35

5) 9 Juli
Hitler erklärt Raeder
zitiert aus Kershaw WENDEPUNKTE S508 Berlin Herbst 41/88

6) ERSCHIESSUNG LEMBERG
siehe Heinrich Himmler Prof DR Anton Neumayr S157

7) 11 Juli VOLKSZÄHLUNG HEINRICH HIMMLER BIOGRAPHY UNIV.PROF.DR ANTON NEUMAYR S159

8) 12-15 Juli
siehe Longerich Heinrich Himmler Biographie S164 erster
Teil /34

9) 16 Juli

Nach Hitlers Treffen mit den zukünftigen Herren des “Ostlandes”
(16 Juli) ergehen zwei Weisungen am 17 (Juli)
Ein Erlaß welcher einen Übergang von militärischer zu ziviler
Verwaltung zum Inhalt hat
und ein Erlaß des Führers über die polizeiliche Führung
der neu besetzten Ostgebiete.
welcher folgendes beinhaltete:

I .

Die polizeiliche Sicherung der neu besetzten Ostgebiete ist
Sache des Reichsführers- SS
und Chefs der deutschen Polizei.

II.

Nach Einführung der Zivilverwaltung in diesen gebieten ist der
Reichsführer-SS berechtigt,
den Reichskommissaren im Rahmen unter I bezeichneten Aufgabe
Weisungen zu erteilen.Sofern diese
Weisungen allgemeiner Art oder von politisch
grundlegender Bedeutung
sind, sind sie über den Reichsminister
für die besetzten Ostgebiete zu leiten.
Es sei denn, daß es sich um die
Abwendung einer unmittelbar
drohenden Gefahr handle.

III.

Zur Durchführung der polizeilichen Sicherung tritt zu jedem
Reichskommissar ein Höherer SS-und Polizeiführer,
der dem reichskommissar
unmittelbar und persönlich unterstellt ist.
Den generalkommissaren, den Haupt- und Gebietskommissaren
werden Führer der SS
und der Polizei zugeteilt, die ihnen unmittelbar und
persönlich unterstehen.”

zitiert aus ANATOMIE DES SS STAATES S616
NÜRNBG DOC PS-1997 auch NG-1688 vgl IMT BD XXIX S234 ff

10)  17 JULI
zum Programm Lublin siehe
Longerich Peter Heinrich Himmler Biography S604/31,
zu Abbruch der Beziehungen siehe Hitlers Rede am 11.12.1941
vor dem Reichstag- Audio Tonaufnahme auf Shoa Portal-

11) Ghetto Minsk
ENZYKLOPÄDIE DES NATIONALSOZIALISMUS S641/42

Himmlers Generalstabsplan – Heydrichs „Selbstreinigungskräfte“

10 JUNI  -Treffen Himmler und Lammers (REICHSKOMISSAR OST)

Himmler bittet Lammers in einer Unterredung um weitreichende Befugnisse. Er strebete die Kontrolle in den  verwaltenden Ostgebieten an. Himmler weiß um wirklich freie Hand zu haben ist dieser Schritt Hitlers Vasallen Alfred Rosenberg zu hintergehen und im Vorfeld Rosenbergs zukünftige Machtstellung zu untergraben unumgänglich. Es ist hier wahrscheinlich dass Himmler in dieser Unterredung mit Lammers einen Verbündeten für das Treffen der politischen Führung der Zivilverwaltung des Reiches und der zukünftigen Ostgebiete bei Hitler das für den 16 geplant ist zu finden, und zudem Himmler nicht eingeladen ist. Vor allem die persönliche Antipathie die Himmler in seiner Rolle als “Pragmatiker“ gegenüber Rosenberg “intellektuellen” Höhenfluge einnimmt steht hier wahrscheinlich im Mittelpunkt .

12 – 15 JUNI – GENERALSTABSPLAN

Himmler trifft seine höchsten Polizeiführer und Mitarbeiter auf der Wewelsburg
Heydrich, Daluege, Bach Zelevski, Wolff, Brandt, Lorenz, Jeckeln, Prützmann, möglicherweise auch der Schriftsteller Johst, beim netten Zusammensein am Kamin erläutert Himmler seine Sicht der Dinge, wie sich Zelevski in Nürnberg später erinnert Himmler meinte ungefähr dieses:

Die Wewelsburg – Himmler wollte hier das Zentrum der SS gründen. Auf Grund des Krieges wurden die Pläne niemals vollendet.

” Der Russland-Feldzug würde über Deutschlands Schicksal entscheiden, entweder eine Großmacht für alle Zeiten, oder Vernichtung Ein Führer wie von der Statur Hitlers trete nur einmal in tausend Jahren auf, die Herausforderung müsse von dieser Generation bestanden werden. Nach der Eroberung des europäischen Teils der Sowjetunion, würden sich sämtliche Juden des Kontinents in deutscher Hand befinden Sie würden aus Europa abtransportiert werden. Was die slawische Bevölkerung anging,  so würde man sie um etwa 20-30 Millionen Menschen verringern müssen.”

Diese Tatsache steht ganz im Zeichen des Generalstabsplan- Ost und zeugt unverblümt von Himmlers Willen im Zuge der Besiedelung im Osten nicht nur die jüdischen Rasse der Vernichtung preis zu geben, sondern wenn nötig Millionen an Menschen dem Tod zu übergeben. Unweigerlich muss man  an Himmlers Denkschrift aus dem Mai  1940 denken (EINIGE GEDANKEN ÜBER DIE BEHANDLUNG DER FREMDVÖLKISCHEN IM OSTEN siehe Kapitel 1940) die ähnliche Gedanken wie eine “Bolschewistische Lösung ” der Ausrottung reflektierte. Man muss aber berücksichtigen, dass zu dieser Zeit im Altreich auf Grund schlechter Ernten, eine Hungerkatastrophe anbahnt, die Lebensmittelrationen sich verringerten, und selbst das Ostheer mit dem Plan ins Feld gerückt war sich so schnell wie möglich autark, dies bedeutet aus den besetzten Gebieten zu ernähren. Auch in diesen Sinne kamen die Nationalsozialisten immer wieder auf den “Hungerplan” zurück und auch in diesem Zusammenhang kam mehrmals zur Sprache die slawische Bevölkerung wenn nötig verhungern zu lassen.

mehr über den Generalstabsplan hier klicken

22 JUNI

Der Feldzug in Russland “BARBAROSSA” beginnt. Die größte Offensive der Weltgeschichte. Das Vorgehen welches man die letzten Monate vorbereitete, zeigte sich nun in den einzelnen Befehlen. So erhielt sich bis heute die Anweisung des Armeekommandos 11 mit folgendem Wortlaut,

Ein Sonderfall gibt Veranlassung, auf Folgendes ausdrücklich hinzuweisen: Bei der in Osteuropa herrschenden Auffassung vom Wert des Menschenlebens können deutsche Soldaten Zeugen von Vorgängen werden (Massenhinrichtungen, Ermordung von Zivilgefangenen, Juden u.a.m), die sie im Augenblick nicht verhindern können, die aber zutiefst gegen das deutsche Ehrgefühl verstoßen. Es ist eine Selbstverständlichkeit für jeden gesund empfindenden Menschen, dass von solchen abscheuli- chen Ausschreitungen keine fotografischen Aufnahmen ange- fertigt werden oder über sie in Briefen an die Heimat be- richtet wird. Das Anfertigen oder Verbreiten solcher Fotografien oder Berichte über solche Vorgänge werden als ein Untergraben von Anstand und Manneszucht in der Wehrmacht angesehen und streng bestraft. Alle etwa vorhandenen Bil- der oder Berichte über solche Ausschreitungen sind zusam- men mit den Negativen einzuziehen und unter Angabe des Her- stellers oder Verbreiters dem Ic/A.O. der Armee einzusenden. Ein neugieriges Begaffen solcher Vorgänge liegt unter der Würde des deutschen Soldaten.

Für das Armeeoberkommando:

Der Chef des Generalstabes im Entwurf

gez.: W ö h l e r

29 Juni SELBSTREINIGUNGSKRÄFTE

Heydrich ergänzt seine Anweisungen vom 17.6 in der er die Richtlinien seiner Sonderkommandos festgelegt hatte. Gezielte Provokationen unter Ausnutzung antisemitischer Hetze der einheimischen Bevölkerung soll die deutschen Einheiten im Bestreben die jüdische Bevölkerung zu beseitigen helfen. Das Ziel bestand eben darin die in der einheimischen Bevölkerung bestehenden “Selbstreinigungskräfte” unter deutscher Anleitung zu mobilisieren. Tatsächlich ist der Antisemitismus in Osteuropa, Polen, den Baltischen Staaten wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, sehr ausgeprägt. In vielen Fällen organisieren sich lokale antisemitische Verbände welche die Deutschen tatkräftig unterstützen mordend und plündernd durch die Strassen zogen.

” Unter Bezug auf meine bereits am 17.VI . in Berlin gemachten mündlichen
Ausführungen bringe ich in Erinnerung :

1) den Selbstreinigungsbestrebungen antikommunistischer oder antijüdischer
Kreise in den neu zu besetzenden Gebieten ist kein Hindernis zu bereiten. Sie
sind im Gegenteil, allerdings spurenlos, auszulösen, zu intensivieren wenn
erforderlich und in die richtigen Bahnen zu lenken, ohne dass sich diese
örtlichen -Selbstschutzkreise- später auf Anordnungen oder auf gegebene
politische Zusicherungen berufen können.

Da ein solches Vorgehen nur innerhalb der ersten Zeit der militärischen
Besetzung aus naheliegenden Gründen möglich ist, haben die Einsatzgruppen und
möglichst bestrebt zu sein, raschestens in die neuen besetzten Gebiete
wenigstens mit einem Vorkommando einzurücken, damit sie das erforderliche
veranlassen können.

Zu Leitern solcher Vorkommandos sind nur solche Angehörige der SP und des SD
auszusuchen, die über das erforderliche politische Fingerspitzengefühl verfügen

Die Bildung ständiger Selbstschutzverbände mit zentraler Führung ist zunächst zu
vermeiden,an ihrer Stelle sind zweckmäßig örtliche Volkspogrome wie oben
dargelegt auszulösen. …”

netz

„Spontane Volksaufstände“

Die Sowjets hatten in den von ihnen besetzten Gebieten ein Terrorregime vorallem gegen die regionalen nationalistischen oder religiösen Strömungen sowie deutscher Minderheiten der jeweiligen Länder begonnen. Als die Sowjets sich zurückziehen mussten unter dem schnellen Vormarsch der deutschen Truppen, konnten sie ihre Verbrechen an den ortsansässigen Bewohnern weder vertuschen, noch alle Zeugen beseitigen oder in das Landesinnere bzw hinter den Ural verschleppen.In den baltischen Staaten sowie der Ukraine, Bessarabien hatte der sowjetische Terror und Mord seine Spuren hinterlassen. Man hatte versucht, alle nationalistischen aber auch religiösen Strömungen der besetzten Länder durch Folter und Massentötungen zu unterdrücken. Wie auch die Nazis in Polen schon hatten die Sowjets mit radikalsten Methoden versucht sämtliche Unabhängigkeitsbestrebungen im Keim zu ersticken. Als die Sonderkommandos und die Wehrmacht in die ehemals sowjetischen Zonen vordrangen, fanden sie nicht nur Massengräber, gefolterte Menschen, sondern radikalisierte und traumatisierte Bewohner vor. Heydrich  bemächtigte sich dieser radikalisierten nationalen und rassistischen Freiheitskämpfer sowie der Wut der Menschen und Soldaten. In diesem Sinne ist auch der Befehl Heydrichs zu verstehen. In vielen Teilen des Ostens waren ( heute noch) die antisemitistischen Tendenzen sehr ausgeprägt. Pogrome seit Jahrhunderten immer wieder Tendenz wilder Massenmorde. Die ohnehin an Mannschaften unterbesetzten SS Kommandos des Sicherheitsdienstes und der SCHUPO (Schutzpolizei), fanden unter den einheimischen Nationalisten, Rassisten, Antisemiten aber auch unter dem einfachen Volk willige Vollstrecker, um die rassischen Säuberungen vorzunehmen. In der Ukraine und Weissrussland fanden sich sehr viele deutschstämmige zu Milizen zusammen (Selbstschutzeinheiten) um mit den Nazis gemeinsam jüdische Menschen zu beseitigen. Diese “zuverlässigen”  treuen Söldner stellten bald schon die Mehrheit als Hilfseinheiten der Sonderkommandos der SS. Die Schätzungen gehen von etwa 25 -30 000 Mann aus die schlussendlich an der Seite der Nazis im ganzen Osten ihr Mordwerk verrichteten. Man wird diese angeworbenen Söldner schlussendlich nicht nur in mobilen Einsatzkommandos als Vollstrecker der Massenerschießungen einsetzen sondern auch als Wächter in den Lagern des Ostens, sowie in den Vernichtungslagern der Aktion Reinhardt (Trawnikis, Askaris). Vorerst jedoch sind die Nationalsozialisten darauf bedacht, die Tötungen unter dem Vorwand nationaler Freiheitskämpfe gegen die „jüdischen Unterdrücker“  (Bolschewisten) durch Propaganda, Verleumdung zu radikalisieren und zu ermöglichen. Diese nationalen Strömungen werden von Anfang an genutzt und in einigen Fällen wie in Bessarabien geschehen die Pogrome unter Antonescu´s Anleitung fast von ganz allein. Auch Dr. Stahlecker mit seiner Einsatzgruppe A organisierte solche Pogrome seit 25 JUNI in Lettland und Litauen. Im Laufe dieser “Selbstreinigungskräfte” wie Heydrich es formulierte, wurden etwa 4000 Juden allein in Litauen getötet. Die Mordtaten wurden auch gefilmt und jene Szenen später als Propagandamittel in deutschen Wochenschauen verwendet. Im Grunde ist es das Konzept des”spontanen Volksaufstandes” wie wir es schon aus der Reichskristallnacht kennen. Diese Methode soll nun auch in den neue besetzten Gebiete übertragen, den Antisemitismus schüren und die Bevölkerungen auf die nun radikalen neuen Methoden vorbereiten. Die Nazis werden auch hier in Litauen (wie unten zu sehen) jene vom sowjetischen Geheimdienst NKWD gefolterten und eingesperrten Menschen aber auch einfache Verbrecher, Kriminelle aus Gefängnissen einsetzen die mit unglaublicher Brutalität tausende  jüdische Menschen einfach erschlagen.

netz25_Juni_1941_Kowno

(Bildquelle DÖW) Am 25 nach anderen Aussagen am 27 Juni kam es im Hof der Litukis Garage (Bild oben ) in Kowno zu einer der unzähligen Übergriffe auf jüdische Menschen.

Ein deutscher Soldat aus der sogenannten “Bäckerkompanie 562″ die zu dieser Zeit nach Kowno verlegt wurden, berichtete nach dem Krieg seine Erlebnisse: “[Ich sah], wie von litauischen Zivilpersonen mit verschiedenen Schlagwerkzeugen auf eine Anzahl von Zivilisten eingeschlagen wurde, bis diese keine Lebenszeichen mehr von sich gaben. Da ich nicht wusste, warum diese Personen auf solch grausame Weise erschlagen wurden fragte ich einen neben mir stehenden Sanitätsfeldwebel. … Er sagte mir, die Erschlagenen Personen seien alle Juden …Warum diese Juden erschlagen wurden, habe ich nicht erfahren.“

QUELLEN:

1)10 Juni
Heinrich Himmler Biography Peter Longerich S 545

2)12-15 Juni – GENERALSTABSPLAN
S164 AUSSAGE Bach- ZELEVSKI
SAUL FRIEDLÄNDER JAHRE DER VERNICHTUNG S164-
Der Hungerplan und und Zahlen und
Fakten zur Hungerkatastrophe siehe Alan Tootse
Ökonomie der Zerstörung

3)22 Juni Barbarossa das hier zitierte Dokument – es handelt sich um die Anweisung des Armeekommandos 11 wir haben das Dokument von NS Archiv de wir Danken- diese zitierten aus Poliakov/Wulf
Das Dritte Reich und seine Diener, S. 375
Wiesbaden 1989

4) 29 Juni SELBSTREINIGUNGSKRÄFTE

Heydrichs „Ergänzung“

zitiert nach Longerich Peter Die Ermordung der Europäischen Juden s118 /119 es handelt sich um das Dokument BA R 70 Sowjetunion/32,BI.391f

Zahl der 4000 Toten siehe Aus der Gesamtdarstellung des “Jägerberichts” des Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A Fotokopie Bundesarchiv Koblenz zitiert -aus Anatomie des SS-Staates

4) Aussage Soldat Bäckerkompanie aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S250/102 Massenmord

 5) zu Estland Lettlandzahlen siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S251 zitiert aus Andrew Ezergailis THE HOLOCAUST in LATVIA 1941-1944 The Missing Center ,Riga 1996 S58, 72

„Kriegsgerichtsbarkeit“,“Kommissarbefehl“,“sicherheitspolizeiliche Aufgaben“

Kommissarbefehl1großKommissarbefehl2Kommissarbefehl3

Kommissarbefehl Faksimile zum vergrößern anklicken (Quelle: Wiki Commons – Volltext im Anhang der Seite )

“Volkstumskampf” 

Die sowjetische bzw Rote Armee hatte zur politischen Kontrolle in ihren Einheiten seit ihrer Gründung 1918 sogenannte Kommissare abgestellt. Sie kontrollierten nicht nur die ideologische Einstellung im Sinne der marxistisch leninistischen Parteidoktrin und Stalins, sondern waren auch als die gefürchteten Parteimänner und Spitzel bekannt, die selbst in aussichtslosen Situationen, die eigenen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe oder Deportation, in ausichtlose Kämpfe schickten. Vor allem in den ersten Monaten des Feldzuges der Deutschen stellten sie für Stalins Kriegsziele, ein unentbehrliches Mittel, die Fronten aufrechtzuerhalten, und in ausweglosen Situationen, waren sie der Garant für bedingungslosen Widerstand. Die schlecht ausgerüsteten Sowjetarmeen konnten sich die ersten Monate des Feldzuges nur auf Grund dieser erzwungenen Widerstände, vor den rasch vorrückenden deutschen Armeen retten. An vielen Frontabschnitten gab es zu wenig Munition, Waffen, und Kriegsausrüstung. Die Front wurde  durch die hohe Rekrutierung an Soldaten und ideologische Indoktrinierung durch die Kommissare aufrechterhalten. Ideologisch und propagandistisch geschult erkannte sie Hitler schon vor dem Feldzug als verantwortliche “Widerstandskämpfer”. Hitler ging es hierbei um die schnelle Befriedung der neu besetzten Gebiete, und den Schutz der vorrückenden Truppen. Hierzu schien ihm jedes Mittel recht. In diesem “Volkstumskampf”, wollte er weder die zivile Bevölkerung schonen noch Rücksicht auf völkerrechtliche oder kriegsrechtliche Konventionen nehmen. In diesem Sinne musste Hitler im Vorfeld Bedingungen klären welche vor allem die Kriegsgerichtsbarkeit betrafen. Dies bedeutete nichts anderes, als dass man Menschen die man eines Verbrechens beschuldigte, nicht vor ein ordentliches Gericht stellte, sondern dass jeder einzelne Wehrmachtssoldat auch Zivilisten töten durfte ohne Verurteilung dieser Person, sofern man diese verdächtigte ein “Kommissar”oder „Widerstandskämpfer“ zu sein.

Kriegsgerichtsbarkeit

Am 13 Mai 1941 erging hierzu eine der grundsätzlichen Weisungen.

Die Wehrmachtsgerichtsbarkeit dient in erster Linie der Erhaltung der Manneszucht. Die weite Ausdehnung der Operationsräume im Osten, die Form der dadurch gebotenen Kampfesführung und die Besonderheit des Gegners stellen die Wehrmachtsgerichte vor Aufgaben, die sie während des Verlaufs der Kampfhandlungen und bis zur ersten Befriedung des eroberten Gebietes bei ihrem geringen Personalbestand nur zu lösen vermögen, wenn sich die Gerichtsbarkeit zunächst auf ihre Hauptaufgaben beschränkt.Das ist nur möglich, wenn die Truppe selbst sich gegen jede Bedrohung durch die feindliche Zivilbevölkerung schonungslos zur Wehr setzt.

Diese einfache Präambel Hitlers sollte die Möglichkeit bieten den Truppen vorort weitreichenste Kompetenzen der einheimischen Bevölkerung gegenüber zu bestätigen, die nun auch praktisch als “vogelfrei” ohne rechtlichen Schutz der Wehrmacht und dem einzelnen Soldaten ausgeliefert war. Dieser grundsätzliche Entschluss, Hitlers brachte jedoch auch mahnende Stimmen innerhalb der obersten Heeresführung hervor. Man war sich schnell bewusst welche Konsequenzen sich aus so einer Weisung ergeben würden.

Daher wurde am 14 Mai eine weiter Weisung zu den “Barbarossa Gerichtsbarkeitsentwurf “ erlassen, in dem man versuchte allgemeine rechtliche Richtlinien zu formulieren. Aus ihnen geht hervor dass man hier nicht nur um die einheimische Bevölkerung besorgt war sondern, vorallem um die Befehlshierarchie besorgt schien. Ein “Verwildern” der Truppe verhindert werden sollte:

Es bleibt unter allen Umständen Aufgabe aller Vorgesetzten willkürliche Ausschreitungen einzelner Wehrmachtsangehöriger zu verhindern und einer Verwilderung der Truppe vorzubeugen. Der einzelne Soldat darf nicht dahin kommen daß er gegenüber Landeseinwohnern tut und läßt, was ihm gut dünkt, sondern er ist in jedem Falle gebunden an die Befehle seiner Vorgesetzten -[von den Gerichten bzw Vorgesetzten würden]…nur solche Urteile bestätigt werden, die den vorstehend aufgeführten militärischen und politischen Gesichtspunkten in vollem Umfang gerecht werden.

Bei Befehlsverweigerung oder zu eigenmächtigen Handlungen, standen den Kommandanten erweiterte Disziplinarstrafen zu Verfügung. Die Grundlegenden Weisungen zur Behandlung feindlicher Landeseinwohner waren generell sehr allgemein gehalten wie zb-

I.Angriffe jeder Art von Landeseinwohnern gegen die Wehrmacht sind mit der Waffe sofort und unnachsichtig mit den äussersten Mitteln niederzuschlagen. Landeseinwohner die als Freischärler an den Feindseligkeiten teilnehmen, oder teilnehmen wollen, die durch ihr Auftreten eine unmittelbare Bedrohung der Truppe bedeuten oder die sonst durch irgend eine Tat sich gegen die deutsche Wehrmacht auflehnen (z.B Gewalttaten gegen Wehrmachtsangehörige oder Wehrmachtseigentum, Sabotage, Widerstand)sind im Kampf oder auf der Flucht zu erschießen...

II.1.Strafbare Handlungen, die Heeresangehgörige aus Erbitterung über Greultaten oder die Zersetzungsarbeit der Träger des jüdisch-bolschewistischen Systems begangen haben, sind nicht zu verfolgen, soweit nicht im Einzelfalle die Aufrechterhaltung der Manneszucht ein Einschreiten erfordert.

Es ging als im wesentlichen um die Beibehaltung der Kontrolle bei den Vorgesetzten Offizieren um einer Verwilderung der Truppe vorzubeugen. Die allgemeine Richtlinien die so ein “niederschlagen” rechtfertigen, waren jedoch so allgemein gehalten, dass es selbst für Offiziere schwer sein musste bei einzelnen “Verfehlungen” Maßnahmen zu ergreifen. Daher ermächtigte man diese in einzelnen Fällen wie im letzten Punkt dieser Weisung angegeben:

Mit der Enttarnung verliert dieser Erlaß den besonderen Geheimschutz

Was nichts anderes bedeuten konnte als -bei schweren “entarnten” Verfehlungen, den Soldaten aus diesem Geheimschutz dieser Weisung zu entlassen und unter normalen Kriegsrecht zu bestrafen,-

KOMMISSARBEFEHL (Volltext siehe unten) – DER TOTALE KRIEG – Wehrmacht – SS/SD

Die Wehrmacht war jedoch in ihrem Wesen im Gegesatz zu der SS keine ideologisch gedrillte Kampftruppe und repräsentierte den Querschnitt des deutschen Großreiches.
Sie verhielt sich daher auch dementsprechend wiedersprüchlich. Grundsätzlich galten die Kommissare als potentielle Gefahr und wurden daher gleich etwas abseuts an der Front erschossen, da diese zu Beginn des Krieges durch aufgenähte Hammer und Sichel auf ihren Uniformärmeln gut erkenntlich waren. Jene die sich jedoch unter die unglaublichen Massen der Gefangegenen gemischt hatten und sich in die Gefangenenlager oder Durchgangslager der Wehrmacht einschleichen konnten, versuchte man durch besondere Spitzel der SS und des SD zu entarnen, und dann zu erschiessen oder als Schutzhäftlinge in die Konzentrationslager des Reiches zu verschleppen wo sie meistens durch Hinrichtungen oder Arbeitseinsatz zu Tode kamen. Die Jagd auf zivile Kommissare und politische Kräfte die sich in jedem Dorf Sowjetrusslands befanden, benötigten in den Augen der Nazis jedoch jene radikalen Methoden, wie sie aus diesen Weisungen hervorgingen. Man nutzte sie nicht nur als generelle Anweisung zum Schutz der Wehrmachtsangehörigen oder Wehrmachtseigentums sondern auch zu rassischen Säuberungen da man die jüdischen Menschen als potentielle Kommissare betrachtete. Einzelne Kommandanten und Generäle die dem Nationalsozialismus nahe standen beteiligten sich so unter dem Deckmantel des Kommissarbefehls an rassischen und politischen Säuberungen. Die meisten Kommandeure die ihre soldatische Pflicht mehr in militärischen Belangen erkannten versuchten sich diesen Tatsachen weitgehenst zu entziehen, und in einigen wenigen doch gut dokumentierten Fällen begannen sich einzelne hochrangige Wehrmachtsoffiziere gegen diese Willkür auch offiziell und sogar mit Waffengewalt entgegenzustellen. Die Wehrmacht als rein militärischer Verband mit Hitler als obersten Befehlshaber, der sich zwar bemühte auch die weltanschaulichen Belange immer mehr in den Mittelpunkt der Wehrmachtsführung zu tragen, hatte die Aufgabe der Sicherung der besetzten Gebiete in die Hände der SS gelegt. Die rassischen Säuberungen waren daher solange sie sich nicht in einem militärischen Operationsgebiet (innerhalb 200km hinter der Frontlinie )der Wehrmacht befanden Aufgabe des Sichherheitsdienstes der SS und seinen Hilfstruppen, aus meist einheimischen Verbänden. Innerhalb dieser 200km hatte die Wehrmacht Weisungsrecht auch an die SS Einsatzgruppen von dem sie jedoch selten gebrauch machten und in vielen Fällen eher, unterstützend mit Hilfestellungen eingriff und so passiv auch den beginnenden Genozid zu unterstützte. Teile der Wehrmachtsführung sollten jedoch bis Ende des Jahres erkennen, dass Hitlers radikale Methoden, dieses Vernichtungsfeldzuges, den strategischen Bemühungen mehr schadeten als man langfristig Nutzen daraus zog. Diese Methoden und das massenhafte sterben in den Gefangenenlagern, hatten sich nicht nur abschreckend auf die einheimische Bevölkerung ausgewirkt, sondern wie viele russische Gefangene bald berichteten, hatten die Soldaten nicht mehr Angst vor ihren politischen Kommissaren, als vor der Tatsache sich den deutschen Truppen zu ergeben. Die russischen Soldaten wussten dass, in deutsche Gefangenschaft zu geraten einem Todesurteil gleichkam. Russische Kommissare weigerten sich vielfach Stellungen aufzugeben aus Angst erschossen zu werden, und so kämpften sie in aussichtslosen Situationen bis zur letzten Patrone. Für die Deutschen erschwerte dies den Vormarsch erheblich. Auch die einheimische Bevölkerung ließ sich langfristig von den radikalen Methoden der Nazis nicht einschüchtern, und die schlechte Behandlung durch die Deutschen, führte in vielen Teilen zu Kollaboration mit Partisanen. Man wird Hitler immer wieder auf diesen Umstand hinweisen, doch er wird sich in dieser Frage lange Zeit nicht kompromissfähig zeigen. Erst ab Mai 1942 wird man, den Kommissarsbefehl und andere Weisungen etwas lockern. Reinhard Heydrich wird am 17.6, für den Sicherheitsdienst und die SS passende Befehle ausgeben um im Einvernehmen mit der Wehrmacht, die sicherheitspolizeilichen Aufgaben in den neu gewonnenen Gebieten zu übernehmen. In Ergänzung wird man einen besonderen Plan entwerfen um die ersten rassischen Säuberungen durchzuführen, in dem man vorort die sogenannten “Selbstreinigungskräfte” ausnützen will unter Einbeziehung der internationalen Propaganda. Es ist der Beginn des radikalen Massenmordens, der sich langsam bis zur Tötung in “Vernichtungslagern” entwickeln wird.

SS/SD Sicherheitspolizeilicher Aufgaben

Hitler wusste dass seine Wehrmacht schlussendlich nicht dafür geeignet war jene ideologisch fanatischen Vorstellungen der Parteiführung in diesem Vernichtungsfeldzug umzusetzen. Weder konnte man dies militärstrategisch noch organisatorisch umsetzen. Um diese „sicherheitspolizeilichen Aufgaben“ vorallem die Säuberungen bzb  Mord im Feindesland zu übernehmen musste man daher auf jene ideologisch gedrillten Einheiten zurück greifen deren Hingabe an diese „höhere Sache“ des Reiches bedingungslos jeden Befehl ausführten. Die Zielrichtung war von Anbeginn klar, der Vernichtungskrieg im Osten würde hundertausende Menschenleben fordern. Himmler und die Parteiführung waren sich einig über die radikalen Methoden. In diesem Sinne ergingen schon im Frühjahr 1941 die ersten Weisungen die unter „sicherheitspolizeilichen Aufgaben“  im Operationsgebiet deklariert wurden. Hinweise findet man in den Akten des Oberkommandos des Heeres – Sie regelten die Zuständigkeiten im rüchwärtigen Armeegebiet, rüchwärtigen Heeresgebiet, die Zusammenarbeit die Abgrenzung von Befugnissen,  in einem Feldzug der dem Oberkommando des Heeres bzw der Wehrmacht unterstand. Am 13 März 1941 erging  hierzu eine Weisung in der Frage Operationsgebiet und vollziehende Gewalt des Oberkommandos des Heeres Personen und Nachrichtenverkehr, Richtlinien für Rumänien, Slowakei, Ungarn, Finnland – (Richtlinien auf Sondergebieten zur Weisung Nr 21).  Am 26 März 1941 zur Durchführung besonderer sicherheitspolizeilicher Aufgaben außerhalb der Truppe – Oberkommando des Heeres die den Einsatz von Sonderkommandos der Sicherheitspolizei im Operationsgebiet regelte. In den nächsten Wochen und Monaten sollten unzählige weitere Erlässe und Befehle die Zuständigkeiten regeln. Am 21 Mai erließ Himmler einen Tagesbefehl Nr 114/41 g. Kdos. Betr Sonderauftrag des Führers – (siehe unten)

 Durchführung besonderer sicherheitspolizeilicher Aufgaben [Dok.NOKW-2079]

[Handschriftlicher Vermerk:]
Original beim KTB in Berlin abgeben

Der Reichsführer SS                                                              Berlin, den 21 Mai 1941
Tgb. Nr 114/41 g. Kdos.                                                         40 Nebenabdrucke
.                                                                                               38 Nebenabdruck
.                                                                                               11 Ausfertigungen
.                                                                                               Pr.Nr.10

Betr.: Sonderaufgaben des Führers.

Im Einvernehmen mit dem Oberbefehlshaber des Heeres habe ich zur Durchführung der mir vom Führer gegebenen Sonderbefehle für das Gebiet der politischen Verwaltung Höhere SS- und Polizeiführer vorgesehen.
Für die Dauer des Einsatzes der Höh. SS- und Polizeiführer im rückwärtigen Heeresgebiet lege ich mit Zustimmung des Oberbefehlshabers des Heeres folgendes fest:
1.Der Höhere SS – und Polizeiführer mit Befehlsstab wird dem Befehlshaber des jeweiligen rückwärtigen Heeresgebietes hinsichtlich Marsch, Versorgung und Unterbringung unterstellt. Dem Höheren SS und Polizeiführer sind zur Durchführung der ihm von mir unmittelbar gegebenen Aufgaben SS- und Polizeitruppen und Einsatzkräfte der Sicherheitspolizei unterstellt. Der Höhere SS und Polizeiführer unterrichtet den Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes jeweils über die ihm von mir gegebenen Aufgaben. Der Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes ist berechtigt, dem Höheren SS- Polizeiführer Weisungen zu geben, die zur Vermeidung von Störungen der Operationen und Aufgaben des Heeres erforderlich sind. Sie gehen allen übrigen Weisungen vor.
2.Die eingesetzten SS- und Polizeikräfte sind dem Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes hinsichtlich Marsch, Versorgung und Unterbringung unterstellt. Alle gerichtlichen und disziplinarischen Angelegenheiten werden in eigener Zuständigkeit erledigt. Soweit zur Befehls- und Nachrichtenübermittlung das eigene Funk- und Nachrichtengerät der SS- und Polizeitruppen nicht ausreicht, stellt der Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes, soweit dienst- lich möglich, die entsprechenden Nachrichtenmittel des Heeres zur Verfügung.
3.Die Aufgaben die unter den Höheren SS und Polizeiführern eingesetzten SS- und Polizeikräfte im rückwärtigen Heeresgebiet sind.
a) Bezüglich der Sicherheitspolizei (SD):
Die Aufgaben der Einsatzgruppen und Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei (SD) sind durch das Schreiben des OKH vom 26.3.41 bereits festgelegt.
b)Bezüglich der Ordnungspolizei:
Die eingesetzten Truppen der Ordnungspolizei, mit Ausnahme der den Kommandeuren der Sicherheitsdivisionen taktisch unterstellten 9 motorisierten Polizei-Batle., erfüllten ihre Aufgaben nach meinen grundlegenden Weisungen.
Soweit die Erfüllung dieser Aufgaben es zulässt, kann der Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes die Truppen der Ordnungspolizei im Einvernehmen mit dem Höheren SS-und Polizeiführer zu militärischen Aufgaben einsetzen.
4. Die Truppen der Waffen – SS haben im Allgemeinen ähnliche Aufgaben wie die Truppen der Ordnungspolizei und Sonderaufgaben, die sie jeweils von mir erhalten.
5. Der Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes verfügt über alle SS- und Polizeitruppen bei einem dringenden Kampfeinsatz in eigener Befehlszuständigkeit.

F.d.R.                                                                                 Der Reichsführer SS
Gez.Unterschrift                                                              gez. H. Himmler
SS-Hauptsturmführer                                                     F.d.R.d.A.
.                                                                                          gez. Unterschrift
.                                                                                          Hptm.

DER KOMMISSARBEFEHL – [Dok.NOKW 1076]

Oberkommando der Wehrmacht F.H.Qu., den 6.6.1941
WFST/Abt. L. (IV/Qu) [Stempel:] Chef-Sache!
Nr. 44822/41 g.K.Chefs. Nur durch Offizier!

Im Nachgang zum Führererlaß vom 14.5. über die Ausübung der
Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“ (OKW/WFst/Abt.
L IV/Qu Nr. 44718/41 g.Kdos.Chefs.) werden anliegend ‚Richtlinien
für die Behandlung politischer Kommissare‘ übersandt.
Es wird gebeten, die Verteilung nur bis zu den Oberbefehlshabern
der Armeen bzw. Luftflottenchefs vorzunehmen und die weitere
Bekanntgabe an die Befehlshaber und Kommandeure mündlich erfolgen
zu lassen.

Der Chef des Oberkommandos
der Wehrmacht
I.A.
gez. Warlimont
Anlage zu OKW/WFSt/Abt. LIV/Qu Nr. 44822 g.k.Chefs.

Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare.

Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Verhalten des Feindes
nach den Grundsätzen der Menschlichkeit oder des Völkerrechts nicht
zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller
Art als den eigentlichen Trägern des Widerstandes eine haßerfüllte,
grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefangenen zu erwarten.

Die Truppe muß sich bewußt sein:

1. In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen
Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene
Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete.
2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen
Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller
Schärfe vorgegangen werden.

Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich
sofort mit der Waffe zu erledigen.

Im übrigen gelten folgende Bestimmungen:

I. Operationsgebiet
1. Politische Kommissare, die sich gegen unsere Truppe wenden, sind
entsprechend dem ‚Erlaß über die Ausübung der Gerichtsbarkeit im
Gebiet Barbarossa‘ zu behandeln. Dies gilt für Kommissare jeder Art
und Stellung, auch wenn sie nur des Widerstandes, der Sabotage oder
der Anstiftung hierzu verdächtig sind.
Auf die ‚Richtlinien über das Verhalten der Truppe in Rußland‘
wird verwiesen.
2. Politische Kommissare als Organe der feindlichen Truppe
sind kenntlich an besonderen Abzeichen – roter Stern mit golden
eingewebtem Hammer und Sichel auf den Ärmeln – (Einzelheiten siehe
‚Die Kriegswehrmacht der UdSSR‘, OKH/Gen. StdH. O. Qu IV Abt. Fremde
Heere Ost [II] Nr. 100/41 g. vom 15.1.1941 unter Anlage 9d.). Sie
sind aus den Kriegsgefangenen sofort, d.h. noch auf dem
Gefechtsfelde, abzusondern. Dies ist notwendig, um ihnen jede
Einflußmöglichkeit auf die gefangenen Soldaten abzunehmen. Diese
Kommissare werden nicht als Soldaten anerkannt; der für die
Kriegsgefangenen völkerrechtlich geltende Schutz findet auf sie
keine Anwendung. Sie sind nach durchgeführter Absonderung zu
erledigen.
3. Politische Kommissare, die sich keiner feindlichen
Handlung schuldig machen oder einer solchen verdächtig sind,
werden zunächst unbehelligt bleiben. Erst bei der weiteren
Durchdringung des Landes wird es möglich sein, zu entscheiden, ob
verbliebene Funktionäre an Ort und Stelle belassen werden können
oder an die Sonderkommandos abzugeben sind. Es ist anzustreben, daß
diese selbst die Überprüfung vornehmen.
Bei der Berurteilung der Frage, ob „schuldig oder nicht schuldig“,
hat grundsätzlich der persönliche Eindruck von der Gesinnung und
Haltung des Kommissars höher zu gelten, als der vielleicht nicht
zu beweisende Tatbestand.
4. In den Fällen 1. und 2. ist eine kurze Meldung (Meldezettel) über
den Vorfall zu richten:
a) von den einer Division unterstellten Truppen an die Division
(I c),
b) von den Truppen, die einem Korps-, Armeeober- oder
Heeresgruppenkommando oder einer Panzertruppe unmittelbar
unterstellt sind, an das Korps- usw. Kommando (I c).
5. Alle oben genannten Maßnahmen dürfen die Durchführung der Operationen
nicht aufhalten. Planmäßige Such- und Säuberungsaktionen durch die
Kampftruppe haben daher zu unterbleiben.

II. Im rückwärtigen Heeresgebiet
Kommissare, die im rückwärtigen Heeresgebiet wegen zweifelhaften
Verhaltens ergriffen werden, sind an die Einsatzgruppe bzw.
Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei (SD) abzugeben.

III. Beschränkung der Kriegs- und Standgerichte
Die Kriegsgerichte und die Standgerichte der Regiments- usw.
Kommandeure dürfen mit der Durchführung der Maßnahmen nach
I und II nicht betraut werden.

OKH-Verteiler:
Abschnittsstab Schlesien 1. Ausfertigung
Heeresgruppe B 2. Ausfertigung
Abschnittsstab Ostpreußen 3. Ausfertigung
AOK 18 4. Ausfertigung
Unterabschnitt Ostpreußen I 5. Ausfertigung
Festungsstab Blaurock 6. Ausfertigung
AOK 4 7. Ausfertigung
Abschnittsstab Staufen 8. Ausfertigung
Arbeitsstab Gotzmann 9. Ausfertigung
AOK 11 10. Ausfertigung
AOK 2 11. Ausfertigung
Oberbaugruppe Süd 12. Ausfertigung
Festungsstab 49 13. Ausfertigung
Festungsstab Wagener 14. Ausfertigung
Panzergruppe 4 15. Ausfertigung
AOK Norwegen 16. Ausfertigung
OKH/Adj. Ob. d. H. 17. Ausfertigung
OKH/Adj. GenSt. d. H. 18. Ausfertigung
OKH/Abt. Fremde Heere Ost 19. Ausfertigung
OKH/Dp. Abt. (ohne OKW.-Erlaß) 20. Ausfertigung
OKH/Gen. Qu. (ohne OKW.-Erlaß) 21. Ausfertigung
Vorrat 22.-30. Ausfertigung

QUELLEN:

6. JUNI

Durchführung besonderer sicherheitspolizeilicher Aufgaben [Dok.NOKW-2079] zitiert aus Anatomie des SS Staates hans Buchheim Martin Broszat Hans Adolf Jacobsen Helmut Krausnick S496/497

DER KOMMISSARSBEFEHL – [Dok.NOKW 1076] entnahmen wir NS Archiv.de vgl.Anatomie des SS Staates – S501/502/503

Es sind zu dieser Zeit seit März 41 viele Erlässe und Weisungen für den Fall “Barbarossa” ergangen. Der “Kommissarsbefehl” ist in seinem Wesen eine Erweiterung der Befehle Hitlers Weisungen vom 14.5.1941. Die Bezeichnung dieses Dokumentes dass auch im Nürnberger Prozess eine massgebliche Rolle spielte ist Dok.NOKW 1076- Vollständige Auszüge der Weisungen und auch dieser findet man in Anatomie des SS Staates Seite 500/501/502/503. Die Weisung des 13 Mai ist ebenfalls aus ANATOMIE DES SS STAATES S229/230 zitiert nach H.A Jacobsen 1939-1949. Der zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten 5.Auflage, Darmstadt 1961 S572 wie auch der 14 Mai 1941 aus ANATOMIE DES SS STAATES S488-489 stammt. Es handelt sich hierbei um das Dokument 5a “Behandlung feindlicher Landeseinwohner” Geheime Kommandosache an die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen A,B,C usw. weitere Angaben zur Quelle finden sich leider sonst nicht, es ist aber möglich dass sich eine Kopie dieser Weisung im Institut für Zeitgeschichte München befindet.

1941 Einsatzgruppen – Ausreiseverbot jüdischer Menschen Frankreich Belgien

20 MAI – BEFEHL GÖRINGS

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Hermann Göring –

Am Tag der Invasion deutscher Fallschirmspringereinheiten in Kreta befiehlt Göring das Ausreiseverbot der Juden aus Frankreich und Belgien in Hinblick einer zu erwartenden “Endlösung.” Weiters ergeht am selben Tag eine Weisung des Reichssicherheitshauptamtes in der eine unmittelbar zu erwartende Lösung der Judenfrage erwähnt wird .”

23 MAI

Das Informations -Bulletin des polnisch, jüdischen Widerstands, stellt in seinem Leitartikel die Zustände im Ghetto Lodz in den Mittelpunkt:

“Die zunehmende Überfüllung hat zu Gesundheitsschäden, Hunger und monströser Armut geführt das jeder Beschreibung spottet. Gruppen von bleichen und ausgemergelten Menschen wandern ziellos durch die Überfüllten Straßen. Bettler sitzen und liegen an den Mauern, und häufig sieht man Menschen, die vor Hunger zusammenbrechen. Das Asyl für verlassene Kinder nimmt täglich ein Dutzend Säuglinge auf, Tag für Tag sterben mehr Menschen auf den Straßen. Infektions – krankheiten, insbesondere Tuberkulose, breiten sich aus. Währenddessen fahren die Deutschen fort, die reichen Juden auszuplündern. Die Art, wie sie den Juden behandeln, ist immer äußerst unmenschlich. Sie quälen sie und treiben sie ständig ihren zügellosen und bestialischen Spaß mit ihnen .”

Vor dem Angriff auf die Sowjets bildete Himmler am 26 Mai 41 eine Armee aus Verbänden der Waffen SS die nur seinem Befehl, nicht der Wehrmacht unterstellt
war, mit ungefähr 25 000 Mann, mit den Befehl Juden Bolschewisten Partisanen Zigeuner zu vernichten. Er formulierte es im Juni 41 so

“Wir werden nämlich nicht darum herumkommen, etwa drei Millionen Parteifunktionäre zu liquidieren.”

Aus einem Bericht SS Brigadeführer Stahleckers “…die sicherheitspolitische Säuberungsarbeit gemäß den grundsätzlichen Befehlen eine möglichst umfassende Beseitigung der Juden zum Ziel hatte”

Der Kommandeur des Einsatzkommandos in Lettland Lange meinte “eine radikale Lösung des Judenproblems durch die Exekution aller Juden.”

SS Obersturmbannführer Walter Blume des Sonderkommandos 7A sagte nach dem Krieg aus:

“[…] Während der Aufstellung der Einsatzgruppen und – Kommandos in den Monaten Mai
/Juni 1941 war ich in Düben anwesend. Im Laufe des Monats Juni hielten Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, und Areckenbach, Amtschef I des RSHA,  Vorträge über die Aufgaben der Einsatzgruppen und Kommandos. Zu dieser Zeit wurden wir bereits über die Aufgaben der Judenvernichtung unterrichtet. Es wurde ausgeführt, dass das Ostjudentum das intellektuelle Reservoir des Bolschewismus sei und deshalb, nach Ansicht des Führers, vernichtet werden muss. Diese Rede wurde im kleinem Kreise gehalten. Obwohl ich mich an die einzelnen Hörer nicht erinnern kann, nehme ich an, daß viele Einsatzgruppenchefs und die Chefs der Einsatz- und Sonderkommandos  anwesend waren. Ich hörte eine weitere Rede Heydrichs im Prinz – Albrecht – Palais in Berlin, wo er nochmals diese Punkte unterstrich [….]”

Quellen:

23 MAI
SAUL FRIEDLÄNDER JAHRE DER VERNICHTUNG S173 bzw S668 aus WADISLAV BARTOSZEVSKY THE MARTYRDOM AND STRUGGLE OF THE JEWS IN WARSAW UNDER GERMAN OCCUPATION
1939-1943 IN A RHE JEWS IN WARSHOW A HISTORY hrsg VON WADISLAW T BARTOSZEFSKI UND ANTONY POLONSKY OXFORD 1991 S314

26 Mai
Die Zitate stammen aus Heinrich Himmler Biography Dr Anton Neumayr S155 Die Aussage Blumes stammt aus LONGERICH PETER DIE ERMORDUNG DER
EUROPÄISCHEN JUDEN S113 siehe auch Saul Friedländer- Jahre der Vernichtung –

AUSSAGE Walter Blume:

zitiert aus Peter Longerich die Ermordung der europäischen Juden S113/114 aus  Affidavit  des Führers des Sonderkommandos 7a ifz NO-4145 (Kopie) John Mendelsohn (hg.) The Holocaust, Selected Documents  New York 1982 Band 10, S156-158 (Faks)

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1941 „ENDLÖSUNG“ Der Anfang – Feldzug Barbarossa

 

 

 

FELDZUG BARBAROSSA – VERNICHTUNGSKRIEG IM OSTEN

Die Vorbereitungen für den Feldzug Barbarossa sind abgeschlossen. Nach den Verzögerungen durch militärische Interventionen auf dem Balkan und in Griechenland, sieht sich das Deutsche Reich nun seiner grössten Herausforderung gegenüber. Der Lebensraum Ost steht als Ziel für das grosse wirtschaftliche Aufbauprogramm der Nationalsozialisten. Neben den überdimensionierten wirtschaftlichen Vorstellungen,  steht jedoch gleich von Anbeginn der rassische oder “ethnische” Weltanschauungskrieg im Mittelpunkt des Eroberungsfeldzuges. Szenen wie in Polen will man weitgehenstverhindern. Von Anbeginn des Feldzuges will man die “rassischen Problemfelder” ausmerzen. Himmlers Einsatzgruppen werden den rassischen Krieg hinter den Frontlinien der Wehrmacht mit aller härte beginnen. Das Ostjudentum sieht man nicht nur als Wurzel des europäischen Judentums,  sondern auch als politische und kulturelle besondere Gefahr. Neben den rassischen Vorurteilen bestimmt vorallem die Angst vor dem Bolschewismus das Denken der Nationalsozialisten. “Der Jude sei der Träger des Bolschewismus und daher auszumerzen” lautet die offizielle Begründung für den nun startenden Massenmord. Kurz nach Einmarsch der Deutschen Truppen in Russland, beginnt man unter dem Deckmantel angestifteter lokaler Pogrome den Massenmord an den jüdischen Menschen. Hierbei nutzt man gekonnt den Zorn und die Ohnmacht jener Bevölkerungsteile die unter sowjetischer Herrschaft um ihr Leben fürchteten. Nationalistische Strömungen werden von den Nazis forciert, und vorallem zu Pogromen annimiert. Es ist eine riesige Enteignungs und Mordaktion einheimischer Bevölkerungsteile unter dem Schutz deutscher Besatzungstruppen. Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes sah diese Pogrome als ersten Schritt zur Lösung der rassischen Probleme des Ostens unter dem Schlagwort “Selbstreinigungskräfte” forcierte man alle antesemitischen und nationalistischen aber auch kriminellen Kräfte der neu besetzten Gebiete. Die jüdischen Menschen galten somit als “vogelfrei” und waren von jedem angreifbar. Das Morden breitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Osten aus. Dieser erste Schritt im Vernichtungsfeldzug, enthüllte sich als Vorstufe zu jenen Massenmord den man ab Mitte des Sommers einleiten sollte. Nach den ersten antijüdischen Mordkampanien beginnen sich die Einsatzgruppen  um “sicherheitspolizeiliche Aufgaben” hinter den Fronten zu kümmern. Wie schon in Polen versucht man die intellektuelle politische Intelligenz “auszuschalten” und zu ermorden während man die jüdischen Menschen in gezielten Massenexikutionen beseitigt. Im August beginnt man auch Frauen und Kinder in die Massenexikutionen mit einzubeziehen. Himmler wird sich 1943 damit rechtfertigen dass “keine Rächer” großgezogen werden sollten. Doch die Massenexikutionen bei denen oft zehntausende Menschen auf einmal getötet wurden, sind eine schwere Belastung für die Truppen der Einsatzkommandos. Seelische Probleme heftiger Alkoholmissbrauch, und eine Art Verrohung stellen sich bald bei den Mannschaften ein. Viele Männer seien fertig fürs Leben nach solch einer Aktion wird Himmler zu hören bekommen. Die Ermordung des Ostjudentums ist jedoch beschlossene Sache, der zukünftige Nachzug jüdischer Menschen nach Europa  musste “unterbunden” werden,  deshalb wird man eine neue Methode vorerst “versuchsweise” einführen. Tod durch Gas ist die Antwort Himmlers auf die Problemstellungen der Massenexikutionen im Osten. Das Programm der Euthanasie welches im August auf öffentlichen Druck “eingestellt” wurde, birgt jene Spezialisten die ab Herbst neue Versuchsreihen im Ostgebiet durchführen, den Völker- mord durch Gas. Damit sieht Himmler einige seiner Problemfelder gelöst. Ein “sauberer” Tod durch einschlafen oder ersticken, als Ersatz für verwilderte Massenexekutionen.

“WEG ZUR ENDLÖSUNG “

Anfang Mai beginnt man im Reich auf eine Endlösung der Judenfrage hinzuarbeiten, wie man aus diversen Dokumenten ableiten kann. Endlösung das Synonym welches wir heute als Begriff der totalen Vernichtung des Judentums auf europäischen Gebiet kennen.Doch verbirgt sich hinter diesem Begriff den Zeitverhältnissen entsprechend nicht immer die gleiche Lösungsmöglichkeit. Auf Grund der Indizienbeweise die man heute besitzt ist es schwer zu sagen was hier zu Beginn des Jahres 1941 als “Endlösung” begriffen worden ist. Was wir mit Sicherheit sagen können ist dass das Wort Endlösung schlussendlich die totale Vernichtung der europäischen Juden zum Ziel hatte. Hier im Mai 1941 ist die nationalsozialistische Diktatur noch fest davon überzeugt die Sowjets innerhalb weniger Wochen zu besiegen und weite Gebiete im Osten dem Deutschen Reich eingliedern zu können. Dementsprechend hätte die Endlösung hier wahrscheilich einen anderen Charakter bedeutet . Das Hitler gleich zu Beginn des Ostfeldzuges die Tötung des Ostjudentums befahl, ist aus seinem rassischen und politschen Selbstverständnis abzuleiten. Das Mitteleuropäische und europäische Judentum hingegen, dass für die Nazis zwar rassisch eine Gefahr darstellte jedoch kulturell näherstand, hätte womöglich einen Ort in den weiten Russlands zur Ansiedlung bekommen. Dass es diese Pläne gab wissen wir heute definitiv wie sie ausgesehen hätten nicht. Deshalb ist es schwierig mit heutigen Beweismitteln genau zu definieren wann das Wort Endlösung jenen Charakter bekam den es schlussendlich annahm, nämlich die totale Vernichtung durch Massenmord. Auch die Aussagen die nach dem Krieg getätigt wurden sind in diesem Punkt widersprüchlich . Die Methode Gas war nicht Ausdruck der Endlösung, sondern sie entwicklete sich aus unterschiedlichen Gründen zur gängigen Praxis. Hitlers Wunsch ist es die Juden Mitteleuropas zu entfernen, doch noch hütet er sich aus außenpolitischen Gründen zu radikal vorzugehen. Ende des Sommers ist sein Wunsch klar, nach der Atlantikcharta ist der amerikanische Eintritt in den Krieg wahrscheinlich. Hier scheinen Hitlers radikalsten Vorstellungen konkret zu werden, obgleich er anscheinend noch immer eine Lösung der Judenfrage nach Abschluss des Ostfeldzuges betont. Jedoch beginnen im Laufe des Jahres vorallem ab Sommers  Tötungen von Häftlingen der Konzentrationslager auch durch Gas.  Sowjetische Soldaten, abgemagerte arbeitsunfähige jüdische, und andere Häftlinge werden auch in die Vernichtungsanstalten der Euthanasie deportiert und dort ermordet. Es scheinen erste “Rationalisierungsmaßnahmen” die jedoch in keinem Zusammenhang mit einem generellen Plan der Tötung ganzer Volksgruppen stehen. Jedoch erkennt man in ihnen schon jene Grundlagen die einige Monate später zur “gängigen Praxis” werden. Ab Herbst beginnt man die Grundlagen des späteren Begriffs Endlösung “auszuformen” . Mit der schwierigen Situation im Ostfeldzug treten vorallem die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in den Vordergrund. Es treffen jene zentralen Bestandteile aufeinander die sich als eigentliche Endlösungsmethode zu erkennen geben wird. –  Tod durch Arbeit und Ermordung der “arbeitsunfähigen” jüdischen Menschen. (Zu Endlösung siehe auch 1941- 3 September bis Dezember, und 1942 – 1  Jänner bis März)

1945 – 27 Jänner – Die Auflösung des Konzentrationslagers Auschwitz – Höß Erklärungen



(Bild Konzentrationslager Ebensee in Österreich nach der Befreiung).

Anfang 45 Canaris wird wegen Verschwörung verhaftet. Der ehemalige Freund
Heydrichs und Chef des militärischen Nachrichtendienstes wurde beschuldigt an der
Verschwörung und dem Attentat Stauffenbergs beteiligt gewesen sein. Die
militärische Abwehr wird aufgelöst und dem RSHA (Reichs Sicherheits Haupt Amt der SS) unterstellt.

Das Reich brennt unter den pausenlosen Bombenangriffen doch die Gestapo und die
Nazibehörden arbeiten weiter als ob das Reich gesichert die nächsten „hundert Jahre“ überdauern würde. Im Jänner erhalten die meisten der 200 Mischlinge Stuttgarts eine Aufforderung von der zuständigen Gestapostelle sich im Laufe des Montags den 12 Februar zum Arbeitseinsatz im Durchgangslager Bietigheim einzufinden. Ahnliche Aufforderungen wurden nun im ganzen Reich verschickt.

10  –  27/28 Jänner 1945

AUSCHWITZ DAS ENDE

auschwitz2

An diesem 10 Januar 1945 beginnt die rote Armee ihre letzte Winteroffensive. Die deutsche Armee hat diesem Ansturm nicht mehr viel entgegenzusetzten. Laut Überlieferung ist die sowjetische Artillerie in Auschwitz schon zu hören. Einige Tage später den 17 Januar hielt die Lagerbesatzung der SS ihren letzten Appell ab. Es sind noch etwas mehr als 67 000 Häftlinge im Lager sowie den Nebenlagern, dies ergibt diese letzte Zählung. Am 18 Jänner setzen sich etwa 60 000 Menschen aus vielen Nebenlagern in ganz Oberschlesien und anderen Gebieten des Generalgouvernement in Bewegung Richtung Westen, zu Fuß, unzureichend ausgerüstet, unterernährt, in Häftlingskleidung. Schon im Oktober 1944 hatten die ersten Evakuierungsmaßnahmen, arbeitsfähiger Häftlinge zurück ins Reich begonnen. Der Höhere SS Polizeiführer – Oberschlesien (Breslau) Obergruppenführer Heinrich Schmauser erhält am 22 Jänner den Befehl zur endgültigen Liquidation des KZ -Auschwitz -Birkenau – Monowice. Noch einmal beginnen Erschießungen. Die Sondereinheiten der SS töten etwa 700 Gefangene.  Für die Transporte in das Reich benutzen die Nazis vor allem zwei Eisenbahnknotenpunkte Gliwice (Gleiwitz etwa 50km) oder Wodzislaw (etwa 60 km entfernt).  Am 26 Jänner sprengten die letzten SS Männer  das Krematorium 5 in die Luft. Jede Spur des Massenmordes sollte verwischt werden. In Auschwitz selber waren etwa 600 – 700 Häftlinge zurückgeblieben. Schlussendlich hatte man Himmlers Befehl alle nicht transportfähigen Häftlinge zu töten nicht durchgeführt. Um den 27 Jänner erreichte die Rote Armee das Lager Auschwitz – Monowize- später das Stammlager des größten nationalsozialistischen Konzentrationslager. (Anmerkung zur Datierung im Quelltext !)

Höß vor Gericht

Höß bei seinem Prozess in Polen

Die Zahlen der Tötungen in Auschwitz sind unterdessen bis heute Grundlage allgemeiner und spezieller Spekulationen.Bis heute führt dieser Umstand auch unter Historikern immer wieder zu Diskussionen und Spekulationen. Versuche die genaue Anzahl der ermordeten Menschen zu rekonstruieren können daher nur Klarheit über die Abläufe des Vernichtungsprozesses geben, sowie Einblicke in temporäre Zyklen dieses Konzentrationslagers. Spekulationen Mutmaßungen Hochrechnungen können hier nur ein ungefähres Bild der Abläufe bzw Zahlen wiedergeben. Höß der Kommandant von Auschwitz selbst der auch als Inspekteur des Konzentrationslagerwesens Einblick in die Abläufe hatte, konnte seinerseits keine genaueren Angaben zur Massentötung geben. Seine persönlichen  Aufzeichnungen die er während seines Prozesses verfasste zeigen wie schwierig es auch den Verantwortlichen war eine genaue Zahl zu erfassen. Höß selbst war in diesem Punkt auf Zahlen anderer Dienststellen angewiesen, da die in Auschwitz ermordeten bewusst nicht registriert wurden. Höß Aussagen können daher als eine Art Richtschnur erkannt werden, der nicht nur die Gedankenwege der verantwortlichen Nationalsozialisten wieder spiegelt sondern auch die inneren strukturellen Abläufe.

Höß hierzu:

„Die Zahl der in Auschwitz zur Vernichtung eingelieferten Juden gab ich in früheren Vernehmungen mit 2,5 Millionen an. Diese Zahl stammt von Eichmann, der sie kurz vor der Einschließung Berlins, als er zum Rapport zum RFSS befohlen war, meinem Vorgesetzten, Gruppenführer Glücks gab. Eichmann, bzw sein ständiger Vertreter Günther waren die einzigen, die überhaupt Unterlagen, die Aufschluß über die Zahl der Vernichteten besaßen. Nach jeder größeren Aktion mußten in Auschwitz alle Unterlagen, die Aufschluss  über die Zahl der Vernichteten geben konnten, laut RfSS- Befehl  verbrannt werden. Als Amtschef D1 vernichtete ich persönlich alle Unterlagen, die überhaupt in meinem Amt vorhanden waren. Die anderen Ämter taten das selbe. Nach Eichmanns Aussage waren auch beim RFSS und RSHA alle Unterlagen vernichtet worden. Lediglich seine Handakte konnte noch Aufschluß geben. Es mögen durch Nachlässigkeit bei der einen oder anderen Dienstelle noch einzelne Schriftstücke, FS [Fernschreiben] oder Funksprüche  liegengeblieben sein, über die Gesamtzahlen können sie keinen Aufschluß geben. Ich wußte selbst nie die Gesamtzahl, habe auch keine Anhaltspunkte, um diese wiedergeben zu können. Es sind mir lediglich noch die Zahlen der größeren Aktionen in Erinnerung, die mir wiederholt von Eichmann oder dessen Beauftragten genannt worden waren.

Aus Oberschlesien und Generalgouvernement 250 000

Deutschland :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::100 000

Holland………………………………………………………………….95 000

Belgien:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::20 000

Frankreich……………………………………………………………………110 000

Griechenland ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::65 000

Ungarn::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::400 000

Slowakei:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::90 000

Die Zahlen der kleineren Aktionen sind mir nicht mehr in Erinnerung, sie waren im Vergleich zu obigen Zahlen unbedeutend. Ich halte die Zahl 2,5 Millionen für viel zu hoch. Die Möglichkeiten der Vernichtung hatten auch in Auschwitz ihre Grenzen. Die Zahlenangaben ehemaliger Häftlinge sind Phantasiegebilde und entbehren jeder Grundlage.“

ANM: Die Zahlen die Höß hier angibt sind revidiert, zb jene der slowakischen Juden deren Zahl heute geringer berechnet wird. Sie beruhen auf persönlichen Schätzungen Höß –

Die Deportationen die sogenannten RSHA (aus dem Reichssicherheitshauptamt) Transporte, also jene von Eichmanns Dienstelle aus der Gestapo organisierten „Judentransporte“ wurden laut Aussagen „höchstwahrscheinlich“ von der  Politischen Abteilung (Abteilung des RSHA siehe Grabner, Lachmann, Boger usw) in Auschwitz registriert, und die Zahlen laut dieser Überlieferungen direkt nach Berlin gesendet, nach Höß Aussagen auch von der Lagerleitung die an das WVHA geschickt wurden und von dort wahrscheinlich nach Oranienburg in die Inspektion der Konzentrationslager  (konnten jedoch nie gefunden werden, wurden vernichtet). Die Lagerleitung selbst, regestrierte offiziell, nur die Lagerzugänge, also nur jene die zum Arbeitseinsatz abgestellt wurden also offizielle Häftlinge wurden. Diejenigen, die gleich nach Ankunft des Zuges und nach der „Selektion“ ermordet wurden, waren offiziell nicht registriert worden. Anhand der Sammel und Deportationslisten sowie Bahndokumenten in das Lager, sowie Aussagen  konnte man jedoch ein Bild der Mordaktionen und Zahlen bestimmen. Die Zahlen der in das Lager aufgenommenen und regestrierten Menschen, eben Häftlinge, sind sehr gut und fast vollständig erhalten. Die Zahlen liegen bei etwa 400.207 Menschen. Die Deportationszahlen nach Auschwitz minus der Häftlingszahlen  ergibt also unser heutiges Bild. Die Zahl der insgesamt nach Auschwitz deportierten Menschen wird heute mit ca 1.300.000 Menschen beziffert- daher ca 900.000 nicht registrierte Häftlinge und somit die Zahlen der Selektionen und Tötungen. Aber auch diese Zahlen sind nur ein allgemeiner Grundriss, da das Konzentrationslagerwesen auf Grund der hohen Sterblichkeit grundsätzlich seine Zahlen manipulierte. Der bekannte NS Spezialist und  Historiker Franciszek Piper, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht die Zahlen so genau wie möglich zu rekonstruieren. Das Massensterben in Auschwitz Birkenau Monowice war jedoch so umfangreich und das Töten wurde lange Zeit sehr willkürlich betrieben, dass auch diese Zahlen wohl nie ganz genau rekonstruiert werden können. Doch Zahlen so wichtig diese wirken,  berichten kein Schicksal und vermitteln uns wenig von der eigentlichen Substanz dieses Geschehens (sie jedoch allein durch die Rekonstruktion innere Zusammenhänge darlegen) – Das Einzelschicksal vermittelt uns jenen Überblick in dieser Geschichte der mehr sagt als Zahlenkolonnen.

Der Wiener Hermann Langbein der als Schreiber des obersten Standortarztes eingestzt war, hatte von seiner Ankunft ab 1942 bis 1944 Prozent Zahlen festgehalten und diese mit Hilfe einer  SS- Krankenschwester Maria Stromberger, aus dem Lager schmuggeln lassen. Sie zeigen ein Bild der Todeszahlen innerhalb des Lagers, die Abgänge in sehr allgemeinen Zahlen. Hier liegt die Geschichte und jene Einzelschicksale, nach denen wir suchen, um zu verstehen wie dieses Auschwitz und das Leben darin funktionierte. (Hermann Langbein Tondokument anhören – Dies war Auschwitz )

zu Zahlen und den historischen Vorgang der Berechnungen lesen siehe Shoaportal Archiv Danuta Czech

QUELLEN:

1) CANARIS GOEBBELS TAGEBÜCHER TEIL II BD 8 S288 zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung  S573.

2) zu Schmauserbefehl siehe 22 Jänner AUSCHWITZ S 352/2 Befreiung und Vergeltung zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung.

3) zu Datumsangaben, Zahlen, Todesmärsche, Auschwitzbefreiung, siehe Neue Studien zu Nationalsozialistischen Massentötungen Durch Giftgas – Historische Bedutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung – Herausgegeben von Günter Morsch und Bertrand Perz unter Mitarbeit von Astrid Ley. S216 (Autor Robert Jan van Pelt)

 Im Frankfurter Auschwitz Prozess war der ermittelte Ausgangspunkt folgender – Am 27 sowie den 28 Jänner, hatten die letzten SS Männer und Lagerpersonal als auch Häftlinge das Stammlager verlassen –  (die letzten Transporte).

4) Höß Aussagen zu den Zahlen siehe Kommandant in Auschwitz Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß Herausgegeben von Martin Broszat – S251/252

5) zu Langbein siehe Frankfurter Auschwitz Prozess 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess »Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63 Landgericht Frankfurt am Main 24. Verhandlungstag, 6.3.1964 Vernehmung des Zeugen Hermann Langbein – Im Netz zu finden unter Auschwitz.de – Strafsache gegen Mulka u.a.« ( Fritz Bauer Institut ) – empfohlen dortige Audiodatei Mail Adresse im Impressum hier auf Shoaportal – wählen sie Impressum – Bibliographie –

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1944 Juni/Juli – Das Attentat auf Hitler, Kowno, Auschwitz

Charlotte Delbo Verhaftung

Charlotte Delbo Verhaftung

Juni/Juli

Die Türen waren hermetisch geschlossen, Luft kam durch ein kleines Viereck von
einem Fenster. Es kann sein, daß es am anderen Ende des Waggons ein zweites
solches Fenster gab, aber dort war Gepäck angehäuft… In Wirklichkeit konnte
nur einer da [an diesem kleinen Viereck] stehen, und der hat seinen Platz nicht so
leicht aufgegeben und war von vornherein einer mit Ellbogen. Der Waggon war
einfach zu voll…. Bald stank der Waggon nach Urin und Kot. …Die Waggons. und die
Temperatur drinnen stieg. Panik,  Ausdünstung der Körper,  die es nicht mehr
aushielten in der Hitze.”   CHALOTTE DELBO

” In Fünferreihen schlagen sie die Straße der Ankunft ein. Es ist die Straße der
Abfahrt, sie wissen es nicht. Das ist die Straße, die man nur einmal geht . Sie
gehen in guter Ordnung man soll ihnen nichts vorwerfen können. Sie kommen zu
einem Haus und seufzen. Endlich sind sie angekommen, und als die Frauen
angeschrien werden, sie sollen sich ausziehen, ziehen sie zuerst die Kinder
aus, und geben acht, dass sie sienicht ganz wach machen. Nach der tage – und
nächtelangen Reise sind sie gereizt und quengelig. … Und sie fangen an, sich
vor den Kindern auszuziehen, nun anders geht es nicht und als jede ein Handtuch
bekommt, machen sie sich Gedanken, ob die Dusche auch warm sein wird, denn
die Kinder können sich erkälten, und als die Männer ebenfalls nackt, aus einer
anderen Tür in den Duschraum treten, halten die Frauen die Kinder vor sich und
vielleicht verstehen jetzt alle .”  CHALOTTE DELBO

JULI 1944

Die sowjetischen Truppen nähern sich der Grenze Litauens. In den baltischen Staaten sind noch rund 33 000 Juden am Leben. Die Ghettos Kowno und Schauen wurden von Himmler nicht ganz liquidiert. Am 14 /15 Juli beginnen die Deutschen das Ghetto Kowno endgültig zu räumen. Ungefähr 2000 Menschen werden sofort liquidiert 6000-9000 nach Deutschland deportiert. Aus dem Ghetto Schauen ergehen weiters Transporte mit etwa 8000 Juden in das Konzentrationslager Stutthof.

20 JULI 1944

Es gab im Laufe der Zeit viele Anschläge auf Hitler (insgesamt schätzt man sie auf 40 !) doch scheiterten die meisten an technischen Versagen oder Hitler hatte unglaubliches Glück. Das berühmteste und das einflussreichste in der Geschichtsschreibung der heutigen Zeit, ist wohl jenes vom 20 Juli 44 nicht nur weil Hitler durch unglaubliches Glück und auch durch Schlamperei Stauffenbergs das Attentat überlebte, sondern weil dieses Attentat auf Hitler selbst, auch wenn er es nicht zugeben wollte einen verheerenden Eindruck machte und ihm körperlich und psychisch schwer zusetzte. Schon lange hatte die Wehrmacht Pläne Hitler zu beseitigen die seit 1938 immer wieder aufgeschoben wurden. Nun im Jahr 1944 im angesicht der unabwendbaren Niederlage des Reiches, versuchte ein mutiger Kreis höherer Führer der nationalsozialistischen Diktatur den Führer zu beseitigen um diesen  “unehrenhaften Krieg” der Millionen Menschen das Leben kostete zu beenden. Hitlers “Leibfotograf” und einer seiner  Vertrauten erinnert sich:

Heinrich Hoffmann Hitlers Vertrauter und Begleiter 1935

“Das Ereignis das Hitler nach meinen Beobachtungen am meisten in selber ganzen Grundhaltung angriff, war das Attentat vom 20.Juli 1944. Nach diesem Ereignis musste er erkennen, dass es in Deutschland Menschen gab die entschlossen waren,  aktiv Widerstand zu leisten. Am härtesten muss Hitler die Erkenntnis getroffen haben, dass es entschlossene Kreise gab, die nicht seiner Unfehlbarkeit überzeugt waren, die das bekannte Wort – Der Führer hat immer Recht – nicht einfach nachbeteten, kurz, dass das Volk nicht mehr – geschlossen hinter ihm stand – …..Er machte einen völlig veränderten Eindruck, der mich bestürzte. Seine Linke Hand zitterte und seine Augen flackerten unruhig. Es gab keine zusammenhängende Unterhaltung mit ihm Hitler sprang von einem Gesprächsthema zum anderen als könnte er sich auf nichts konzentrieren. Zweifellos war er von diesem Tage an ein andere Mensch geworden. Ich, der ich ihn in all den vergangenen Jahren so gut kennengelernt hatte, bemerkte diese Veränderung besonders stark…..”

Im September erleidet Hitler schwere Anfälle von Magen und Darmschmerzen. Es wird Bettruhe verordnet doch es tritt keine Besserung seines Leidens ein. Sein Leibarzt Dr. Morell diagnostiziert eine Rückstauung der Galle, durch einen seelisch bedingten Krampfzustand des Gallenblasenausführungsganges. Anfang Oktober konnte Hitler seine Arbeit wieder aufnehmen.

In den Gerüchten und Meinungen die gleich nach dem Attentat aufkommen,  ist es vollkommen klar, wem man diese Verschwörung zu verdanken hat. Angesichts der Umstände werden sofort das Internationale Judentum und die Freimauerer in den Bann dieser Verschwörung gezogen. Unteroffizier Emil von Lederer schreibt in einem Brief “Wir sind der festen Überzeugung, daß die Schäden, die uns die verfluchten Verräter zugefügt haben, bald behoben sein werden, und dann ist das schwerste überstanden, und es geht dann aber mit Volldampf dem Siege entgegen. Siehst du, wie uns diese Schweine um alles im letzten Augenblick bringen wollten. Wir wissen, daß diese Gauner alle Freimaurer und somit dem Internationalen Judentum zugetan oder besser gesagt hörig sind. Schade, daß ich bei der Aktion gegen diese Schurken nicht dabei sein konnte .Das wäre eine Freude gewesen, wie es aus meiner Maschinenpistole geraucht hätte….”

25 JULI

Göbbels wird zum Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz ernannt.

30 JULI

Geheimer Führererlass, die weitere Verfolgung bzw Fahndung nach feindseligen „Einheimischen“ in den besetzten Gebieten soll eingestellt werden, stattdessen sollten Terroristen und Einheimische auf frischer Tat ertappt sofort an Ort und stelle niedergekämpft werden. Wer später ergriffen werde sei an die Sipo oder den SD zu übergeben. Ein Freibrief der Himmlers Schergen, das Morden erleichterte. Was nun folgte war, dass man weite Teile der Ostgebiete als auch das Generalgouvernement zum „Bandenbekämpfungsgebiet“ erklärte also den Ausnahmezustand verhängte. Es kam zu umfassenden Deportationen und Erschießungen – siehe hier z.b. Aktion Werwolf oder Aktion Erntefest sowie Tote Zonen der Partisanenkrieg in der Ukraine auf Shoaportal.

Quellen:

DELBO Charlotte sie war eine französische Kommunistin  in Auschwitz und schrieb einige Bücher über den Alltag im Lagerleben zeichnete Bilder und schrieb Gedichte – zitiert habe ich sie aus ERZÄHLT ES EUREN KINDERN –

20 JULI
DAS HITLER BILD DIE ERINNERUNG DES FOTOGRAFEN HEINRICH HOFFMANN VON JOE HEYDECKER RESIDENZ VERLAG S193/94

zu Emil von Lederer siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S664 WALTER MANOSCHEK ES GIBT NUR EINES FÜR DAS JUDENTUM VERNICHTUNG – DAS JUDENBILD IN DEUTSCHEN SOLDATENBRIEFEN 1939-1944 HAMBURG 1997 S73

30 JULI

Longerich Heinrich Himmler Biografie S726 DOK.D-762 (nebst Keitels Durchführungserlässe vom 18 August in IMT. Bd.35 S503ff)

 

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1944 Mai Hitler- Himmler- Höß – Auschwitz

5 Mai

Im Rahmen der weltanschaulichen Erziehung die Hitler zur Stärkung des Idealismus der Wehrmacht vorgeschlagen hatte hielt Himmler Reden in einer vor höheren Offizieren der Wehrmacht:

„Die Judenfrage ist in Deutschland und im allgemeinen in den von Deutschland besetzten Ländern gelöst. Sie wurde entsprechend des Lebenskampf unseres Volkes, der um die Existenz unseres Blutes geht, kompromisslos gelöst …sie mögen mir nachfühlen, wie schwer die Erfüllung dieses mir gegebenen soldatischen Befehls war, den ich befolgt und durchgeführt habe aus gehorsam und vollster Überzeugung … In dieser Auseinandersetzung mit Asien müssen wir uns daran gewöhnen, die Spielregeln und die uns liebgewonnenen und uns viel näher liegenden Sitten vergangener europäischer Kriege zur Vergessenheit zu verdammen. Wir sind m.E auch als Deutsche bei allen so tief aus unserer aller Herzen kommenden Gemütsregungen nicht berechtigt, die hasserfüllten Rächer groß werden zu lassen, damit dann unsere Kinder und Enkel sich mit denen auseinandersetzen müssen, weil wir, die Väter oder Großväter, zu schwach und zu feige waren und ihnen daß überließen .“

8/9 Mai –  AUSCHWITZ

Höß etwa um 1944 er kam im Mai 1944 nach Auschwitz zurück – doch  nicht mehr als Kommandant sondern als „Standortältester“  den Kommandanten der Einzellager Auschwitz I – Birkenau II und Monowice III übergeordnet. Im November 1943 hatte man die Verwaltung des Lager in Abschnitte geteilt, dezentralisiert.

Höß kehrt nach Auschwitz zurück. Nachdem er Mitte 43 von Himmler gegen Bormanns Einspruch in den „Innendienst“ des Konzentrationslagerwesens (Korruptionsvorwürfe siehe Quelltext hierzu) versetzt wurde, kehrt Höß nun 1944 in seinen alten Posten als Vater und Organisator dieser Vernichtungsmaschinerie zurück. Liebehenschel der nach Höß Kommandant des Stammlagers wurde konnte sich aufgrund „fehlender Praxis“ und wie man ihm vorwarf mangels „Härte“ auf diesem Posten nicht behaupten. Für die große Aufgabe der „ungarischen Juden“ setzte man wieder auf den einsatzfähigen Höß, dessen Erfahrungen in der größten Vernichtungsmaschinerie unabkömmlich schien. Als Höß in das Lager kam  dessen erster Kommandant er gewesen war, stand ihm schon der neue Schienenstrang zur Verfügung der das Lager mit der Hauptstrecke etwa 2 km entfernt verband. Die Züge konnten nun direkt in das Lager zu der neu errichteten Rampe etwa 100 Meter von Krematorium 2 und 3 einfahren. Höß begriff sofort, welche Konsequenzen solch umfangreiche Deportationen für das Lager bedeuteten. Er befahl Sanierungsarbeiten an dem Schornstein des Krematoriums 5 und fünf große Gruben auszuheben in dem man zusätzlich Leichen verbrennen konnte. Höß war Aufgrund von Korruption innerhalb Auschwitz nach Oranienburg versetzt worden. Doch ist Höß in seinem Wesen eine Funktion innerhalb des Lagers dessen Pflichtgefühl über jeden „Zweifel“ an der Sache der Vernichtungsmaschinerie erhaben war. Selbst gegen seine „innersten Widerstände“ „Gefühle“ und „Moralvorstellungen“ hatte sich der Mann dieser „großen Sache“ verschrieben. Nicht die Häftlinge mussten aus seiner Sicht Leiden, sondern er und seine Mannschaft :

„Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht einmal in der Erregung über eben erlebtes meine inneren Zweifel und Bedrückungen erkennen zu lassen. Kalt und herzlos musste ich scheinen, bei Vorgängen die jedem noch menschlich empfindenden das Herz im Leibe umdrehen ließen. Ich durfte mich noch nicht einmal abwenden, wenn allzu menschliche Regungen in mir hochstiegen, musste kalt zusehen, wie die Mütter mit den lachenden oder weinenden Kindern in die Gaskammern gingen …ich wäre am liebsten vor Mitleid von der Bildfläche verschwunden -aber ich durfte nicht die geringste Rührung zeigen. Ich musste alle Vorgänge mit ansehen. Ich musste selbst bei der grausigen, unheimlich Gestank verbreitenden Ausgrabung der Massengräber und den Verbrennen stundenlang dabeistehen. Ich musste auch durch das Guckloch des Gasraumes den Tod selbst ansehen, weil die Ärzte mich darauf aufmerksam machten. Ich musste dies alles tun, weil ich derjenige war, auf den alle sahen ….“

 Dies sind die Worte eines Mannes dessen Pflichtgefühl sich über alle Maßen über die eigenen Moralvorstellungen stellte. Ja dieses Pflichtgefühl ihn nach dem Krieg zwang offen über sein „persönliches moralisches Dilemma“ zu reflektieren, um der Welt ein Bild des „Martyrers“ zu hinterlassen der persönlich alles opferte um einem Weltbild zu genügen, das selbst vor der Vernichtung ganzer Volksgruppen nicht zurückschreckte. Höß war ein williges Instrument dessen angeschlagenes Selbstwertgefühl ihn dazu brachte selbst eine Karriere und Anerkennung in der Hölle zu suchen, als ein Leben im vollkommenen Durchschnitt. Die damit einhergehenden Unterdrückung seiner „persönlichen Werte“ aufgewogen durch seine “ soldatische Tugend “ degradierten ihn zu genau diesem durchschnittlichen Charakter der er niemals sein wollte. Doch die große Anerkennung seiner persönlichen Opferbereitschaft blieb dem seelisch verkümmerten Höß vorenthalten. Wie ein Wehklagen klingen daher seine Wort, eines „Martyrers der Vernichtung“ den keiner verstehen will und kann. Der angesichts seiner persönlichen Opferbereitschaft nicht erkennen kann, dass jene Werte in deren Dienst er gestanden hatte ein Geist der unterdrückten geknechteten Seelen, eine Wahnvorstellung konstruierte in der eine absolute Minderheit Kinder, Frauen, Alte, Mütter, schwangere, behinderte Menschen als Sinnbild der eigenen Unzulänglichkeiten dienten und so ausgemerzt gehörten.

Die rund 200 Fotos die heute von den „ungarischen Juden“ in Auschwitz erhalten sind, stellen einen weiteren glücklichen Fund dar, denn natürlich war jedes Fotografieren innerhalb des Lagers Auschwitz strengstens verboten, ja es sogar die Todesstrafe darauf stand die „Geheime Reichsache“ der Vernichtung des europäischen Judentums zu verraten. Viele Soldaten insbesondere bei Massenerschießungen hielten sich nicht an dieses Verbot. Die Tatsache der Vernichtung der Juden in dieser radikalen Form, überraschte sicherlich nicht nur die radikalsten Befürworter solch einer „Endlösung“ Diese Tatsache musste festgehalten werden. So zeugen heute noch zahlreiche Fotos, aber auch Filmaufnahmen von der Tatsache des Völkermordes. Die Bilder der ungarischen Juden fand man sortiert in einem Fotoalbum, unterteilt in verschiedene Rubriken wie: „ANKUNFT EINES TRANSPORTZUGES, AUSSORTIERUNG, NOCH EINSATZFÄHIGE MÄNNER, NOCH EINSATZFÄHIGE FRAUEN, NICHT MEHR EINSATZFÄHIGE MÄNNER während dieses Foto unter der Kategorie „NICHT MEHR EINSATZFÄHIGE FRAUEN UND KINDER“ einsortiert war. Wer diese Bilder gemacht hat ist bis heute ungeklärt, jedoch stellen sie einen einzigartiges Zeugnis im Zusammenhang mit zahlreichen unabhängig getätigten Aussagen,  Reden von Naziführern, und schriftlichen Dokumenten über die „Endlösung“ der Judenfrage

Dieses Fehlen an innerer Reflexion konstruierte den bösen Feind diese unheimliche Kreatur „Judentum“ eben den äußeren Feind den man im Nationalsozialismus benötigte um einen neuen Selbstwert auf kollektiver Ebene zu konstruieren. Diese konstruierte als  „positiv“ propagierte Weltbild, konnte aber nur mit einer Negativvorstellung aufrechterhalten werden, denn jeder Geist der sich mit seiner Fehlbarkeit nicht abfinden will, der nach höheren nicht nur strebt sondern sich selbstgefällig als solchen bestimmt, benötigt eine mystische Macht die ihm „nach dem Leben trachtet“ um das eigene Scheitern (erster Weltkrieg) erklären zu können. An diesem ideologischen Weltbild hielten viele der verbrecherischten Nationalsozialisten fest auch wenn sie persönlich spürten, dass es falsch war was sie taten, konnten sie diesen Grundpfeiler des gemeinsamen „Glaubens“ nicht in Frage stellen denn es hätte den Untergang den Zerfall ihrer Wertegemeinschaft bedeutet. Höß hielt deshalb noch nach dem Krieg an seinem Weltbild fest die Konsequenz alles in Frage zu stellen was er gegen seinen innere Überzeugung getan hatte, hätte den Zusammenbruch seines Wesens bedeutet. In diesem Sinn ist es nicht verwunderlich dass sein Ressentiment wieder diesen äusseren Feind als Grundlage hat „Die Maschine ist zerschlagen , der Motor untergegangen und ich muss mit. Die Welt verlangt es .“ Da ist sie wieder die „böse Welt“, ein Jahr zuvor wäre es das Weltjudentum gewesen. Höß geht seiner Meinung nach nicht in den Tod weil er der Verantwortliche war der hunderttausende Menschen auf grausamste Art und Weise tötete,  sondern weil die Welt es so will. Höß wurde als Zeuge in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozess aussagen und nach einem zwei wöchigen Prozess in Polen am 7 April 1946 zum Tode durch den Strang verurteilt. In dem Lager wo seine Schreckensherrschaft Anfang 1940 begonnen hatte und hunderttausende Menschen unter seiner Aufsicht starben endet sein Leben am Strang.

24 MAI

Himmler noch immer auf seiner ideologischen Vortragsreise spricht auch hier wieder ganz offen über seine vermeintlich so schweren Opfer, die er erbringen musste Frauen Kinder, Alte und Schwache durch seine Truppen töten zu lassen.
„….die Judenfrage wurde… nach Befehl und verstandesmäßiger Erkenntnis kompromisslos gelöst. Ich glaube, meine Herren, dass sie mich so weit kennen, dass ich kein blutrünstiger Mensch bin und kein Mann, der an irgendetwas hartem, was er tun muss, Freude oder Spass hat. Ich habe aber andererseits so gute Nerven und ein so großes Pflichtbewusstsein – das darf ich für mich in Anspruch nehmen -, dass ich dann, wenn ich einen Sache als notwendig erkenne, sie kompromisslos durchführe ich habe mich nicht für berechtigt gehalten – das betrifft nämlich die jüdischen Frauen und Kinder – in den Kindern die Rächer groß werden zu lassen, die dann unsere Väter und Enkel umbringen. Das hätte Ich für feige gehalten. Folglich wurde die Frage kompromisslos gelöst .

26 MAI

Hitler hält in der gleichen Vortragsreihe wie Himmler eine Rede vor frisch rekrutierten Wehrmachtsoffizieren, Generälen, in Berchtesgaden. Diese Wehrmachtsoffiziere wurden seit Ende 43 „ideologisch geschult“ und sollten die kämpfenden Truppen im Sinne der nationalsozialistischen Rassevorstellungen indoktrinieren, fanatisieren (siehe 5 Mai). Hitler  ganz offen :

“ In dem ich das Judentum entfernte habe ich in Deutschland die Möglichkeit irgendeiner Kernbildung oder Keimzellenbildung beseitigt. Man kann mir natürlich sagen – Ja, hätten Sie nicht einfacher- oder nicht einfacher, denn alles andere wäre komplizierter gewesen, aber humaner lösen können? Meine Herren Offiziere, wir stehen in einem Kampf auf Leben und auf Tod. Wenn in diesem Kampf unsere Gegner siegen, würde das deutsche Volk ausgerottet werden. Der Bolschewismus würde Millionen und Millionen und Millionen unserer Intellektuellen abschlachten. Was nicht nur durch Genickschuss stürbe, würde abtransportiert. Die Kinder höherer Schichten würden wegkommen und beseitigt werden. Diese ganze Bestialität ist vom Juden organisiert worden … Erwarten Sie nichts anderes von mir, als dass ich das nationale Interesse hier rücksichtslos vertrete, und zwar so vertrete, wie ich glaube den größten Effekt und Nutzen für die Deutsche Nation herbeizuführen .“

GELD GEGEN LEBEN

Himmler der treue „Heinrich“ wie Hitler ihn auch  nannte und dessen hervorragendste Eigenschaft die bedingungslose Unterordnung unter Hitlers Befehle war, der sich seinen Aufgaben stets bewusst war und selbst intuitiv Hitlers Wünsche zu befriedigen verstand, steht hier 1944 vor einem persönlichen moralischen Zwiespalt. Himmler sieht sich aus mehreren Gründen gezwungen Verhandlungen mit den Alliierten Armeen aufzunehmen. Schon länger plante Himmler die Verhandlungen. Hierzu ließ er eigene „Aufenthaltslager“ wie z.b. Bergen Belsen errichten. Der Gedanke jüdische Menschen als Geiseln zu benutzen ist für Himmler seit der Reichskristallnacht 1938 ein reguläres Mittel, wie man auch später beim Plan Madagaskar solchen Gedanken auch außenpolitisch folgte, und man immer wieder gegen hohe Devisengelder vermögende oder berühmte jüdische Menschen den Alliierten auslieferte. Schon bei der Frage der slowakischen Juden hatte Wislyceny 1942 gegen hohe Dollarbeträge, auf weitere Deportationen aus diesem Land verzichtet, wobei man heute vermutet, dass der Deportationstop nicht auch andere Gründe hatte. Nun stand man in Verhandlungen um die letzten ungarischen Juden. Wislyceny als Bevollmächtigter Eichmanns Sonderkommando des Referates IVB4 bemühte sich in diesem Sinn um „Friedensverhandlungen“ mit den Westmächten. Die Evakuierung aus dem Osten die Flucht vor der roten Armee, die aussichtslose Situation im Westen machten den Nationalsozialisten den Mangel an Transportkapazitäten bewusst. Nach Vorauszahlungen in Dollar verlangte die SS, zuerst etwa 10 000 Lastkraftwagen. Man schickte zwei Beauftragte der Organisation VAADA eines zionistischen Hilfs und Rettungskomitees mit diesen Forderungen nach Istanbul um diese Vereinbarung mit den Alliierten abzusichern. Die Briten jedoch verhandelten nicht und verhafteten beide. In weiteren Verhandlungen die Eichmann nun selbst führte,  ende Juni 44 entschloss man sich 15 000 jüdische Menschen aus Ungarn nicht nach Auschwitz zu deportieren sondern zum Arbeitseinsatz nach Österreich zu schicken. Für Eichmann der den Befehl hatte Zwangsarbeiter nach Österreich zu verschicken, eine gelungene Finte, in der er den Anschein machte, seinen guten Willen der Vaada gegenüber zu beweisen. Die materiellen Gegenleistungen handelte der Höhere Polizeiführer der SS in Ungarn Kurt Becher aus, vorserst mit Vaada später ab August 44 mit dem American Jewish Joint Distribution in der Schweiz. Bis in den Jänner 45 kommt man in der Schweiz zu weiteren Geschäften aus. Himmler selbst führte seine eigenen Gespräche im Oktober 44 in Wien und im Januar 45 in Wildbad im Schwarzwald mit dem schweizer ehemaligen Bundespräsidenten Jean Marie Musy. Im Februar erlaubte man die Ausreise 1200 in Theresienstadt lebenden Juden in die Schweiz. Als Hitler von diesen Vereinbarungen erfuhr die darauf abzielten weitere Verhandlungen mit den Alliierten zu führen unterband er diese. Im Februar 1945 versuchte Himmler wieder auf eigene Faust Gespräche mit dem schweizer Roten Kreuz Graf Folke Bernadotte zu führen, dieser versuchte skandinavische Gefangene aus Konzentrationslager Neungamme zu befreien und diese nach Schweden zu evakuieren zu lassen. Später erweiterten sich die Unterredungen auf Theresienstadt und Bergen Belsen. Die Initiativen unterschiedlichster Organisation um die Befreiung jüdischer Menschen wurden in den letzten Kriegsmonaten immer zahlreicher. Die meisten jüdischen Menschen, aber auch alle anderen Häftlinge wurden jedoch in dem letzten halben Jahr der nationalsozialistischen Diktatur aus dem gesamten Osten,  zu Fuß Richtung Altreich in Bewegung gesetzt. Auf den dicht gedrängten Straßen der flüchtenden Bevölkerung taumelten schwer bewacht etwa 700 000-800 000 Menschen aus unterschiedlichen Ghettos und Lagern des Ostens in Richtung einiger Konzentrationslager im noch sicheren Altreich. Sie wurden noch zur Zwangsarbeit benötigt, mussten Stellungen in diversen Städten ausbauen oder in Rüstungsbetrieben die letzten materiellen Nachschübe produzieren. Zehntausende werden diesen „Rückzug“ aus dem Osten nicht überleben. Geschwächt und Erschöpft starben sie einfach an Übermüdung, erfrieren, oder verhungern , falls sie nicht erschossen wurden.

Quellen:

5 MAI
zitiert aus Longerich Heinrich Himmler Biografie S715 Dokument BAB NS 19/4013

8/9 Mai

zu Höß Rückkehr siehe zb AUSCHWITZ 1940-1945 STUDIEN ZUR GESCHICHTE DES KONZENTRATIONS-UND VERNICHTUNGSLAGERS AUSCHWITZ BD 5 VERLAG STAATLICHES MUSEUM AUSCHWITZ  in DIE KALTE AMNESTIE JÖRG FRIEDRICH S126 oder im Internet zb auschwitz.prozess.de Fritz Bauer Institut –

Anmerkungen: Offiziell wurde Höss in die Inspektion der Konzentrationslager „befördert“ – Hierbei argumentierte man vor allem mit seiner Beziehung zu Eleonora Hodys – Eine jüdische Häftlingsfrau mit der er eine Art „Beziehung in Geiselhaft“ unterhielt. Im Lager nannte man die Ärztin Dr. Hodys auch Diamanten Norah – Als der SS Richter Konrad Morgen seine Ermittlungen wegen der unglaublichen Korruption der SS in Auschwitz begann, fand er Hodys im berüchtigten Block 11 im Stammlager Auschwitz in einer Zelle vor. Sie dürfte körperlich und geistig sehr mitgenommen gewesen sein, worauf der SS Richter Dr. Morgen sie befreite. Schnell wurde klar wie weit die Korruption in Auchwitz verbreitet war und Höss geriet unter Druck. Doch dies ist nicht der einzige Fall in dem Himmler seine getreuen Mörder aus dem Fadenkreuz der Ermittlungen in „Sicherheit“ brachte. Etwa zur gleichen Zeit wurde sein korrupter Untergebener SSPF Globocnik in Lublin als auch HSSPF Krüger „befördert“ bzw „versetzt“. Die Korruption in Auschwitz konnte jedoch nie gestoppt werden, bis in die letzte Woche des Bestehens dieses Konzentrationslagers waren Dr Morgens Mitarbeiter bemüht den Korruptionsring in Auschwitz aufzuklären bzw zu durchbrechen..

 zu HÖß Aussage zu Vorreiterrolle innerhalb des Lagers, das Zitat ist aus Kommandant in Auschwitz Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß – Herausgegeben von Martin Broszat S198/199

24 Mai
zitiert aus Longerich Heinrich Himmler Biografie S715 Dokument BAB, NS 19/4014 Passage gedr. in Himmler Geheimreden S203

26 Mai

aus IAN KERSHAW HITLER 1936-1945 STUTTGART MÜNCHEN S200 HANS HEINRICH WILHELM “HITLERS ANSPRACHE VOR GENERÄLEN UND OFFIZIEREN AM 26 MAI 1944 MILIRÄRGESCHICHTLICHE MITTEILUNGEN 20 1976 S123-170 hier S136/s156 siehe

GELD GEGEN LEBEN
zur Frage der Slowakei siehe Bauer- Freikauf S149ff zu den 10 000 Lastkraftwagen und den Devisenhandel und den Vaadarepräsentanten die man verhaftete siehe Wenck Menschenhandel S289 Braham Politics S231ffund S1069ff zitiert aus Longerich Heinrich Himmler S729 zu Kurt Becher siehe Wenck Menschenhandel S294 Braham Politics S733ff und S1088ff Bauer Freikauf S 309 zitiert aus Longerich Heinrich Himmler S730 zu Himmlers Verhandlungen siehe Ebenda S 353f aus Longerich Heinrich Himmler Biografie S730 zum Unterbinden der Verhandlungen Himmlers siehe Richard Breitmann Nazi Jewish Policy in 1944 in Genocide and Rescue The Holocaust in Hungery S84 zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S677 zu den Zahlen der rückwanderdnen KZ Häftlinge siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S678 AUSCHWITZ Juni “RUTH KLÜGER, weiter leben EINE JUGEND,Göttingen 1992 S107

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24 – 31 Dezember Pacelli, Stalingrad, Himmlers Deportationen

24 DEZEMBER – PIUS XII DIE WEIHNACHTSBOTSCHAFT –

pius-xii

Nach dem man den heiligen Stuhl über Monate gedrängt hatte sich zu den Vorgängen in Polen und den Massenmorden der Deutschen öffentlich zu äußern, ist der Papst Pius XII nun gewillt eine öffentliche “Verurteilung” der Greultaten zu verlesen. Vor allem der amerikanische Gesandte Tittman hatte die letzten Monate im Vatikan immer wieder interveniert worauf eine Diskussion entbrannte, über die Notwendigkeit solch einer Verurteilung der Taten durch den Papst und  über deren Konsequenzen. Neben der Angst Pacellis (Papst Pius XII) vor weiteren Terrorakten der Nazis gegenüber Katholiken, und seiner Befürchtung die Deutschen könnten den Vatikan besetzen oder ihm solch eine Verurteilung nach dem Krieg übel nehmen, konnte er sich  eine Verurteilung der Greultaten nur vorstellen wenn auch jene der Sowjets erwähnt würden. Auch schenkte er den überlieferten Berichten vorerst keine Beachtung ohne selbst Bestätigungen einzuholen. Für den Weihnachtsabend 1942 hatte der Papst jedoch auch mahnende Worte eingeplant. Viele im Widerstand organisierte Männer und Frauen in ganz Europa erhofften diese mahnende moralisch unterstützende klare Verurteilung der Greultaten der Nazis, vielleicht sogar einen versteckten Aufruf zu passiven Widerstand. Die 26 seitige Rede des Papstes blieb jedoch ganz im Zeichen Pacellis bisheriger passiven taktischen Haltung. All zu zweideutig stumpf bleiben die wenigen Sätze die Pacelli in dieser langen Rede den „Greultaten“ des Krieges widmet. Die jüdische Verfolgung erwähnt er mit einem Satz: Hunderttausenden, die ohne eigenes Verschulden, bisweilen nur aufgrund ihrer Nationalität oder Rasse dem Tod oder fortschreitender Vernichtung preisgegeben sind‘. Es ist der Versuch einer taktischen Objektivität die angesichts von “Gaskammern” moralisch schwer zu rechtfertigen ist. Jedoch muss man Pacellis Haltung auch im Sinne des Schutzes der Menschen und deren Interessen und der Institution katholische Kirche begreifen. Hunderte Priester waren in Konzentrationslagern oder ermordet worden, sowie die “Unabhängigkeit des Vatikans” zu jeder Zeit gefährdet.

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DIE HÖLLE VON STALINGRAD

…schlaf in himmlischer Ruh…

Mord an der Jugend Deutschlands wie die BBC schon 1941 berichtet hatte – Der Kessel um Stalingrad ist eine Todesfalle für zehntausende deutsche Männer. Wie schon vor Moskau ein Jahr zuvor, treibt Hitlers strategische Entscheidung die Wehrmacht 1942 in eine schwere Krise. Mit der erneuten Teilung der Heeresgruppen und dem Vorstoß auf Stalingrad ging er wieder ein Risiko ein, das militärstrategisch in einer Katastrophe endete. In aussichtsloser Situation, verwehrte er den rechtzeitigen Rückzug der sechsten Armee aus Stalingrad. Görings Nachschub über die Luftbrücke konnte nicht einmal im Ansatz die notwendige Versorgung garantieren. Zu Weihnachten 1942 bietet das Schlachtfeld ein Bild des Infernos, anstatt Winterausrüstung, Nahrungsmittel, Treibstoff, Waffen den eingekesselten Truppen zu beschaffen, wird eine Radioverbindung nach Stalingrad aufgebaut um die Katastrophe  propagandistisch zu verschleiern. Zynismus einer verblendeten Ideologie eines verkommenen Regimes. Die abgekämpften Soldaten stehen ohne Nahrungsmittel Waffennachschub, Entsatzungsaussicht moralisch wie physisch vor dem Zusammenbruch. So kommt es schlussendlich auch zu Fällen von Kanibalismus. Die hungernden Soldaten verschlingen alles was ihnen ein Überleben garantiert. Das Weihnachtsfest soll für Göbbels jedoch ein propagandistischer Erfolg sein. Viele Menschen in Deutschland sind kriegsmüde und zweifeln ganz offen an „ihrem“ “Führer” und dem Krieg.  Göbbels inszeniert daher ein gemeinsames “Weihnachtsfest” über den Volksempfänger. Zu allen Frontabschnitten wird eine Verbindung hergestellt ein “gemeinsames Fest” inszeniert. „Die Fronten stehen noch”- soll dies symbolisieren. Dieses Tondokument ist jedoch eines der skurilsten des 2 Weltkrieges. Zufällig scheint der schlechte Empfang den Zustand der Kriegssituation zu reflektieren. Die Aussichtslosigkeit dringt hier aus jedem Wort, aus jeder Verbindung aus der ganzen Inszenierung.

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29 DEZEMBER

Himmler gibt Hitler einen Begriff von den Tötungen im Osten. Er beziffert die Zahl der in der Ukraine und Bialystok umgebrachten auf 363 211 jüdische Menschen. Diese Information hatte er zuvor von HSSPF SÜD Prützmann erhalten. Mit dem Verweis “Führer hat Kenntnis genommen”, vernichten H.H wurde diese Dokument an Eichmanns Dienststelle zurück geschickt

Am 31 DEZEMBER

Himmler  schreibt an den neuen Chef des SD Kaltenbrunner: “In den kurzen Monatsmeldungen der Sicherheitspolizei will ich lediglich mitgeteilt bekommen, was monatlich abgefahren worden ist und was zu diesem Zeitpunkt noch an Juden übrig blieb.”

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Quellen:

1) Die Rede des Papstes ist sehr bekannt und im Internet mehrmals auffindbar. Empfehlen kann man zu diesem Thema als Einstieg sicherlich  Saul Friedländer  – Pius XII. Es ist eine kritische aber durchaus gerechte Auseinandersetzung der Verwicklungen der katholischen Kirche mit dem NS- Regime.Dieser Themenkomplex ist erst am Beginn seiner Aufarbeitung, da die vatikanischen Archive zu diesem Thema, bis heute nicht vollständig zugänglich sind.

2) 29 DEZ Es handelt sich hierbei um die Meldung NR.51 an den Führer Nürnbg. Dok.No-511 über “Bandenbekämpfungserfolge” siehe hier zu Anatomie des SS Staates S623 siehe ergänzend auch GERALD FLEMING HITLER und die Endlösung S152

3) 31 DEZ  GERALD FLEMMING HITLER UND DIE ENDLÖSUNG S150

13 – 17 Dezember 1942 Jud Süss – Zigeunerfrage – Alliierten Regierungen und der Massenmord

DEZEMBER 42

Deutsche Juden zweiten Grades dürfen, so entscheidet das Reichserziehungsministerium für Medizin Zahnmedizin und Pharmazie immatrikulieren nicht aber für Veterinärmedizin, weiters wird klar gestellt, dass jene keine Möglichkeit der Berufsausübung erhalten werden.

13 DEZEMBER

Moshe ein jude aus den Niederlanden notiert nach dem er sich den Nazi Propagandafilm JUD SÜSS angesehen hatte in sein Tagebuch

” Was ich dort gesehen habe brachte mein Blut in Wallung, ich war rot im Gesicht als ich heraus kam. Mir wurden die bösartigen Ziele dieser üblen Leute klar – wie sie das Gift des Antisemitismus in das Blut der Nichtjuden injizieren möchten. Während ich mir den Film ansah, fiel mir plötzlich ein, was der Böse in einer seiner Reden gesagt hatte: Ganz gleich, welche Seite den Krieg gewinnt, der Antisemitismus wird sich immer weiter ausbreiten, bis die Juden nicht mehr sind. In diesem Film habe ich die Mittel gesehen, die er benutzt um sein Ziel zu erreichen … Die Art und Weise, in der Eifersucht, Hass und Abscheu hervorgerufen werden, ist einfach unbeschreiblich. … Die Juden werden der Welt so hassenswert gemacht, daß nichts, was irgendjemand tun kann, in der Lage sein wird, sein Werk rückgängig zu machen.”

16 DEZEMBER – DIE ZIGEUNERFRAGE

(Bild Quelle: Bundesarchiv Berlin)

Eva Justin bei ihrem Studium der Zigeuner. Forschung im Sinne der Volkshygiene. Forschungsobjekte werden später nach Auschwitz deportiert um in den Gaskammern umzukommen-

Himmlers Befehl für das Reichsgebiet ergeht “Zigeunermischlinge, Rom Zigeuner, und nicht deutschblütige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft“ in Konzentrationslager einzuweisen. Nicht deportiert werden sollten angepasste Zigeuner wobei man dies nicht näher definierte was unter angepasst zu verstehen sei. Die Zigeunerfrage ist wie man heute weiss für Himmler keine klare. Für den Reichsführer SS unterschieden sich die Zigeunerstämme in drei große Gruppen Sinti, Roma und Lalleri. Für Himmler waren die Zigeuner einst Arier die auf ihren langen Wanderschaften sich mit anderen minderwertigen Rassen vermischten und so zu jenem minderwertigen Volk herabsanken, dass in den Augen der Rassenhygieniker aus dem “Volkskörper” entfernt gehörte. Dem entsprechend scheint Himmlers “Zigeunerpolitik” widersprüchlich. In Polen hatte man zu Beginn des Feldzuges tausende Zigeuner liquidiert. Im September 1942 beauftragte das Ahnenerbe sich der Zigeunersprache und deren Sitten anzunehmen, und im Oktober erging eine Weisung des RSHA worin reinrassige Zigeuner etwas Bewegungsfreiheit erhalten sollten. Grundsätzlich stellte dies einen Widerspruch zu den Vorstellungen der Parteikanzlei der sich Himmler schlussendlich fügte, in dem er diese Weisung verfügte. Die Untersuchungen jedoch die man in der Zigeunerfrage durchführte sollte von dem Experten Dr Ritter durchgeführt werden. Ritter war überzeugt von dem Gedanken dass die einst rassereinen arischen Zigeuner durch ihre langen Wanderungen und Rassenvermischung asozial und kriminell wurden. Seine Assistentin Eva Justin stellte hierzu genauere Studien an. Für ihre “Untersuchungen” hatte man 39 elternlose Zigeunerkinder in einem katholischen Kloster untergebracht. Hier studierte Justin die Arteigenheiten der Zigeuner um ihre Doktorarbeit zu schreiben. Im Mai 1944 nach dem Justin ihre Studien abgeschlossen hatte veranlasste man die Deportation der Kinder nach Auschwitz in das sogenannte Zigeunerlager. Die meisten von ihnen wurden am 3 August 44 im Verlauf der Auflösung des Zigeunerlagers mit etwa 2900 Zigeunern in den Gaskammern ermordet. Insgesamt wird die Zahl der in Auschwitz durch Gas getöteten Zigeuner heute auf etwa 5600 geschätzt. In den sowjetische Gebieten schätzt man die Opfer auf mindestens 10 000 im Generalgouvernement ca 8000, in Serbien etwa 1000 in der Slowakei ab dem Sommer 44 etwa 1000. In Ungarn ab Ende 44 deportierte man viele zur Zwangsarbeit. Im Westen hingen Niederlande, Belgien, Frankreich, setzte man gegen die Zigeuner auf etwas “mildere Methoden” in dem man sie Zwangskontrollen unterzog trotzdem schätzt man die Opfer auf einige hundert Menschen.

Am 17 DEZEMBER

Alle Alliierten Regierungen und das Freie Französische Nationalkomitee gaben bekannt, dass sie über den Umstand bescheid wüssten dass die europäischen Juden vernichtet würden, sie gelobten offiziell die für diese Verbrechen verantwortlichen einer Vergeltung zuzuführen.

“Die…alliierten… Regierungen und das Französische Nationalkomitee sind auf zahlreiche Berichte aus Europa aufmerksam gemacht worden, denen zu Folge die deutschen Behörden sich nicht damit begnügen, Personen jüdischer Rasse in allen iher barbarischen Herrschaft unterworfenen Gebieten die elemtarsten Menschenrechte zu verweigern, sondern jetzt die oft wiederholte Absicht Hitlers verwirklichen, die jüdische Bevölkerung in Europa auszurotten. Aus allen besetzten Ländern werden Juden unter abstoßend grauenhaften und brutalen Bedingungen nach Osteuropa transportiert. In Polen das zum wichtigsten nationalsozialistischen Schlachthof gemacht worden ist, werden aus den durch die deutschen Invasoren errichteten Ghettos alle Juden bis auf einige hochqualifizierte, für die Kriegsindustrie benötigte Arbeiter entfernt. Von keinem dieser Weggeführten hört man jemals wieder etwas. Die Arbeitsfähigen werden in Arbeitslagern langsam zu Tode geschunden. Die Schwachen werden dem Kälte und Hungertod ausgesetzt oder in Massenexekutionen planvoll hingemordet. Die Zahl der Opfer dieser blutigen Grausamkeiten wird auf viele hundertausende vollkommen unschuldiger Männer, Frauen und Kinder geschätzt. Die oben genannten Regierungen und das Französische Nationalskommitee verurteilen aufs schärfste diese bestialische Politik einer kaltblütigen Ausrottung. Sie erklären,  daß solche Vorkommnisse nur den Entschluss aller freiheitsliebenden Völker bestärken können, die barbarische Hitler-Tyrannei zu stürzen. Sie bekräftigen noch einmal ihren feierlichen Beschluß, dafür Sorge zu tragen, daß die für diese Verbrechen Verantwortlichen ihrer Strafe nicht entgehen, und die zur Erreichung dieses Zieles erforderlichen praktischen Maßnahmen durchzusetzen.”

QUELLEN:

1) 13 DEZ zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung dieser zitierte aus MOSHE Flinker Young Moshes Diary The Spiritual Torement of a jewish Boy in Nazi Europe hrsg Shaul Esh und Geoffry Wigoder, Jerusalem 1971 S42

2)17 DEZ zitiert aus Saul Friedländers Pius XII und das Dritte Reich S117 wobei Friedländer den Text aus dem U.S Department of State Bulletin, BD.VII (Washington 1942) zitiert

3) 16 Dezember Zigeunerfrage ist aus Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie – jedoch muss ich noch die Seite ergänzen -Entschuldigung –            _____________________________________________

11 Oktober 1942 Besetzung Vichy – Frankreichs

11 NOVEMBER – OKKUPATION DES NICHTBESETZTEN FRANKREICHS

Frankreich, Demarkationslinie, Kontrollposten

(Quelle Bild: Bundesarchiv Berlin) Demarkationslinie aus dem besetzten Frankreich nach Vichy Frankreich.

Ende 1942 sehen sich die Nationalsozialisten mit zunehmender militärischer Ausweglosigkeit konfrontiert. Am 9 November landeten die ersten amerikanischen Truppen in Nordafrika. Aus der Sicht der nationalsozialistischen Okkupanten eine Bedrohung der Südflanke Europas, die es notwendig erschienen ließ das nicht besetzte Südfrankreich militärisch abzusichern und zu besetzen. Schlussendlich führten jedoch mehrere wesentliche Faktoren zu diesem Entschluss Vichy Frankreich zu besetzen .

1. Die Franzosen hatten größere Teile ihrer Armee in Nordafrika stationiert, die sich schon bald unter dem Marineminister Darlan gegen die Nazideutschen mit den Alliierten verbündeten, obwohl Vichy-Frankreich im Bündnis mit Nazideutschland stand. Ein offener Schlag ins Gesicht Hitlers. Nordafrika scheint somit endgültig verloren für Deutschland. Zum Dank wird Darlan von den Alliierten zum Präsidenten der französischen Zivilregierung in Nordafrika gemacht, doch dies sollte ihm wenig Glück bringen . Am Weihnachtsabend 1942 wird man ihn ermorden.

2. Mögliche Aufstände zu unterdrücken die man mit weiteren Verlauf des Krieges zu erwarten hätte.

3. Der Plan den gesamten europäischen Kontinent der “Endlösung” der Judenfrage zu unterziehen. Himmler hatte eine potenzielle Gefahr Südfrankreichs für Hitler zusammengefasst in der er 1,5 Millionen „Todfeinde“ der Achsenmächte vermutete. Die Liste der zu Verhaftenden und zu deportierenden Personen beinhaltete vermutete 6-700 000 jüdische Menschen, 5-600 000 antifaschistische Italiener 3-400 000 Rotspanier 20 000 Angelsachsen, 80 000 Polen, aber auch griechisch stämmige dem Regime abgeneigte Menschen.

4. Diese umfangreichen “Reinigungen”  benötigten die richtigen Personen und Weisungen hier zu schlug Himmler Hitler vor, den als sehr kooperativen Polizeichef bekannten Rene Bousquet auch zum Polizeichef für Vichy Frankreich zu ernennen. Weiters diskutierte man über Möglichkeiten die nun folgenden Polizeiübergriffe rechtlich abzusichern. In diesem Sinne dürfte Himmler einige Vorschläge gemacht haben wie die unbedingte Deckung französischer Polizisten durch ihre Vorgesetzten, wirtschaftliche Sicherstellung der Beamten, ein Benutzungsrecht sämtlicher Einrichtungen der französischen Polizei, die Erschaffung einer neuen Polizeieinheit zur Bekämpfung politischer Feinde Europas und die Deportation “…aller anderen an der Zerstörung der europäischen Einheit Schuldigen wie Blum, Gamelin, Daladier nach Deutschland …”. Die radikalen Maßnahmen die nun folgten, und die viele jüdische oder politische Flüchtlinge neuerlich in den Bann des nationalsozialistischen Vernichtungsbetriebs führten, sollten gut organisiert jeden Widerstand im Keim ersticken. Als erste groß angelegte Maßnahme, wollte Himmler hier zu ein Exampel an der Stadt Marseille statuieren. So stellte man eiligst ein Polizeiregiment zusammen welches ab Mitte Dezember 1942 in Marseille einrückte. Am 3 Jänner kam die Antwort des Widerstandes auf die Besetzung der Stadt durch den kommunistischen Widerstand. In der Stadt explodierten mehrere Bomben (siehe 3 Jänner 43)

 QUELLEN:

11 Nov.  Südfrankreich

Das Zitat stammt aus Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S668/669 es handelt sich bei der Dokumentation für Hitler um das Dokument BAB, NS 19/1929 Entwurf gezeichnet Himmler mit Vermerk Bitte um Vorlage bei AH.

9 Oktober 1942 – Himmlers Zorn auf die Wehrmacht

9 Oktober 1942

Himmler antwortet auf die Forderungen der Wehrmacht verärgert bezüglich der jüdischen Zwangsarbeiter. Seine Antwort fällt folgendermaßen aus :

1) ”Ich habe angeordnet die ganzen sogenannten Rüstungsarbeiter, die lediglich in Schneider, Holz und Schusterwerkstätten arbeiten, an Ort und Stelle, daher also in Warschau, Lublin in Konzentrationslager zusammenzufassen. Die Wehrmacht soll ihre Bestellungen an uns geben, und wir garantieren ihr den Fortgang der Lieferungen für die von ihnen gewünschten Bekleidungsstücke. Gegen alle diejenigen jedoch die glauben, hier mit angeblichen Rüstungsinteressen entgegentreten zu müssen, die in Wirklichkeit lediglich die Juden und ihre Geschäfte unterstützen wollen, habe ich Anweisung gegeben, unnachsichtig vorzugehen.

2. Die Juden, die sich in wirklichen Rüstungsbetrieben befinden, also Waffenwerkstätten, Autowerkstätten usw, sind Zug um Zug herauszulösen. Als erste Stufe sind sie in den Betrieben in einzelnen Hallen zusammenzufassen. Als zweite Stufe dieser Entwicklung ist die Belegschaft dieser einzelnen Hallen im Austausch tunlichst in geschlossenen Betrieben zusammen zu tun, so daß wir dann lediglich, einige geschlossenen Konzentrationslager-Betriebe im Generalgouvernement haben

3.Es wird dann unser bestreben sein, diese jüdischen Arbeitskräfte durch Polen zu ersetzen und die größte Anzahl dieser jüdischen KL-Großbetriebe tunlichst im Osten des Generalgouvernements zusammenzufassen. Jedoch auch dort sollen eines Tages dem Wunsche des Führers entsprechend die Juden verschwinden.”

Dieses Arbeitsprogramm unter der Herrschaft der SS im Gesamtrahmen von SS Unternehmen die den Namen Deutsche – Wirtschafts- Betriebe oder kurz DWB hatte, mit ihrer Tochtergesellschaft OSTI Ostindustrie GMBH für Himmler im Generalplan Ost eine wesentliche Rolle. Als nun auch treibende wirtschaftliche Macht bot sie der SS hohe Gewinne und mehr Einfluss, und hätte nach einem vermeintlichen deutschen Endsieg die SS noch unabhängiger von Mitteln der Partei und des Staates machen sollen. Dies und der Wille Hitlers die Judenfrage so schnell wie möglich zu einem Abschluss zu bringen, hatte schlussendlich dazu geführt, den ursprünglichen Plan Heydrichs eines „straßenbauenden bzw produktivern Juden“ aufzugeben. Deswegen begann man schlussendlich die jüdischen Menschen in Konzentrationslagern des Ostens unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und unter Aufsicht der SS zu sammeln und in produktiv und unproduktiv und dem Primat des Wahnsinns einer Vernichtungsgeschichte zu unterwerfen

Am selben Tag die Reichskanzlei ist besorgt über Gerüchte die über die Judenevakuierung in Nazideutschland kursieren.“Im Zuge der Arbeiten an der Endlösung der Judenfrage werden neuerdings innerhalb der Bevölkerung in verschiedenen Teilen des Reichsgebietes Erörterungen über sehr scharfe Maßnahmen gegen die Juden überhaupt in den Ostgebieten angestellt. Die Feststellungen ergaben, daß solche Ausführungen-meist in entstellter oder übertriebener Form-von Urlaubern der verschiedenen im Osten eingesetzten Verbände weitergegeben werden, die selbst Gelegenheit hatten, solche Maßnahmen zu beobachten.” Viele Teile der deutschen Bevölkerung wissen oder haben konkrete Ahnungen über die Vorgänge im Osten. Das geht darauf zurück dass SS Männer in Auschwitz zb Besuche von ihren Frauen haben konnten, Urlauber oder Wehrmacht die sich in der Umgebung der Lager aufhielten, oder auch SS Männer die ihren Posten wechselten ihre Erlebnisse weitererzählen.

Quellen:

1)9 OKT zitiert aus Longerich Heinrich Himmler Biografie S641 er zitierte aus TATIANA BERENSTEIN FASCHISMUS GHETTO MASSENMORD S446

5 Oktober 1942 – die Erschießungen Dubno Ukraine – Hermann Friedrich Gräbe .

5 OKTOBER 1942 – Dubno Ukraine

MIC

Gräbe musste nach dem Krieg Deutschland verlassen, nach seinen Aussagen gegen die SS bezichtigte man ihn des „Vaterlandsverrates“. Er dürfte keine Anstellung mehr gefunden haben (Bild Quelle: Solinger Tagblatt)

Die Morde im Reichskommissariat Ostland sowie im Reichskommissariat Ukraine sind an Radikalität kaum zu überbieten. Die ehemaligen Sowjetbürger hatten kaum Rechte und waren den Besatzern wie schon zuvor den Russen hilflos ausgeliefert. Die Zahlen der Erschießungen sind so umfangreich, dass man diese bis heute nicht vollständig erfassen konnte und wahrscheinlich nie wird. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht (gegenwärtig noch zu sehen), und bis heute legen  Ukrainer Blumen an vielen Orten der Verbrechen ab. Deswegen zeugen unzählige Berichte, Briefe, Bilder, Dokumente, wie diese Erinnerung von Gräbe von dem Geschehen in den besetzten Ländern. Es sind nicht nur jüdische Menschen die ermordet werden, sondern hunderttausende Männer Frauen und Kinder des ganzen Ostens unterschiedlicher Herkunft. Repression, Partisanenkrieg, Zwangsarbeit, ethnische Säuberungen, durchzogen den ganzen Osten.

Der Bauingenieur Hermann Friedrich Gräbe erinnerte sich nach dem Krieg:

“Moennikes und ich gingen direkt zu den Gruben. Wir wurden nicht behindert. Jetzt hörte ich kurz nach einander Gewehrschüsse hinter einem Erdhügel. Die von den Lastwagen abgestiegenen Menschen, Männer Frauen und Kinder, jeden Alters, müssten sich auf Anordnung eines SS Mannes, der in der Hand eine Reit-oder Hundepeitsche hielt, ausziehen und ihre Kleidung nach Schuhen, Ober-Unterkleidern getrennt an bestimmte Stellen ablegen. Ich sah einen Schuhhaufen von Schätzungsweise 800 bis 1 000 Paar Schuhen, große Stapel mit Wäsche und Kleidern. Ohne Geschrei oder Weinen zogen sich diese Menschen aus, standen in Familiengruppen beisammen, küssten und verabschiedeten sich und warteten auf den Wink eines anderen SS Mannes, der an der Grube stand, keine Klagen oder Bitten um Schonung gehört. Ich beobachtete eine Familie von etwa acht Personen, einen Mann und eine Frau, beide ungefähr von fünfzig Jahren, mit deren Kindern, so ungefähr 1-8 und 10 jährig, sowie zwei erwachsene Töchter von 20-24 Jahren. Eine alte Frau mit schneeweißen Haar hielt das einjährige Kind auf dem Arm und sang ihm etwas vor und kritzelte es. Das Kind quietschte vor Vergnügen. Das Ehepaar schaute mit Tränen in den Augen zu. Der Vater hielt an der Hand einen Jungen von etwa 10 Jahren, sprach leise auf ihn ein. Der Junge kämpfte mit den Tränen. Der Vater zeigte mit dem Finger zum Himmel, streichelte ihm über den Kopf und schien ihm etwas zu erklären. Da rief schon der SS Mann an der Grube seinen Kameraden etwas zu. Dieser teilte ungefähr 20 Personen ab und wies sie an, hinter dem Erdhügel zu gehen. Die Familie, von der ich hier sprach, war dabei. Ich entsinne mich noch genau, wie ein Mädchen, schwarzhaarig und schlank, als sie nahe an mir vorbeiging, mit der Hand an sich herunterzeigte und sagte :  23 Jahre … ”

Am selben Tag ergeht eine Anordnung des RSHA an die zuständigen Dienststellen Die Juden aus dem Reich seien in das Kriegsgefangenenlager Lublin und in das KZ Auschwitz zu überstellen. Das RSHA folgt hier dem Befehl Himmlers vom 29 Sept an Glücks –  siehe dazu auch Befehl Himmlers an Glücks 29 Sept. (auf shoaportal)

QUELLEN:

1) zitiert aus Erzählt es euren Kindern S92/93 diese zitierten Gräbe aus  Schönberner DER GELBE STERN-DIE JUDENVERFOLGUNG IN EUROPA 1933-1945 Hamburg 1960

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September 1942 – Himmler, Gienanth, Speer, Blobel, Auschwitz, Sachsenhausen, Warschau, Kiev –

9 SEPTEMBER 1942

Reichskommissar für Germanisierung Lohse führt in der Ukraine die “Deutsche Volksliste” ein

15 SEPTEMBER 1942

Albert Speer der seit Februar den verstorbenen Fritz Todt als Reichsminister für Munition und Bewaffnung beerbt hatte genehmigt dem WVHA Wirtschaftsverwaltungs Hauptamt 13,7 Millionen Reichsmark zum rascheren Ausbau der Anlagen, Rüstungsbetrieben in Konzentrationslager und somit auch den Vernichtungsstätten, wahrscheinlich speziell für Auschwitz.

18 SEPTEMBER 1942 – MORALISCHES DEBAKEL

Polen, Kurt Daluege, Hans Frank, v. Gienanth

Von links nach rechts: Daluege, Hans Frank, Kurth von Gienanth (Bild Bundesarchiv Berlin Polen ca 1939)

Auf Grund der Geschehnisse wie zb in Przemysl im (siehe) Juli dieses Jahres und zahlreicher ähnlicher Zwischenfälle in denen die Wehrmacht jüdische Arbeiter vor den Deportationen zu „schützen“  suchte, erlässt man für das Generalgouvernement eine Denkschrift die man dem Militärbefehlshaber des Generalgouvernement vorlegt. General Kurth von Gienanth schildert in dieser Schrift eine zeitliche  Unentbehrlichkeit spezialisierter jüdischer Arbeiter.  “Wenn die kriegswichtigen Arbeiten nicht leiden sollen, können die Juden nach Ausbildung des Ersatzes, also Zug um Zug, freigegeben werden… Dabei soll Richtlinie sein, die Juden so rasch als möglich auszuschalten, ohne die kriegswichtigen Arbeiten zu beeinträchtigen.” Doch Himmler ist unerbittlich bis Ende des Jahres will er das Generalgouvernement „gereinigt“ sehen, verärgert wird er keinen Zweifel an seinen Befugnissen in der Judenfrage lassen, in einem Gegenbrief die Wehrmachtsführung zurechtweisen und auf die sofortige Auslieferung der Arbeiter drängen (siehe 19 Okt)

20 – 22 SEPTEMBER 1942

Himmler trifft Hitler auf einer Rüstungssitzung. In einer mehrstündigen Unterredung bespricht man alle weiteren Vorgehensweisen im Reich als auch in den Reichskommissariaten im Osten. Hitler unterstreicht bei dieser Unterredung die Wichtigkeit, Rüstungsbetriebe des Reiches endgültig von Juden zu reinigen und die daraus entstehende Priorität Ausländer als Arbeiter einzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt ist dies noch nicht möglich, erst mit Fritz Sauckel und seinem Zwangsarbeiterprogramm, in Kooperation mit der SS wird man die nötigen Kapazitäten an “Arbeitssklaven” zusammen treiben um die jüdischen Arbeitskräfte ersetzen zu können.

1943 wird Himmler Hitlers Wunsch eines judenfreien Reiches umgesetzt werden können. Weiters unterrichtet Himmler Hitler über die Fortschritte der Germanisierungsprojekte im Osten und wahrscheinlich auch über die damit zusammenhängenden Deportationen (Judenauswanderung).Hitler stimmt zu Bach Zelevski nun auch offiziell als Bevollmächtigten des Reichsführers SS für die Bandenbekämpfung im gesamten Ostgebiet einzusetzen.

21 SEPTEMBER 1942 WARSCHAU

JOM KIPPUR der Tag der Versöhnung ist der letzte Tag (der grossen Aktion) an dem ein Transport mit 2196 Juden aus Warschau Richtung Treblinka aufbricht. Der Gipfel des Zynismus der Nazimörder ist erreicht, die Transporte die am 22 Juni begonnen hatten dem Tag des Gedenkens der Zerstörung des Tempels kommt am höchsten Feiertag der jüdischen Gemeinschaft zu seinem vernichtenden Ende. Die SS Leute hatten an diesem Tag das Ghetto verlassen um den Anschein von Toleranz zu vermitteln, doch weit gefehlt, auf Befehl mussten nun die Werksmeister der Betriebe und die jüdische Polizei selbst die zu “Evakuierenden” sammeln. Die “Grosse Aktion” im Warschauer Ghetto geht zu Ende. Sie begann mit der Eröffnung des Vernichtungslagers Treblinka am 23 Juli und endet voerst mit einer vernichtenden Bilanz. Etwa 10 380 Menschen werden im Zuge der Deportationen schon im Ghetto getötet, etwa 265 040 werden hauptsächlich in Treblinka umkommen.

26 SEPTEMBER 1942

Ferdinand Sauerbruch, Direktor der Berliner Charite, berühmter Chirurg und die führende Persönlichkeit der deutschen Chirurgen jener Zeit, erklärt dem Tagebuchschreiber von Hassel, dass er nach einem Treffen mit dem Führer zu dem Schluss gekommen sei,  das Jener nun unzweifelhaft verrückt sei.

Am selben Tag erlässt SS Brigadeführer August Frank der Stellvertreter Pohls als Leiter des WVHA (Wirtschaftsverwaltungshauptamt der SS) einige Verfügungen bezüglich der Wertgegenstände die man im Zuge der Vernichtung den jüdischen Menschen abgenommen hatte und nun seit Mitte 42 offiziell dem WVHA also Oswald Pohls Dienststelle die Verwaltung aller dieser Gegenstände übergab. In dieser Weisung wurden die Preise von Kleidungsstücken geregelt zb eine gebrauchte Männerhose 3 Mark, eine Wolldecke 6- Rm,  dabei musste streng auf eine gewisse “Geheimhaltung” geachtet werden “Es ist streng darauf zu achten, daß bei allen zur Abgabe kommenden Kleidern und Überkleidern der Judenstern entfernt wird. Es sind ferner mit größtmöglicher Sorgfalt alle zur Abgabe kommenden Gegenstände auf versteckte und eingenähte Werte zu untersuchen”

 Bruno Melmer wurde beauftragt Wertgegenstände wie Schmuck, Geld aber auch das Gold welches man den Opfern aus dem Mund holte (Zahngold), in ein eigens dafür angelegtes Depot in der Reichsbank und damit zusammenhängende Geschäfte zu organisieren. Kleidungsstücke und andere Gegenstände wurden nach Deutschland transportiert und dort verkauft. Himmler war bedacht sich genauestens über jedes einzelne ” erbeutete ” Stück dem Reichswirtschaftsministerium Auskunft geben zu können um nicht den Eindruck illegaler Machenschaften zu erwecken. So wies er Pohl immer wieder an über “jedes Stück” mit dem Wirtschaftsministerium in Verhandlung zu treten. Doch trotz Himmlers Bemühen den Anschein von “Korrektheit” aufrecht zu erhalten, blüht die Korruption Diebstahl und Bereicherung schon seit Jahren. Gleich nach Einmarsch der Deutschen in Polen sprach man schon von Gangstermethoden weshalb das Generalgouvernement auch gerne als „Gangster- Gau“ hinter vorgehaltener Hand bezeichnet wurde. Für Himmler ein schwerer Imageschaden, deshalb war er bemüht die Regeln der SS immer strenger und konsequenter umzusetzten. Für Himmler stellte ein Diebstahl einen schlimmen Verstoß gegen alle Werte der SS dar, er betonte immer wieder mit welchen Maßnahmen ein Dieb rechnen musste nämlich mit dem Tod oder Einweisung in ein Konzentrationslager welches den gleichen Effekt für einen SS Mann gehabt hatte.

29 SEPTEMBER 1942

Himmler inspiziert das Konzentrationslager Sachsenhausen. Es ergeht die Anweisung an Konzentrationslager Inspekteur Glücks “sämtliche im Reich gelegene Konzentrationslager judenfrei zu machen und …sämtliche Juden in das KZ Auschwitz und das Kriegsgefangenenlager Lublin zu überstellen” Dieser Befehl ist ganz im Sinne Hitlers Willen das Reich so schnell wie möglich Judenfrei zu machen. Auch bekommt das Konzentrationslager Auschwitz erstmals jene zentrale Rolle der Vernichtung .

30 SEPTEMBER 1942

Himmler trifft in der Ukraine ein. Zuvor hatte er einige “Experten” dorthin entsendet um Lastkraftwagen in mobile Gaswagen umbauen zu lassen, SS Standartenführer Paul Blobel der hinter der Front wieder in Kiev einrückte, tat sich mit außergewöhnlicher Brutalität hervor. Der Oberbefehlshaber Generalfeldmarschall von Reichenau billigte die Erschießung jüdischer Kinder aus dem Waisenhaus in Belaja Zerkow Ende August

QUELLEN:

1) 9 SEPT Londerich Heinrich Himmler Biografie S605 /35

2) 15 SEPT zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S531 er zitierte aus Thomas SANDKÜHLER BERTRAND PERZ AUSCHWITZ UND DIE AKTION REINHARDT 1942-45???

3) 20-22 SEPT Longerich Heinrich Himmler Biografie S644 er zitierte zur Rüstungsitzung, Boelcke Deutschlands Rüstung S89

4) 26 SEPT zitiert aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S428 er zitierte aus Ulrich von Hassel die Hasseltagebücher 1938-1944 Berlin 1988 S330

5) 29 SEPT  zur Anweisung IFZ (Institut für Zeitgeschichte München Dokumentenummer) NO 5522 in  Karin Orth das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager S173

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1 Sept – 5 Sept 1942 Ghetto Lodz – Tagebuch des Dr Johann P Kremer

1 SEPTEMBER 1942 – GHETTO LODZ

Nun gehen die Deportationen in Lodz weiter innerhalb von nur 2 Stunden werden zuerst die 4 Krankenanstalten geräumt 2 000 Patienten darunter 400 Kinder. Man kontrollierte die Registratur wenn jemand fehlte wurden Familienmitglieder verhaftet um die Quote zu erhalten. Jozef Zelkowicz dem Ghettochronisten zu Folge verlangten die Behörden alle Patienten die auf den Listen standen und nicht auffindbar waren. Die Khellia (jüdische Gemeindeführung) einigte sich mit den Behörden schlussendlich, auf die Auslieferung 200 „anderer“ Personen, da die auf den Listen stehenden ausstehenden zum Teil nicht auffindbar oder über Beziehungen im Ghetto verfügten die ihnen einen starken Rückhalt boten. So wurden willkürlich Menschen den Nazibehörden ausgeliefert, die einmal in diesem Spital gewesen waren und schon längere Zeit entlassen, aber auch einige von jenen die um Aufnahme in die Krankenanstalten gebeten hatten.  Dann folgte sofort der Abtransport aller Kinder unter zehn Jahren und aller Alten über dem 65 Lebensjahr. Die Quote von 20 000 konnte so nicht erreicht werden, die 17 000 so ermittelten Juden ergänzte man um 3000 arbeitslose nicht „vermittelbare“ Juden.

Ghetto Lodz Verhaftung Ghettopolizei

Die Ghettopolizei verhaftet die zu Deportierenden selbst, hier sind sie gut erkennbar an ihren Mützen und der Binde mit dem “vollen” Judenstern. Der Gipfel des Zynismus jüdische Menschen verhaften jüdische Menschen damit die Nazis jene in den Osten “evakuieren”, in die Vernichtung.

2/5 SEPTEMBER 1942 AUSCHWITZ

Johann Paul Kremer

(Bild Quelle: Auschwitz.org  Museum Auschwitz) Johann P Kremer

Das Tagebuch des SS Arztes Johann P Kremer vermerkt am 2 und 5 September

“zum ersten Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dante`sche Inferno fast wie eine Komödie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtungslager genannt.”

“Heute Mittag bei einer Sonderaktion aus dem FKL (Muselmänner) : das schrecklichste der Schrecken. HSCHF [Hauptscharführer] Thilo hat recht, wenn er mir heute sagte, wir befänden uns hier am Anus Mundi .”

QUELLEN:

1) 1 SEPT zu Zahlen und den Verhaftungen siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S461 2000 Erwachsene und 400 Kinder er zitierte aus In those terrible days Joszef Zelkovics Michael Unger Jerusalem 2002 S258  zum Abtransport der Kinder Lucjan Dobroszycki THE CHRONICL oF THe Lodz Ghetto 1941-1944 New Haven 1984 S250

2) 2 und 5 Sept TAGEBUCH DES SS ARZTES JOHANN P KREMER IM TÖTUNGSLAGER AUSCHWITZ-BIRKENAU zitiert aus  Erzählt es euren Kindern

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HERBST 1942 Miklos Kallay – Die Frage Ungarn – Rumänien-Italien-Kroatien-Slowakei

Miklos Kallay bezahlte seinen Widerstand gegen die Deutschen schlussendlich mit Konzentrationslagerhaft in Mauthausen.

Die Nazis drängen nun auf Deportationen in ganz Osteuropa vorallem in Bulgarien, Rumänien, Ungarn. Im Oktober fordert man die Evakuierung der Juden aus Ungarn und deren Kennzeichnungspflicht mit dem gelben Stern, doch Ministerpräsident Kallay weigert sich. Die Nationalsozialisten versuchen es mit dem Argument einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, in dem man erklärt, die jüdischen Menschen benötige man für den “Straßenbau” und später würden jene in einem Reservat angesiedelt werden. Die Ungarn wissen um Geschehnisse, zumindest um die Gerüchte die es um der Judenevakuierungen und wollen sich nicht schuldig machen. Obwohl das ungarische Militär selbst antijüdische Maßnahmen plante bleiben die Ungarn stark und lehnen die Forderung der Deutschen 100 000 Juden auszuliefern ab. In Bulgarien beschließt das Parlament die Regierung zu bevollmächtigen eine Lösung des Judenproblems anzustreben, dazu wird Alexander Beleff ein bekannter Antisemit zum Kommissar für Judenfragen ernannt.

In Rumänien versuchen die Deutschen ebenfalls Druck auszuüben, doch auf Grund vermehrter Interventionen jüdischer Persönlichkeiten, des päpstlichen Nuntius Monsignore Andrea Cassulo und des schweizer Gesandten Rene de Weck geht Antonescu nicht auf die Forderungen der Deutschen ein. Am 11 Oktober verschob Antonescu die Deportationen auf das kommende Frühjahr, und am 11 November erklärte er Gustav Richter den Beauftragten Himmlers in Bukarest ins Gesicht, die Deutschen verhielten sich den Juden gegenüber barbarisch. Nach dem also im Sommer Eichmann noch überzeugt gewesen war im September die von Bukarest versprochenen 300 000 Juden deportieren zu können und einen Termin für 10 Sept anberaumte, weigert Rumänien sich nun hartnäckig. Als Richter im Winter 42 von Himmler nach Berlin zurück beordert wird, ist ein großer Teil der rumänische Armee (3 + 4) geschlagen und die Deutschen schlittern gerade in die Katastrophe von Stalingrad. In Kroatien sammelten sie die letzten 5000 Juden gegen die Zusage Hitlers an Pavelic. In der italienischen Zone Frankreichs weigert sich Alberto Calisse in Nizza die Juden aus der italienischen in die deutsche Zone zu evakuieren, auch ungeachtet der Anweisungen der Vichy Regierung. Die römische Regierung unterstützte den Widerstand gegen Vichy, mit allen möglichen Mitteln.

Weiters werden im Herbst 42 für die neuen Ostgebiete drei Rasse und Siedlungsführer (Rasse und Siedlungshauptamt) von Himmler entsendet die damit beschäftigt waren nach rassisch “wertvollem Blut” zu suchen .

Nach einer 3 monatigen Pause gehen die letzten drei Transporte slowakischer Juden nach Auschwitz. Die nun in der Slowakei verbleibenden Juden sind
überwiegend “getaufte”. Die Zahl beläuft sich auf ungefähr 20 000. Hatte man die ersten Transporte noch zu Arbeiten innerhalb des Lagers Birkenau herangezogen,  werden diese nun fast ausnahmslos nach einer Selektion in die Gaskammern geschickt. Ministerpräsident und Außenminister Dr Tuka schützt die zum Christentum gewechselten vorerst gegen die Evakuierungen. Im April 43 sollten die Deutschen jedoch auf die Wiederaufnahme der Deportationen drängen.

Quellen:

1) zu Rumänien siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung Rabu Ioanid  The Holocoust in Romania The Destructen of Jews and Gypsies under the Antenescu Regime 1940-44Chicago 2000 S241

2) Die Auslieferung der Italienischen Juden siehe , Serge Klarsfeld Vichy-Auschwitz zu Rasse und Siedlungsführer siehe Longerich Heinrich Himmler Biografie S604 /33

Die Endlösung der Judenfrage

4 DEZEMBER

Adolf Eichmann erarbeitete eine amtsinterne Denkschrift für Heinrich Himmler.  Er beobachtete darin den Rückgang der Auswanderung, und berechnete anhand von Statistiken die Gesamtzahl der Juden im Altreich und dem Gau Ostmark und dem Protektorat auf 315 642 im Sinne einer Definition der NBG (Nürnberger Gesetzgebung). Seiner Berechnung zu Folge hatten 501711 Juden das Reich und Protektorat bis zu diesem Datum bereits verlassen Im zweiten Abschnitt seines Berichts mit der Überschrift : DIE ENDLÖSUNG DER JUDENFRAGE kommt er zu dem Schluss: „Durch Umsiedlung der Juden aus dem europäischen Wirtschaftsraum des deutschen Volkes in ein noch zu bestimmendes Territorium. Im Rahmen dieses Projektes kommen rund 5,8 Millionen Juden in Betracht.“-

Hier ist bezeichnend dass Eichmann sowie Heydrich zuvor In zwei Phasen teilte nämlich” Anfangslösung der Judenfrage durch Auswanderung” und eine “Endlösung der Judenfrage” unterschied.

10 DEZEMBER

Am 10 Dezember hält Himmler in einer Rede vor Gauleitern fest dass er zum Thema ”Siedlung” , die “Judenauswanderung” aus dem Generalgouvernement nun Priorität hätte, um noch mehr Platz für Polen zu schaffen. Die Berechnungen Eichmanns dienten Himmler dabei als Grundlage seines Vortrages.

Quellen:

beide Daten zitiert nach Saul Friedländer Das Dritte Reich und die Juden (2 Bände) – Band 2 Jahre der Vernichtung S118 wobei auf Google Books Friedländers Buch auch zu finden ist Das Dritte Reich und die Juden – (eine Gesamtausgabe anscheinend) Erster Teil Terror S472 ist die wortgleiche Passage nach zu lesen.(am besten man kopiert sich den zitierten Originaltext des Dokuments und gibt ihn bei Google ein, es finden sich dann noch Ergebnisse von Wolfgang Benz usw usw) auch der 10 Dezember und Himmlers Rede sind natürlich darin zu finden.

1940 – Frankreich, Vichy / Exil, Niederlande, Belgien, Slowakei und die jüdische Frage –

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Das Kabinett Petain August 1940 –  (Quelle: Bundesarchiv Berlin)

„Ich bin der Ansicht, dass der französische Boden nicht aufgegeben werden darf und dass das Leiden, das dem Vaterland und seinen Söhnen bevorsteht, angenommen werden muss. Die französische Wiedergeburt wird Frucht dieses Leidens sein. Ich werde mich weigern, den Boden des Mutterlandes zu verlassen, ich werde bei dem französischen Volk bleiben, um seine Leiden und sein Elend zu teilen wenn nötig, außerhalb der Regierung. Der Waffenstillstand ist in meinen Augen die notwendige Bedingung für ein Weiterleben des ewigen Frankreich.“  Petain am 13 Juni 1940

Hundertvierzig Jahre nach der Emanzipation der Juden in Frankreich, werden durch Marschall Petains Kabinett und aus eigenem Antrieb die ersten “Judengesetze” verabschiedet. Dreyfuss Affaire, Staviski Affaire, Sozialistische Regierung Blums, verschärften den Antisemitismus in Frankreich. Der Effekt des Ersten Weltkrieges in denen Juden an der Seite Frankreichs gekämpft hatten führte in den Zwischenkriegsjahren zu einem Rückgang des Antisemitismus der in der französischen Geschichte lange Zeit keine zentrale Rolle gespielt hatte. Im Gegensatz zu Deutschland in der die extreme Rechte, aber auch die bürgerliche Rechte aus Angst vor, den Sozialisten und Kommunisten, den jüdischen Menschen die Schuld an der „Niederlage“ gaben.

Zur Niederlage der Franzosen titelte der Völkische Beobachter in seiner Sondernummer DIE SCHULD FRANKREICHS, die man hier eindeutig als “rassische” und so auch politische darstellen versucht (Quelle: Shoa Portal Vienna)

Vor dem Krieg gab es in Frankreich etwa 370 000 Juden, vermutlich die Hälfte waren keine französischen Staatsbürger. Von diesen waren etwa 55 000 erst zwischen 33-39 ins Land gekommen.

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Die französischen Juden hatten ihren Platz als “Familles Spirituelles” gefunden. Doch änderte sich das Klima in den dreißiger Jahren. Blum- Regierung, jüdische Zuwanderung und Skandale brachten dem Antisemitismus wieder in Aufschwung. So kam es selbst zu einer Spaltung der Juden mit französischer Staatsbürgerschaft und jenen die schön länger Eingewandert waren zu jenen die neu zugewandert waren, aus Angst ihren Status zu verlieren. Es gab zwar Hilfsorganisationen der französischen Juden, doch die Gefahr der neuerlichen Welle des Antisemitismus, brachte die französischen Juden dazu besonders ihre Brüder aus dem Osten mit zwiespältigen Gewissen zu betrachten. Die französische Regierung erwog die Möglichkeit eigener “Ausländereinheiten” also  die Juden auch in das französische Heiligtum der Armee einzubinden, doch verwarf man diesen Plan, nach der Übereinkunft Hitler und Stalins, aus Angst vor kommunistischen Juden, und möglicherweise Juden die mit Nazideutschland sympathisierten.

So einigte man sich am 18. Nov. 1939 auf die Internierung von Juden aus dem Osten in Lagern um sie einer “Kontrolle zu unterziehen.”

Nach der Überprüfung wurden sie nach einigen Wochen wieder freigelassen. Diese Lager benutzten die Nazis später jedoch auch um Juden aus dem Altreich (zb Saarpfalz) zu deportieren. Als die Nazideutschland den Krieg gegen Frankreich zu gewinnen drohte, internierte man alle staatenlosen Juden und jene die in Deutschland geboren wurden wieder in den selben Lagern. (Alter zwischen 17 und 55 Jahren) in dem man sie aufforderte sich an Sammelpunkten einzufinden. Die meisten die diesem Aufruf folgten konnten nun nicht mehr entkommen und so begann ihr Weg in den Tod schon bevor die Nazis überhaupt “Herrscher” über Frankreich wurden.

Ungefähr 100 000 Juden nutzten die Wirren “La Debacle” des Krieges  und flohen in den Süden. Etwa 40 000 Juden aus Belgien 15 000 aus dem Elsass waren zuvor schon Richtung Süden in die von den Deutschen nicht besetzte Zone aufgebrochen. Später als die jüdischen Menschen merkten, dass auch die Vichyregierung sich massiv an Deportationen beteiligte flohen viele von ihnen in den Südöstlichen Teil Südfrankreichs der von den Italienern besetzt gewesen war. Die Italienische Regierung unter Benito Mussolini versuchte über Jahre die jüdischen Menschen vor ihren Naziverbündeten zu schützen. Erst mit der Besetzung Italiens durch die deutsche Wehrmacht sowie SS beginnt man auch dort gezielt jüdische Menschen zu verfolgen und zu deportieren, zu ermorden.

10 JULI

Petainum1942.

Das Chambre de Deputes (Abgeordnetenhaus) und der Senat übertrugen die Exekutivgewalt auf Petains Kabinett (570 Ja-Stimmen, 80 Nein-Stimmen und 21 Enthaltungen) er wurde in der nicht besetzten Zone zum Staatschef und Regierungschef (84 Jahre alte Petain ) der „Etat Francaise“ (Staat Frankreich) war neu geboren mit dem Motto TRAVAIL, FAMILLE, PATRIE (Bild Quelle: Spiegel Geschichte Heft  3 | 2010 – Bild um ca. 1942 )

18 JUNI

Ansprache des Generals Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 in der BBC

„NICHTS IST VERLOREN“

„Die Führer, die seit vielen Jahren an der Spitze der französischen Streitkräfte stehen, haben eine Regierung gebildet. Diese Regierung, die sich auf die Niederlage unserer Streitkräfte beruft, hat sich mit dem Feind ins Benehmen gesetzt, um den Kampf einzustellen. Gewiss, wir wurden, wir sind bis heute überwältigt von der mechanisierten Schlagkraft des Feindes zu Lande und in der Luft. Sehr viel mehr als ihre bloße Zahl zwingen uns die Panzer, die Flugzeuge und die Taktik der Deutschen zum Rückzug. Es sind die Panzer, die Flugzeuge, die Taktik der Deutschen, die unsere Führer überrascht und sie in die heutige Situation gebracht haben. Aber ist das letzte Wort schon gesprochen? Muss die Hoffnung begraben werden? Ist die Niederlage endgültig? Nein! Glauben Sie mir, mir, der Ihnen in Kenntnis der Lage sagt, dass nichts verloren ist für Frankreich. Die gleichen Mittel, die uns besiegt haben, können eines Tages den Sieg herbeiführen. „

22 JUNI

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Kundmachung in London Juli 1940- General de Gaulle ruft alle Franzosen auf, mit ihm zu kämpfen, um Frankreich zu retten. (Bild Quelle: charles-de-gaulle.de )

 Am 22 hält General de Gaulle erneut eine Rede anlässlich der Kapitulation während er in London bemüht ist die zerstreuten französischen Einheiten zu sammeln und eine Exilregierung  zu bilden :

Die französische Regierung hat um den Waffenstillstand nachgesucht und kennt jetzt die vom Feind diktierten Bedingungen.

Aus ihnen ergibt sich, dass die französischen Land-, See- und Luftstreitkräfte vollständig demobilisiert, unsere Waffen ausgeliefert, das französische Staatsgebiet besetzt würden und die französische Regierung in die Abhängigkeit von Deutschland und Italien geriete.

So würde denn dieser Waffenstillstand nicht nur Kapitulation, sondern zudem Knechtschaft bedeuten.

Doch viele Franzosen finden sich weder mit der Kapitulation noch mit der Knechtschaft ab, denn dagegen stehen die Ehre, der gesunde Menschenverstand und das höhere Interesse des Vaterlandes.

Die Ehre! Denn Frankreich hat sich verpflichtet, die Waffen nur im Einvernehmen mit den Alliierten niederzulegen. So lange die Alliierten den Krieg fortsetzen, hat seine Regierung kein Recht, sich dem Feind zu ergeben. So haben die polnische Regierung, die norwegische Regierung, die belgische Regierung, die holländische Regierung, die luxemburgische Regierung – obwohl vom eigenen Territorium verjagt – ihre Pflicht verstanden.

Gesunder Menschenverstand! Denn es ist absurd, den Kampf verloren zu geben. Ja, wir haben eine schwere Niederlage erlitten. Ein falsches Militärsystem, die bei der Führung der Operationen begangenen Fehler, die Selbstzweifel der Regierung während der letzten Kämpfe haben uns die Schlacht um Frankreich verlieren lassen. Aber uns bleiben ein riesiges Weltreich, eine intakte Flotte, viel Gold. Uns bleiben Verbündete mit gewaltigen Ressourcen, die zudem die Meere beherrschen. Uns bleiben die gigantischen Möglichkeiten der amerikanischen Industrie. Dieselben Kriegsumstände, die uns mit 5000 Flugzeugen und 6000 Panzern niederwarfen, können morgen mit 20 000 Panzern und 20 000 Flugzeugen den Sieg bringen.

Höheres Interesse des Vaterlandes! Denn dieser Krieg ist kein französisch-deutscher Krieg, den eine Schlacht entscheiden könnte. Dieser Krieg ist ein Weltkrieg. Niemand weiß, ob die heute neutralen Völker es auch morgen sein, noch ob die Verbündeten Deutschlands immer seine Verbündeten bleiben werden. Wenn nun die Kräfte der Freiheit letztendlich über jene der Knechtschaft triumphierten – welches wäre dann das Schicksal eines Frankreich, das sich dem Feind unterworfen hätte?

Die Ehre, der gesunde Menschenverstand, das Interesse des Vaterlandes gebieten allen freien Franzosen, den Kampf dort fortzusetzen, wo sie sind, und so, wie sie es können.

Darum ist es nötig, überall, wo dies geht, eine möglichst große französische Streitmacht aufzustellen. Alles, was sich an französischen Militäreinheiten oder französischen Rüstungskapazitäten sammeln lässt, muss überall, wo es sie gibt, organisiert werden.

Ich, General de Gaulle, unternehme hier in England diese nationale Aufgabe.

Ich fordere alle französischen Soldaten der Land-, See- und Luftstreitkräfte, die französischen Ingenieure und Facharbeiter der Rüstungsindustrie, die sich auf britischem Boden befinden oder dorthin gelangen, auf, sich mit mir zu vereinigen.

Ich fordere die Offiziere und Soldaten, die Matrosen und Flieger der französischen Land-, See- und Luftstreitkräfte, wo immer sie sich im Augenblick befinden, auf, sich mit mir in Verbindung zu setzen.

Ich fordere alle Franzosen, die frei bleiben wollen, auf, mich anzuhören und mir zu folgen.

Es lebe das freie Frankreich in Ehre und Unabhängigkeit!“

FRANKREICH UND SEINE GESETZE

§ 17 JULI

beschränkte Einstellung in den öffentlichen Dienst auf Bürger mit franz. Vater (Justizminister Raphael Alibert Überprüfung der nach 1927 vorgenommenen Einbürgerungen.)

§ 16 AUGUST

Gründung eines nationalen Ärzteverbandes, der Vater muss Franzose sein

§ 27 AUGUST

…hob man das Marchandeau – GESETZ auf, das Hetzte aus rassischen oder religiösen Gründen verbat.

§ 10 SEPTEMBER

selbe Beschränkung wie schon am 16 August wird auf Rechtsanwälte erweitert.

§ 3 OKTOBER 1940

Verabschiedung des “Judenstatut” aus eigener Initiative der Vichy Regierung die anscheinend immer darauf bedacht war, den Deutschen einen Schritt voraus zu sein…

Nach diesem war ein Jude der von mindestens drei Großeltern jüdischer Rasse abstammte, oder von zwei jüdischen Großeltern wenn auch der Ehemann jüdisch war (deutsche Definition nahm Bezug auf die Rasse die französische auf die Religion) der Paragraf 5 besagte den Ausschluss von allen Stellungen innerhalb der Presse, Theater, und Film.

§ 4 OKTOBER

Internierung “ausländischer Juden” in besonderen Lagern sofern die Verwaltung ihres Bezirks diese verlangte. Nicht französischen Juden konnte auch ein Wohnsitz zwangsweise zugeschrieben werden. Dieses Statut wurde von allen Mitgliedern der Regierung gebilligt.

Petain redete nie öffentlich schlecht über Juden, sein Synonym war “ANTI FRANCAISE”

24 OKTOBER

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Wiener Illustrierte (interessante Blatt) vom 6 November 1940 (Quelle: ÖNB Projekt ANNO)

Es ist in einer kleinen französischen Stadt genannt Montoire. Das Treffen zwischen Hitler und Petain. Die zwei Staatsoberhäupter bekräftigen hier die Kollaboration zwischen Frankreich und Nazideutschland. Oben links  Hitler mit General Franco, darunter Pierre Laval  zu dieser Zeit Außenminister mit Hitler – ganz unten  Göbbels in Wien bei der Amtseinführung des neuen Chefs des Reichspropagandaamtes Wien Gebietsführer Günther Kaufmann – Bild darüber Hitler schüttelt Petain die Hand –

ERSTE DEPORTATION – OKTOBER – BADEN- SAARPFALZ

Im Oktober 1940 kommt es auf Befehl von Hitler zu Deportationen in der Saarpfalz (Gauleiter Wagner) und Baden (Gauleiter Bürckel ) unter Leitung des RSHA. Innerhalb von zwei Stunden mussten die jüdischen Menschen ihre Habseligkeiten zusammenpacken. Es wurden Sammelpunkte festgelegt, und Busse wurden bereit gestellt um die Menschen zu den Zügen zu deportieren. In jedem Bus ein Kriminalbeamter. Für Notfälle gab es Polizeieinheiten. Die jüdischen Menschen wurden nach Namenslisten sortiert, jeder durfte Gepäck von 50 Kilo mitnehmen, eine Decke Lebensmittel für mehrere Tage, Geschirr und 100 Reichsmark, wobei diverse andere Wertsachen zurück gelassen werden mussten. Lebensmittel wurden der NS Volkswohlfahrt übergeben. Haustiere wurden gegen Quittung Vertretern der Partei ausgehändigt. Es gab auch ein Verbot die Deportierten zu misshandeln. Der Transport ging in die Unbesetzten Gebiete der Vichy Regierung zb GURS RIVESALTES, LE VERNET und LES MILLES. (ohne Vichy Regierung zu informieren) somit wurden diese Juden staatenlos. Hitler nutzte eine Klausel in der Waffenstillstandsvereinbarung in der Juden aus Elsass Lothringen in die unbesetzte Zone zu deportieren seien. Baden und Saarpfalz wurden mit Elsass zu einem Gau verschmolzen, und so eine “rechtliche Grundlage” für die Deportation geschaffen(zu dieser Zeit war der Madagaskar Plan noch offen)dieses Ziel wurde auch der Vichyregierung mitgeteilt. Die Juden aus dem Elsass waren schon am 16 Juli 1940 deportiert worden. Die Vermögenswerte wurden am 4 April 1941 von Himmler (RSHA) konfisziert (sowie jene aus Pommern, Stettin, und Schneidemühl). Am 29 Mai forderte Hitler das Vermögen von den polizeilichen Behörden zurück. Himmler hatte lange Zeit die jüdischen Sachwerte als Ausgleich für diverse “Umkosten seiner Aktionen” betrachtet. Die Streitigkeiten um Sachwerte der einzelnen Zivilverwaltungsstellen und Himmlers SS waren daher, häufig gegeben. Nun angesichts einer möglichen territorialen generellen Lösung der Judenfrage durch Auswanderung, beginnt Hitler Klarheit in diesem wesentlichen Punkt zu schaffen. Die “zurückgelassenen” Werte wurden zum Staatseigentum erklärt, und Himmler musste sich Hitlers Wünschen fügen. Später wird man mit neuerlichen Verordnungen zum Reichsbürgergesetz die “Enteignung” der deportierten jüdischen Menschen per Gesetz festlegen. Schlussendlich hatte man im Zuge dieser Aktion am 22 und 23 Oktober etwa 6000 deutsche Juden deportiert, die in 9 Zügen Deutschland verlassen mussten.

SLOWAKEI – BELGIEN- NIEDERLANDE – RUMÄNIEN

NIEDERLANDE BELGIEN ENDE MAI

Hans Nockemann wird in den Niederlanden Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD. Am 18 Mai wurde Himmlers Freund, der Österreicher und SS Gruppenführer Seyß Inquart zum Reichskommissar der besetzten Niederlande ernannt. Höherer SS Polizeiführer sollte Hans Albin Rauter werden. Er wurde auch gleich von Inquart zum Generalkommissar für das Sicherheitswesen in den Verwaltungsapparat eingebunden Die besetzten Niederlande sollten dem “Germanischen Reich” wieder näher gebracht wergen. Die Bevölkerung die man als rassisch “gutartig” einstufte galt als Bereicherung des Deutschen Volkstums.

26 JULI

Hitler erwähnt gegenüber dem neu ernannten rumänischen Ministerpräsidenten Ion Gigurtu, der um die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Ausscheidens der Juden aus der Gesellschaft und dem Wirtschaftsleben und dessen Folgen besorgt ist: “Der Führer wies anhand von zahlreichen Beispielen aus der deutschen Entwicklung nach, dass trotz allen gegenteiligen Geredes die Juden sich als absolut entbehrlich erwiesen hatten.”

SLOWAKEI 30 Juli

Im Sommer wird Manfred von Killinger ein ehemaliger SA Führer zum Gesandten in Bratislava ernannt, sowie die Nazisymphatisanten Alexander Mach zum Innenminister und Vojtech Tuka der seit 1939 Ministerpräsident war zusätzlich zum Außenminister der Slowakei. Es ist der radikale Flügel der „Hlinka “ der nun mit Hitlers Unterstützung die Macht in der Slowakei übernimmt um einem nationalsozialistischen Staat unter deutscher Leitung zu gestalten

28 OKTOBER

In Belgien wird ein “STATUT DE JUIS” erlassen, man orientiert sich an Frankreich für die etwa 65-75 tausend Juden in Belgien.

QUELLEN:

FRANKREICH

1)Aussage Petain am 13 Juni 1940 zitiert nach Spiegel Geschichte Heft  3 | 2010 PDF Originalscan des Magazins – wobei das Magazin  Henry Rousso: „Vichy. Frankreich unter deutscher Besatzung 1940-1944“. Verlag C.H. Beck, empfiehlt München; 148 Seiten;.

2)Frankreich zur Erklärung Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S134 zur Internierung S135 Frankreich und seine Judengesetze S137

3) Zitat Charles de Gaulle Spiegel Geschichte Heft  3 | 2010 PDF Originalscan

4) Die Rede 22 Juli  1940 entnommen  von – Charles de Gaulle.de – der de Gaulle Stiftung (es finden sich dort zahlreiche Reden des Staatsmannes in Volltext wunderbare Seite Danke)

5) Oktober – Deportationen Saar Pfalz Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S119/ S120 Die Zahlen der Deportationen und der Züge stammen aus Gerwarths HEYDRICH Biografie S226 wobei er Heydrichs Brief an Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Luther vom 29 Oktober 1940 zitiert. PAAA Inland IIg 189 Siehe auch Jacob Toury “Die Entstehungsgeschichte des Austreibungsbefehls gegen die Juden der Saarpfalz und Baden“ in : Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte 15 (1986) S431-464.

6) Ende Mai die Niederlande – Heinrich Himmler Biografie Peter Longerich S511/12

7) und zu 30 Juli – Killinger, Mach, Tuka siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S106

Mai – August – Plan „Madagaskar“- „Die Judenfrage“

DIE FRAGE MADAGASKAR

Himmler ist also gezwungen für die europäischen Juden und deren Deportation eine andere Lösung zu finden als Hans Franks Generalgouvernement als “Müllkippe” zu benutzen, wie es die Nazidiktion formulierte. In der Zwischenzeit sind Heydrich und Eichmann damit beschäftigt, die Auswanderung der Juden weiter zu forcieren, wobei die Schwierigkeiten einer “legalen” Auswanderung und Abschiebung sich verschärften. Eine “geregelte” Auswanderung praktisch nicht mehr umsetzbar war. Die Länder der Welt hatten längst ihre Tore geschlossen auch in den sowjetischen Teil Polens konnte man nunmehr über Schleichpfade Menschen verschicken. Die Palästina- Auswanderung wurde angesichts der Kriegssituation von den Briten unterbunden. Heydrich wird im Juni erkennen, dass er keine Möglichkeit einer Auswanderung der Juden mehr sieht und im Kontext zu Madagaskar die Frage einr territorialen “Endlösung der Judenfrage” aufwerfen, wobei man den nicht militärisch notwendigen Teil Madagaskars unter den Befehl eines deutschen Polizeigouverneurs (Reichsleiter Bouhler) stellen wollte. Hierzu sollte Frankreich dem Reich Madagaskar zu Verfügung stellen. Diese Maßnahme sollte zu Beginn der Planungen etwa 3, 25 Millionen Menschen betreffen wie Franz Rademacher in einem Bericht des Auswärtigen Amtes Abteilung “Judenangelegenheiten” festhielt.

Im Herbst 1940 erkannte man die Hoffnungslosigkeit der Friedensverhandlungen mit
England. Man führte den Plan Madagaskar zwar offiziell noch einige Monate weiter, doch hinter den Kulissen begann man nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Nun war man in der “Judenfrage” keinen Schritt weitergekommen. Nach dem der Friedensvertrag mit England gescheitert war, nach dem man erkennen musste dass auch ein “Faustpfand Jude” oder gar ein Plan Madagaskar keine reale Lösung brachten, kehrte man Ende des Jahres  wieder zu den alten Plänen zurück. Die Konzentration im Osten sollte wieder Priorität bekommen. Um der dadurch gegebenen Gefahr, eines “Einsickerns rassisch minderwertigen Blutes” zu verhindern, griff Himmler auf eine Möglichkeit zurück die im Zuge der “Sozialmedizinischen  Eingriffe” hinlänglich erprobt worden war, die Möglichkeit der “Zwangssterilisation”. Wahrscheinlich für jene HalbjüdischenProminenten und  Geltungsjuden die man auch rechtlichen Gründen nur schwer deportieren konnte. Mit diesen Gedanken musste Himmler schon Ende 1940 spekuliert haben. In diesem Sinne wird er mit Viktor Brack Kontakt aufnehmen um diesen Plan prüfen zu lassen. Doch die für Himmler grundlegenden  Problemstellungen lagen ganz wo anders. Eine Deportation in ein Judenreservat oder Ghetto   stellte die Frage nach Nahrungsmittel, und des enormen Aufwands einer Überwachung für Millionen Menschen. Mit dem nun angestrebten Ostfeldzug kamen für Himmler zwar erneut Millionen Juden als “Problemstellung” hinzu, jedoch auch ganz neue Möglichkeiten diese Problemstellungen einer endgültigen Lösung zuzuführen. Heydrich wird im Dezember erneut den persönlichen Befehl Hitlers bekommen sich dem Judenproblem zu widmen. Nun im Zeichen der zu erwartenden neuen Ostgebiete, im Kontext eines zu erwartenden Feldzuges gegen die Sowjetunion.

JUNI 1940

Reinhard Heydrich sieht keine Möglichkeit mehr für eine jüdische Auswanderung “Judenfrage könne durch Auswanderung nicht mehr gelöst werden. Eine -territoriale Endlösung – wird daher notwendig.” Dieses Schreiben bezieht sich auf alle offizellen “Möglichkeiten der Judenauswanderung” Die Heydrich 1942 als die “legalen” Auswanderungsmöglichkeiten bezeichnete, wie zb die Auswanderung in die Vereinigten Staaten über Visa und gegen hohe Geldforderungen.

3 JUNI

DAS AUSWÄRTIGE AMT-

Die Frage der jüdischen Menschen und deren “Aussiedlung” erreichte nun die Ministerialebene. Aussenminister Ribbentrop richtete in diesem Sinne nun eine zentrale Stelle im Aussenministerium ein deren Ziel, die Koordination mit allen Dienststellen des Reiches war, die in der Judenfrage eine maßgebende Rolle spielten. Sie definierte die Möglichkeiten und Verhandlungsziele aus Sicht des Auswärtigen Amtes, also aus Sicht der aussenpolitischen Interessen und führte die Verhandlungen. In diesem Sinn versuchte Franz Rademacher, vorerst die wichtigsten Punkte und Zusammenhänge für die künftige Judenpolitik zusammen zu fassen, Zuständigkeiten auszuloten, und grundsätzliche Richtlinien vorzugeben.

“1. Erbitten einer grundsätzlichen Festlegung des deutschen Kriegsziels in der Judenfrage von Herrn Reichsaussenminister.

Möglichkeiten:

a) Alle Juden aus Europa,

b) Trennung zwischen Ost- und Westjuden; Ostjuden, die den zeugungskräftigeren und talmudsicheren Nachwuchs für die jüdische Intelligenz bilden, bleiben als Faustpfand in deutscher Hand (Lublin?), um die Amerika-Juden lahmzulegen. Westjuden aus Europa (Madagaskar?),

c) jüdisches Nationalheim in Palästina (Gefahr eines 2.Roms!).

2. Aufnahme engerer Besprechungen mit den interessierten innerdeutschen Partei-, Staats- und wissenschaftlichen Stellen. Erfassen und Abstimmen ihrer Pläne auf die Wünsche des Herrn Reichsaussenministers.

3. Sammeln der sachlichen Unterlagen (Anzahl der Juden in den einzelnen Ländern, die für die Evakuierung notwendigen Geld- und Transportmittel und die dafür möglichen Fristen usw.).

4. Für diese Arbeit notwendig: Sofortige Verstärkung des Referats D III um einen geschickten, jüngeren Konsulatssekretär und eine Schreibdame, sowie Zuweisung eines neuen Attachés an Stelle des zum Ref. Partei überwiesenen Attachés Neuwirth” (a.a.O., Bl.229).

2/3 JULI –

LÖSUNG MADAGASKAR

Franz Rademacher aus dem Auswärtigen Amt verfasst seine Schrift zur Frage Madagaskar

DIE SICHT DES AUSWÄRTIGEN AMTES

Legationssekretär im Auswärtigen Amt Judenreferat der Deutschlandabteilung DIII Franz Rademacher

Nun nach dem man im Juni die ersten Grundsätzlichen “Überlegungen” festgelegt hatte und man sich mit Himmlers Polizeidienststellen in Verhandlungen über die “Judenfrage” befand, kam man zu den ersten außenpolitischen “Richtlinien”, wie Franz Rademacher festhielt:

“Die Lösung Madagaskar bedeutet vom deutschen Standpunkt aus gesehen, Schaffung eines Großghettos. Nur die Sicherheitspolizei hat die nötigen Erfahrungen auf diesem Gebiet, Sie hat die Mittel, eine Flucht von der Insel zu verhindern. Sie hat weiter die Erfahrung darin, Strafmaßnahmen, die wegen feindseliger Handlungen von Juden in USA gegen Deutschland erforderlich werden, in der geeigneten Weise durchzuführen.”

12 JULI

Hans Frank hat sein wesentlichstes Ziel erreicht, die Deportationen ins Generalgouvernement sind gestoppt, so hält er vor seinen Ressortchefs in Krakau fest: „Sehr wichtig ist auch die Entscheidung des Führers, die er auf meinen Antrag gefällt hat, dass keine Judentransporte ins Generalgouvernement mehr stattfinden. Allgemein politisch möchte ich dazu sagen, dass geplant ist, die ganze Judensippschaft im Deutschen Reich, im Generalgouvernement und im Protektorat in denkbar kürzester Zeit nach Friedensabschluss in eine afrikanische oder amerikanische Kolonie zu transportieren. Man denkt an Madagaskar, das zu diesem Zweck von Frankreich abgetreten werden soll „

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15 August

Das RSHA (Reichsicherheitshauptamt SS/SD) hatte schon im Juni den Auftrag des Auswärtigen Amtes erhalten im Kontext des Madagaskarplans genauere Details auszuarbeiten. Am 15 August erhält das Auswärtige Amt Eichmanns Projektplanung.  Eichmann bezweifelt wie auch schon Heydrich eine Lösung des Judenproblems durch normale Auswanderung noch erreichen zu können. Daher meint er “Zur Vermeidung dauernder Berührung anderer Völker mit Juden ist eine Überseelösung insulare Charakters jeder anderen vorzuziehen.” In Frage kämen hierbei sämtliche Juden aus Ost und West die er auf etwa 4 Millionen beziffert.

Die Antwort des RSHA Reichs Sicherheit Haupt Amtes sah folgendermaßen aus:

 Unbenannt

SS-Obersturmführer Theo Dannecker – Eichmanns enger Mitarbeiter (Judenreferent)

(Quelle Bild:  Holocaust Research Project)

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Der „Madagaskar-Plan“

Theo Dannecker SS-Obersturmführer Berlin W 62, den 15. August 1940, Kurfürstenstraße 116

Herrn Legationssekretär Rademacher Berlin

Lieber Kamerad Rademacher!

Durch Boten übersende ich ein Exemplar der Ausarbeitung „Madagaskar-Projekt“ für Ihren persönlichen Gebrauch. Ich darf um besonders vertrauliche Behandlung bitten.

Heil Hitler!

Urschriftlich mit der Bitte um Rückgabe

Herrn Gesandten Luther zur Kenntnis vorgelegt. Der Plan selbst ist durch Gruppenführer Heydrich an Herrn Reichsaußenminister unmittelbar weitergeleitet worden, von dort über Kult E zu D III gelangt, von mir an Pol III geleitet. Das anliegende Stück hatte ich inzwischen unmittelbar erhalten. Ich war von der Absicht Heydrichs informiert worden, worüber ich gleich telefonisch an Sie nach Fuschel berichtet habe.

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I. Lage und Grundsätzliches.

a) Mit der Errichtung des Generalgouvernements Polen und der Eingliederung der neuen deutschen Ostgaue kamen große Massen von Juden unter unmittelbare deutsche Hoheitsgewalt. Dazu kommen noch die in den unter deutscher militärischer Oberhoheit stehenden Gebieten ansässigen Juden. Die bisherige Praxis zeigte, daß schon die Lösung des jüdischen Problems im Reichsgebiet einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren im Wege der Auswanderung infolge der allenthalben auftretenden Schwierigkeiten (verschärfte Einwanderungsgesetzgebung überseeischer Länder, Passagen- und Devisenbeschaffung usw.) in absehbarer Zeit schwer zum Ende geführt werden kann. Nach dem Hinzukommen der Massen des Ostens ist eine Bereinigung des Judenproblems durch Auswanderung unmöglich geworden.

b) Insgesamt ist augenblicklich mit einer Zahl von rund 4 000 000 Juden zu rechnen, die sich wie folgt zusammensetzt:
1. Deutschland etwa 743 000 2. Generalgouv. etwa 2 300 000 3. Protektorat etwa 77 000 4. Belgien etwa 80 000 5. Holland etwa 160 000 6. Luxemburg etwa 2 500 7. Dänemark etwa 7 000 8. Norwegen etwa 1 500 9. Slowakei etwa 95 000 10. Frankreich etwa 270 000

c) Die folgende Ausarbeitung stellt den Niederschlag der bisher seitens der Sicherheitspolizei geleisteten Vorarbeiten zu dem Projekt einer Ansetzung dieser rund 4000000 Juden in Madagaskar dar.

Zur Vermeidung dauernder Berührung anderer Völker mit Juden ist eine Überseelösung insularen Charakters jeder anderen vorzuziehen.

II. Geographisches. (Landkarte siehe Anlage I)

a) Klima.

Die Küsten der Insel sind infolge der hohen Temperatur und der dauernd feuchten Luft für Europäer ungesund. Ein großer Teil des Innenlandes bildet eine Hochlandstafel von 800—1500 m Durchschnittshöhe. Diese Zone ist für Europäer geeignet.

Die großen Niederschlagsmengen bedingen das Vorhandensein zahlreicher Wasserläufe und Sümpfe. Dadurch ist naturgemäß in den Niederungen Fiebergefahr vorhanden. Durch Trockenlegungen könnte der Seuchenausbreitung entgegengesteuert werden. Für ein Arbeitsprogramm sind schon hier große Aufgaben zu bewältigen.

b) Volkszahl und Land.

Das Gebiet der Insel entspricht mit fast 600 000 qkm der Größe Frankreichs, Belgiens und Hollands zusammen.

Insgesamt sind 3,8 Millionen Einwohner vorhanden, darunter 3 660 000 Madagassen, 11 000 Inder und Chinesen sowie 24 000 Europäer, hauptsächlich Franzosen.

c) Wirtschaft.

Industrien sind nur im geringen Umfange vorhanden. Neben dem Reis, der in allen Teilen des Landes angebaut wird, wächst Maniok (Wurzelpflanze, die hier die Kartoffel ersetzt), Kartoffel, außerdem Baumwolle, Erdnuß, Mais, Zuckerrohr, Kaffee, Tee, Nelken, Vanille, Parfümerie- und Medisialpflanzen werden ausgeführt. In den Höhenlagen bis 1000 Meter gedeihen Bananen, Orangen, Zitronen, Kokospalmen, Mango, Litschi, Avokado und Ananas.

Der hohe Viehbestand von ungefähr sieben Millionen Rindern gestattet zur Zeit einen Fleischexport. Die Ernährung ist demnach auch beim Hinzukommen von 4 Millionen Juden gesichert.

Teilweise Erzvorkommen sind vorhanden, aber mangelhaft ausgebaut.

d) Verkehrswege.

Das Eisenbahnnetz der Insel ist nur 600 km lang. Stabile Straßenanlagen, Wege und Brückenbauten müssen in großem Umfange noch geschaffen werden. Auch Stromregulierungen sind weitgehendst erforderlich. Ein großzügiges Arbeitsprogramm zum Ausbau der Verkehrswege würde auf Jahre hinaus Arbeitsmöglichkeiten schaffen.

Die örtliche Leitung des Territoriums müßte bemüht sein, die Wirtschaft dieses Landes autark zu gestalten, damit Verbindungen zwischen den Juden und der übrigen Welt im Rahmen des internationalen Handels ausgeschlossen werden.

Wo dies im Anfang nicht erreicht werden kann, sind deutsche Treuhandgesellschaften zur Lösung dieser Probleme anzusetzen.

III. Staatsrechtliche Form und gebietsmäßige Aufgliederung.

a) Madagaskar ist infolge des insularen Charakters zur Bildung eines jüdischen Reservates geeignet. Jeder Versuch jüdischer Eigenstaatlichkeit muß bei der Findung der staatsrechtlichen Form von vornherein ausgeschaltet werden. Gleichzeitig ist es notwendig, allen etwaigen Einspruchsversuchen, besonders seitens der USA, vorzubeugen.

Als staatsrechtliche Form erscheint aus diesen Gründen die Errichtung einer jüdischen Wohnstätte unter deutscher Oberhoheit gegeben. Tatsächlich müßte aber dieses Mandat im Innern als Polizeistaat aufgezogen werden.

Der Kriegsmarine und der Luftwaffe werden die notwendigen Stützpunkte und Landeplätze freigehalten.

b) Das Gesamtgebiet der Insel ist zweckmäßigerweise aus organisatorischen Gründen, besonders auch in Anbetracht der großen Entfernungen, in vier Distrikte zu unterteilen. Während dem Ansetzungshauptstab als Organisation zur Durchführung zentraler Aufgaben ein zu bildender jüdischer Ältestenrat zur Verfügung steht, haben sich am Sitz der Distriktsstäbe jüdische Distriktsgemeinden zu bilden, die wiederum in Bezirks- und örtliche Gemeinden aufgeteilt werden.

Der örtliche französische Verwaltungsapparat müßte unter Leitung der deutschen Behörden zeitweise weiterarbeiten. Dadurch ist eine dienstliche Entlastung der Ansetzungsstäbe, gleichwie der anderen etwa vorhandenen deutschen Behörden, gegeben.

IV. Organisation. (Organisationsplan siehe Anlag II)

A) Gesamtleitung.

Die Gesamtleitung liegt beim Chef der Sicherheitspolizei und des SD, welcher bereits mit Befehl des Reichsmarschalls vom 24.1.1939 als Sonderbeauftragter für die Judenauswanderung eingesetzt worden ist. Ihm obliegen die zentrale Steuerung der gesamten Aussiedelung und Ansetzung, die Regelung der Transportangelegenheiten, die gesamte Finanzierung, sowohl der Transporte als auch der Ansetzung, und die sicherheitspolizeiliche Aufsicht.

B) Aussiedelung.

1. Technische Durchführung. Zur technischen Durchführung der Aussiedelung werden folgende Aussiedelungsstäbe gebildet:

West: Für Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg

Mitte: Für Altreich mit Sudetenland einschließlich neue deutsche Ostgaue, Ostmark, Protektorat Böhmen und Mähren, Slowakei, Dänemark, Norwegen

Ost: Für Generalgouvernement Polen.

2. Im einzelnen: a) Altreich, Sudetengau, neue deutsche Ostgaue. Die zentrale Steuerung liegt in Händen der Reichszentrale für jüdische Auswanderung Berlin. Verantwortlich für die Durchführung sind hier die Inspekteure der Sicherheitspolizei und das SD, die durch ihre nachgeordneten Dienststellen zu ausführenden Organen werden. Letztere bedienen sich hinsichtlich der Durchführung im einzelnen der Bezirksverbände bzw. Ortsvereinigungen der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ bzw. in den Ostgauen der „Jüdischen Ältestenräte“.

b) Ostmark. Die zentrale Steuerung liegt bei der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien. Ihr steht zur Einzeldurchführung die Israelitische Kultusgemeinde Wien mit ihrem gesamten Apparat zur Verfügung. (Es handelt sich hier lediglich nur um etwa 50 000 Juden.)

c) Protektorat Böhmen und Mähren. Die zentrale Steuerung liegt bei der dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD unterstellten Zentralstelle für jüdische Auswanderung Prag. Für die Durchführung im einzelnen sind die Staatspolizeileitstellen in Prag und Brünn verantwortlich. Die jüdische Kultusgemeinde Prag hat als Trägerin des gesamten jüdischen organisatorischen Lebens im Protektorat die Einzelarbeiten zu leisten.

d) Slowakei. Nach dem Muster der Zentralstelle für jüdische Auswanderung wird mit dem Sitz in Preßburg ein besonderer Aussiedelungsstab unter Zuhilfenahme der örtlichen Behörden errichtet und dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD unterstellt.

e) Dänemark Während die Durchführung der Aussiedelung in den unter a), b), c) und d) genannten Gebieten größeren Umfang hat, kann die Aussiedelung in Dänemark, wo sich nur etwa 7500 Juden befinden, so vor sich gehen, daß ein Beauftragter des Stabes Mitte zusammen mit der zuständigen dänischen Polizeibehörde die verhältnismäßig kurze Zeit in Anspruch nehmenden Arbeiten durchführt. Soweit vorhanden, haben sich hier jüdische Gemeinden bzw. Organisationen an der Einzeldurchführung zu beteiligen.

f) Norwegen. Hier handelt es sich nur um etwa 1500 Juden, deren Abschub mit einem Transport erledigt ist.

g) Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg. Von dem Aussiedelungsstab West wird zu den zuständigen Polizeibehörden dieser Länder jeweils ein Beauftragter abgestellt.

Die Durchführung im einzelnen liegt bei den unteren Verwaltungs- bzw. Polizeibehörden der vier Länder. Dabei sind als Hilfsstellen die jüdischen Organisationen bzw. Gemeinden nach ihrer Reorganisation entsprechend dem Aufbau der Israelitischen Kultusgemeinden“ in Wien und Prag bzw. der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ heranzuziehen.

h) Generalgouvernement Polen. Die gesamte Verantwortung für die Aussiedelung im Generalgouvernement liegt beim Aussiedelungsstab Ost, der innerhalb des Stabes des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Krakau tätig ist.

In den einzelnen Distrikten sitzen Distriktsbeauftragte, die unter Einschaltung der örtlichen Dienststellen der Sicherheitspolizei und des SD die Aussiedelungsaktionen durchführen. Dabei haben die Vorarbeiten zur Einzeldurchführung weitestgehend die jüdischen Ältestenräte durchzuführen.

3. Vorarbeiten. a) Alle mit der Durchführung beauftragten Dienststellen haben zunächst eine genaue Sichtung des gesamten Judentums ihres Gebietes vorzunehmen. Sie sind für die Beantragung und Ausstellung aller — für eine Abwanderung von Juden — notwendigen Vorarbeiten, wie Dokumentenbeschaffung für den Einzeljuden, Vermögenserfassung und Verwertung, sowie Eingliederung in die Transporte, verantwortlich. Die ersten Transporte sollen hauptsächlich Landwirte, Baufachleute, Handwerker und Handarbeiterfamilien bis zu 45 Jahren sowie Ärzte enthalten. Diese werden dann gewissermaßen als Vortrupp zum Zwecke der Vorbereitung der Unterbringung der nachfolgenden Mannen vorausgeschickt und angesetzt.

b) Die Juden dürfen bis zu 200 kg nicht sperrendes Gepäck pro Person mitnehmen. Jüdische Landwirte, Handwerker, Ärzte usw. müssen, soweit vorhanden, die gesamte in ihrem Besitz befindliche und zur Ausübung ihres Berufes notwendige Ausrüstung mitnehmen. Bezüglich der Mitnahme von Bargeld und Edelmetallgegenständen gelten die jeweiligen Bestimmungen.

c) Das zurückbleibende Vermögen der Ausgesiedelten ist der besonders dafür in jedem Lande zu errichtenden „Treuhandstelle für das Judenvermögen“ zu melden. Der Gesamterlös nach Verkauf der unbeweglichen Vermögensteile wird dann einem zu errichtenden Zentral-Aussiedelungsfonds zugeführt, der nach dem Muster des Auswanderungsfonds in Wien bzw. des Auswanderungsfonds Böhmen und Mähren erstellt wird und sich dieser Fonds und allfällig weiterer Landesfonds als Untergliederung bedient.

C) Transporte.

1. Schiffsraum. Um einen rohen Überblick über den notwendigen Schiffsraum zu erhalten, wird unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen Fassungsvermögens von 1500 Personen pro Schiff folgende Überschlagsrechnung niedergelegt: Nimmt man für Hin- und Rückfahrt einschließlich der notwendigen Aufenthalte etwa 6o Tage an, dann kommt man zum Ergebnis, daß beim Vorhandensein von 120 Schiffen ähnlichen Inhaltes täglich zwei Transporte mit demnach insgesamt 3000 Juden durchgeführt werden könnten.

Pro Jahr würde das eine Zahl von rund 1 Million Juden ergeben. Die Dauer der Durchführung des gesamten Projektes könnte deshalb auf etwa vier Jahre festgesetzt werden. Nach dem Friedensschluß wird zweifellos die deutsche Handelsflotte anderweitig sehr stark in Anspruch genommen sein. Es wird deshalb notwendig, im Friedensvertrag mit aufzunehmen, daß zum Zwecke der Lösung des Judenproblems sowohl Frankreich als auch England den erforderlichen Schiffsraum zur Verfügung stellen.

2. Finanzierung der Transporte. Die Finanzierung der Transporte wäre im wesentlichen der in den Westmächten ansässigen Judenschaft anläßlich des Friedensvertrages als Wiedergutmachung für jenen Schaden aufzuerlegen, der im Verfolg der Auswirkung des Versailler Vertrages durch die Juden dem Deutschen Reiche in wirtschaftlicher und sonstiger Beziehung zugefügt wurde.

D) Ansetzung.

1. Ansetzungshauptstab. Der Ansetzungshauptstab des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, dessen Sitz noch zu bestimmen wäre, ist als die direkt Berlin verantwortliche Stelle für die Gesamtleitung der Ansetzung zuständig. Ihm obliegt das gesamte Sicherungswesen, die Transportannahme und -Verteilung (Einwanderungskontingente), das Melde- und Auskunftswesen, Ernährungswesen, Finanzwesen und Währungsfragen, Nachrichtenwesen sowie Aufbau und Kontrolle des jüdischen Gemeinwesens.

2. Ansetzungsstäbe. Die in den Distrikten arbeitenden Ansetzungsstäbe I—IV, deren Standorte gleichfalls noch zu bestimmen sind, tragen die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Befehle des Hauptstabes und die unbedingte Einhaltung der von diesem erteilten generellen Richtlinien in ihren Distrikten.

Die jüdischen Distriktsgemeinden unterstehen direkt dem jeweiligen Ansetzungsstab, der seinerseits entsprechend den ihm gegebenen Richtlinien die notwendigen Einzelentscheidungen an Ort und Stelle fällt.

Hauptaufgabe der Ansetzungsstäbe in den Distrikten ist ferner die Kontrolle der zweckmäßigen Ansetzung jüdischer Arbeitskommandos mit dem Ziele, die Unterbringungsmöglichkeiten für die nachfolgenden Transporte zu sichern und zu erreichen, daß insoweit eine sofortige Einschaltung in den Produktionsprozeß erfolgt, als dies zur Bestreitung des jüdischen Eigenbedarfs nötig ist.

3. Arbeitsweise. Als Grundlage wird durch ein Vorkommando überschlagsmäßig nach Festlegung der Distriktsgrenzen die vermutliche Aufnahmefähigkeit festgestellt. Dann erfolgt die Festsetzung der Schlüsselzahlen für die einzelnen Distrikte.

Die Ansetzungsstäbe der Distrikte können nach Bekanntgabe der Schlüsselzahlen an eine großzügige Planung unter laufender Beteiligung des Ansetzungshauptstabes herantreten.

E) Jüdisches Gemeinwesen.

Wie bereits ausgeführt, wird ein einsatzfähiger jüdischer Organisationsapparat aufgebaut werden, dessen Haupttätigkeit darin besteht, den gegebenen Anordnungen der Ansetzungsstäbe schnellstens Geltung zu verschaffen. Diese Methode hat sich bei der Arbeit der Zentralstelle für jüdische Auswanderung bestens bewährt und wälzt einen Großteil der Arbeit auf die Juden selbst ab.

Die jüdischen Distriktsgemeinden haben die Bezirks- und Ortsgemeinden so durchzuorganisieren, daß während der Durchführung der Ansetzung eine reibungslose Abwicklung gewährleistet erscheint. Ferner haben jüdische Baufachleute und geschulte Landwirte, die mit den Vortrupps ins Land kommen, unverzüglich innerhalb der einzelnen jüdischen Gemeinden an den Ausbau und Aufbau landwirtschaftlicher Siedelungen sowie an die verkehrstechnische Erschließung des Landes heranzugehen.

Die Juden haben ferner für die geordnete Lebensmittelversorgung durch Errichtung eines Verteilungsapparates auf genossenschaftlicher Basis zu sorgen.

Um die sanitäre Betreuung einigermaßen zu sichern, haben die jüdischen Stellen auf die richtige Verteilung aller vorhandenen Ärzte innerhalb der Gebiete zu achten.

F) Finanzierung.

Die Durchführung der vorgeschlagenen Endlösung erfordert bedeutende Mittel. Es ist zu unterscheiden zwischen Mitteln, die für die Aussiedelung der Juden aus dem Reichsgebiet einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren, den neuen deutschen Ostgebieten und dem Generalgouvernement aufgebracht werden und solchen Mitteln, die für die Aussiedelung der Juden aus den Ländern in Frage kommen, die bei der Endlösung berücksichtigt werden sollen. Die Aufbringung der letzteren Mittel wäre durch entsprechende Bedingungen anläßlich der Friedensvertragsverhandlungen etwa durch Auflegung einer Kontribution auf das Judenvermögen dieser Länder zu erreichen.

Diese durch Kontribution aufkommenden Mittel können zweifellos bedeutend größer gestaltet werden, als die innerhalb des Reichsgebietes einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren aufzubringenden, selbst unter Berücksichtigung der Heranziehung des gesamten jüdischen Privateigentums im Reichsgebiet, Protektorat Böhmen und Mähren, den neuen deutschen Ostgebieten und Generalgouvernement. Durch einen entsprechenden Verteilerschlüssel muß der notwendige Ausgleich dieser beiden Aufbringungsgruppen hergestellt werden. Ebenso wäre noch die Frage zu klären, ob bezüglich der Aufbringung der Mittel im Reichsgebiet, im Protektorat Böhmen und Mähren, in den neuen deutschen Ostgauen und im Generalgouvernement Enteignungsmaßnahmen geeignet erscheinen, oder aber ob diese Mittel in Form von freiwilligen Rechtsgeschäften unter Einschaltung der jüdischen Kultusgemeinden Prag und Wien, der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland und der jüdischen Ältestenräte in den Ostgebieten aufzubringen wären.

G) Vorausmaßnahmen.

Im Falle der endgültigen Bestimmung Madagaskars zur Judenwohnstätte wird vorgeschlagen, ein Kommando der Sicherheitspolizei in entsprechender fachlicher Zusammensetzung an Ort und Stelle zu entsenden.

Aufgabe dieses Vorkommandos ist es, folgende Feststellung zu treffen:

1. Gesamtaufnahmefähigkeit. 2. Möglichkeiten der Erweiterung der Aufnahmefähigkeit durch Lagererrichtung u. ä. 3. Verwendbarkeit der unteren französischen Verwaltungsbehörden bezüglich der Verteilung und Einordnung ankommender Transporte. 4. Allgemeine Verpflegungslage. 5. Landwirtschaft und Wirtschaft allgemein, Arbeitseinsatz. 6. Landemöglichkeiten, Verkehrswege.

Nach Vorliegen des Berichtes des Vorkommandos werden unter Heranziehung der örtlichen französischen Verwaltungsbehörden Vorbereitungsaufgaben in Angriff genommen.

Es wird vorgeschlagen, daß bei den Friedensverhandlungen für den Bereich dieser Angelegenheit ein Beauftragter des RF-SS und Chefs der Deutschen Polizei miteingeschaltet wird.

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30 August

Am 30 reagiert das Auswärtige Amt, die Verhandlungen mit dem Reichsicherheitshauptamtes waren vorerst zu folgenden Ergebnis gekommen.

“Nachdem auf Vorschlag der Abteilung Deutschland der Herr Reichsminister entschieden hatte, dass die Lösung der Judenfrage im Friedensvertrag von dem Referat D III in der Abteilung Deutschland im Einvernehmen mit den Dienststellen des Reichsführers SS bearbeitet werden sollte, habe ich den anliegenden Grundriss eines Planes zur Lösung der Judenfrage im Friedensvertrage entworfen. Dieser Plan ergibt als praktische Arbeitseinteilung:

1. Führen der Verhandlungen mit den Feindmächten auf Grund des Friedensvertrages und mit den übrigen europäischen Staaten auf Grund von Sonderverträgen – Auswärtiges Amt.

2. Erfassen der Juden in Europa, Transport nach Madagaskar, ihre Ansiedlung dort und die zukünftige Verwaltung des Insel-Ghettos – Reichssicherheitshauptamt.

3. Erfassung des jüdischen Vermögens in Europa, Gründen einer intereuropäischen Bank, die dieses Vermögen treuhänderisch zu verwalten und zu verwerten, sowie die Finanzierung des Ansiedlungsunternehmens durchzuführen hat – Dienststelle des Vierjahresplanes, Staatsrat Wohltat.

4. Das propagandistische Vorbereiten und Sichern des Planes gegen eine evtl. Hetzwelle aus USA:

a) für den Bereich des Inlands das Propagandaministerium, Oberregierungsrat Dr. Taubert, mit seiner “antisemitischen Aktion”,

b) für den Bereich des Auslandes die Informationsabteilung des Auswärtigen Amts.

Gemäss dieses Grundplanes bin ich an die einzelnen Dienststellen herangetreten. Auf meine Anregung hin und in enger Fühlungnahme mit mir ist dann der Madagaskarplan des Reichssicherheitshauptamtes entstanden…. Um den Plan sachlich weiter zu fördern, ist es jetzt an der Zeit

a) die erwähnten innerdeutschen Dienststellen zu einer Besprechung im Auswärtigen Amt zusammenzurufen und eine vorbereitende Kommission zusammenzustellen,

b) an die Franzosen heranzutreten, damit sie dieser Kommission die Einreise nach Madagaskar gestatten,

c) entsenden der Kommission auf 1-2 Monate nach Madagaskar, um an Ort und Stelle die Einzelfragen der Ansiedlung und deren Vorbereitung festzustellen…” (a.a.O., Bl.195/196).

Quellen:

FRAGE MADAKASKAR UND FRANZ RADEMACHER
siehe zb Heinrich Himmler Biografie
Longerich Peter S525 (106)

Juni 1940
MÜNCHEN 1998 in MARIO DEDERICHS
HEYDRICH Biografie S117 aus Peter Longerich POLITIK DER
VERNICHTUNG-Eine Gesamtdarstellung der
nationalsozialistischen Judenverfolgung
 

3 Juni zitiert aus dem Gerichtsurteil gegen Franz Rademacher
Lfd.Nr.673 es handelt sich hierbei um die Denkschrift
“Überblick über die neu aufzunehmenden,
vordringlichen Aufgaben des Referats D III”
QUELLE :UNIVERSITÄT VON AMSTERDAM vgl.Anatomie des SS Staates S604
es handelt sich hierbei um das Nürnbg.Dok. NG 5764

2/3 Juli DIE SICHT DES AUSWÄRTIGEN AMTES
Heinrich Himmler Biografie
Longerich Peter S525/107

15 August Der Madagaskarplan Hans Jansen Der Madagaskaplan S. 341ff  Es handelt sich um das Dokument NG-2586 – Wir danken auch NS Archiv de

August zitiert aus dem Gerichtsurteil gegen Franz Rademacher
Lfd.Nr.673 Vortragsnotiz vom 30.8.1940 QUELLE :UNIVERSITÄT VON AMSTERDAM

Shoaprtal Archiv -1940 – 25 Mai – Himmler – Einige Gedanken über die Fremdvölkischen im Osten –

etwa 25 MAI

Himmler

Himmlers Denkschrift – EINIGE GEDANKEN ÜBER DIE BEHANDLUNG DER FREMDVÖLKISCHEN IM OSTEN- die er Hitler nun vorlegt.

Himmler setzte  eine Denkschrift auf, die er Hitler persönlich etwa um den 25 Mai vorlegte, wie in Zukunft mit den “minderwertigen Volk” der Polen, und den Untermenschen den Juden zu verfahren sei. Himmler ist also gezwungen, auf Grund des Drucks aus Franks Verwaltungsapparat und dessen neuen Befugnissen sich um eine neue Möglichkeit zur “Lösung der Judenfrage” umzusehen. Die Konzentrierung der Juden konnte nun nicht mehr in Franks Reich dem Generalgouvernement durchgeführt werden. In diesem Sinn versucht man sich neu zu orientieren und so ist auch Himmlers Denkschrift zu verstehen. Der absehbare Sieg im Frankreich-Feldzug eröffnete neue Perspektiven vielleicht eine Lösung über die französischen Kolonien in Afrika zu erhalten.

“Den Begriff der Juden hoffe ich durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen……”

 In dem gesamten Text den Himmler Hitler vorlegte und der als “Geheime Reichssache” galt, geht es primär um die “Zerschlagung des gesamten Völkerbreis im Osten”. In der Einleitung des Textes erwähnt Himmler viele der Volksgruppen die im Laufe der Jahrhunderte in Polen zu siedeln begannen. Hier erwähnt er primär Ukrainer, Weißrussen, Goralen, Lemken und Kaschuben welche er als eigene Volksgruppen, neben den Polen und Juden anerkennt. Der Begriff der nichtdeutschen Bevölkerung bezieht sich also auf alle diese Volksgruppen außer der Juden selbst deren Frage er “durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung … auslöschen zu sehen wünscht.”

Der Plan sieht vor, wie aus dem weiteren Text hervorgeht, die Frage dieser Volksgruppen im Generalgouvernement zu lösen und zwar durch mehrere Maßnahmen. Neben der Aussiebung rassisch wertvoller Menschen, sieht man die Möglichkeit den für die nationalsozialistischen Rassehygieniker übrig bleibenden rassisch wertlosen „Restbestand“ durch gesellschaftspolitische Eingriffe so zu kontrollieren, dass jene als billige Arbeitssklaven eingesetzt dem Reich dienen sollten. Der Endzweck der rassischen Siebung besteht darin diesen Völkern ihr “deutsches” Blut zu entziehen was sie in den Augen der Nazis zu einem Sklavenvolk herabsinken lassen sollte, welches zu keinerlei höherer Kultur mehr fähig und so keine Gefahr für das Reich mehr darstellen konnte. Der Restbestand sollte dann die selben “… rassische und menschliche Art haben wie die Sorben und Wenden…” die er als die minderwertigsten Volksgruppen einstufte. Dies sollte, der in seinen Augen durchführbare Plan sein, das Generalgouvernement in Zukunft zu besiedeln, wohlgemerkt ohne Millionen Juden deren Frage er hier außerhalb des Generalgouvernements erkennt, da diese für die Rassenideologen nicht nur eine rassische sondern auch eine kulturelle wie auch politische Gefahr darstellten. Interessant ist, dass man für die Lösung dieser „völkischen Probleme“ explizit nicht die “bolschewistische Methode der Ausrottung” in Betracht zieht. Es sind Gedanken die uns verraten welches Schicksal man für slawische Völker reflektierte, diese hier zwar als „ungermanisch“ ablehnt, jedoch als eindeutigen Bestandteil rassischer Überlegungen preisgibt. Im Wesentlichen zeugt es jedoch von  Siedlungsvorstellungen in denen man das „Judenproblem“ vorerst als gelöst betrachtet. Ein weiterer zentraler Faktor der nach dem Scheitern der “Siedlungspläne” die Situation radikalisieren wird. Die zentrale Rolle des Judentums als Volksgruppe mit Millionen Menschen musste zu einer “Endlösung” gebracht werden. Vor allem mit der Judenfrage steht und fällt für die Nationalsozialisten, ihr Kernprogramm der Besiedelung des Ostens. Ein Umstand der jenen grundsätzlichen Hass noch verschärfen wird und dazu führte, dass man schlussendlich die “bolschewistischen Methode” der Ermordung als einzigen Ausweg erkannte.

Schon bald wird Himmler gegen seine inneren moralischen Widerstände ankämpfen, dies mehrmals betonen, um schlussendlich festzustellen doch keinen Schaden genommen zu haben, an der Entscheidung, Millionen von Menschen in den Tod zu schicken – Ja im “Großen und Ganzen” doch anständig geblieben zu sein, auch wenn dies einer der härtesten Fragen und Entscheidungen war die er jemals zu treffen hatte, wie er in seiner Posener Rede 1943 noch betonen wird. Die “Siedlungsprobleme” sind also unumgänglich mit der späteren Vernichtung der Juden verbunden. Dieser Plan der erbbiologischen “Auslese” der “Kolonie Polen” und deren kulturelle Indoktrinierung durch die Erziehung der begabtesten Polenkinder als Deutsche, also die Infiltrierung durch deutsche Kultur- hätte erst Jahrzehnte später einen Erfolg gehabt. Ein Plan der also auf den 1940 noch möglichen Kriegsgewinn und auf deutsche Herrschaft im Ostraum ausgerichtet war. Mit der beginnenden militärischen Ausweglosigkeit (ab Ende 41), beginnt man auch die Siedlungspläne neu einzuschätzen wobei das jüdische Volk als rassisch und charakterlich am “Minderwertigsten” eingestuft und für diesen Weltkrieg verantwortlich gemacht, zur systematischen Vernichtung freigegeben werden wird.

Es folgt der Originaltext der Denkschrift. Vorab noch eine kurze Erklärung zu diesem Dokument von Wilhelm Krausnick (1957!) :

„Die folgende, undatierte, im deutschen Originaltext zum ersten mal vollständig veröffentlichte Denkschrift des Reichsführers-SS Himmler (seit 7. 10. 39 auch „Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“) entstammt den Akten des Persönlichen Stabes des Reichsführer-SS und liegt dem Institut für Zeitgeschichte in Fotokopie vor. Das gleiche gilt für die vom 28. Mai 1940 datierte Aufzeichnung Himmlers, welche die Vorlage seiner Denkschrift bei Hitler vermerkt und die Prozedur für ihre vertrauliche Kenntnisgabe an einen begrenzten Kreis leitender Funktionäre des Regimes festlegt. Damit wird die ungefähre Datierung der Denkschrift selbst ermöglicht. Wilhelmstraßen-Prozeß eingeführt und umfassen  bzw. 2 1/2 Seiten. Sie sind unsigniert, am Kopf des vorliegenden Exemplars der Denkschrift befindet sich jedoch ein Ablagevermerk sowie eine Notiz über die Kenntnisnahme durch den Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Groß, von der Hand des damaligen Chefs des Persönlichen Stabes des Reichsführer-SS, Gruppenführer Wolff, mit dessen Namenszug.“

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(Stempel) Geheime Reichssache!1
EINIGE GEDANKEN ÜBER DIE BEHANDLUNG DER FREMDVÖLKISCHEN IM OSTEN
Bei der Behandlung der Fremdvölkischen im Osten müssen wir darauf sehen, soviel wie möglich einzelne Völkerschaften anzuerkennen und zu pflegen, also neben den Polen und Juden die Ukrainer, die Weißrussen, die Goralen, die Lemken und die Kaschuben. Wenn sonst noch irgendwo Volkssplitter zu finden sind, auch diese. Ich will damit sagen, daß wir nicht nur das größte Interesse daran haben, die Bevölkerung des Ostens nicht zu einen, sondern im Gegenteil in möglichst viele Teile und Splitter zu zergliedern. Aber auch innerhalb der Völkerschaften selbst haben wir nicht das Interesse, diese zu Einheit und Größe zu führen, ihnen vielleicht allmählich Nationalbewußtsein und nationale Kultur beizubringen, sondern sie in unzählige kleine Splitter und Partikel aufzulösen. Die Angehörigen aller dieser Völkerschaften, insbesondere der kleinen, wollen wir selbstverständlich in den Stellen von Polizeibeamten und Bürgermeistern verwenden. Spitzen in solchen Völkerschaften dürfen nur die Bürgermeister und die örtlichen Polizeibehörden sein; bei den Goralen2 die einzelnen, sich ohnedies schon befehdenden Häuptlinge und Sippenältesten. Eine Zusammenfassung nach oben darf es nicht ge- ben, denn nur dadurch, daß wir diesen ganzen Völkerbrei des Generalgouvernements von 15 Millionen und die 8 Millionen der Ostprovinzen auflösen, wird es uns möglich sein, die rassische Siebung durchzuführen, die das Fundament in unseren Erwägungen sein muß, die rassisch Wertvollen aus diesem Brei herauszufischen, nach Deutschland zu tun, um sie dort zu assimilieren. Schon in ganz wenigen Jahren — ich stelle mir vor, in 4 bis 5 Jahren — muß beispielsweise der Begriff der Kaschuben unbekannt sein, da es dann ein kaschubisches Volk nicht mehr gibt (das trifft besonders auch für die Westpreußen zu). Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen. Es muß in einer etwas längeren Zeit auch möglich sein, in unserem Gebiet die Volksbegriffe der Ukrainer, Goralen und Lemken verschwinden zu lassen. Dasselbe, was für diese Splittervölker gesagt ist, gilt in dem entsprechend größeren Rahmen für die Polen. Eine grundsätzliche Frage bei der Lösung aller dieser Probleme ist die Schulfrage und damit die Frage der Sichtung und Siebung der Jugend. Für die nichtdeutsche Bevölkerung des Ostens darf es keine höhere Schule geben als die vierklassige Volksschule. Das Ziel dieser Volksschule hat lediglich zu sein: Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein und ehrlich, fleißig und brav zu sein. Lesen halte ich nicht für erforderlich. Außer dieser Schule darf es im Osten überhaupt keine Schulen geben. Eltern, die ihren Kindern von vorneherein eine bessere Schulbildung sowohl in der Volksschule als später auch an einer höheren Schule vermitteln wollen, müssen dazu einen Antrag bei den Höheren SS- und Polizeiführern stellen. Der Antrag wird in erster Linie danach entschieden, ob das Kind rassisch tadellos und unseren Bedingungen entsprechend ist. Erkennen wir ein solches Kind als unser Blut an, so wird den Eltern eröffnet, daß das Kind auf eine Schule nach Deutschland kommt und für Dauer in Deutschland bleibt. So grausam und tragisch jeder einzelne Fall sein mag, so ist diese Methode, wenn man die bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich ablehnt, doch die mildeste und beste. Die Eltern dieser Kinder guten Blutes werden vor die Wahl gestellt, entweder das Kind herzugeben — sie werden dann wahrscheinlich keine weiteren Kinder mehr erzeugen, so daß die Gefahr, daß dieses Untermenschenvolk des Ostens durch solche Menschen guten Blutes eine für uns gefährliche, da ebenbürtige Führerschicht erhält, erlischt —, oder die Eltern verpflichten sich, nach Deutschland zu gehen und dort loyale Staatsbürger zu werden. Eine starke Handhabe, die man ihnen gegenüber hat, ist die Liebe zu ihrem Kind, dessen Zukunft und dessen Ausbildung von der Loyalität der Eltern abhängt. Abgesehen von der Prüfung der Gesuche, die die Eltern um eine bessere Schulbildung stellen, erfolgt jährlich insgesamt bei allen 6-10 Jährigen eine Siebung aller Kinder des Generalgouvernements nach blutlich Wertvollen und Nichtwertvollen.
Die als wertvoll Ausgesiebten werden in der gleichen Weise behandelt wie die Kinder, die auf Grund des genehmigten Gesuches ihrer Eltern zugelassen wurden. Als gefühls- und verstandesmäßig selbstverständlich erachte ich es, daß die Kinder und die Eltern in dem Augenblick, wo sie nach Deutschland kommen, in den Schulen und im Leben nicht wie Aussätzige behandelt werden, sondern nach Änderung ihres Namens in das deutsche Leben — bei aller Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, die man ihnen widmen muß, - vertrauensvoll eingebaut werden. Es darf nicht so sein, daß die Kinder sich wie ausgestoßen fühlen, denn wir glauben doch an dieses unser eigenes Blut, das durch die Irrtümer deutscher Geschichte in eine fremde Nationalität hineingeflossen ist, und sind überzeugt, daß unsere Weltanschauung und unsere Ideale in der rassisch gleichen Seele dieser Kinder Widerhall finden werden. Hier muß aber dann vor allem von den Lehrern und von den Führern in der HJ. ein ganzer Strich gezogen werden, und es darf niemals wie in der Vergangenheit bei den Elsaß-Loth- ringern der Fehler gemacht werden, daß man einesteils die Menschen als Deutsche gewinnen will und sie anderenteils bei jeder Gelegenheit durch Mißtrauen und Be- schimpfung in ihrem menschlichen Wert, Stolz und Ehrgefühl kränkt und abstößt. Beschimpfungen wie „Polacke" oder „Ukrainer" oder ähnliches müssen unmöglich sein. Die Erziehung hat in einer Vorschule zu erfolgen, nach deren 4 Klassen man dann entscheiden kann, ob man die Kinder weiter in die deutsche Volksschule gehen läßt oder ob man sie einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt zuführt. Die Bevölkerung des Generalgouvernements setzt sich dann zwangsläufig nach einer konsequenten Durchführung dieser Maßnahmen im Laufe der nächsten zehn Jahre aus einer verbleibenden minderwertigen Bevölkerung, die noch durch abgeschobene Bevölkerung der Ostprovinzen sowie all der Teile des deutschen Reiches, die dieselbe rassische und menschliche Art haben (Teile, z. B. der Sorben und Wenden),3 zusammen. Diese Bevölkerung wird als führerloses Arbeitsvolk zur Verfügung stehen und Deutschland jährlich Wanderarbeiter und Arbeiter für besondere Arbeitsvorkommen (Straßen, Steinbrüche, Bauten), stellen, sie wird selbst dabei mehr zu essen und zu leben haben als unter der polnischen Herrschaft und bei eigener Kulturlosigkeit unter der strengen, konsequenten und gerechten Leitung des deutschen Volkes berufen sein, an dessen ewigen Kulturtaten und Bauwerken mitzuarbeiten und diese, was die Menge der groben Arbeit anlangt, vielleicht erst ermöglichen. So im Original. Zu ergänzen etwa: „vermehrt werfen wird".

Quellen:

zitiert nach Helmut Krausnick Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte Institut für Zeitgeschichte München 1957 Heft 2 PDF Originalscan

1) Links neben dem Stempel handschriftl. Vermerk: „Dr. Groß Rassenpolit. Amt Kennt- nis gegeben 29. XI. 40 Wolff.“ Über bzw. rechts neben dem Stempel: „Abl.-X b – 15″.

2) Im Original Tippfehler: „Gorlahn“.

3) So im Original. Zu ergänzen etwa: „vermehrt werfen wird“.

4 Mai Höß Kommandant von Auschwitz

4 MAI

Höss wird zum Kommandanten von Auschwitz ernannt.

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(Quelle Auschwitz.org Museum Auschwitz Birkenau) Warntafel des Konzentrationslagers mit der Aufschrift „Lagerbereich KL Auschwitz. Betreten des Geländes verboten ! Es wird sofort geschossen !“

Höß vor Gericht

Höß 1947 in Krakau vor einem polnischen Gericht. Zu dieser Zeit schrieb er auch seine Autobiografie

„Als nun die Einrichtung Auschwitz akut wurde, brauchte man bei der Inspektion nicht lange nach einem Kommandanten zu suchen, Loritz konnte  mich loswerden, um einen Schutzhaftlagerführer zu bekommen, der besser zu ihm passte : Es war Suhren, der spätere Kommandant von Ravensbrück, der bei Loritz in der Allgemeinen SS Adjutant war. – So wurde ich Kommandant des neu zu errichtenden Quarantänelagers Auschwitz. Das war weit ab das lag da hinten bei Polen. Dort konnte der unbequeme Höß seine Arbeitswut nach Herzenslust austoben. Das war die Meinung Glüchs, des Inspekteurs  KL. Unter diesen Vorzeichen trat ich in meine neue Aufgabe. Ich selbst hatte nie damit gerechnet , so schnell zum Kommandanten aufzurücken, zu mal noch einige ganz alte Schutzhaftlagerführer längst schon auf eine freiwerdende Kommandanten – Stelle warteten. Und die Aufgabe war nicht leicht. Ich sollte in kürzester Frist aus dem bestehenden, zwar gebäudemäßig gut erhaltenen, aber vollständig verwahrlosten und von Ungeziefer wimmelnden Komplex ein Durchgangslager für 10 000 Häftlinge schaffen. In hygienischer Hinsicht fehlte praktisch alles. In Oranienburg wurde mir schon mit auf den Weg gegeben , daß ich nicht viel Hilfe erwarten könne, ich müsse sehen, daß ich mich möglichst selbst behelfe. [ …]“

[…] Wenn ich von den Häftingen gute und brauchbare Arbeitsleistungen erwarten wollte, so mußten diese – entgegen der in den KL allgemein üblichen Art- besser behandelt werden [ …] Doch schon in den ersten Monaten, ja ich kann sagen in den ersten Wochen, wurde ich bitter gewahr, daß alles gute Wollen, allle besten Absichten zerschellen mußten an der menschlichen Unzulänglichkeit und Verbohrtheit  des großen Teiles der mir zugeteilten Führer und Männer.  […] Bei den „Alten“ steckte die Jahre lange Schulung durch Eicke , Koch,  Loritz so tief , war so in Fleisch und Blut übergegangen, daß selbst die Gutmütigsten einfach nicht mehr anders handeln konnten. […]1  So war auch das ganze Gerippe für den inneren Aufbau des Häftlingslagers  von vorherein ein Fehlschlag. Es wurden von vornherein Maximen großgezogen, die sich später unheimlich böse auswirken sollten. […]2  Es kam Ende November  1940 zu der ersten Meldung beim RFSS [Reichsführer SS Himmler] und der befohlenen Erweiterung des Gesamtlagebereichs. Dachte ich schon, mit dem  Auf-  und Ausbau des eigentlichen Lagers  übergenug an Beschäftigung zu haben , durch die erste Berichterstattung  war aber erst der Anfang ausgelöst, der Anfang zu einer nicht mehr abreißenden Kette von immer neuen Aufträgen, immer wieder neuen Planungen.  […]3 Mein erster mündlicher Bericht bei Himmler über Auschwitz mit Sturmbannführer Vogel vom WV [spätere Wirtschafts Verwaltungs Haupt Amt]. Ich schilderte ausführlich und alle Mißstände kraß darstellend, die zu der Zeit wohl empfindlich waren, aber gering zu den katastrophalen Zuständen der späteren Jahre.4

Auf Grund späterer Aussagen des Wachpersonals als auch der Häftlinge wissen wir, dass Höss nicht nur korrupt war und deswegen 1943 in den Innendienst des Konzentrationslagerwesens versetzt wurde, sondern auch durch bestimmte Strukturen die Korruption förderte. Höß hatte zumeist kriminelle Häftlinge als Kapos eingesetzt, weiters ein Spitzelsystem im Lager Auschwitz etabliert, welches eine hohe Gewaltmoral förderte und Korruption und Mord das Tor geöffnet hatte. Dies brachte schlussendlich unkontrollierbare Auswirkungen auf das ganze Lagersystem. Erst mit Liebehenschel 1943 sollte sich die Situation zumindest im Stammlager Auschwitz I etwas verbessern. Er entfernte alle Spitzel aus dem Lagerwesen und versuchte die Selektionen innerhalb des Lagers in  die Gaskammern zu minimieren und für eine bessere Grundstimmung zu sorgen, was nach Aussagen vieler Häftlinge zum ersten mal dazu führte, dass man eine Möglichkeit sah dieses Lager zu überleben. Doch genau dies sollte für Liebehenschel zu Schwierigkeiten führen. Als man ihn 1944 ablöste musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht hart sowie durchsetzungsfähig genug (im Sinne nationalsozialistischer Vernichtungspolitik)  gewesen zu sein.

Quellen:

1) oberer Absatz Kommandant von Auschwitz s133,134,135 – Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß Herausgegeben von Martin Broszat

2) unterer Absatz Kommandant von Auschwitz  1. S136 2. S137/38 3. S142 4.S268 / 269 Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß Herausgegeben von Martin Broszat – Anmerkung: Höß ist natürlich bemüht bei seinen autobiografischen Aufzeichnungen sich selbst besser darzustellen, nichts täuscht hingegen darüber hinweg dass er auf Befehl hunderttausende Menschen dem Tod übergab. Seine Auseinandersetzungen mit korrupten bösartigen Schutzhaftlagerführern  Rapportführern wie Palitzsch, Fritzsch, usw usw sowie diversen Häftlingsfunktionären  sind jedoch anscheinend ganz gut belegt und nachweisbar. Auschwitz war zum großen Teil wie viele KZ eine sich selbst verwaltende korrupte Gefängnismaschinerie in denen viele Häftlinge ebenso mächtig wie bösartig und gefährlich wie viele SS Männer waren.

3) Zu Liebehenschel siehe zb Aussagen Hermann Langbeins im Frankfurter Auschwitz Prozess- Auschwitz de – Fritz Bauer Institut oder Shoaportal Archiv

1 Mai 1940 Litzmannstadt „Lodz“

1 Mai Lodz

Chaim Rumkowski Vorsitzender des Ältestenrates im Ghetto Lodz. Bis heute eine umstrittene Persönlichkeit, umzingelt von höchsten Naziführern – Im Auto, Heinrich Himmler Reichsführer SS persönlich, der am 6 Juni 1941 das Ghetto besuchte und hierbei die Produktionsanlagen der Wehrmacht besichtigte.

Der Umsiedelungsbefehl an die jüdischen Bewohner in Lodz erging im Februar 40. Zugewiesen wurde ihnen die heruntergekommensten Viertel. Das Ghetto  umfasste bald die Bezirke Baluty, Stare, Miasto (Altstadt) und Marysin. Man zwang schlussendlich 163 000 jüdische Bewohner, in diesem kleinen Stadtteil zu leben (wobei die Zahlen selbst in der Stadt Lodz viel höher blieben). Rundherum wurde ein Niemandsland angelegt. Die jüdischen Menschen auf engsten Raum zusammengepfercht. Die Statistiken der Chronik des Ghettos geben uns hierüber Aufschluss- 613 Wohnungen mit Kanalisation, mit Wasserleitung und Kanalisation 382, mit Toilette 294, mit Toilette Kanalisation und Bad 49, ohne alles 30 624. Schon im Jänner 1940 hatte man auch eine Einwandererstelle für “Volksdeutsche” gegründet, das RUSHA (Rasse und Siedlungs- Hauptamt) hatte dazu Experten abgestellt welche  “Zuwanderer” für die neuen Gebiete des Ostens  und Lodz auf ihre rassische Tauglichkeit prüfen sollten. So kommt es auch, dass diese Stadt relativ schnell von tausenden Volksdeutschen besiedelt wurde, worauf man nun am 30 April den Befehl gegeben hatte alle nicht jüdischen Menschen hätten die bestimmten Bezirke zu verlassen in denen man das Ghetto errichten wollte. Dann begann man diese Gebiete systematisch abzuriegeln. Durch ethnische Umsiedlungen und weitere Deportationen in das Ghetto wurden die Grenzen des Ghettos immer wieder revidiert. Das “Problem” des Platzmangels der Lebensmittelversorgung, der Versorgung mit Medikamenten, Brennmaterial, sollte im Ghetto von Lodz schon bald wie im gesamten Lebensraum Ost unlösbar erscheinen. Die Tatsache, dass man den Warthegau als deutschen Siedlungsraum betrachtete, und in Lodz ein Umsiedlungszentrum errichtete wird dazu führen, dass hier die radikalste aller “Endlösungen” der Judenfrage eingeleitet wird ( wie auch Lublin welches ebenfalls jedoch im Generalgouvernement als Volksdeutsches Zenrum agieren sollte). Hierbei wird die kleine Stadt Chelmno (Kulmhof) in den Mittelpunkt der Geschehnisse treten in der man 1941 die ersten umfangreichen Gasmorde organisierte. Für die Deportationswege, der auszusiedelnden “minderwertigen Rassen” der Polen und Juden soweit dies noch möglich war hatte man in Posen ebenfalls eine “Zentralstelle für Auswanderung” aus diesem deutschen Lebensraum geschaffen kurz UWZ (Umwandererzentrale).

Polen, Ghetto Litzmannstadt, Torposten

1941 Zugang ins Ghetto mit Warntafel – „Wohngebiet der Juden betreten verboten“ (Quelle: Bundesarchiv Berlin)

In Baluty und Umgebung versucht man die nächsten Monate ein geregeltes Leben aufzunehmen. Unter dem Vorsitzenden Chaim Rumkowskis beginnt man ein Arbeitsamt, Krankenstation, ein Rumkowski- Gymnasium, Waisenhaus, eine kleine Stadt in einer Stadt einzurichten. Vorerst gibt es jedoch wenig Arbeit in diesem Ghetto die Kriminalität ist hoch. Doch schon zu Beginn steht fest wer Arbeit und Beziehung hat kann überleben. Die Möglichkeiten durch eine “Kanalisation” wie im Ghetto Warschau mit der Aussenwelt Schleichhandel zu betreiben, ist in Lodz nicht gegeben. Dies wird das Überleben der jüdischen Menschen in diesem Ghetto erschweren.

Quellen:

1) zu Himmlers Besuch am 6. Juni.1941 in Lodz siehe Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S273

2)1 MAI LODZ aus Saul Friedländer Jahre der Vernichtung S130 zu Zahlen Fakten und Abriegelun zitierte er THE CHRONICL OF THE LODZ GHETTO LUCJAN DOBROSZYCKI NEW HAVEN 1984 –

 

3) zu den Volksdeutschen Ansiedlern siehe Peter Longerich Heinrich Himmler Biografie S468 wobei Longerich – Heinemann “Rasse” zitierte.